Fanfic: Veränderungen im Leben- Teil 24
Amnesie ausgelöst, denn ich hatte ja alles über Biovolt und diese Abtei vergessen. Doch der Anblick von Boris löste den Knoten in meinen Erinnerungen und ich wusste, wo ich mich befand. Auch er fiel mir wieder ein, dieser schwarze Blade mit der unglaublichen Macht. Black Dranzer. Boris führte mich zu ihm und machte mir ein Angebot, welches ich nicht ausschlug. Ich zögerte nicht mal, dass einzige, was mir in den Sinn kam, dass Boris vielleicht mir damit eine Falle stellen will. Ich verriet dennoch meine Teamkollegen für diesen Blade, für dessen Kraft und erklärte mich einverstanden, anderen Bladern ihre Bitbeasts nach den Kämpfen wegzunehmen. Das war die einzige Bedingung. Ich ging für Biovolt in die Arena und bestritt Battles, klaute die Beasts. Und weißt du warum? Damit ich der stärkste und unbesiegbarste Blader der Welt würde! Jeder sollte mich fürchten, alle sollten mich hassen, alles war mir gleich, wenn ich nur diese ungeheure Kraft von Black Dranzer spüren konnte, seine unerschöpfliche Energie. Das war alles! Ist das nicht einfältig? Gibt es etwas egoistischeres, etwas gemeineres, dass man seinen Freunden in dieser Lage antun konnte? Ich traf mich auf dem zugefrorenen Baikalsee mit den anderen BladeBreakers und wir kämpften. Um was? Sie wohl für die Gerechtigkeit, aber ich..... Ich tat das nur, wegen diesem entrückten Wunsch. Ich wollte nur ihre Beasts in mein Blade aufnehmen. Als die Blades aufeinander prallten, riss das Eis ein und die Scholle unter mir drohte zu versinken. Plötzlich wurde mir klar, was ich da tun wollte, was ich ihnen antat. So blieb ich auf dieser Scholle stehen und konnte gar nicht klar denken. Was sollte ich jetzt tun? Das beste wäre gewesen.....Aber jemand anderes übernahm für mich die Entscheidung. Tyson griff nach mir und ich ließ mich retten. Danach wurde mir einiges über mich selbst klar. Diese Jungs besaßen echte Stärke und auch Güte. Sie nahmen mich wieder in ihr Team auf und verziehen mir, obwohl ich ihnen das angetan hatte! Ich bin so ein Idiot, schlimmer als das. Verstehst du nun, warum ich so über mich denke? Ich bin bestechlich, ja, käuflich, muss man schon sagen, ich verrate alles und jeden, wenn es mir nur Vorteile bringen sollte un.....“
„Verdammt! Jetzt hör aber auf! Spinnst du? Ja, du bist ein Idiot, ein ganz gewaltiger! Wieso redest du so über dich? Es liegt lange zurück, die anderen konnten dir verzeihen. Nun verzeih dir selber, arbeite an dem, was dich stört, aber hör auf, dich selber mit Füßen zu treten, dich niederzumachen! Ich kann das nicht so hinnehmen!“ Ich hatte ihn unterbrochen und schnaubte nun vor förmlich vor Wut. Überrascht sah er mich an- und lächelte noch immer diese abwesende Lächeln!
„Jetzt reicht es aber mit dieser beschissenen Lächellei! Ja, mache dich ruhig weiter so fertig! Irgendwann drehst du durch und ich will nicht wissen, was dann passiert! Meinst du, in meinem Leben lief alles glatt? Aber soll ich dir mal was sagen? Ich habe mich wieder aufgerappelt, bin wieder auferstanden, wie der berühmte Phoenix aus der Asche und ich habe neue Kraft daraus gewonnen! Ich war erst neun Jahre alt und dennoch war auch meine Leben mit einem Schlag verändert. So schrecklich verändert, dass ich es nicht wahrhaben wollte, es nicht begreifen konnte.....sie und ich waren noch so klein.....“ Ich zuckte zusammen und merkte, dass sich ein bedrückendes Gefühl in meinem Hals einstellte. Ich versuchte den Kloß hinunter zuschlucken und verkrampfte mich bis in die Zehenspitzen. Kai bemerkte es sofort. Ich sprang vom Zaun und wollte einfach weglaufen, fort von diesen Erinnerungen. Ich hatte sie schon zur Genüge durchlebt und wollte die Schreie der Vergangenheit nicht mehr ertragen. Ich hatte gedacht, damit abgeschlossen zu haben, aber Kais Erzählungen hatten es wieder emporgehoben aus ihrer Versenkung, die immer schon nur dürftig abgedeckt war. Ich setzte mich in Bewegung, doch eine Hand umfasste meinen Arm, zog mich zurück, drückte mich gegen den Zaun. „Geh nicht..... Bitte. Jetzt bist du dran. Dich quält doch etwas, das sehe ich deutlich.....“ Er sprach leise und seine Stimmte lullte mich in ihren sanften Klang. Er nahm mein Gesicht in seine Hände und legte die Stirn an die meine. Wir hielten die Augen geschlossen und ich begann zu erzählen.
„Eine Woche nach meinem neunten Geburtstag schreckte ich Nachts hoch, aufgewacht, weil ich Geräusche vernahm. Ich hörte Pferdewiehern- nein, es war eher Schreien, sie schrieen. Die Pferde schrieen und trampelten wild und panisch in ihren Boxen umher. Ich sah auch bald, weswegen. Der Stallboden, wo Heu und Stroh lagerten, brannte lichterloh und breitete sich rasend schnell über das gesamte Gebäude aus. Meine Mutter rief die Feuerwehr und mein Vater war schon am Stall und öffnete eine Boxtür. Ich rannte auch dort hin und.....und sie auch, .....meine Schwester. Meine drei Jahre jüngere Schwester..... Elina. Elina mit den Polangen blonden Zöpfen und den großen blauen Augen, die immer so glücklich mit ihrem hellen Kinderlachen um die Wette strahlten. Mein Vater wollte uns bremsen und machte uns klar, dass es viel zu gefährlich sei. Er hatte recht. Der Rauch brannte in Augen und Atemwegen, nahm uns die Luft, aber wir dachten nur an die Pferde. Wir holten eins nach dem anderen aus den Boxen, vorne angefangen. Es war mühselig und die Tiere in Panik. Das Gebäude lag damals nicht gleich an der Weide angrenzend, wir konnten nicht einfach nur die Boxtüren aufmachen und sie hinauslaufen lassen. Wir mussten sie auf die Wiese neben dem brennenden Gebäude führen. Mein Vater schrie uns und unserer Mutter, die noch ein Tier am Halfter hinaus führte, zu, dass wir es nicht schaffen werden, die letzten sieben Pferde aus den hinteren Boxen zu befreien, also hielt ich inne. Ich wollte protestieren, wir konnten doch nicht die anderen im Stall lassen, als sich meine Schwester in Bewegung setzte. Sie schrie und weinte. Sie wollte zurück in den Stall, dessen Flammen mittlerweile unter das Dach griffen und die Seitenwände in Brand setzten und dickere Rauchwolken produzierten. Sie rief, dass sie ihr Pony nicht zurücklassen wollte. Nicht ihre Pusteblume, mit der sie aufgewachsen war. Ihr Pony war ihr Ein und Alles, das wichtigste.....“ Ich atmete schwer ein und aus und spürte die Tränen, die sacht meine Wange hinunter liefen. „Sie rannte in den Stall und wollte nur noch ihre Pusteblume retten. Das Dach ächzte und knarrte bedrohlich. Es gab einen Knall und die linke Seite des Daches stürzte ein, riss die andere Hälfte mit sich. Ich hörte diese Schreie, diese Pein der verbliebenen Pferde, ihre Schmerzen, ihre Angst. Und dann diesen spitzen Ausruf meiner Schwester. Nur kurz, ganz kurz, Mein Vater versuchte noch, sich einen Weg in den Stall zu bahnen, aber es war Hoffnungslos, Feuer, Rauch und Hitze ließen es nicht mehr zu. Ich rannte fort und spürte nur noch, wie sich zwei Arme um mich lagen, mich fest an sich drückten, als wenn sie mich nie mehr loslassen wollten. Es war meine Mutter. Dann weiß ich nicht mehr viel. Sie sagten mir, dass ich ohnmächtig geworden wäre. Und meine Schwester war tot. Gestorben für ihr Pony, das mit ihr starb. Das machte mich fertig. Ich weiß gar nicht mehr viel aus der Zeit direkt danach. Ich war recht apathisch und leblos. Ständig machte ich mir Vorwürfe, warum ich sie nicht festgehalten hatte.....Irgendwann bin ich wieder zu mir gekommen und wollte für meine Leben kämpfen, nicht nur für mein Überleben, nein, ich wollte das Leben leben. Ich wollte diesem Leben in den Hintern treten, den Mittelfinger zeigen und mich davon nicht unterkriegen lassen. Ich glaube, ich wollte auch für Elina leben. All das tun, was sie nicht mehr erleben kann.....“ Ich schluchzte und schlang meine Arme um Kai und versenkte meinen Kopf in seiner Halsbeuge. Er war so warm, so schön warm und ich fühlte mich geborgen. So drückte ich mich fest an ihn und ließ uns zu Boden gleiten.