Fanfic: Veränderungen im Leben- Teil 18
so die Kehle zu? „Nein, oh nein, oh nein! Nein!“ Meine Worte zog ich in die Länge, ich war nicht mehr fähig zu denken, ich war geschockt, den Tränen zu nahe. Die Nabelschnur hatte sich schon im Mutterleib um den Hals des Fohlens gelegt und es somit bei den Anstrengungen erwürgt. Ihm die Luft zum Atmen genommen. Ich begriff gar nichts mehr. Das musste kurz vorher passiert sein, vielleicht eine Stunde vor der Geburt? Mir fiel der Rest des kleinen Körpers in die Arme und ich saß da, den Kopf des Fohlens in meinen Händen. Kai schien ebenso nicht zu begreifen, denn er ließ sich ins Stroh sinken und hockte kauernd da und blickte auf das leblose Tier. „Schnell, raus damit, bevor Elisa mitbekommt, was grade passiert war. Wenn sie es jetzt nicht beschnuppern kann, dann merkt sie es vielleicht gar nicht so sehr, dass ihr Fohlen tot ist.....“ Aber innerlich dachte ich, dass die Stute es wusste, es merken würde, wenn ihr Baby nicht mehr zurückkommt. Es war unnötig, so zu denken, ich machte mir und Elisa etwas vor. Kai verstand und wir zogen das Kleine aus der Box und legten es in eine andere. Ich wickelte eine Decke um den schlaffen Körper, betrachtete es mir aber vorher noch. Es wäre nach Khon Linor gekommen. Dunkelbraun vermutlich, mit schwarzer Mähne und Schweif. Eine kleine Stute mit einem kleinen Stern auf der Stirn. Eine Ansammlung farbloser, weißer Haare in der Form eines Sterns.<br />
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„Bellatrix“, flüsterte ich. So benenne ich dich. Das bedeutet Kriegerin und so heißt auch ein Stern im Orion. Ich nenne dich so, weil du kämpfen wolltest. Doch war es dir nicht vergönnt. Ich strich zart über den weichen Flaum am Maul, über die winzigen Nüstern, die langen Wimpern. Es tat mir so leid, so unendlich leid. Ich konnte nichts tun. Es durfte nicht mal einen Tag leben. Es wurde gezeugt und durfte nicht leben. Durfte nicht mit seiner Mutter die ersten Schritte auf der Weide probieren. Durfte nicht mit anderen Fohlen herumtollen und sich ausleben, die Kindheit genießen. Nein, es hatte keine Chance bekommen. Es wurde zur Welt gebracht, um niemals zu atmen. Ich deckte den kleinen Leichnam zu und ging zurück zu Elisa. Sie lag noch immer im Stroh und atmete heftig. Ich streichelte sie und redete beruhigend auf sie ein. Kai saß auf den Strohballen und sagte nichts mehr. Ich holte Schubkarre und Mistgabel und entfernte das besudelte Stroh aus der Box. Schweigend räumte ich die Geräte an ihren Platz und kümmerte mich noch um Elisa. Ich gab ihr Kraftfutter und eine Beruhigungsspritze, die Valium in der Wirkung in nichts nach stand. Dann merkte ich, dass Kai hinter mir stand und mich ansah. Ruhig, beherrscht und doch lag ein Hauch Besorgnis über seinen Zügen. Bestimmt sah er meine Tränenspuren auf den Wangen. Er kam näher. <br />
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„Everlyn? Kommst du damit klar?“ „Ja, ja, sicher. Ist ja nicht das erste Mal, dass ich ein totes Pferd sehe.“, gab ich überraschend aggressiv zurück. Ich ging schnell aus dem Stall, einer der Weiden entgegen und lehnte mich dort gegen den Holzzaun. Jetzt überkam auch mich der Schock und ich merkte, wie in mir ein Heulkrampf hochstieg. Ich schlug die Hände vor mein Gesicht und kämpfte mit den Tränen. Ich hörte leise Schritte hinter mir. War er mir also doch gefolgt! „Lyn.“, sagte Kai rauh. Reglos stand er hinter mir. Ich drehte mich um und sah in sein hübsches Gesicht, welches nun offensichtlich betroffen drein blickte. Wir sahen uns eine Zeitlang still an. Er war mir so nah, ich hätte mich an ihn lehnen können, nur damit ich nicht alleine war, aber etwas in mir blockierte diese Handlung. Ich konnte mich nicht mehr zurück halten und es liefen mir Tränen über die Wangen. Einfach so. Ohne das ich Schluchzte und laut weinte. Geräuschlos liefen sie in einem kleinem Rinnsal hinunter. „Verdammt!“, sagte ich tonlos. „Es war ihr erstes Fohlen. Es wäre so schön gewesen, denn die Stute habe ich selber schon aufgezogen. Habe sie zum Leben erweckt, als sie völlig erschöpft im Stroh lag. Sie hatte es geschafft. Ihr Baby heute nicht. Ihm war es nicht vergönnt. So ist das manchmal, nicht wahr?“ Ich lachte bitter auf. „Ist bei Pferden nicht viel anders, als bei uns Menschen. Plötzlich stirbt man zu früh, oder man bekommt nicht einmal die Chance, ins Leben entlassen zu werden und es zu fühlen, zu sehen. <br />
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Es kann einen auch erwischen, wenn man es gar nicht will, ausgerechnet dann, wenn man glücklich ist, oder sich grade vorgenommen hat, sein Leben zu verändern. Wenn man neue Pläne hat. Zack! Da kommt er. Er, dem niemand ausweichen kann. War schon immer da, nahm sich einfach das Leben und beendete es. Ich habe soviel Energie in dieses Fohlen gesteckt, wie werdende Eltern in ihr Kind. Es tut weh. Das wollte ich nicht.....Ich hätte es beim Ertasten der Geburtsposition merken müssen.....Und grade wegen diesem natürlichem Kreislauf des irdischem Gleichgewichts sollte man jeden Tag genießen. Quasi als Geschenk sehen, denn wie schnell kann man durch Dummheit, Zufall oder berechneter Absicht diese Sphäre verlassen? Was mich brennend interessiert, ist ja, was wirklich dabei passiert und wie es danach ist. Der Tod wirft viele Fragen auf, aber geklärt werden, das können sie wohl niemals! Dafür müssten die Toten zurückehren, um zu erzählen und das wäre uns dann wohl doch nicht so recht!“ Ich lachte zynisch auf. Eine Pause entstand, in der man nur unsere Atmung vernahm. Kai tat einen Schritt auf mich zu, zögernd streckte er langsam seine Hand aus und ergriff die meine. „Lyn, du bist voller Blut. Geh und zieh dir was anderes über. Ich warte solange bei Elisa.“ <br />
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Bis dann ihr Süssen!<br />
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