Fanfic: Nur ein Lächeln (B+V) Teil 13
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„Warum?“, rang Bulma die Hände, „Warum hast du das getan? Ein Blindenstock hätte es dir doch leichter gemacht, nicht über Hindernisse zu stolpern.“ Sie zitterte am ganzen Körper. Vegeta runzelte die Stirn, da ihm das Aufflammen ihrer Aura nicht entging. „Ich war ... so froh ...“ Sie ging hinüber und hob die beiden Teile des Metallstabes auf. „.. so froh, etwas gefunden zu haben, das dir nützt ... ich bin ja kein Arzt, ich kann dir sonst nichts geben ... dir nicht helfen...“ Die Tränen kamen ungewollt. Sie hatte ja eigentlich keine Zeit zum Heulen und er war es auch gar nicht wert. Den Hintern sollte man ihm versohlen, und ihn dann in einen Ameisenhaufen setzen. Die beiden Hälften des Stabes an sich gedrückt, stand Bulma wie erstarrt da und ließ den Tränen ihren Lauf. Wenn sie still war, würde er es nicht hören, nicht merken, wie weh es ihr tat, wenn er so gedankenlos um sich schlug mit Worten und Taten.
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Vegeta machte drei Schritte auf sie zu und verharrte. Sie weinte. Er konnte es hören an der Art wie sie atmete, spüren an der Art wie ihre Aura flackerte. Es machte ihn betroffen, dass sie es vor ihm geheim zu halten versuchte, dass sie ihm nicht einfach die Teile des Stabes an den Kopf warf und ihm mit ihren Krallen ins Gesicht fuhr.
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Zwei weitere Schritte und er stieß mit der Fußspitze an die Decke, die er beim Aufstehen vom Bett geworfen hatte. Irritiert versuchte er darüber zu steigen, verhedderte sich aber und ruderte mit den Armen, um das Gleichgewicht zu bewahren.
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„Vegeta!“ Mit einem Sprung war sie an seiner Seite und fing ihn auf. „Ist alles in Ordnung?“
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Statt einer Antwort tastete er nach ihrem Gesicht, strich mit dem Daumen die feuchte Tränenspur weg. „Ich bin ein Idiot, nicht wahr?“, fragte er heiser.
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Sie rührte sich nicht, gebannt durch die Unsicherheit in seiner Stimme und den fragenden Unterton.
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„Das ist nichts neues“, brach aus ihr hervor „Warum musst du dich stets wie ein Elefant im Porzellanladen benehmen?“
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„Wir Saiyans reagieren eben meist bevor wir nachdenken“, die Erklärung klang selbst in seinen Ohren etwas lahm, also versuchte er den Grund für seine Wut in Worte zu kleiden. „Wenn ich wie ein hilfloser Invalider behandelt werde, fühle ich mich auch so und das macht mich wütend“
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„Soll das eine Entschuldigung sein?“ Sie suchte in seinen blinden Augen nach einem Hinweis, doch sie blieben starr auf einen Fleck seitlich ihres Kopfes gerichtet. „Ich mich bei dir entschuldigen? Wo denkst du hin?“ Er lachte, aber sein Lachen klang nicht so überheblich wie sonst, sondern eher verunsichert. „Du solltest mich besser kennen, als das von mir zu erwarten.“
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Er machte einen weiteren Schritt und schob sie ein Stück zurück. Nun rutschte sie aus, und mit einem erschrockenen Ausruf fiel sie rücklings aufs Bett. Vegeta stolperte ihr nach und fiel auf sie, wobei sich sein Ellbogen in ihren Handrücken bohrte. Sie sog scharf die Luft ein und konnte ein schmerzerfülltes Wimmern nicht unterdrücken. Sogleich rollte er von ihr. „Sorry, das wollte ich nicht.“ Das echte Bedauern in seiner Stimme hielt sie davon ab, ihm den Kopf zu waschen.
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„Schon gut“, murmelte sie und machte Anstalten, aufzustehen, da tat er etwas, womit sie zuletzt gerechnet hätte. Er tastete nach ihrer die lädierten Hand, hob an seine Lippen, küsste sie sanft und blies drauf wie ihre Mutter es getan hatte, als sie noch ein kleines Kind gewesen war. „Hilft das?“
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„Vegeta ... woher?“
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Er grinste über die Verwunderung in ihrer Stimme. „Das habe ich in einem Film gesehen, den sich deine Mutter reingezogen hat. Sie sagte mir, dass das alle Mütter bei kleinen Kindern und kleinen Schrammen machen.“
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„Du bist mir einer ...“ Ihr Herz klopfte heftig nicht nur wegen dem Schmerz und dem Schrecken, sondern vor allem wegen seiner Nähe und der ungewohnten Zärtlichkeit in seiner Stimme. Sollte sie es wagen...? „Ve... Vegeta ... ich...“ Warum fiel es ihr so schwer, warum wollten die Worte nicht über ihre Lippen?
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„Ja?“
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„Ich ... ich wollte es dir schon früher sagen, aber dann ... also ich ...“
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In diesem Augenblick schrillte der Alarm und die Beleuchtung wechselte zu rot.
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„Verdammt!“ Bulma zog ihre Hand hastig aus Vegetas Griff, stemmte sich hoch und rannte zur Treppe. „Hoffentlich ist nicht gerade der Rest des Generators hoch gegangen!“
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Vegeta hörte sie die Stufen hinauf hetzen. Frustriert hieb er mit der Faust in die Matratze. Er hatte das Gefühl, um etwas Wichtiges betrogen worden zu sein. Verärgert kletterte er aus dem Bett und tastete sich zur Treppe. *So ein Stock wäre doch ganz nützlich*, kam ihm in den Sinn.
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Am oberen Ende der Treppe angekommen, verharrte er einen Augenblick. „Was ist los, Bulma?“
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„Das darf doch gar nicht wahr sein...?!“ Die Ungläubigkeit in ihrer Stimme weckte seine Instinkte. Hier roch es nach Gefahr.
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„WAS darf nicht wahr sein? Los, rede doch schon!“, drängte er sie und durchmaß mit gestreckten Armen den Raum bis er gegen ihren Sessel stieß.
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„Vegeta, wir ... wir werden hier sterben, wir beide, zusammen“, quetschte sie mühsam hervor. Vegeta spürte wie sie zitterte.
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„Wie kommst du darauf?“
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„Die, die Satelliten, die beide Raumschiffe zerstört haben, sie haben ihre Bahnen verlassen.“ Sie schluckte hörbar und fuhr fort. „Sie hängen genau über uns, ihre Waffen, was immer das für welche sind, sind auf uns gerichtet. Selbst wenn ich den Antrieb repariere, an denen kommen wir unmöglich vorbei.“ Die Mutlosigkeit in ihrer Stimme sagte alles. Vegeta beugte sich nach vor, legte seine Hände auf ihre bebenden Schultern und bezwang die kalte Furcht, die auch sein Herz umklammert hielt. „Noch ist nichts verloren, Bulma. Wenn sie uns zerstören wollten, hätten sie es längst getan, oder? Wir haben uns ja nicht gerade versteckt.“
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„Was soll ich tun, Vegeta?“
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Es sah ihr nicht ähnlich ihn so direkt um Rat zu fragen. Er konnte spüren, dass ihr der Schreck in die Knochen gefahren war. „Vor allem musst du einen kühlen Kopf bewahren.“ Es war schon seltsam, dass ausgerechnet er so etwas sagte. „Beende die Reparatur, dann sehen wir weiter. Kann ich dir irgendwie helfen?“
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Sie legte eine Hand auf die seine, die immer noch auf ihrer Schulter lag und drückte sie. „Danke, dass du hier bei mir bist, ist schon Hilfe genug. Er spürte wie sie die Hand wegnahm und statt dessen ihre Wange an seinen Handrücken schmiegte. „Ich weiß nicht warum, aber wenn du da bist, scheint alles nur halb so schlimm zu sein.“
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„Selbst jetzt, wo ich dich nicht beschützen kann?“
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„Würdest du das denn wollen? Mich nutzlose, schwache Erdlingsfrau beschützen?“ Klang da etwas wie alter Schmerz durch den scherzhaften Tonfall ihrer Worte?
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Er schluckte und räusperte sich „Dumme Frage, natürlich würde ich.“
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„Danke.“ Zu gerne hätte sie gefragt, „warum?“, aber sie unterließ es. Im Stillen fasste sie den Entschluss, diese Frage erst zu stellen, sobald er wieder sehen konnte, damit er dabei die Wahrheit ihrer Worte aus ihren Augen abzulesen vermochte.
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Einige Atemzüge lang rührte sich keiner von ihnen. Dann trat Vegeta zurück und nahm die Hände von ihren Schultern. „Also ich geh nach draußen und scanne mal die Umgebung ab, ob ungewöhnliche Auren zu spüren sind.“
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„Eine gute Idee, denn ich habe das dumpfe Gefühl, dass die Satelliten dieses Manöver nicht von sich aus vollzogen haben. Irgendwo muss jemand sitzen, der die Fäden zieht.“
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„Diesen Jemand knöpfe ich mir vor“, versprach Vegeta. „Wir kommen von hier weg. Zusammen.“
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Es klang wie ein Versprechen und Bulma fühlte sich gestärkt und getröstet. Irgendwie war Vegeta durch sein Handikap greift. Seine Entschlossenheit war nicht mehr das blinde Vorwärtsstürmen eines heißblütigen Saiyan, sondern das unerbittliche und dennoch besonnene Vorwärtsschreiten eines geborenen Anführers.
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Sie fragte sich, ob diese positive Veränderung wieder rückgängig gemacht würde, sobald er wieder sehen konnte und ertappte sich bei dem Gedanken, dass ihr dieser Vegeta lieber war als der stolze Sturkopf, der er früher gewesen war. Nicht dass er jetzt weniger stolz oder stur zu sein schien, es war nur etwas Neues dazugekommen, etwas, das diese beiden Eigenschaften aufwog. Was das war, vermochte sie nicht zu benennen.
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„Ich vertraue dir.“ Das Gewicht dieser schlichten Wahrheit stärkte Vegetas angeknackstes Selbstbewusstsein.
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„Du wirst es nicht bereuen, Bulma.“
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Damit stieg er die Treppe hinab. Bulma beobachtete auf dem Monitoren über die internen Kameras, wie er sich besann und den Lift betrat, statt den mühsamen Weg über die Wartungsluken zu nehmen. Draußen angekommen schritt er vorsichtig etwas von Schiff weg und streckte die mentalen Fühler in alle Richtungen aus. Keine Reaktion. Wer immer da draußen auf sie lauerte besaß entweder keine Aura, oder er war gut getarnt. Beides erweckte in Vegeta ein Unbehagen.
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Bulma riss sich vom Monitor los und sammelte ihr Werkzeug zusammen. Der Antrieb hatte Vorrang. Vegeta konnte auf sich aufpassen.
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Sie kletterte über die Wartungsluken nach unten und sortierte die mitgebrachten Ersatzteile. Ja, sie hatte nichts vergessen. Jetzt hieß es in die Hände spucken und ran ans Werk.
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Vier Stunden später zog sie die letzte Schraube fest und wischte sich den Schweiß aus dem Gesicht.