Fanfic: Linn

Kapitel: Geschwister

Kapitel 5
Und wieder war die Gruppe gezwungen eine Pause einzulegen. Inu Yasha hatte zwar gemault, dass seine Verletzungen nicht so schlimm wären und sie ruhig weitergehen könnten, aber Kagome hatte darauf bestanden, dass er sich wenigstens einen Tag ausruhen sollte. Linn konnte ihr dabei nur zustimmen. Ihr Bruder schien wirklich ein zäher Bursche zu sein, aber auch ihm würde es gut tun seine Kraftreserven etwas aufzuladen. Außerdem fühlte sie sich auf eine Art mitschuldig an seinen Wunden. Hätte Inu Yasha nicht auf sie aufpassen wollen, wäre es vielleicht nie so weit gekommen. Vielleicht hatte er Recht gehabt, als er sie nicht dabei haben wollte... Sie sah zu ihrem Bruder hinüber, dem Kagome gerade den Verband wechselte. Die beiden schienen sich wirklich gut zu verstehen, auch wenn Inu Yasha das bestimmt nie zugeben würde. Linn hatte sich auch schon immer solche Freunde gewünscht. Früher war sie sich oft einsam vorgekommen. Ihre Kindheit im Menschendorf war zwar friedlich und gut behütet gewesen, aber sie hatte doch immer gewusst, dass sie eigentlich nicht dort hin gehörte. Das war auch der Grund gewesen, warum sie das Dorf eines Tages verlassen hatte um etwas über ihre Vergangenheit zu erfahren. Und nach langer Suche hatte sie nun endlich einen Teil ihrer Vergangenheit gefunden: ihren großen Bruder. Aber das war ja nicht das Einzige, was sie entdeckt hatte. Allem Anschein nach hatte sie noch einen Bruder, der ihr allerdings weitaus unsympathischer war. Das alles hatte sie völlig durcheinander gebracht. Vielleicht sollte sie mit Inu Yasha über diesen Sesshoumaru reden, aber er schien nicht gerne über ihn zu sprechen. Die beiden schienen Feinde zu sein. „Sei’s drum!“, dachte Linn und ging hinüber zu Inu Yasha und Kagome. „Wie geht’s dir, großer Bruder?“, fragte sie freundlich und setzte sich neben ihn. „Der Patient hat schlechte Laune.“, stichelte Kagome worauf Inu Yasha sie beleidigt anbrummte. „Vielleicht kannst du ihn ja etwas aufheitern. Ich kümmere mich dann mal ums Abendessen.“, sagte Kagome und entfernte sich langsam. „Ich kann verstehen, dass du genervt bist. Ich hätte auf dich hören sollen und euch nicht begleiten sollen. Ich hab euch nur Ärger gemacht.“, sagte Linn leise. Inu Yasha sah sie ernst an und sagte dann: „Das war nicht deine Schuld. Mit Sesshoumaru gibt es immer nur Ärger. Ehrlich gesagt bin ich sogar froh, dass du noch bei uns bist. Ich fange gerade an mich an dich zu gewöhnen.“ –„Wirklich?“, juchzte Linn und schmiegte sich an ihn. „Du bist ein super Bruder!“, lachte sie und rieb ihre Nase an seiner Wange. Inu Yasha war überrascht über ihre Geste. Das hatte bis jetzt noch keiner bei ihm gemacht, aber es war ihm auch nicht unangenehm. Im Gegenteil. Vielleicht war das Dämoneninstinkt... Ob er sich jemals trauen würde so was bei Kagome zu versuchen?? Nein, so was bescheuertes!! Aber bei Linn fiel es ihm irgendwie leichter Gefühle zu zeigen. Zwischen Geschwistern schien das wohl etwas anderes zu sein. Obwohl es auch da Ausnahmen gab. Man stelle sich die selbe Situation mal mit Sesshoumaru vor...
Auch Miroku, der in der Nähe unter einem Baum saß, hatte das Verhalten der beiden Geschwister beobachtet. „Warum macht sie so was nicht bei mir?“, grübelte er missmutig. „Aber warum sollte ich auf Inu Yasha eifersüchtig sein? Er ist schließlich nur ihr Bruder und außerdem hat er ja Kagome. Trotzdem scheint sie überhaupt nicht an mir interessiert zu sein. Vielleicht sollte ich meine Annäherungsversuche noch verstärken. Wahrscheinlich hat sie noch gar nicht gemerkt, dass sie mir gefällt. Ja, das muss es sein!!“, überlegte er und war mit diesem Ergebnis sehr zufrieden. Dann widmete er sich wieder seinen Plänen, mit denen er Linn für sich gewinnen wollte.
„Hör mal, Inu Yasha, ich kann mir denken, dass du nicht gerne über diesen Sesshoumaru sprichst, aber dieses Zusammentreffen mit ihm hat mich völlig verwirrt. Wer ist er und warum könnt ihr euch nicht ausstehen??“, fragte Linn ihren Bruder nachdem sie erstaunt ihren Blick von Miroku abgewendet hatte, der sie schon die ganze Zeit so seltsam anzustarren schien. Inu Yasha, der gerade noch mit ihr herumgealbert hatte, wendete jetzt stur den Kopf ab. „Du hast Recht, darüber will ich wirklich nicht reden!“, zischte er. „Aber er ist schließlich auch mein Bruder, auch wenn das wahrscheinlich kein Grund ist stolz zu sein!“, ereiferte sich Linn und knuffte ihn ungeduldig in die Rippen. „Erzähl schon!!“, bettelte sie. „Ach, ich hätte nicht gedacht, dass Schwestern so nervig sein können.“, brummte Inu Yasha mit gespieltem Unwillen, doch dann begann er zu erzählen: „Sesshoumaru ist nicht mein richtiger Bruder sondern nur mein Halbbruder und er ist im Gegensatz zu mir ein vollwertiger Dämon. Das bringt ihn dazu zu behaupten ich wäre nur ein räudiger Mischling, der nichts in der Familie eines so mächtigen Dämons wie unserem Vater zu suchen hätte. Er ist ein arroganter Schnösel, der es einfach nicht verkraften kann, das mein Vater ihn nicht mehr geliebt hat als mich. Außerdem ist er heimtückisch und bösartig!“ – „Also will er dich aus Neid fertig machen?“, unterbrach ihn Linn. „Erstens das und zweites will er verhindern, dass ich das Juwel der Vier Seelen zuerst finde. Denn dann würde ich auch ein vollwertiger Dämon werden und könnte ihn ein für alles mal besiegen!“, erwiderte Inu Yasha. Linn blieb einen Moment lang still und überlegte. „Ich würde euch wirklich gerne helfen nach dem Juwel zu suchen, aber ich bin mir nicht mehr sicher, ob das eine so gute Idee ist. Vielleicht falle ich euch mehr zu Last als das ich nützlich bin.“, sagte sie dann. „Am Anfang hab ich das auch geglaubt. Ich hatte Angst dir könnte was passieren und dann wäre es allein meine Schuld gewesen, aber du hast gezeigt, dass du dich schon ziemlich gut verteidigen kannst. Diesen Schlangendämon hast du sauber zerteilt und der gute Sesshoumaru hat jetzt auch ein schönes Andenken an dich.“, grinste Inu Yasha hämisch. „Ich als dein Bruder möchte nicht, dass du uns so bald verlässt und den anderen geht es sicher genauso. Schau dir nur mal Miroku an. Der glotzt dich schon seit Tagen so komisch an. Ich kenne diesen Blick. Der will was von dir. Aber das soll er nur versuchen. Dann mach ich Kleinholz aus ihm!!“, knurrte Inu Yasha und warf dem Mönch einen vernichtenden Blick zu. „Hey, lass das. Miroku war bis jetzt immer sehr nett und höflich mir gegenüber. Ich glaube du schätzt ihn ganz falsch ein.“, rügte ihn Linn mit einem Lächeln. „Ach was! Du hast ihn nur noch nicht in Aktion gesehen. Erst macht er einen auf Kavalier um dich einzuwickeln doch dann zeigt er sein wahres Gesicht und ehe du dich versiehst, hat er seine Flossen auf deinem Hintern. Das hab ich schon oft genug erlebt. Die Tour zieht er bei allem ab, was einen Rock trägt und nicht bei drei auf den Bäumen ist! Aber diesmal nicht, Freundchen. Dafür werde ich schon sorgen!!“, bellte Inu Yasha und trommelte sich kämpferisch auf die Brust. Miroku, der nur den letzten Satz mitgekriegt hatte, sah ihn verwundert an, stand dann auf und gesellte sich zu Kiara, die neben Kagome am Feuer lag, und kraulte sie sanft hinter den Ohren. Linn beobachtet ihn dabei. „Das lass mal meine Sorge sein, Bruderherz...“, dachte sie und grinste in sich hinein.