Fanfic: O Brothers, where art thou??
sie kleine Blitze schießen und bald machten sie sich einen Spaß daraus ahnungslose Passanten damit ein bisschen zu erschrecken.
Als dann ein paar Wochen später bei ihm zu Hause das Telefon klingelte und Bunny ihn fragte ob er nicht Lust hätte in ihrer Piratenbande mitzumachen, hielt Joe das für einen gelungenen Scherz und sagte spaßeshalber zu. Er erklärte sich sogar dazu bereit den Proviant mitzubringen, nachdem sie ihn gebeten hatte um punkt fünf Uhr am nächsten Nachmittag zum Hafen zu kommen.
Mit dem was ihn da erwartete, hatte er allerdings nicht gerechnet....
Einen prallgefüllten Picknickkorb hinter sich herziehend, traf er am nächsten Tag am verabredeten Treffpunkt ein, wo Bunny bereits auf ihn wartete. Und sie war nicht allein. Auch ihr Hund Buster saß neben ihr am Anlegesteg. Joe wunderte sich ein wenig darüber, dass das Tier einen Piratenhut auf dem Kopf trug, aber dann fiel sein Blick auf etwas, das ihm fast die Augen aus dem Kopf fallen ließ. Direkt vor ihnen schwamm etwas auf dem Wasser, das man beim besten Willen nicht mehr als Boot sondern höchstens als „schwimmender Schrotthaufen“ bezeichnen konnte.
„Was zum Teufel ist denn das???“, fragte Joe und sah Bunny geschockt an.
„Na wonach sieht’s denn aus??“, gab Bunny die Frage verständnislos zurück.
Ein weiteres Mal betrachtete Joe die wankende Nussschale, die an mehreren Stellen notdürftig mit Brettern geflickt war und nicht mal ein Segel geschweige denn einen Mast hatte und dann breitete sich langsam ein Grinsen auf seinem Gesicht aus.
„Wo hast du denn bloß dieses tolle Schiff her?? Ich bin begeistert! Lass uns am besten sofort die Segel setzen! Ach nein warte...das geht ja gar nicht. Diese Kiste hat ja nicht mal Segel...“, gluckste er. Dieses Mädchen war wirklich für jeden Spaß zu haben....
„Ach, ich weiß, dass es nichts besonderes ist, aber für den Anfang wird es schon reichen. Ich hab’s bei Ebay ersteigert. War ein echtes Schnäppchen. Naja, die Segel waren im Preis leider nicht inbegriffen, aber dafür gibt es Paddel. Mann, ich musste echt ganz schön aufpassen, dass meine Eltern das Teil nicht entdecken!! Die hätten mir ja sofort’nen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich freu mich ja so, dass du mitkommst!!“, sprudelte es nur so aus Bunny heraus.
Jetzt da sie endlich jemand gefunden hatte, der sie bei ihrem Vorhaben unterstützen wollte, war ihr Tatendrang beinah nicht mehr zu bremsen. Langsam schien es auch Joe zu dämmern, dass es sich hier vielleicht doch nicht bloß um einen harmlosen Scherz handelte. Mühsam wendete er den Blick von diesem schwimmenden Grab ab und sah direkt in Bunny’s strahlendes Gesicht. Er konnte deutlich das Funkeln in ihren Augen erkennen. Das war wirklich ihr Ernst...
„Also, hör mal, Bunny...“, begann er stockend und fummelte dabei mit zittrigen Fingern an seinem Hemdkragen herum. Irgendwie fühlte er sich gerade, als wenn ihm jemand die Luft abschnürte.
„Willst du das etwa wirklich so durchziehen??...Ich meine....das... das geht doch nicht...“, stammelte er weiter, und dass sich Bunny’s Miene jetzt schlagartig verfinsterte, machte die Sache auch nicht leichter.
„Was soll das heißen? Du hast doch gesagt, dass du mitmachst.“, unterbrach sie seine Stotterei barsch und auch ihr Hund sah plötzlich gar nicht mehr so friedlich aus... Allmählich geriet Joe ein wenig in Panik. Wie konnte er sich nur aus der Sache rausreden ohne wie ein totaler Feigling dazustehen und möglichst ohne von dem Hund zerfleischt zu werden?? Dann hatte er den rettenden Geistesblitz.
„Nein, du hast das ganz falsch verstanden! Ich würde ja wahnsinnig gerne mitmachen, aber wir können doch nicht zu zweit losfahren. Eine Piratenbande braucht auf jeden Fall mehr Mitglieder. So ein...äh...Schiff... kann man doch mit nur zwei Personen überhaupt nicht führen.“, erwiderte er und versuchte seine Stimme dabei so enttäuscht wie möglich klingen zu lassen. Ja, dagegen konnte sie nun wirklich nichts sagen. Er war aus dem Schneider! Doch da hatte er sich vielleicht ein wenig zu früh gefreut...
„Ach so! Aber wir fahren doch gar nicht alleine!“, rief Bunny lachend, woraufhin Joe sich suchend umsah und Ausschau nach weiteren Crewmitgliedern hielt. Wen hatte sie denn noch dazu gekriegt bei so einer Schwachsinnsaktion mitzumachen...
„Buster kommt schließlich auch mit. Und so ein kleines Schiff kann man schon mit einer recht kleinen Besatzung steuern. Außerdem werden wir uns auf der Reise natürlich noch ein paar neue Mitglieder suchen! Also, kein Grund zur Panik.“, fuhr das Mädchen fort und klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter. Das gab Joe nun wirklich den Rest.
„Keine Panik?? Willst du etwa mit einem Hund als Navigator in See stechen?? Ich habe überhaupt keine Ahnung von der Seefahrt. Und was ist mit der Schule? Wir können doch nicht so einfach sagen: „Ach übrigens, wir kommen ab morgen nicht mehr zum Unterricht weil wir Piraten werden wollen.“. Und unsere Eltern?? Die werden das nie zulassen! Hast du dir darüber eigentlich mal Gedanken gemacht?? Diese ganze Sache ist doch wirklich die totale Schnapsidee!!“, rief er, wobei sich seine Stimme fast überschlug. Sein Kopf war jetzt knallrot und er ruderte so wild mit den Armen, dass Bunny sich ernsthaft fragte, wer von ihnen beiden denn jetzt wohl nicht mehr ganz dicht war.
„Nun beruhig dich mal wieder, ja? Ich hab mir das alles ganz genau überlegt. Meinen Eltern hab ich einen Brief geschrieben, in dem ich ihnen alles erklärt habe. Es wird ihnen zwar nicht gefallen, aber sie müssen meine Entscheidung einfach verstehen. Meinen Brüdern haben sie’s ja schließlich auch erlaubt. Und in der Schule lernen wir eh nichts nützliches. Wer braucht schon Potenzrechnung oder englische Grammatik? Auf See werden wir die wirklich wichtigen Sachen lernen! Ach ja, deinen Eltern hab ich vorhin übrigens auch einen Zettel in den Briefkasten geworfen, damit sie Bescheid wissen...“ , begann sie zu erklären, doch weiter kam sie nicht.
„DU HAST.... WAS????? Du hast.... meinen Eltern..... oh Gott! Was ist wenn sie den Zettel schon gefunden haben?? Die werden die Polizei rufen! Ich muss nach Hause sonst verknacken die mich wegen Irreführung und böswilliger Täuschung!“, unterbrach Joe sie kreischend und mittlerweile hatte seine Stimme eine beachtliche Tonhöhe erreicht.
„Weißt du was? Wenn du so ein verdammter Schisser bist, dann hau doch ab! So einen kann ich in meiner Mannschaft echt nicht gebrauchen! Buster und ich schaffen das auch alleine!!!“, schrie ihn Bunny wütend an und wendete sich schnell von ihm ab. Sie spürte wie ihr die Tränen in die Augen stiegen und das sollte dieser Idiot jetzt wirklich nicht sehen. Wie hatte sie sich nur so in ihm täuschen können? Sie war so glücklich darüber gewesen, dass sie endlich jemand gefunden hatte, der sie verstand und sie nicht für total durchgedreht hielt. Aber jetzt kam sie sich betrogen und einfach nur total dämlich vor.
Trotzig stapfte sie hinüber zum Boot und sprang hinein. Der Kahn schaukelte gewaltig, aber Bunny ließ sich nichts anmerken. Buster sprang ihr hinterher und setzte sich neben sie. Sie streichelte ihm dankbar über den Kopf. Jedenfalls auf einen konnte sie sich immer verlassen.
Bunny löste das Tau, mit dem das Boot am Steg befestigt war und schnappte sich dann die beiden Paddel. Man sah, dass ihr das Rudern Schwierigkeiten bereitete, aber langsam begann sich das Boot in die richtige Richtung zu bewegen.
Joe stand ziemlich bedröppelt am Steg und sah ihr nach. Sie bluffte doch nur. Sie wollte doch nicht wirklich... so ganz ohne Mast, ohne Segel, ohne Proviant... es war wirklich einfacher die Sachen aufzuzählen, die ihr nicht fehlten. Doch je weiter sich die kleine Nussschale von ihm entfernte desto unsicherer wurde er. Er fühlte sich schuldig. Vielleicht hätte er ihr von Anfang an die Meinung sagen sollen. Dann wäre ihr so ein Hirngespinst erst gar nicht in den Kopf gekommen. Oder war das Ganze vielleicht doch gar nicht so eine verrückte Idee sondern er nur ein totaler Spießer, der Spaß nicht mal erkannte wenn er darüber stolperte?? Er musste es sich eingestehen. Sein Leben war bis jetzt nicht gerade spannend und abwechslungsreich gewesen. Joe hatte keine Geschwister und auch wenn ihn die Leute in der Schule nach seiner gelungenen Zaubershow jetzt nicht mehr so schief anguckten wie früher, war sein Freundeskreis doch eher klein bemessen. Wie glücklich war er gewesen als er Bunny kennen gelernt hatte und durch ihre verrückten Einfälle eine ganz andere Seite des Lebens entdecken konnte. Was sollte er denn jetzt ohne sie bloß anfangen? Wieder anfangen zu zaubern?? Ohne ihre kleinen „Nachhilfetricks“ war seine Show sowieso keinen Pfifferling mehr wert und die Leute würden bestimmt wieder anfangen ihn auszubuhen oder ihn sogar mit faulen Tomaten bewerfen. Allein der Gedanke daran ließ ihn zusammenzucken. Nein, so was wollte er nie wieder erleben und so fasste er einen Entschluss. Seine Eltern würden sich bestimmt Sorgen machen und irgendwann würde er die Sache ganz bestimmt bereuen, aber noch mehr würde er sich später ärgern wenn er jetzt wieder kniff und wie ein Angsthase nach Hause lief.
„Hey Bunny! Warte! Du kannst doch nicht ohne Proviant fahren!”, brüllte er dem Boot hinterher, das jetzt schon eine beachtliche Strecke zurückgelegt hatte.
„Ich hab gut gefrühstückt und außerdem bin ich ja nicht so’ne Memme wie du!“, kam die weniger