Fanfic: Linn
hemmungslos zu schluchzen.
„Es hat keinen Sinn. Auch zusammen haben sie keine Chance gegen Naraku. Sango und Miroku sind tot. Es ist alles aus...“, brachte sie unter Tränen hervor. Linn nahm sie in die Arme und strich ihr übers Haar doch dabei überlegte sie fieberhaft. Es war nur eine Idee, aber vielleicht war das ihre letzte Chance. Sie schob Kagome sanft von sich, lächelte sie ein letztes Mal an und rannte dann so schnell sie konnte los.
„Linn!!! Nein!!!!!“, riefen Kagome und Shippo wie aus einem Munde, aber Linn beachtete ihre Rufe nicht sondern lief weiter. Mit wenigen Sätzen war sie auf dem Schlachtfeld angekommen, wo Inu Yasha und Sesshoumaru immer noch tapfer versuchten sich gegen die Armee von Fangarmen zu behaupten.
„Linn, verschwinde!!“, keuchte Inu Yasha wütend als seine Schwester plötzlich neben ihm stand und schubste sie beiseite.
„Nein! Hört mir zu!“, sagte sie bestimmt und wich geschickt einer heranrasenden Tentakel aus. „Ihr müsst eure Kräfte vereinen. Nur so habt ihr eine Chance Naraku zu besiegen.“
„Was denkst du was wir hier machen?“, fauchte Sesshoumaru während ihm beim Sprechen Blut in den Mund lief.
„Ich meine die Kraft eurer Schwerter. Tessaiga und Tensaiga sind doch Zwillingsschwerter. Wenn ihr ihre Kräfte bündelt, könnt ihr gewinnen!“, rief sie.
„Das ist doch absurd. Woher weißt du das? Arrgh...“ Mitten im Satz wurde jetzt auch Inu Yasha von einem Fangarm gepackt und beinah in den Nebel gezogen, doch er schaffte es gerade noch rechtzeitig sich mit Hilfe seiner scharfen Krallen zu befreien.
„Es ist nur eine Vermutung, aber es ist doch einen Versuch wert. Mehr als schief gehen kann es ja nicht und schlimmer als jetzt kann es auch nicht werden. Ich kümmere mich um diese verdammten Tentakeln und verschaffe euch damit ein bisschen Zeit und dann seid ihr dran. Beeilt euch!!“, rief Linn den beiden zu und machte sich sofort ans Werk. Sie hatte ihre Kräfte in den letzten Wochen ausgiebig trainieren können und krallte sich gleich an einem der Fangarme fest und biss ihn durch.
Inu Yasha und Sesshoumaru blickten erst Linn und dann sich gegenseitig skeptisch an, doch in dieser Situation blieb ihnen wirklich keine Zeit zum diskutieren. So sehr es ihnen auch widerstrebte zusammenzuarbeiten, nickten sie sich nun stumm zu und zogen beide ihre Schwerter.
Inu Yasha versuchte sich zu konzentrieren auch wenn ihm das Gift, das sich immer weiter in seinem Körper ausbreitete, dies nicht leicht machte. Er musste die Windnarbe finden und sie gleich beim ersten Versuch genau treffen sonst war alles umsonst. Er spürte die ungeheure Energie, die von dem schwarzen Nebel ausging, aber er fühlte auch die Energie, die ihn selbst umgab. Es kostete ihn viel Kraft seine Konzentration beizubehalten und der Schweiß rann ihm über die Stirn, aber dann sah er sie. Er konnte die Windnarbe ganz deutlich erkennen.
Auch Sesshoumaru hatte seine Probleme. Tensaiga lag kühl in seiner Hand, doch hatte er auch die Kontrolle darüber? Er hatte sich nie mit dieser unnützen Klinge anfreunden können und hatte sie auch erst einmal an seinem Versuchskaninchen Jaken getestet, nachdem er ihn vorher zu diesem Zweck umgebracht hatte. Damals hatte es funktioniert, aber das hier war etwas anderes. Er wollte Naraku nicht wieder zum Leben erwecken. Dieser Mistkerl war im Moment viel lebendiger als ihm lieb war. Das Ganze war eine totale Schnapsidee! Doch was sollten sie sonst tun? Sie hatten wirklich keine große Auswahl an Möglichkeiten mehr übrig.
Sesshoumaru schloss die Augen und versuchte seinen Geist zu befreien, doch es wollte ihm einfach nicht gelingen. Verschwommene Bilder der Vergangenheit stiegen in ihm hoch und lähmten ihn. Aber dann hörte er wieder die Melodie, die ihn auch hierher gebracht hatte. Erst vernahm er nur einzelne Töne, doch langsam fügten sie sich zu einem Ganzen zusammen und ihm war als würden die Bilder in seinem Kopf immer mehr verblassen, bis sie schließlich alle wie weggewischt waren und sein Geist nun völlig klar war. Und jetzt konnte er sie deutlich erkennen- die Wesen der Unterwelt. Es waren Hunderte und alle krallten sich an den Rand der schwarzen Nebelwolke und starrten ihn mit ihren leeren Augen an. Jetzt war er bereit sich ihnen zu stellen.
Die Zeit schien endlos langsam zu vergehen und Linn spürte wie sich ihre Kräfte immer mehr dem Ende neigten. Die Flut von Fangarmen, die nach ihr schlugen und versuchten sie zu packen, nahm kein Ende. Ihr ganzer Körper war bereits mit Schnittwunden übersäht und sie rang nach Luft. Wenn sie doch auch nur so ein Schwert wie ihre Brüder besäße! Plötzlich fragte sie sich warum ihr Vater ihr nicht auch ein Schwert hinterlassen hatte. Hatte er es für Verschwendung gehalten einem Mädchen eine so kraftvolle Waffe zu geben? Hatte er ihre Brüder mehr geliebt als sie?? Wie seltsam, dass ihr das gerade jetzt auffiel. Hatte Naraku vielleicht ihre Gedanken manipuliert? Denn genau diese kleine Unaufmerksamkeit nutzte er jetzt aus. Ein besonders kräftiger Fangarm schoss aus dem Nebel und erwischte Linn hart von rechts. Sie spürte das Brechen einiger Knochen in ihrem Körper und wurde dann ruckartig zur Seite geschleudert. Bevor sie ohnmächtig wurde, sah sie noch wie Tessaiga und Tensaiga zu glühen begannen.
Beide Brüder öffneten gleichzeitig die Augen und sahen sich an. Es war als wären sie in diesem Moment im Geiste miteinander verschmolzen. Sie spürten eine gemeinsame Kraft in sich, die stärker war als alles was sie bis jetzt erlebt hatten. Ihre beiden Schwerter hatten zu glühen begonnen. Tessaiga in einem funkelnden Rot und Tensaiga in einem tiefen Blau. In einer gleichen Bewegung wendeten sie sich dem Nebel zu und sahen wie Linn von einer der Tentakeln zur Seite geschleudert wurde. Der Weg war jetzt frei.
Wie von einer fremden Kraft geführt, hoben beide ihre Klingen und ließen sie dann mit einer ungeheuren Wucht in den Boden einschlagen. Beide Energiewellen schnellten wie Blitze aus den Schwertspitzen und verbanden sich zu einem farbigen Wirbel, der auf den Nebel zuraste und sich dabei immer schneller zu drehen begann. Als er schließlich in sein Ziel einschlug, kam es zu einer gewaltigen Explosion, die den Himmel erhellte und deren Druckwelle mit einer enormen Wucht über die gesamte Umgebung hinwegfegte. Inu Yasha und Sesshoumaru wurden nach hinten geschleudert und blieben völlig geblendet liegen. Das letzte was sie von Naraku hörten war ein schmerzverzerrter Schrei, der aber genau wie das grelle Licht langsam verebbte.
Es war endlich vorbei.