Fanfic: O Brothers, where art thou??

Untertitel: How to enter the Grand Line in a Nutshell

Kapitel: Tears in Paradise

Es war Morgen. Das folgerte Joe jedenfalls aus der Tatsache, dass ihn die Sonne schon seit einer Weile an der Nase kitzelte. Und noch etwas anderes ließ sein Riechorgan auf Touren kommen. Er atmete tief ein und sog den köstlichen Geruch von gebratenem Speck ein. Dann setzte er sich auf und sah sich um. Nicht weit von ihm entfernt lag Bunny auf einer Strohmatte und schlief friedlich. Sie hatte einen Arm um Buster geschlungen, der andere lag auf ihrem Gesicht. Joe grinste. Sein Kapitän war wirklich ein Langschläfer. Aber er hatte jetzt keine Lust mehr sich noch mal hinzulegen. Mit knurrendem Magen stand er auf und folgte dem Duft nach Frühstück hinaus aus der Hütte. Vor der Tür fiel sein Blick sofort auf die Feuerstelle, über der in einer Pfanne ein paar Spiegeleier und ein paar Streifen Speck brutzelten. Wenn Norman ihnen dann immer so ein leckeres Mahl kochen würde, hatte Joe wirklich nichts dagegen, dass er vielleicht Mitglied in ihrer Bande werden könnte. Außerdem konnten sie jede Art von Verstärkung gut gebrauchen...
Apropos, wo war Norman überhaupt? Er konnte doch das gute Essen hier nicht einfach so unbeaufsichtigt lassen. Doch ein Geräusch ließ ihn annehmen, dass Norman ganz in der Nähe sein musste. Joe lief um die Hütte herum und fand den Gesuchten, der gerade dabei war seine Wäsche aufzuhängen. An einem Seil, das zwischen zwei Palmen befestigt war, hingen bereits ein paar Shorts und einige verschiedenfarbige Hawaiihemden zum Trocknen. Ein knallgelbes Exemplar mit großen roten Blüten schmückte heute morgen Norman’s fülligen Oberkörper und insgeheim war Joe sehr froh darüber, dass dieser Mann nicht jeden Tag einen Blätterbikini trug.
Norman schien ihn noch nicht bemerkt zu haben, denn er war weiter fröhlich dabei Kleidungsstücke an die Leine zu knoten, wobei er rhythmisch mit dem Hintern wackelte. Joe sah, dass er Köpfhörer auf den Ohren hatte und mit einem Walkman wohl recht beschwingte Musik hörte. Jetzt begann er sogar laut zu singen und sein Zuhörer stellte überrascht fest, dass er eine sehr wohlklingende Bassstimme hatte, die ein wenig an Barry White erinnerte.
Joe hielt es für keine gute Idee den Mann jetzt mitten im Lied zu unterbrechen und entschloss sich deshalb wieder zurück zu seinem Frühstück zu gehen um dort auf die anderen zu warten.
Er war kurz davor sich schon mal einen Streifen Speck aus der Pfanne zu stibitzen, als Norman pfeifend um die Ecke geschlendert kam.
„Hallo junger Freund. Auch schon wach? Der Hunger hat dich wohl aus den Federn getrieben, was?“, rief er munter als er Joe erblickte.
„Ähh,...ja...ich bin gerade erst aufgewacht. Hatte noch gar keine Zeit mich umzusehen...“, stammelte Joe und beschloss spontan ihn nicht auf seine kleine Gesangeinlage anzusprechen.
„Sollen wir noch auf die Kleine warten, oder hältst du es nicht mehr so lange aus?“, fragte Norman und stocherte prüfend in der Pfanne herum.
„Ach, das kann noch dauern. Bunny kann ewig pennen. Wir können ihr ja was überlassen.“, erwiderte Joe schnell und wenig später stopfte er sich gierig die wirklich köstlichen Spiegeleier in den Mund.
„Boar, hast du mal als Koch gearbeitet? Dein Essen schmeckt echt erste Sahne!!“, schwärmte er mit vollem Mund und spuckte dabei versehentlich ein bisschen Eigelb durch die Gegend.
„100 Punkte! Da liegst du goldrichtig. Bevor ich hier her kam, war ich Koch im „Chez Jacques“. Dem besten Restaurant von ganz Tuvalu, der Insel von der ich komme. Unsere Küche ist berühmt für ihre ausgezeichneten Fischspezialitäten!“, erzählte Norman stolz.
„Hey, ich glaub von dem Laden hab ich mal was in der Zeitung gelesen. Echter Luxusschuppen. Meine Eltern wollten da auch unbedingt mal hin. Und da hast du gearbeitet? Was machen die denn jetzt ohne dich?“, fragte Joe interessiert.
„Ach, ich war da nie so ein großes Tier, weißt du. Hat mich gewundert, dass die mich überhaupt eingestellt haben. Ich pass da eben nicht so gut rein zwischen diese ganzen Lackaffen. Die wollten sogar, dass ich in der Küche’nen Anzug trage! Eigentlich hatte ich mehr drauf als alle diese Schnösel zusammen, aber ich hab meinen eigenen Stil und von dem lass ich mich auch nicht abbringen, egal was die sagen. Mit so einer Einstellung wird man bei denen natürlich nie zum Chefkoch. Aber die sollen mal sehen wie sie jetzt ohne mich zurecht kommen!“, erwiderte Norman und Joe sah zum ersten Mal wie sich seine sonst so gutgelaunte Miene verfinsterte. Ehrlich gesagt hätte er sich einen Freigeist wie Norman auch nicht in so einem piekfeinen Restaurant vorstellen können.
„Das klingt als wenn du da nie wieder hin willst...“, versuchte er ein bisschen nachzubohren.
„Tja, ich hatte drei Monate Zeit darüber nachzudenken und in dieses Gefängnis kriegen mich keine zehn Pferde mehr rein! Und wenn du damit auf meine Entscheidung auf euer Angebot anspielst... Ich glaube ihr habt ab jetzt ein neues Crewmitglied.“, grinste Norman und schon leuchtete das Funkeln in seinen Augen wieder auf.
„...und ein neues Schiff. Da wird Bunny sich aber freuen! Ich mich natürlich auch. Und endlich haben wir jemand, der sich um das leibliche Wohl der Besatzung kümmert. Immer nur trockenes Brot und matschiges Obst hingen mir auch schon langsam zum Hals raus. Hast du denn sonst noch irgendwelche verborgenen Talente? Ich hab nämlich die leise Befürchtung, dass unsere Mannschaft bis jetzt nicht gerade aus Nahkampfprofis besteht. Bunny’s Teufelskräfte sind zwar klasse, aber...“, begann Joe zu erläutern, doch Norman unterbrach ihn mit einem aufgebrachtem Schnauben.
„Na hör mal! Schließ nicht von dir auf andere! Ich bin jedenfalls noch ganz gut in Schuss!“, rief er und ging zur Demonstration über. Er krempelte einen seiner Hemdärmel nach oben und ließ stolz seinen Bizeps spielen. Joe schien immer noch etwas skeptisch zu sein, doch als Norman ihn aufforderte doch mal selber Hand anzulegen, musste er erstaunt feststellen, dass es sich hierbei nicht nur um Fettberge sondern um echte Muskeln handelte.
„Das ist kein Pudding, Freundchen! Ich war früher mal Champion der Ringermannschaft. Ich hab den Titel dreimal in Folge geholt! Okay, ich geb zu, dass ich in meiner Zeit als Koch ein bisschen aus der Form gekommen bin, aber seit ich hier gelandet bin, hab ich aus lauter Langeweile wieder angefangen zu trainieren. Ich schwimme täglich und jogge sogar manchmal um die ganze Insel! Und mit so einer halben Portion wie dir nehm ich’s locker auf.“, lachte Norman und packte Joe an der Hüfte um ihn sich dann ohne Mühe auf die breiten Schultern zu setzen. Jetzt war auch der Skeptiker der Truppe überzeugt und vor allem positiv überrascht von ihrem Neuzugang.
„Na dann kann ja jetzt nichts mehr schief gehen, Rambo“, kicherte er und klopfte Norman anerkennend auf die Schulter.
Die beiden tollten noch ein bisschen durch die Gegend und als sie wieder an der Hütte ankamen, waren auch Bunny und Buster endlich aufgestanden und hatten die Überbleibsel des Frühstücks schon restlos vertilgt. Wie erwartet, freute Bunny sich riesig über Norman’s Zusage und schlug dann vor endlich ihr neues Schiff zu begutachten.
„Wer weiß, ob du uns nicht was vorgelogen hast. Vielleicht ist dein Schiff ja die letzte Schrottmühle...“, mutmaßte sie scherzhaft als sie sich auf den Weg durch den Wald zum anderen Ufer der Insel machten, wo das Boot vor Anker lag.
„Schlimmer als unser letztes Modell kann’s ja nicht sein...“, raunte Joe hinter vorgehaltener Hand und fing sich einen bösen Blick von Bunny ein.
Doch sie wurden nicht enttäuscht. Norman’s Schiff war zwar nicht das größte, aber natürlich ein völlig anderes Kaliber als ihr vorheriges Fortbewegungsmittel.
„Es hat einen Mast! Mit einem Segel!“, jubelte Joe und diesmal erntete er einen schmerzhaften Tritt in die Kniekehle für seine Scherzchen.
„Jawohl, außerdem hat sie zwei kleine Kajüten und natürlich eine vollausgestattete Kombüse. Fräulein Akyoo hat mir schon lange Zeit treue Dienste geleistet!“, ergänzte Norman mit Stolz in der Stimme.
„Fräulein Akyoo???“, fragten Joe und Bunny wie aus einem Munde und Joe konnte sich ein Glucksen nicht verkneifen.
„Ja, der Name ist doch sehr passend. Schließlich ist sie eine wahre Schönheit, oder etwa nicht?“, erwiderte er mit etwas beleidigtem Unterton.
Beide nickten zustimmend. Man konnte zwar genau sehen wo Norman das Boot vor kurzem wieder zusammengeflickt hatte, weil das Holz, das er für die Reparatur verwendet hatte, etwas dunkler als der Rest war und auch auf dem weißen Segel ein großer Flicken prangte, aber insgesamt war die „Fräulein Akyoo“ wirklich ein hübsches Schiff und bestens geeignet um damit ihre Reise fortzusetzen.
„Hat sie auch eine Kanone?“, fragte Bunny nachdem sie auf den ersten Blick keine Waffen erkennen konnte.
„Nein, das ist ja schließlich kein Kampfschiff. Dafür hat sie ein großes Schleppnetz. Damit kann man mindestens eine halbe Tonne Fisch fangen!“, prahlte Norman und man konnte deutlich spüren wie sehr ihm sein Boot am Herzen lag.
„Aber etwas entscheidendes fehlt!“, sagte Bunny, woraufhin Norman sie so empört ansah als wenn sie ihn gerade persönlich beleidigt hätte.
„Die Piratenflagge natürlich! Du hast nicht zufällig eine parat?“, setzte sie schnell hinzu und grinste.
„Ach so. Nee, so was brauchte ich bis jetzt noch nicht. Aber ich hab’ne