Fanfic: O Brothers, where art thou??
Kapitel: Fighting Pirates
Joe sollte Recht behalten. Vielleicht hätte sich die Bande wirklich einen besseren Zeitpunkt für ihre Abreise aussuchen sollen. Zum Glück war es mitten im Sommer und deshalb gönnte ihnen die Sonne noch ein paar Stunden ihr Licht bevor sie sich dann entgültig vom Himmel verzog, doch dann wurde es langsam haarig und Joe dankte Gott auf Knien für die Erfindung des Leuchtturms, denn ohne den wären sie wohl nie im Hafen der nächsten Insel gelandet sondern zwischendurch an irgendeiner heimtückischen Klippe zerschellt. Am liebsten hätte Joe von dort sofort seine Eltern angerufen, damit sie ihn gleich am nächsten Morgen abholten, aber das wollte er Bunny nicht antun. Wenn er sie jetzt zum zweiten Mal versetzte, würde sie wahrscheinlich nie wieder ein Wort mit ihm wechseln. Trotzdem war er sich nicht ganz sicher ob ihm das nicht doch lieber war als auf See elendig zu verrecken.
Seinem weiblichen Kapitän schien dieser erste Rückschlag nicht so sehr zugesetzt zu haben. Fröhlich pfeifend zog sie mit Buster durch die Gassen der Stadt um nach einer Unterkunft für die Nacht zu suchen. Sie erinnerte sich daran, dass ein alter Freund ihres Vaters auf dieser Insel lebte, aber den wollte sie nicht fragen, denn er würde bestimmt versuchen sie zu überreden wieder umzukehren und genau das hatte Bunny definitiv nicht vor. So klapperten sie gemeinsam einige der Gasthäuser ab. Allerdings ohne großen Erfolg, denn die meisten Leute hielten ihre Geschichte für einen dummen Kinderscherz oder wollten lieber ihre Eltern benachrichtigen als ihnen einen Schlafplatz zu geben. Erst als selbst Bunny kurz davor war aufzugeben und vorschlug doch irgendwo draußen am Hafen zu schlafen, wogegen Joe sich allerdings hartnäckig sträubte, kamen sie an eine kleine Pension nahe des Stadtrands. Die Besitzerin war eine herzensgute alte Dame, die mit ihrem schneeweißen Haar und einem gütigen Lächeln im Gesicht aussah als wenn sie geradewegs einem Märchenbuch entsprungen war. Bunny erzählte ihr eine etwas abgewandelte Version ihrer Geschichte, in welcher sich ihre Fahrt auf hoher See irgendwie mehr wie ein kleiner Tagesausflug anhörte und die Frau lud sie sofort zu sich ein und kochte ihnen sogar noch ein leckeres Nachtmahl.
In dieser Nacht schlief Bunny friedlich und selbst Joe, dem so viele Sorgen durch den Kopf gingen, war von der ganzen Paddelei so erledigt, dass er sofort ohne Probleme einpennte.
Seine Bedenken meldeten sich aber gleich nach dem Aufstehen zurück, als ihm wieder einfiel, dass sie so gut wie kein Geld hatten um die Dame für ihre Gastfreundschaft zu bezahlen. Diese zeigte sich allerdings gnädig und erließ ihnen die Schulden, nachdem Bunny ihr beim Abspülen geholfen hatte und Joe ihr Blumenbeet umgegraben hatte. Zum Abschied schenkte sie den Kindern sogar noch einen Korb mit Obst und selbstgebackenem Brot und ein paar Flaschen Limonade und so stachen sie am gleichen Tag mit neuem Proviant erneut in See.
Die Futterration der netten Dame hielt die Bande für zwei ganze Tage über Wasser, während denen sie recht ziellos übers Meer paddelten ohne auf eine mögliche Anlaufstelle zu stoßen. Nachdem ihnen so langsam das Brot ausgegangen war, hatte Joe die glorreiche Idee gehabt sich doch ein paar Fische zu fangen, wo sie doch jetzt direkt an der Quelle saßen, aber leider hatte er auch bewiesen, dass er als Angler so gar kein Talent hatte. Nun war es an Bunny sich was einfallen zu lassen und so hatte sie versucht ihre ganz eigene Fangtechnik zu entwickeln. Immer wenn sie einen Fisch am Boot vorbeischwimmen sah, ließ sie einen kleinen Stromstoß ins Wasser schießen, was einen ähnlichen Effekt hatte, als wenn man einen eingeschalteten Fön in die Badewanne werfen würde. So hatte sie schon ein paar Fischlein erwischt und Joe hatte gemerkt, dass es eine ziemlich blöde Idee war während dieses Manövers seine Füße ins Wasser zu halten. Von der Aktion leicht „geschockt“ hatte der arme Junge anfangs nicht mal mitgekriegt, dass Buster aus lauter Heißhunger schon damit begonnen hatte, an seinem Bein zu nagen.
„Aua! Verdammt Buster, ich bin doch kein Hundeknochen!“, quietschte er wenig später und rieb sich das schmerzende Bein. Man konnte sogar noch die Bissspuren des Hundes darauf erkennen.
„Hey Joe, wenn du weiter so schaukelst, kannst du bald weiter schwimmen!“, schimpfte Bunny und hielt sich vorsichtshalber am Boot fest, das durch Joe’s plötzlichen Aufruhr bedrohlich ins Wanken geraten war.
„Das kann auch nicht viel schlimmer werden als es jetzt sowieso schon ist. Wir sitzen hier auf dieser Nussschale fest und haben fast nix mehr zu futtern. Dein blöder Hund will mich zum Mittagessen verspeisen, aber am meisten Sorgen macht mir die gähnende Leere in unseren Trinkflaschen. Wenn wir nicht bald irgendwo frisches Wasser herkriegen, sind wir erledigt!“, fluchte Joe. War er denn wirklich der einzige, der sich hier Sorgen machte?? Sein Gegenüber schien ihn nicht einmal zu beachten, sondern starrte einfach an ihm vorbei während er noch weitere Schwachstellen in ihrem ach so tollen Schlachtplan aufzählte.
„Außerdem kann auf hoher See von einem Moment auf den anderen ein Unwetter aufziehen und dann bietet uns dieser Schrotthaufen wohl keinen sehr großen Schutz, und... Hey Bunny, hörst du mir überhaupt zu??“, keifte er sie jetzt an und klang dabei immer mehr wie eine nörgelnde Ehefrau.
Doch anstatt ihm zu antworten, sah Bunny ihn mit vor Verblüffung geweiteten Augen an und deutete dann mit dem Finger auf irgendetwas hinter ihm. Langsam drehte Joe sich um und dann erblickte er den Grund für ihr Verhalten. Ein anderes Schiff fuhr genau auf Kollisionskurs mit ihrem Boot. Es war ein relativ großes Schiff und kam im Gegensatz zu ihrem Fortbewegungsmittel schnell voran. In Kürze würde es bei ihnen eintreffen. Joe stockte der Atem. Was sollten sie jetzt tun?
„Juhu, endlich ein Schiff. Wir sind gerettet Joe!! Hallo! Hier sind wir!!“, jubelte Bunny ausgelassen, und begann wild mit den Armen zu winken ohne dabei auf das erneute Schwanken des Boots zu achten.
„Wie kannst du bloß immer so naiv sein? Woher willst du wissen, dass die uns helfen wollen? Vielleicht wollen sie uns ausrauben!“, erwiderte der Junge besorgt.
„Oder sie wollen uns einfach nur rammen...“, fügte er hinzu und seine Stimme nahm immer panischere Züge an.
„Und warum musst du immer alles gleich so schwarz sehen? Dieses Ding sieht eigentlich nicht ganz wie ein typisches Kampfschiff aus. Meinst du nicht?“, gab Bunny grinsend zurück.
Okay, sein Kapitän war jetzt wohl entgültig übergeschnappt. Er würde sich ganz allein helfen müssen. Vielleicht würden sie ihn verschonen wenn er sich ihnen als Sklave anbot. Zitternd wendete er seinen Blick wieder dem Feind zu. Das Schiff war jetzt schon bedrohlich nah an sich herangekommen und endlich konnte Joe es näher in Augenschein nehmen. Seltsam... Bunny hatte Recht. So hatte er sich ein Kampfschiff wirklich nicht vorgestellt. So etwas hatte er überhaupt noch nicht gesehen. Das Schiff des vermeintlichen Feinds war in einem grellen pink gestrichen. Die Galionsfigur war eine Frau mit blonder Dauerwelle, einem rosa Ballkleid und auffälligen grünen Ohrringen und an die Backbordseite hatte jemand in verschnörkelten Buchstaben den Namen „Dainty Lady“ gepinselt. Aber oben am Mast baumelte tatsächlich eine Piratenflagge.
„Hey, willst du da unten Wurzeln schlagen? Komm endlich!“, ertönte Bunny’s Stimme über ihm. Joe sah nach oben und stellte fest, dass die Fremden eine Hängeleiter heruntergelassen hatten und Bunny mit Buster im Arm bereits dabei war hinaufzuklettern.
„Bunny, hast du sie noch alle? Du kannst doch nicht... Wer weiß was die mit dir anstellen...“, stammelte Joe völlig perplex. Er wollte sich lieber nicht vorstellen, was die Besatzung so eines Schiffes für Pläne mit ihnen hatte.
„Du kommst jetzt auch hier rauf, du Miesmuschel, sonst komm ich runter und hol dich!“, donnerte jetzt eine laute Stimme vom Deck des anderen Schiffes. Der bullige Kopf eines Mannes mit wilder roter Mähne und passendem roten Vollbart erschien an der Reling und sah ihn mit finsteren Augen an.
Joe zog es vor diesem eindeutigen Befehl sofort Folge zu leisten und krabbelte umständlich die Strickleiter hinauf. Fast oben angekommen wurde er von dem Rothaarigen gepackt und auf Deck abgesetzt. Der Kerl schien Bärenkräfte zu haben und außerdem trug er einen Kilt... Nachdem seine Verwunderung über den extravaganten Modegeschmack des Mannes etwas abgeebbt war, drängte sich wieder die Panik in Joe’s Gedanken. Dies war eindeutig ein wahnsinniger Killer!
„Hallo, ich bin Kapitän Bunny D. Kate und das ist mein 1. Maat Joe Porter. Freut mich Ihre Bekanntschaft zu machen Herr....äh...“, setzte Bunny zur Begrüßung an und streckte dem Killer freundlich die Hand entgegen. Joe sackte merklich in sich zusammen. Das war ihr entgültiges Ende. Bunny hatte den Psychopathen gereizt und wahrscheinlich würde er ihr gleich die Hand abbeißen. Dieser schien allerdings etwas anderes vorzuhaben, denn er nahm nun Bunny’s Hand in eine seiner Riesenpranken und schüttelte sie kräftig.
„Kapitän, wie? Herrlich...“, gluckste er und stimmte dann ein schallendes Gelächter an, das Bunny ein wenig an den Weihnachtsmann erinnerte.
„Und das da unten ist wohl euer Prachtschiff, was? Neuste Mode aus Übersee, he? Könnte vielleicht mal wieder’nen neuen Anstrich