Fanfic: O Brothers, where art thou??
dieser Tag lag nicht mehr in allzu weiter Ferne. Ganz im Geheimen war Bunny schon seit Wochen dabei ihre Reise zu planen.
Ein Ereignis war dabei besonders ausschlaggebend gewesen. Vor etwa einem Monat war ein mysteriöser Fremder im Hafen ihres Dorfes vor Anker gegangen. Er schien allein zu sein und er wechselte auch nicht viele Worten mit den Dorfbewohnern, doch Gerüchte gingen um, dass er nur auf der Durchreise war um eine geheimnisvolle Fracht zu einer der Nachbarinseln zu transportieren. Niemand wusste worum es sich dabei handelte und es traute sich auch keiner danach zu fragen. Bunny war ihm auf dem Nachhauseweg unauffällig gefolgt als er in die Taverne eingekehrt war um neue Vorräte zu kaufen und um sich ein üppiges Mahl zu genehmigen bevor er weiterzog. Dieser Mann ängstigte und faszinierte sie gleichermaßen. Er war ungewöhnlich groß und trug einen dunklen Umhang mit einer Kapuze, die fast sein gesamtes Gesicht verdeckte. Von ihrem Platz in der Ecke konnte sie hören wie er mit rauer Stimme ein weiteres Bier bestellte, das ihm der eingeschüchterte Barkeeper auch sofort vorsetzte. Nach einem Schluck wendete sich der Fremde erneut an den Mann.
„Das Bier ist warm. Habt ihr kein Eis?“, knurrte er und dem armen Kerl wich sofort jegliche Farbe aus dem Gesicht.
„Es tut mir schrecklich leid, mein Herr, aber leider ist der Kühlschrank gerade heute morgen kaputtgegangen und der Reparaturdienst war immer noch nicht da.“, stotterte er ängstlich.
„Sie müssen es auch nicht bezahlen. Das geht auf’s Haus. Ich hole Ihnen auch gleich noch ein bisschen Reis wenn Sie wollen.“, fügte er hastig hinzu und eilte hinüber in die Küche.
Nachdem der Kellner verschwunden war, sah sich der Fremde kurz um als wenn er sich beobachtet fühlen würde und Bunny verkroch sich halb unter dem Tisch damit er sie nicht entdeckte. Vielleicht war er ja in Wirklichkeit ganz harmlos, aber um ehrlich zu sein, hatte sie gerade gar keine Lust das auszutesten. Er schien sie wirklich nicht gesehen zu haben, denn er wendete sich nun wieder seiner Mahlzeit zu. Bunny entfuhr ein erleichterter Seufzer doch kurz darauf stockte ihr erneut der Atem. Der Mann hatte sein Bierglas erhoben und führte es langsam zu Mund, doch anstatt daraus zu trinken, schien er es nur kurz anzuhauchen. Sofort bildete sich eine dünne Eisschicht um das Glas und dann leerte er den Inhalt mit einem Schluck.
War das gerade wirklich passiert? Bunny rieb sich verwundert die Augen und schaute ein weiteres Mal hinüber. Es schien als wenn sogar die Lippen des Mannes von einem Hauch Eis bedeckt waren. Er besaß also Teufelskräfte. Das hätte sie sich bei so einem unheimlichen Typen auch gleich denken können. Wieder kamen ihr die Gerüchte der Dorfbewohner in den Sinn. Eine geheimnisvolle Fracht... Es waren doch nicht etwa...??
Die Küchentür schwang auf und der Barkeeper stellte eine weitere Schüssel dampfenden Reis auf den Tresen.
„So, bitte schön, der Herr. Oh, sie haben Ihr Bier also doch aufgetrunken. Ich versichere Ihnen, das kommt bei uns sonst wirklich nie vor...“, sagte er eifrig als er das geleerte Bierglas erblickte.
„Kein Thema...“, brummte der Angesprochene, wischte sich mit einer unauffälligen Bewegung über den Mund und machte sich gierig über den Reis her.
Das war ihre Chance. Der Kerl würde sicher noch eine Weile mit essen beschäftigt sein. So leise wie möglich schlich sich Bunny aus der Bar. Sobald sie auf der Straße war beschleunigte sie ihren Schritt und schlug den direkten Weg zum Hafen ein.
Auch wenn sie die anderen Schiffe nicht gekannt hätte, hätte sie sofort gewusst welches von ihnen dem Fremden gehörte. Es verströmte die gleiche unheimliche Atmosphäre wie sein Besitzer. Es war wendig und nicht sehr groß und aus einem dunklen Holz gefertigt. Die Segel bestanden aus einem dunkelroten Stoff und Bunny fiel auf, dass dieses Schiff keine Flagge trug. Unsicher sah sie sich um. Sie konnte in der Nähe niemanden entdecken. Sogar der Steg war ausgefahren. Also, wenn das keine Einladung war... Schnell schlüpfte Bunny auf das fremde Schiff. Wo sollte sie nur anfangen zu suchen? An Deck war nichts auffälliges zu sehen und so öffnete sie die Tür zum Unterdeck und stieg langsam die schmale Treppe hinunter. Sie betrat eine kleine Kajüte, die durch den Schein einiger kleiner Fackeln erhellt wurde. Der Fremde schien sich hier wirklich nicht lange aufhalten zu wollen, wenn er sogar das Licht hatte brennen lassen. Aber dieser Umstand kam ihr im Moment ganz gelegen. Im Dunkeln hätte sie sich in diesem Durcheinander niemals zurechtgefunden. Auf einem schweren Eichentisch langen unzählige Aufzeichnungen und Seekarten verstreut und auch die danebenstehende Kommode quoll vor lauter Schriftrollen und Pergamentfetzen fast über. Irgendwo musste doch eine Truhe oder so was stehen. Bunny blickte sich um und entdeckte die Flagge, die sie vorhin vermisst hatte, rechts neben sich an der Wand hängen. Es war eine Totenkopfflagge, doch war der Schädel nicht weiß wie auf gewöhnlichen Piratenflaggen sondern hatte eine bläulich schimmernde Färbung, so dass er aussah wie aus Eis gemeißelt. Außerdem war er von einigen Eiskristallen umgeben. Er war wirklich ein Pirat. Kein Wunder, dass sie dieser Mann von Anfang an fast magisch angezogen hatte. Wäre er ihr nicht so unheimlich gewesen, hätte sie glatt in Versuchung geraten können ihn zu fragen ob sie ihn begleiten dürfte. Neben der Flagge hing ein Bild. Das Foto war schon recht verblichen, aber man konnte darauf zwei Männer erkennen, die offensichtlich gut befreundet waren. Der linke von beiden war sehr groß und kräftig und Bunny war sich sicher, dass es sich bei ihm um den mysteriösen Eigentümer dieses Schiffes handelte, auch wenn er auf diesem Bild keinen Umhang trug und durch das breite Grinsen auf seinem Gesicht richtig fröhlich aussah. Ohne die Kapuze vor seinem Gesicht konnte man erkennen, dass jeweils drei blaue Streifen seine Wangen zierten. Ob sie durch die Kraft der Teufelsfrucht entstanden waren? Bunny’s Blick fiel nun auf den anderen Mann, der seinen Freund gerade scherzhaft in die Seite knuffte und dabei aussah als wenn er lauthals lachte. Er war fast einen Kopf kleiner als der Fremde, hatte leuchtend rote Haare und trug einen gelben Strohhut. Bunny kannte diesen Hut... Ja, und sie kannte auch den Mann, der ihn trug. Er war zwar etwas jünger als sie ihn in Erinnerung hatte, aber es war ganz eindeutig der rote Shanks. Der Pirat, der sich mit seiner Bande für eine Weile in ihrem Dorf niedergelassen hatte. Bunny war zu der Zeit noch ziemlich jung gewesen, aber sie konnte sich noch genau daran erinnern, wie vernarrt Ruffy in diesen Kerl gewesen war. Ständig hatte er mit den Jungs in der Taverne rumgehangen und hatte sie mit seinen Späßen mal erheitert und manchmal auch nur tierisch genervt. Shanks hatte ihm einmal sogar das Leben gerettet und Ruffy war todtraurig gewesen als die Piraten ihre Zelte nach ein paar Wochen wieder abbrachen um weiterzuziehen. Zum Abschied hatte Shanks dem kleinen Jungen seinen Strohhut anvertraut, den Ruffy seitdem wie seinen Augapfel hütete. Grinsend erinnerte sich Bunny daran wie sie ihm früher oft seinen Schatz vom Kopf geklaut hatte während er schlief und ihn damit zur Weißglut getrieben hatte.
Und es war auch zu der Zeit gewesen, als Ruffy von der Gum-Gum-Frucht genascht hatte. Bunny war einerseits begeistert von den neuen Fähigkeiten ihres Bruders gewesen, andererseits hatte immer die Eifersucht an ihr genagt, wenn sie mitansehen musste wie er sie ständig weiter trainierte und dadurch immer stärker wurde. Stolz hatte er damit geprahlt, dass er es jetzt endlich mit Ace aufnehmen könnte, der auch ohne die Hilfe von Teufelskräften ein extrem harter Gegner war. Bunny war immer gut mit ihren Brüdern ausgekommen, aber sie war ihnen körperlich einfach unterlegen. Wie sehr hatte sie sich deswegen manchmal gewünscht auch ein Junge zu sein, aber wenn sie die beiden dann mal wieder bei einem ihrer Rülpswettbewerbe beobachtete, schien ihr das ganze doch nicht so ein toller Einfall zu sein. Aber wenn sie jetzt auch so eine Teufelsfrucht finden würde, hätte sie endlich genug Kraft um ihren langgehegten Traum wahr werden zu lassen.
Ohne weiter über die möglichen Verbindungen von Shanks und dem Fremden nachzudenken, suchte sie hastig den Boden der Kajüte ab. Hier musste einfach etwas zu finden sein! Und tatsächlich entdeckte sie nach scheinbar endloser Wühlerei unter einem Stapel dicker Bücher, die achtlos unter den vollgepackten Tisch geworfen worden waren, eine hölzerne Kiste. Die Ernüchterung folgte sogleich als Bunny feststellen musste, dass sie mit einem Schloss verriegelt war. Doch so leicht würde sie nicht aufgeben, und als sie neben dem Tisch ein breites Schwert liegen sah, kam ihr eine Idee. Sie schnappte sich die Waffe und nach einigen Fehlschlägen, bei denen sie jedes Mal zusammenzuckte und ängstlich nach möglichen Geräuschen von draußen horchte, hatte sie es fertiggebracht das Schloss zu knacken. Mit zittrigen Fingern öffnete sie den Deckel der Kiste und schaute hinein. Es war wie in einem Traum. Im Inneren lagen fünf merkwürdig aussehende Früchte in den verschiedensten Farben. Volltreffer!! Jetzt musste sie sich nur noch für eine entscheiden. Die gelbe Frucht, die gewisse Ähnlichkeit mit einer etwas gezackten Banane hatte, stach ihr sofort ins Auge. Bunny nahm sie in die Hand und betrachtete sie von allen Seiten. Ein wenig mulmig