Fanfic: Animus viam monstrat 18

und gehe zu meinem Schrank. Verdammt! Warum werde ich rot? Das ist mir noch nie passiert! Und deshalb habe ich nie gelernt, es zu unterdrücken! Warum bringt mich das so in Verlegenheit? Weil ich dadurch noch mehr zeige, wie schwach in bin? Oder hat es einen anderen Grund? Nein! <br />
Nini läuft an mir vorbei und flüstert mir plötzlich ins Ohr: „Hab ich doch gerne getan!“ Ihr Atem kitzelt in meinem Ohr und ich bemerke, wie ich eine Gänsehaut bekomme. Und dann gibt sie mir noch einen Kuss auf die Wange. Ich bin erstmal total perplex und kann nicht reagieren. Aber das brauche ich gar nicht, dass Nini ist schon längst im Bad. Trotzdem richte ich meinen Blick auf die Badezimmertür und starre sie an. Doch es ist nur eine Tür, sie kann mir keine Antwort geben. Eine Antwort? Will ich die überhaupt? Nini und ich sind nur Freunde! Mehr nicht! ‚MEHR NICHT!’, schreit es in meinem Kopf. Und mein Herz? Ich habe kein Herz mehr! Es ist zersprungen! Wirklich? Warum plagen mich all diese Fragen? <br />
<br />
Ich spüre, wie meine Hand zu der Stelle wandert, wo Nini mich geküsst hat. Ohne, dass ich etwas mache. Ohne, dass ich es will, wandert sie zu meiner Wange! Nein! Ich habe mich gefälligst unter Kontrolle zu halten! Mit meiner Willenskraft reiße ich meine Hand von meiner Wange und durch den Schwung prallt sie schmerzvoll gegen den Schrank. Au! Ich beiße die Zähne zusammen und sauge die Luft durch meine Nase ein. Ja nicht los schreien! <br />
<br />
Langsam hebe ich meine Hand und schaue sie an. Na toll! Genau am Schlüssel vorbei geratscht! Von meiner von meiner äußeren Handseite führt ein langer Striemen weiter in die Handfläche. Ach, nur ein Kratzer! Doch plötzlich fängt dieser „Kratzer“ an zu bluten. Warum muss dieser Schlüssel aus so spitz sein? Langsam fließt das Blut meinen Arm hinunter. Ich starre es einfach nur an. Es ist, als würde es mich hypnotisieren! <br />
„Was hast du mit deiner Hand gemacht? Die muss sofort verbunden werden!“ Plötzlich steht Nini neben mir. Ich habe sie gar nicht kommen hören. <br />
Noch immer kann ich mich nicht rühren. Was ist an dieser roten Flüssigkeit so faszinierend? Es ist doch nur Blut! <br />
Noch immer brennt meine Hand wie Feuer. <br />
„Hallo? Erde an Kais Gehirn! Bitte melden!“, meint Nini. Dann greift sie nach meinem Arm, der nun schon sehr blutig ist und zieht mich zu meinem Bett. Dort stößt sie mich leicht nach hinten, dass ich mich darauf setze. <br />
„Hier muss es doch irgendwo Verbandszeug geben!“, höre ich sie murmeln. <br />
„Ahh! Da!“ Sie kommt mit einem kleinen Köfferchen wieder. Wo hat sie denn das her? <br />
Sie wischt mit einem feuchten Lappen erstmal das Blut ab. Ich bin hin und her gerissen. Soll ich meine Hand wegziehen? <br />
„Oida (gleiche Bedeutung wie: oh man! ^^ XD), ist der Schnitt tief! Was hast du mit deiner Hand gemacht?, fragt sie mich. Dann hat sie plötzlich einen blau getränkten Wattebausch in der Hand und drückt ihn auf den Schnitt. Es tut so weh, dass ich erstmal meine Hand wegreiße. „ahhh!“, ist das einzige, was ich sagen kann. Am liebsten würde ich meinen Arm weghaben, sosehr schmerzt es! <br />
<br />
„Halt still! Das muss desinfiziert werden! Nicht dass es sich entzündet! Die paar Schmerzen wirst du doch wohl aushalten!“, meint sie ruhig und doch bestimmt. <br />
„Amputier mir doch gleich die ganze Hand!“, fauche ich sie an. Nini erwidert nichts sondern schaut mir nur fest in die Augen. Verdammt! Diese Augen! Dieser Blick! Wie eine Mutter, die ihren Sohn zurechtweist! Bevor ich noch Gefahr laufe, wieder in ihrem Blick zu versinken, schaue ich weg und gebe ihr wieder die Hand. Schweigend macht sie sich wieder an meiner Hand zu schaffen. Ich starre währenddessen einfach nur auf den Boden und beiße die Zähne zusammen, damit mir ja kein Schmerzensschrei über die Lippen kommt. <br />
„So, fertig! Geht doch!“, sagt Nini und lässt meine Hand los. Ich halte mir die Hand vor die Augen: Ein Verband windet sich zwischen Daumen und Zeigefinger, an der Handfläche entlang, über die Handaußenseite und wieder durch Daumen und Zeigefinger entlang. Immer so weiter. Keine Ahnung, wie oft sie das gemacht hat. Die Schmerzen sind zwar noch da, aber besser geworden. Vorsichtig knicke ich meine Finger, doch sofort lasse ich es. Es tut zu sehr weh! Na toll! Ich bin Rechtshänder und meine rechte Hand ist momentan Schrott! <br />
<br />
Nini steht auf und will gehen. <br />
„Halt! Warte!“, sage ich und springe auf. Dabei greife ich nach ihrem Handgelenk um sie festzuhalten. Sofort verziehe ich mein Gesicht. Verdammt! Die Macht der Gewohnheit! Warum muss ich ständig meine rechte Hand benutzen. Nini dreht sich um und sie mich verwundert an. <br />
„Was? Du sollst deine Hand doch nicht benutzen!“, meint sie. Ja, eine gute Frage! Warum habe ich sie festgehalten? Ich hätte doch auch so danke sagen können. Dazu muss sie mir doch nicht gegenüberstehen! <br />
„Danke!“, sage ich und schaue in ihre fragenden Augen. Schon im nächsten Moment bereue ich es. Diese Augen sind echt gefährlich! Eine Falle! Sie lassen mich einfach nicht mehr los! Aber ich will auch nicht losgelassen werden! Will nur in diese schönen blauen Augen schauen. Mit diesen gelben, einzigartigen Punkten. Warum kann ich diesen Augen nicht widerstehen? Warum kann ich mich nicht losreißen? Ich weiß, dass dieser Moment gefährlich ist! Weiß, dass jetzt etwas passieren kann, was ich nachher bereuen werde! Wirklich? Werde ich es bereuen? Würde ich es machen, wenn ich es nachher bereuen würde? Oder lassen mich diese Augen etwas wollen, was ich gar nicht wirklich will? (wollen oder nicht wollen, das ist hier die Frage ^^ XD) <br />
<br />
Noch während ich so überlege, kommen sich Ninis und mein Kopf immer näher. Wieder einmal! Doch ich kann es nicht verhindern! Und tief in meinem Inneren will ich es wahrscheinlich auch nicht verhindern. Und diesmal kann ich nicht die Augen schließen. Kann mich nicht von ihnen losreißen. Ich kann die Wärme ihres Gesichts spüren. Als unsere Lippen sich berühren, spüre ich ein Kribbeln in meinem Bauch. Und ich bin irgendwie total glücklich! <br />
<br />
Plötzlich verändert sich unsere Umgebung. Wir stehen in einem großen Saal. Erschrocken fahren wir auseinander. <br />
„Es ist Zeit für euer Frühstück!“ Ein Licht steht vor uns. Warum müssen diese Lichter immer so plötzlich kommen? Ich wage nicht, Nini anzuschauen und setze mich auf meinen Platz. Während des ganzen Essens starre ich nur auf meinen Teller. <br />
<br />
(Talas Sicht)<br />
<br />
Jenny und ich sitzen am Bett. Jenny hat sich an mich gelehnt und erzählt von dem Gespräch zwischen ihr und diesem Licht. Ich höre Jenny aufmerksam zu. Aber desto länger ich zuhöre, desto mehr Zweifel nagen an mir. Was, wenn dieses Licht vollkommen Recht hat? Wenn die Wahrheit genau vor meiner Nase liegt und ich sie dennoch nicht sehe? Aber welche Wahrheit ist die Richtige? Die, die diese grauen Lichter uns erzählen, oder die, die diese hellen, gänzliche Weißen Lichter erzählen? Ich weiß es nicht. Was wenn beide Seiten falsch liegen? Wenn beide Seiten so von ihrer eigenen Wahrheit so verblendet sind, dass sie nicht merke wie falsch sie doch eigentlich liegen? Was wäre, wenn sie herausstellen würde, dass keine von beiden Wahrheiten stimmt? Wie würden sich diese Lichter dann verhalten? Aber wer oder was ist schon die Wahrheit? Es ist doch das Gleiche wie in einem Gerichtssaal. Der Angeklagte sagt die Wahrheit und beteuert seine Unschuld. Doch der Richter als auch die Geschworenen glauben ihm nicht. Egal ob der Angeklagte die Wahrheit sagt oder nicht. Der Richter und die Geschworenen glauben an ihre eigenen Wahrheiten und lassen keine anderen Meinungen gelten. Sie haben überhaupt keine Ahnung was in einem Menschen vorgeht wenn er die Wahrheit spricht und ihm dennoch niemand glaubt. Und durch dieses engstirnige Denken entstehen Missverständnisse, Lügen, und Schmerzen. <br />
<br />
„Man kann nur auf seine eigene Wahrheit vertrauen. Und meine Wahrheit ist auch eure!“ dröhnt es in meinem Kopf. <br />
<br />
Den Satz hat Boris mir eingetrichtert. Er hat sich in mein Gedächtnis gebrannt. Erst jetzt wird mir bewusst wie falsch dieser Satz war. Was für eine Lüge sich hinter diesem, wie es mir zuerst schien, tiefgründigen Satz verbirgt. Ich kenne die Wahrheit noch nicht. Bis jetzt habe ich nur Bruchstücke der Wahrheit gehört. Aber ich werde nichts unternehmen, niemandem helfen, nichts machen, solange ich nicht die komplette Wahrheit kenne.<br />
<br />
„Und genau das hat mir dieses „weibliche“ Licht erzählt!“ schließt Jenny ihre Erzählung und hebt den Kopf von meiner Schulter.<br />
<br />
Ich sehe in ihre Augen. Und plötzlich wird mir warm. Ihre Augen ruhen gutmütig und freundlich auf mir. Ich spüre wie ich drohe in ihren Augen unter zugehen. Im letzten Moment wende ich meinen Blick ab und lasse meinen Blick durch das Zimmer gleiten.<br />
<br />
„Glaubst du, dass dieses Licht die Wahrheit gesagt hat? Glaubst du an seine Worte?“ frage ich leise, sehe Jenny aber trotzdem nicht an.<br />
„Ich weiß es nicht.....aber wieso fragst du mich das?“ ich drehe meinen Kopf zu Jenny. Sie sieht mich verwundert und fragend an. <br />
<br />
„Weißt du.....obwohl wir jetzt hier sind, denke ich oft an Kai und Nini. Ich weiß dass sie gelogen haben, aber meine Gedanken kreisen trotzdem um sie. Ich weiß nicht wie es den beiden geht, wo sie sind, was sie machen. Sie haben uns belogen, das mag wohl stimmen, aber Kai war mein bester Freund. Und Nini....ja Nini ist mir sehr ähnlich. Ich kann und will auch irgendwie nicht glauben dass sie uns grundlos belogen haben. Ich habe mit Kai soviel erlebt, soviel gemeinsam mit ihm durchgestanden. Und wir waren immer für einander da. Und bei Nini. Ja, sie war die Erste, mit der ich über meine