Fanfic: Der Wald
Kapitel: Der Wald
Der Wald
Er war froh als er den Wald sah, symbolisierte er doch innere Ruhe für ihn. Als er mit seinem Fahrrad auf ihn zufuhr, sah er zwei Menschen und ihre Hunde. Er wusste, er würde im Wald nicht allein sein. Als er dann in ihn einfuhr, flogen Raben über ihn hinweg. Sie krähten laut, aber für ihn taten sie das nicht, er wusste, sie riefen: „Er kommt, er kommt“. Als er weiterfuhr hörte er einen Raben aufgeregt und schnell krähen, aber er vernahm nur hämisches Gelächter. Er merkte nicht, dass sie ihn begrüßten. Später sah er ein Rotkehlchen auf einem Ast sitzen und es sang ein schönes Lied. Kurz nachdem er anhielt, um es zu bestaunen, flog es in tiefes Geäst. Nun wusste er, dass es nicht für ihn singen wollte. Der junge Mann erkannte nicht, dass es sein Lied für ihn sang. Er fuhr weiter. Auf einer einsamen Wegkreuzung hielt er an und schaute sich langsam um. Er wollte gerade weiterfahren, als er zwei junge Rehe sah, die aus dem Dickicht traten. Sie flohen nicht, obwohl er seinen Fahrtschwung mit nass-quietschendem abbremsen beendete. Er spürte, dass die beiden ihn ganz und gar ignorierten. Er dachte nicht daran, dass die beiden Rehe ihm vertrauten, als ihren Freund anerkannten. Die Sonne schien, jeden Sonnenstrahl der ihn traf, hasste er. Der junge Mann wusste, er hatte ihn eh nicht verdient, jeder Strahl war das genaue Gegenteil zu ihm. Zu seiner Kälte in ihm, die stets sein Herz umklammerte.
Erschöpft und niedergeschlagen setzte er sich auf eine Bank in einem Unterstand. Sein angelehntes Fahrrad fiel um und das hintere Rad drehte sich schnell, jedoch immer langsamer werdend. Er sah zu und sein Wunsch war es, es dem Rad gleich zu tun. Einfach aufhören, sich zu drehen und einfach stehen zu bleiben. Es begann zu regnen, und der junge Mann seufzte ergeben. Nun verstand er, dass ihm selbst die Natur, sein letzter Zufluchtsort, Streiche spielte, damit er endlich ginge. Im Regen sah er einen alten Mann, der wohl im Gehölz spazieren war. Dieser kam auf den Unterstand zu und lief dort nervös umher, würdigte den Jungen allerdings kaum eines Blickes. Der Regen stoppte und der quirlige Mann ging wieder seines Weges.
Er erkannte nicht, dass der Regen stoppte, damit er selbst Ruhe vor dem nervösen Mann fand, der vor ihm auf und ab ging. Er erkannte nur das der Mann von ihm weg wollte, schnell weg. Als er den älteren mit dem weißen Bart nicht mehr sah, nahm er sein Fahrrad und fuhr den Weg zurück, den er gekommen war. Nichts schönes sah er in dem Wald, nichts das ihm Freude bereitete. So wurde er auch von dem enttäuscht, von dem er glaubte, dass es ihn nie enttäuschen könnte.
Das war gestern. Heute fühlte er das doch anders. Der Wald wollte ihm doch nichts. Er selbst sah nur nichts. Er liebte und ihr zuliebe wollte er sogar leben. Dann sah er auch den Zwiespalt, der sich in ihm auftat. Für sie wollte er leben, aber er wollte auch für alles sterben. Die Grenzen auf die er täglich traf, waren zu riesig geworden, zu sehr schränkte er sich selbst ein, vielleicht war er blind, aber das andere bedeutete ihm nichts. Nur sie war der Gegenstand seines Vergessens, sein größter Schmerz und seine größte Freude zugleich. Nun sitzt er noch immer auf der Bank im Wald, lauscht den natürlichen Geräuschen und verabscheut den Rest der Welt, so wie sie war. Sieht nur dieses eine Geschöpf, mit ihren langen, schimmernden Haaren und den Katzenhaft anmutenden Augen.
Und er hofft. Allein. Unerfüllt liebend. Im Wald.