Fanfic: Animus viam monstrat 17

hier um mir zu helfen. Aber wenn ich mir nicht selbst helfen kann, wie soll mir dann wer anders helfen? Ich bin alleine. Niemand ist hier. Keine Jenny, kein Tala, kein Kai, keine Mama, kein Papa. Niemand. Ich bin alleine. Nur der Schmerz leistet mir Gesellschaft. Und so sitze ich da. In einer Ecke, zusammengekauert und denke nach. Vielleicht haben diese Lichter wirklich Recht. Vielleicht hat auch Kai recht. Wer kann das schon sagen? Es ist leichter sich in eine Vorstellung zu flüchten als der Realität zu trotzen. Vielleicht haben sie wirklich Recht. Vielleicht sind Tala und Jenny einfach zu dumm oder zu arrogant um uns zu verzeihen. Aber Tala ist mir so ähnlich. Vielleicht wollen diese Lichter uns auch nur schützen. Das kann doch möglich sein. Vielleicht habe ich alles falsch verstanden. Ja, so könnte es doch sein. Die Lichter wollen uns nur helfen. Uns schützen. Und ich habe alles falsch verstanden. Kai hat es früher kapiert und ich erst jetzt. Und wenn das alles doch nicht stimmt? Wenn ich Recht habe? Aber das ist mir egal. Ich will nicht alleine sein. Ich will bei Kai sein. Ich habe Angst. Ich will nicht alleine sein. Ich werde das gleiche wie Kai tun. Kai wird schon wissen was er macht. Und so verkehrt scheint mir sein Ideal nicht zu sein. Ja, Kai hat Recht. Jenny und Tala sind zu arrogant um uns zu verzeihen. Ich wische mir die Tränen ab und schöpfe neue Kraft. Kraft aus meiner Wut gegen Jenny und Tala. Und plötzlich höre ich Schritte. Ich hebe den Kopf und erblicke Kai an der Gittertüre stehen. Er öffnet die Tür und läuft auf mich zu. Plötzlich sind meine Handfesseln verschwunden? Wie ist das möglich? Doch momentan ist es mir total egal! Ich stemme mich hoch und falle Kai in die Arme. <br />
Es tut mir Leid. Es tut mir so furchtbar leid. Flüstere ich. <br />
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(Kais Sicht) <br />
Ich greife mit meiner Hand nach der Türklinke. Doch die Tür schwingt einfach so auf und Nini prallt gegen mich. <br />
„Kai, was ist passiert?“ Nini sieht mich fragend an. Sie hat Angst. Warum? Mache ich ihr solche Angst? Ich bin nicht mehr schwach! Macht ihr das Angst? Macht ihr meine Stärke Angst? Aber in ihren Augen kann ich auch Zweifel sehen. Sie glaubt den Lichtern also nicht. Nun, ich werde es ihr halt erklären, vielleicht hört sie auf mich! <br />
„Das Licht hat mir die Augen geöffnet. Ich erzähle es dir. Aber nicht hier. Komm mit“, sage ich und greife nach ihrer Hand. Sie zittert leicht. <br />
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Wir setzen uns aufs Bett und ich fange an zu erzählen. Wieder spüre ich leichten Schmerz in mir, doch er wird sofort von einer Welle des Hasses überspült. Tala war nie mein richtiger Freund! Wahrscheinlich hat er mich auch nur benutzt, damit ich ihn in der Abtei beschütze! Ich war nur ein Mittel zum Zweck! Und Jenny? Wahrscheinlich war sie nur froh, dass ich ständig Essen besorgt habe, dass sie keinen Finger rühren musste. Der Hass lässt mich vergessen, dass Jenny sich Mühe gegeben hat mitzuhelfen und einen Hirsch „getötet“ hat. <br />
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„Kai, bitte. Das darfst du nicht sagen! Bitte. Denk doch mal an die Zeit in der Abtei. Du warst immer für Tala da, und er immer für dich. Ich bitte, nein ich flehe dich an. Bitte glaub dem Licht nicht. Wir müssen zusammen halten. Wir dürfen jetzt nicht aufgeben. Kai, bitte. Jeder Mensch ist schwach. Ich bin noch viel schwächer als du. Aber wir dürfen uns jetzt nicht von Hass uns Wut leiten lassen. Bitte Kai. Lass mich jetzt nicht alleine. Bitte.“ Nini weint. Sie sieht so verzweifelt aus. Wie gerne würde ich sie jetzt in den Arm nehmen und trösten, aber es geht nicht! Wir müssen reden! Trösten kann ich nachher! Tala, ja, er war immer für mich da, aber ich war öfter für ihn da. Ich habe ihn vor Strafen bewahrt, nicht er mich. Außerdem bin ich nicht mehr in der Abtei! Ich brauche Tala nicht! Ja, ich war abhängig von ihm, aber jetzt nicht mehr! <br />
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Nein, ich werde Nini nie alleine lassen! Ich kann ihre Verzweiflung sehen. Sie glaubt nicht an die Lichter. Sie denkt sie manipulieren mich. Aber das machen sie nicht! Das haben sie nie gemacht! Auch nicht, als ich damals gelogen habe! Das war ich! Ich habe die Lichter als Ausrede genommen. Ja, dass ich gelogen habe, war ein Fehler. Aber trotzdem haben Tala und Jenny überreagiert! Und jetzt manipulieren mich die Lichter auch nicht! Ich habe diesen Weg gewählt! Lieber Hass, als Schmerz. Lieber Stärke, als Schwäche, lieber Weiß, als Schwarz! ICH habe gewählt! <br />
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Ich möchte, dass Nini es versteht! Dass sie mich versteht! Ich kann ihre Verwirrtheit und ihre Angst verstehen, aber sie muss sich davon freimachen! Warum hat sie soviel Misstrauen? (diese Gedanken von KAI? ^^ ) Natürlich, auch ich bin misstrauisch, aber nicht ohne Grund! (neiiin, nie! *ironisch sag* ^^) <br />
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Ich versuche Nini zu überzeugen. Ohne sie schaffe ich es nicht! Ich bin stark und doch schwach. Ist vielleicht doch noch etwas von meinem Herzen in mir? Ich will Nini nicht verlieren, ich will sie nicht auch noch als Feindin haben. Nini hat mir damals geholfen ein bisschen über meine Schmerzen hinwegzukommen. Jetzt will ich ihr helfen den richtigen Weg zu finden! Ja, ich bin mir sicher, dass dies der richtige Weg ist! Aber ohne Nini werde ich ihn nicht bewältigen können! Ohne Nini wird diese Rasse untergehen und mit ihr die Menschheit! <br />
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„Ohne mich? Kai bitte. Verstehst du den Sinn meiner Worte nicht? Denk an die Zeit mit Tala! Denk daran dass du für Jenny fast dein Leben gegeben hättest“, meint Nini. Ja, ich denke an die Zeit. Die Zeit mit Tala war schön und ich bereue sie nicht, aber sie ist vorbei! Ein neues Zeitalter ist angebrochen! Und in dem lebe ich nun mal ohne Tala! Und auch ohne Jenny! Ja, ich habe mein Leben für sie riskiert. Aber da war ich noch schwach. Nun bin ich stark! Stark? Und warum brauche ich dann Nini auf meinem Weg? <br />
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Nini will die Arme um mich schlingen, als sie plötzlich weggezogen wird. Sie wehrt sich und ich will ihr helfen, aber ich kann mich nicht bewegen. <br />
„Erkenne deine wahren Freunde“, flüstert eine Stimme neben mir. Was soll das? Diese Lichter haben mir noch vor kurzem gesagt, dass Nini mein „wahrer Freund“ ist! Und jetzt nicht mehr? Nini hat vielleicht eine andere Meinung, aber ich bin überzeugt, dass ich Nini überzeugen kann! Dass auch sie meinen Weg einschlagen kann! Ihrer war falsch! Denn die Lichter hatten mich nicht von Schmerzen befreit und jetzt auch nicht von der Wut. <br />
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„Wo habt ihr sie hingebracht?“ Ich stehe auf und schaue das Licht fest an. Wehe, wenn Nini etwas passiert! Was wollen sie jetzt mit ihr machen? Das Licht schweigt. <br />
„Wo ist Nini? Ich will zu ihr! Ihr darf nichts passieren! Ich werde sie schon irgendwie überzeugen! Ihr habt es vielleicht nicht geschafft, aber ich werde es schaffen!“, sage ich. <br />
„Cupio- ich wünsche es. Sie ist im Gefängnis. Wenn du willst, bringe ich dich dorthin! Errare humanum est!- Irren ist menschlich. Ich bin sicher, dass Nini uns verstehen wird!“, antwortet das Licht. <br />
„Natürlich will ich sie sehen! Wenn ihr sie in den Kerker steckt, wird sie euch ganz sicher nicht verstehen! Aber na ja, Errare luxum est!- Irren ist normal für Lichter!“, knurre ich. <br />
„Ich werde dich dorthin geleiten! Aber nur unter einer Bedingung: Versuche nie wieder lateinisch zu sprechen! Dein Lateinisch ist nämlich miserabel!“, lacht es und schwebt schon zur Tür. <br />
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Die Bedingung erfülle ich gerne! Ich habe eh keine Ahnung von der lateinischen Sprache. So etwas haben wir in der Abtei nie gelernt. Denn Latein braucht man schließlich nicht zum Bladen. <br />
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Ich folge dem Licht. Treppen rauf und wieder runter, nach links, nach rechts. Langsam denke ich wirklich, dass sie ein Spiel mit mir spielen! Wollen sie mich davon abhalten Nini zu ‚befreien’? Gerade will ich etwas sagen, da öffnet sich vor uns eine Tür. Ich gehe hindurch und stehe im Gefängnis. Da! Auf dem Boden sitzt Nini. Nein, sie kauert eher. Ich laufe zu dem Gitter und öffne die Tür. <br />
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Ihre Fesseln sind plötzlich verschwunden, wahrscheinlich das Werk der Lichter. Noch bevor ich irgendetwas machen oder sagen kann, wirft Nini sich schon an meinen Hals. Sie sieht so elend aus und hat anscheinend geweint. Ich schlinge meine Arme um sie und wiege sie leicht hin und her. Wie bei einem Baby, aber ich denke nicht nach. Ich handle einfach, denn mein Verstand hat eh keine Ahnung! <br />
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„Es tut mir Leid. Es tut mir so furchtbar leid“, flüstert sie. Ihre Stimme zittert, als würde sie gleich anfangen zu weinen. Vorsichtig streiche ich über ihren Kopf. <br />
„Dir muss nichts Leid tun! Was passiert ist ist passiert! Aber es freut mich, dass du es eingesehen hast!“, flüstere ich zurück. Ja, darüber bin ich froh, aber die Lichter hätten ruhig eine weniger grausame Methode wählen können! <br />
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Ich bin wirklich froh, dass sie nun den gleichen Weg, wie ich gewählt hat! Ich weiß nicht, ob Nini weint, aber ich halte sie trotzdem noch fest. Irgendetwas in mir will sie nicht mehr loslassen. Also stehen wir einfach nur da und umarmen uns gegenseitig. Ihr Kopf liegt auf meiner Schulter und ich spüre wie ihr Herz schlägt. Total unregelmäßig. Ich habe meinen Kopf leicht an ihren gelehnt und starre auf die Wand. Nein, ich starre nicht darauf, sondern hindurch. Ich nehme sie gar nicht wahr. Ebenso gut könnte ich die Augen schließen! <br />
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Plötzlich räuspert sich hinter mir jemand. Ich lasse Nini los und sie fährt wie der Blitz von mir weg. Wahrscheinlich hat sie die ganze Zeit nur darauf gewartet, dass ich sie loslasse und wollte nur nichts sagen. Verdammt, warum habe ich sie auch so umklammert? <br />
„Das Essen ist angerichtet!“, sagt das Licht und im nächsten Moment sitzen wir schon an einem großen Tisch. Nini und ich sitzen vor Kopf. Von