Fanfic: O Brothers, where art thou??

Untertitel: How to enter the Grand Line in a Nutshell

Kapitel: The Monster

Eine Woche auf hoher See und der erste Lagerkoller stellte sich auf der „M.S. Schrotthaufen“ ein. Joe hatte ihr Boot heimlich so getauft, aber er würde den Teufel tun und Bunny davon erzählen. Allerdings musste er seinem aufgestauten Frust doch irgendwie Luft machen, bevor er noch ein Magengeschwür bekam. Diese „Einfach drauflos“-Taktik war so gar nicht sein Ding und eine Sache wurmte ihn besonders.
„Ähm,...Bunny, da wir ja jetzt immer noch keine brauchbare Karte haben...woher wissen wir eigentlich, dass wir den richtigen Kurs eingeschlagen haben? Vielleicht fahren wir ja schon die ganze Zeit in die völlig falsche Richtung. Könnte doch sein, oder?“, begann er zaghaft seine Beschwerde zu formulieren.
„Mach dir darüber mal keinen Kopf. Wir haben zwar keine Karte aber immerhin einen Kompass. Mit dem kommt man ganz gut zurecht finde ich.“, erwiderte Bunny und klopfte stolz auf das Navigationsgerät, mit dem sie schon als kleines Mädchen immer im Dorf auf Schatzsuche gegangen war. Sie hatte zwar nie einen richtig wertvollen Schatz gefunden, aber es hatte sie immer wieder sicher nach Hause geführt.
„Ach ja? Und in welche Richtung fahren wir?“, fragte Joe wenig überzeugt.
„Na, das ist doch ganz einfach! Der Rivers Mountain liegt genau in der Mitte der vier Ozeane. Wir sind hier im East Blue. Um also das Tor zur Grand Line zu erreichen, müssen wir logischerweise nach Westen fahren. An diesen Kurs haben wir uns von Anfang an gehalten und deshalb werden wir früher oder später auch an unser Ziel kommen.“, erklärte ihm Bunny in belehrendem Ton. Sie schien sich ihrer Sache so sicher zu sein und auch Buster sah so aus als wenn er seinem Frauchen/Kapitän blind vertrauen würde, aber Joe konnte und wollte sich mit dieser Erklärung einfach nicht zufrieden geben.
„Früher oder später? Das sind ja tolle Aussichten! Wer weiß ob wir zu diesem eher ungenauen Zeitpunkt überhaupt noch leben... Bis jetzt haben wir wirklich Glück gehabt, aber es kommen bestimmt noch schwere Zeiten auf uns zu und darauf wäre ich gerne vorbereitet. Doch solche Nebensächlichkeiten interessieren unseren großen Kapitän ja nicht! Nur mit einer Himmelsrichtung im Kopf ohne genaue Fahrtroute werden wir nie zum Rivers Mountain kommen, verstehst du das nicht?“, seufzte er, doch das war eher eine rhetorische Frage, denn er kannte Bunny mittlerweile lange genug um zu wissen wie sie darüber dachte.
„Kannst du nicht einmal aufhören zu meckern? Wenn du mich für so einen hoffnungslosen Fall hältst, hättest du gar nicht erst mitkommen sollen! Deine blöden Belehrungen kannst du dir sonst wo hin stecken! Ich sollte dich einfach auf der nächsten Insel aussetzen. Dann kannst du sehen wo du ohne mich bleibst!!“, fauchte Bunny ihn mit verschränkten Armen an. Dann wendete sie sich von ihm ab und starrte wütend aufs Meer hinaus. Das Problem war, dass Bunny sich keineswegs so sicher über ihr Abenteuer war. Sie musste sich eingestehen, dass ihre Planung wohl doch ein paar Lücken aufwies und so langsam wuchs ihr die Verantwortung über den Kopf. Gefangen in ihrer eigenen Unsicherheit konnte sie es einfach nicht ertragen immer wieder von Joe auf ihre Fehler aufmerksam gemacht zu werden und fuhr deshalb gleich jedes Mal aus der Haut und keifte ihn grundlos an. Doch sie war eben der Kapitän und durfte vor ihrer Mannschaft keine Schwäche zeigen. Wer würde schon so einem unsicheren Versager folgen??
„Ja klar, beachte mich einfach nicht. Dann wird sich das Problem sicher von ganz alleine lösen. Und das mit dem Aussetzen könnte schwierig werden in Anbetracht der Tatsache, dass wir NIE zur nächsten Insel kommen werden!!“, brüllte Joe außer sich und trat dabei versehentlich Buster auf den Schwanz. Dieser jaulte vor Schmerz auf und stürzte sich kläffend auf ihn. An das dauernde Schwanken des Boots hatten sie sich mittlerweile schon gewöhnt, aber diese Rangelei schien das Fass zum Überlaufen zu bringen. Wie um stummen Protest anzumelden, kippte das Boot plötzlich zur Seite und die zankende Mannschaft ging über Bord.
Prustend tauchte Joe wieder auf und schüttelte sich das Meereswasser aus den Ohren. Er sah sich um, doch außer ihm war niemand zu sehen. Wo waren die anderen? Sein Herz schien einen Moment auszusetzen. Bunny hatte Teufelskräfte und das bedeutete, dass sie nicht schwimmen konnte! Blitzschnell tauchte er wieder unter und suchte panisch den Meeresboden ab. Das Wasser war tief und dunkel. Er spürte wie ihm die Kälte die Lungen zuschnürte. Plötzlich sah er unter sich etwas weißes aufblitzen. Er schwamm tiefer hinab und erkannte Buster, der verzweifelt versuchte Bunny wieder an die Wasseroberfläche zu zerren. Aber auch wenn Bunny sicher kein Schwergewicht war, für einen kleinen Mischling wie ihn war die Last doch zu groß. Bunny’s Augen waren geschlossen und ihr Mund stand offen. Die Angst ließ Joe’s Körper sich noch stärker verkrampfen, doch er versuchte noch schneller zu schwimmen. Als er die beiden endlich erreicht hatte, packte er Bunny unter den Armen und begann sie gemeinsam mit Buster wieder nach oben zu ziehen. Langsam ging ihm die Luft aus. Er spürte den Druck auf seinen Ohren und kleine Lichter begannen vor seinen Augen hin- und herzuflackern wie bunte Schmetterlinge. Nach einer kleinen Ewigkeit stieß er keuchend und salzwasserspuckend an die Oberfläche.
Joe wusste später nicht mehr wie er es geschafft hatte das Boot umzudrehen und Bunny an Bord zu hieven, aber schließlich lagen sie alle triefend und zitternd in der Nussschale. Bunny’s Körper lag da, als wenn alles Leben ihn bereits verlassen hätte. Buster leckte ihr übers Gesicht und winselte dabei erbärmlich. Joe fühlte sich vollkommen hilflos und verlassen. Was sollte er bloß tun?? Er musste etwas tun!! Er durfte sie nicht sterben lassen! Wenn es nicht schon zu spät war...
In der Schule und im Fernsehen hatte er schon oft von Erster Hilfe und Mundzumundbeatmung gehört, aber wie man diese Praktiken genau anwendete, wusste er nicht wirklich. Doch er musste es versuchen! Mit zittrigen Fingern hielt er Bunny die Nase zu. Dann beugte er sich über sie und umschloss ihren Mund mit seinen Lippen, die vom kalten Wasser schon leicht blau angelaufen waren. Vorsichtig ließ er seinen Atem in ihren Mund strömen und sah wie sich ihr Brustkorb dabei hob. Sie musste viel Wasser geschluckt haben. Wie sollte er das aus ihr herausbekommen? Er legte beide Hände auf die Region über ihrer linken Brust und begann mit etwas, das er für eine Herzrhythmusmassage hielt. In seinem Kopf rauschte es. Er konnte ihr Herz nicht spüren. Wieder versuchte er es mit Mundzumundbeatmung. Normalerweise war Joe was Mädchen anging sehr schüchtern und wenn er sich selbst bei dem beobachtet hätte, was er hier gerade veranstaltete, wäre er wahrscheinlich knallrot angelaufen, aber im Augenblick fühlte er nur die Angst.
„Bunny, verdammt, mach die Augen auf! Ich werde auch nie wieder meckern. Ich versprech’s!!“, rief er und Tränen liefen ihm über die Wangen. Buster heulte jetzt wie ein Schlosshund und auch Joe’s Körper schüttelte sich unter seinem Schluchzen. Er drückte den kleinen Hund an sich und vergrub sein Gesicht in seinem nassen Fell. Bunny war zwar eine Nervensäge und hörte nie auf seine gutgemeinten Ratschläge, aber ohne sie war er hier draußen verloren. Außerdem verlor er die beste Freundin, die er jemals hatte.
Ein würgendes Geräusch ließ ihn hochfahren. Bunny hatte sich auf die Seite gerollt und spuckte nun Unmengen Wasser auf den Boden des Boots.
„Du lebst!!“, rief Joe mit krächzender Stimme und beugte sich ruckartig zu ihr hinüber, wobei er wieder neue Schwankungen auslöste. Sofort hielt er inne. So etwas wollte er nicht noch einmal durchmachen!
Bunny hielt ihre Augen immer noch geschlossen. Nachdem sich ihr Magen dem restlichen Wasser entledigt hatte, streckte sie suchend ihre zitternde Hand aus und Buster schmiegte sich sofort an sie.
„Geht’s dir gut, mein Kleiner?“, flüsterte sie ihm erschöpft ins Ohr. Als Antwort erhielt sie einen kleinen Stups mit seiner feuchten Hundenase.
„Also, ich hab mir eher Sorgen um dich als um den Hund gemacht...“, meldete sich Joe zu Wort.
Endlich öffnete Bunny ihre Augen und sah ihn an. Ihr Blick war müde und traurig, so ganz anders als Joe es von ihr kannte.
„Mir ist so kalt.“, brachte sie hinter klappernden Zähnen hervor.
Joe konnte ihr Gefühl sehr gut nachvollziehen. Auch ihm war in den nassen Klamotten nicht gerade wohl zumute. Zwar war es ein recht schöner Sommertag und die Sonne schien vom Himmel, doch trotzdem war das Wasser bitterkalt gewesen und jetzt blies ein kalter Wind übers Meer. Suchend sah Joe sich um. Ihre Decken hatten das Kentern natürlich nicht überstanden. Und auch der Rest ihres Inventars lag jetzt wohl irgendwo auf dem Meeresgrund verstreut. Und er hatte noch vor gar nicht allzu langer Zeit behauptet, dass es nicht mehr schlimmer kommen könnte... Aber er durfte jetzt nicht wieder anfangen sich zu beschweren. Viel wichtiger war es jetzt sich um seinen wiederbelebten Kapitän zu kümmern. Vorsichtig und auf jede seiner Bewegungen achtend rutschte er zu Bunny hinüber.
„Ich kann dir leider keinen wärmenden Tee anbieten, aber wenn du willst, können wir uns ja gegenseitig wärmen. Auch wenn ich nicht weiß ob das viel bringt bei den nassen Sachen...“. schlug er vor und