Fanfic: O Brothers, where art thou??
brachte Bunny damit dazu sich ächzend aufzurichten.
„Du willst mit mir kuscheln??“, fragte sie und sah ihn dabei mit zusammengekniffenen Augenbrauen skeptisch an.
Sofort nahm Joe’s Gesicht die Farbe eines frischlackierten Feuerwehrautos an.
„A...Also, so war das doch überhaupt nicht gemeint! Ich...ich wollte doch nur...“, stammelte er peinlich berührt und hob abwehrend die Hände. Ob sie was von der Mundzumundbeatmung mitgekriegt hatte?...
„Na ja, solange du nicht anfängst mich zu befummeln.“, grinste Bunny schelmisch und trotz der extrem peinlichen Situation war Joe froh zu sehen, dass sie schon wieder ganz die Alte zu sein schien.
„Komm her Buster. Dir ist doch sicher auch kalt.“, sagte Bunny, schloss ihr Hündchen in die Arme und kuschelte sich dann an Joe, der immer noch einen leichten Rotschimmer um die Nase hatte.
„Dann bist du heute wohl der Held des Tages. Du hast deinen Kapitän furchtlos aus den feuchten Klauen des Meeres gerettet. Hey, und wenn ich nächstes Mal nicht wieder aufwachen sollte und du kurz vorm verhungern bist, erlaube ich dir sogar mich anzuknabbern.“, kicherte sie und gab ihm einen Stoß in die Rippen.
„Das ist überhaupt nicht lustig. Ich hab in meinem ganzen Leben noch nie solche Angst gehabt!!“, fauchte Joe aufgebracht und schob Bunny von sich weg. Erst jetzt sah er die Tränen in ihren Augen.
„Ich weiß...Es tut mir leid. Es tut mir leid, dass du dir wegen mir immer solche Sorgen machen musst. Es tut mir leid, dass ich so ein Dickkopf bin. Es tut mir leid, dass ich so ein verdammt schlechter Kapitän bin. Es tut mir leid, dass ich dich in diese Sache mit reingezogen hab. Ich weiß einfach nicht mehr was ich tun soll!“, wimmerte Bunny und ließ den Kopf hängen. Ihre Schultern bebten. Wieder wusste Joe nicht wie er mit dieser Situation umgehen sollte. Sonst war Bunny es immer gewesen, die ihn wieder aufgebaut hatte, wenn er mal wieder Zweifel oder schlechte Laune hatte, aber jetzt schienen sie irgendwie die Rollen getauscht zu haben und er wollte ihr helfen. Also bezwang er seine Schüchternheit ein weiteres Mal an diesem Tag und zog Bunny vorsichtig an sich.
„Hey, heulen bringt uns jetzt auch nicht weiter. Und so schlimm ist die Lage doch nun auch wieder nicht. Wenn wir zusammen halten und die Hoffnung nicht aufgeben, schaffen wir’s bestimmt. Die Piraterie liegt dir schließlich im Blut, also kannst du als Kapitän gar nicht so ein Versager sein.“, redete er beruhigend auf sie ein und strich ihr über die nassen Haare. Und sein Bemühen schien Wirkung zu zeigen, denn langsam wurde Bunny wieder ruhiger.
„Das ist ganz schön sentimentaler Blödsinn, den du da verzapfst, aber trotzdem danke. Für alles...“, murmelte sie in seinen Pullover hinein. Auch wenn Joe keine Ahnung von der Seefahrt hatte, war er als Freund doch unverzichtbar geworden und Bunny hoffte, dass ihre Brüder auch solche treuen Kameraden auf ihrer Seite hatten.
Joe gefiel sich in seiner neuen Rolle als Schiffspsychologe schon ganz gut und das Gefühl ein Mädchen so im Arm zu halten, war auch nicht gerade unangenehm, aber plötzlich hielt er inne und starrte in die Ferne. Vor ihnen am Horizont zeichnete sich irgendetwas ab und er war sich ziemlich sicher, dass es diesmal kein anderes Schiff war.
„Bunny, siehst du das auch? Ich glaube da hinten ist eine Insel.“, rief er aufgeregt.
„Ist ja nett, dass du mich aufmuntern willst, aber du solltest jedenfalls einigermaßen glaubwürdig sein...“, brummte Bunny, die sich gerade wieder sehr wohl fühlte und keine Lust hatte sich wegen solchem Seemannsgarn auch nur einen Zentimeter zu bewegen.
„Das ist kein Scherz! Hol dein Fernglas raus und guck selber nach!“, quietschte er, packte Bunny an den Schultern und drehte sie in die richtige Richtung.
Zuerst sah Bunny überhaupt nichts, aber als sie die Augen zusammenkniff und dabei fast ein bisschen schielte, konnte sie dort hinten tatsächlich etwas erkennen. Sie kramte in ihrer Hosentasche nach ihrem Fernglas und war selbst überrascht, dass es während ihres kleinen Tauchgangs nicht verloren gegangen war. Sie schüttelte das Wasser heraus und hielt es sich vor die Augen.
„Ich glaube du hast wirklich Recht. Dort drüben ist eine Insel.“, murmelte sie erstaunt und reichte Joe das Fernglas.
Jetzt gab es kein Halten mehr. Die beiden durchnässten und frierenden Piratenanwärter legten sich ein letztes Mal tüchtig in die Riemen und so schafften sie es in einer knappen Stunde bis zum weißen Strand der ersehnten Insel. Dort zogen sie ihr Boot an Land und ließen sich erschöpft in den Sand fallen.
Die Insel schien auf den ersten Blick recht klein zu sein, und hinter ihnen erstreckte sich ein dichter Wald aus Palmen und anderem Gewächs. Hier gab es keine Anzeichen für Häuser oder Straßen, keinen Hinweis auf Zivilisation.
„Glaubst du die Insel ist unbewohnt?“, fragte Joe und sprach damit Bunny’s Gedanken laut aus.
„Keine Ahnung. Vielleicht liegt hinter diesem Wald ja ein Dorf oder so was. Wir sollten die Insel erkunden und versuchen etwas Essbares aufzutreiben. Kannst du jagen?“, erkundigte sich Bunny, doch Joe’s entsetzter Gesichtsausdruck sagte alles.
„Ich? Ich kann doch kein Tier umbringen!! Ich kann kein Blut sehen!“, erwiderte er und verzog vor Ekel das Gesicht.
„Auch gut. Dann suchen wir für dich eben ein paar Beeren.“, lachte Bunny und raffte sich auf. Dann reichte sie Joe die Hand und zog ihn hoch.
„Los Buster, deine Spürnase ist gefragt. Such uns ein feines Fressifressi!“, fügte sie an den Vierbeiner gewandt hinzu und der machte sich sofort daran ihren Befehl auszuführen.
So wanderten sie eine Weile durch das grüne Dickicht, wobei Bunny ihre Probleme mit dem dichten Laubwerk hatte und Joe sich mit den extrem aufdringlichen Stechmücken herumplagte. Außerdem hatte er schon die ganze Zeit das Gefühl, dass sie irgendjemand oder irgendetwas beobachtete. Unsicher blickte er sich immer wieder um und stolperte dabei einige Male über Steine und Baumwurzeln.
„Hast du zwei linke Füße oder stehst du einfach nur auf blaue Flecken?“, feixte Bunny als er erneut mit dem moosigen Boden in Kontakt trat.
„Ich glaube wir werden verfolgt.“, raunte er ihr zu.
„Ach echt? Und wer ist der böse Unbekannte? Rübezahl vielleicht? Oder der Geist von Gold Roger höchst persönlich?? Womöglich liegt das legendäre One Piece ja gar nicht auf der Grand Line sondern irgendwo hier auf dieser Insel und nun will er uns einen Schrecken einjagen, damit wir bloß schnell wieder von hier verschwinden. Na komm schon her du Geisterheini. Vor dir hab ich keine Angst!“, tönte Bunny lauthals und ihre Stimme halte durch den dichten Wald, doch der Geisterheini schien gerade keine Lust zu haben sich mit ihnen zu unterhalten, jedenfalls blieb alles ruhig.
„Du hast selbst gesagt, dass wir nicht sicher sein können ob diese Insel bewohnt ist. Vielleicht leben hier Kannibalen oder gefährliche Raubtiere...“, erwiderte Joe einerseits ängstlich andererseits beleidigt darüber, dass Bunny ihn wieder mal nicht ernst nahm. Und wie als eine Art Bestätigung teilte sich jetzt vor ihnen das düstere Unterholz und sie traten auf eine freie Lichtung, die durch das Fehlen der hohen Bäume vom Sonnenlicht durchflutet wurde. Auf der Lichtung stand eine kleine Bambushütte. Sie wirkte ein bisschen zusammengeschustert, aber dafür besaß sie sogar eine Terrasse und Gardinen vor den Fenstern, die aussahen wie Palmenblätter. Vor der Hütte war eine Feuerstelle aufgebaut und darüber brutzelte auf einem Spieß etwas, das wie ein Vogel aussah und einen köstlichen Geruch verströmte. Beiden stand für einen Moment der Mund offen, in dem ihnen aber beim Anblick dieses Gaumenschmauses schon das Wasser zusammenlief. Joe fing sich als erstes.
„Ich hab’s dir doch gesagt, aber du hörst ja nie auf mich. Du willst doch nicht etwa behaupten, dass dieses leckere Brathähnchen von ganz allein hierher geflogen ist und sich dann eigenhändig über dem Feuer aufgespießt hat, oder?“, fragte er und warf Bunny einen triumphierenden Blick zu.
„Schon gut, dann hast du also einmal in deinem Leben Recht gehabt, aber es interessiert mich jetzt weniger wie es da hin gekommen ist, sondern wie ich es am schnellsten in meinen leeren Magen bekomme.“, sagte Bunny und stürmte hinüber zum Feuer. Buster, dem die Zunge schon aus dem Maul hing, war ihr direkt auf den Fersen, doch Joe zögerte.
„Du kannst das doch nicht einfach so essen. Sein Besitzer könnte darüber eventuell ziemlich ungehalten reagieren und will dann als Ersatz vielleicht uns rösten.“, gab er zu bedenken und sah sich erneut unbehaglich um. Hatte er da hinten in den Büschen nicht gerade ein paar Augen aufblitzen sehen? Oder spielte ihm sein Unterbewusstsein bloß einen Streich?
„Dann bleib eben da stehen und guck uns beim Essen zu. Du stehst ja doch mehr auf Beeren. Mmh, ist das lecker!!“, brabbelte Bunny mit vollem Mund und schob sich schon das nächste Stück von dem zarten Fleisch zwischen die Zähne. Joe fühlte sich bei diesem Mundraub immer noch unwohl, aber jetzt konnte er seinen knurrenden Magen nicht mehr länger ignorieren. Er setzte sich zu den anderen und ließ sich von Bunny ein knuspriges Hähnchenbein reichen. Ihm war als hätte er noch nie so etwas gutes gegessen. Er wollte jeden Bissen genießen, aber er war so ausgehungert, dass er gierig alles hinunterschlang.
„MUAHAHAHAHA!!“, ertönte plötzlich