Fanfic: O Brothers, where art thou??
Kapitel: Fly to the Rescue
Bunny blickte dem nächsten Tag mit geränderten Augen entgegen und ihre Verwirrung der letzten Nacht hatte sich nach einigen schlaflosen Stunden in miese Laune verwandelt. Nach dem Aufstehen machte sie sich sofort daran die letzten Vorbereitungen für die Abfahrt zu treffen.
Joe und Norman versuchten anfangs noch sie auf die gestrige Situation anzusprechen doch Bunny blockte alles mit einem unverständlichen Grummeln und einem bösen Blick ab. Sie wollte von diesem Kerl nichts mehr wissen und damit basta!
Bei diesem vorgelegten Tempo war die Truppe schon nach dem Mittagessen bereit zum Ablegen und so kam es, dass sich die „Fräulein Akyoo“ an diesem Tag in der Hitze der Mittagssonne langsam vom Strand der Insel entfernte und aufs offene Meer hinaussegelte. Norman stand an der Reling und blickte sehnsüchtig auf den Ort zurück, der für einige schöne Monate sein Zuhause gewesen war.
„Ich werde das alles vermissen.“, seufzte er und wendete traurig den Blick vom weißen Sandstrand und den sich sanft im Wind wiegenden Kokospalmen ab.
„Es war alles so ruhig und friedlich. Obwohl... hier ist ja im Moment auch nicht so viel los...“, fügte er hinzu und sah sich suchend um.
„Bunny sitzt oben im Ausguck. Sie wollte die Flagge aufhängen und ist seitdem noch nicht wieder runtergekommen.“, beantwortete Joe seine ungestellte Frage.
„Dieser Bursche muss ihr ja echt ganz schön zugesetzt haben. So hab ich sie noch nie erlebt. Vielleicht sollte ich ihr ein paar leckere Kekse backen um sie etwas aufzuheitern. Das lenkt mich auch ein bisschen ab.“, überlegte Norman und begab sich in die Kombüse.
Der Duft von frischem Gebäck schien wirklich seine Wirkung getan zu haben, denn kurze Zeit später gesellte sich auch der Kapitän zur Mannschaft in die Küche.
„Schon gut. Ich hab mich abgeregt.“, sagte Bunny mit einem verlegenen Grinsen als die anderen beiden sie besorgt musterten.
„Riech ich hier etwa Kekse??“, fragte sie, doch bevor überhaupt jemand antworten konnte, hatte sie sich schon auf die duftenden Plätzchen gestürzt.
„Die schmecken einfach super. Wo hast du nur immer die Rezepte her?“, wendete sie sich mit noch halbvollem Mund dem Meisterkoch zu.
„Das Rezept ist von Claire...“, erwiderte dieser mehr in Gedanken.
Da Norman sich nicht anschickte weiter zu sprechen sondern es vorzog verträumt in die Gegend zu starren, bohrte Bunny weiter nach.
„Und wer ist Claire? Deine Mutter??“, machte sie ihrer Neugier Luft.
„Meine Frau...“, gab Norman knapp zurück, doch sah er sie dabei immer noch nicht direkt an.
„Du bist verheiratet??“, platzte Joe heraus und vor lauter Überraschung glitt ihm der Atlas, mit dem er sich in den letzten Tagen ständig beschäftigt hatte, aus den Händen und knallte auf den Küchentisch. Erst jetzt blickte Norman auf und lächelte.
„Ist das so ungewöhnlich?“, fragte er und Joe’s Nasenspitze färbte sich rot.
„Tut mir leid. So war das nicht gemeint. Aber warum willst du denn als Pirat zur See fahren wenn zu Hause deine Frau auf dich wartet?“, stammelte er entschuldigend.
Norman sah ihn einen Moment nachdenklich an bevor er antwortete.
„Das hab ich nicht gesagt. Zu Hause wartet niemand auf mich.“
„Seid ihr geschieden?“, erkundigte sich Bunny und Norman kam sich langsam ein bisschen vor wie bei einem Kreuzverhör.
Wieder schwieg er eine Weile. Es fiel ihm schwer darüber zu reden, aber er wusste auch, dass er sich seinen neuen Freunden getrost anvertrauen konnte. Sie mochten noch keine Erwachsenen sein, aber sie waren sicher alt genug um seine Situation zu verstehen.
„Nein, nie im Leben hätte ich mich von ihr scheiden lassen. Sie ist die tollste Frau auf der Welt. Ich hab sie auf einer meiner Reisen kennen gelernt. Sie betrieb ein kleines Restaurant auf einer Insel im South Blue. Ich habe mich sofort in sie verliebt. Und in ihre Kekse...“, wieder umspielte ein verträumtes Lächeln sein Gesicht.
„Ich blieb bei ihr auf der Insel und nur ein paar Monate später haben wir geheiratet. Ich konnte mein Glück gar nicht fassen. Ich hätte nie gedacht, dass sich so eine Frau mit einen Kerl wie mir abgeben würde. Doch das tat sie. Jedenfalls bis zu diesem einen Tag im Herbst vor zwei Jahren. Sie fuhr mit unserem kleinen Boot raus um wie gewöhnlich ein paar Besorgungen auf der Nachbarinsel zu machen. Als sie aufbrach strahlte die Sonne und am Himmel war keine Wolke zu sehen doch schon bald schwenkte das Wetter um und ein starkes Gewitter kam auf. Ich stand stundenlang am Hafen und wartete auf ihre Rückkehr, doch sie kam nicht zurück. Sie haben tagelang nach ihr gesucht. Und als sie die Suche aufgaben, habe ich alleine weiter nach ihr gesucht. Wochenlang bin ich jeden Tag raus gefahren und habe jeden Winkel nach ihr abgesucht. Ich hab mir die Seele aus dem Leib geschrieen, aber sie hat mir nicht geantwortet... Nach einigen Monaten hab ich die Insel verlassen. Ich konnte es nicht ertragen dort ohne sie zu sein. Aber ich denke jeden Tag an sie...“, erzählte Norman mit leiser Stimme.
Bunny spürte einen dicken Kloß in ihrem Hals. Sie kannte Norman zwar noch nicht sehr lange aber sie hätte nicht gedacht, dass sie ihn jemals so traurig erleben würde. Ihren sonst so munteren Kumpel so zu sehen, tat ihr weh und da sie nicht wusste was sie sagen sollte, rutschte sie wortlos zu ihm hinüber und umschlang den Umfang seines fülligen Bauches, den sie mit ihren Armen umspannen konnte.
„Danke Kleines.“, flüsterte Norman und drückte sie an sich.
Auch Joe, der von der Situation ganz gerührt war, stand nun auf um sich an der Umarmung zu beteiligen, doch plötzlich machte das Schiff einen unerwarteten Ruck nach vorne und er legte sich stattdessen flach aufs Gesicht.
„Was war das?“, rief Bunny und sprang aufgeregt vom Tisch auf.
Sie konnte sich gerade noch auf den Beinen halten als das Schiff erneut durchgeschüttelt wurde. Dann riss sie die Kombüsentür auf und rannte an Deck. Als sie nach den anderen rief, waren diese bereits an Deck getreten und starrten ungläubig nach draußen. Der Himmel, der vor kurzer Zeit noch wolkenlos gewesen war, hatte sich in eine Wand aus tiefgrauen Gewitterwolken verwandelt und ein starker Wind peitschte das Meer zu gewaltigen Wellen auf, die sich nun an ihrem Schiff brachen. Das Rauschen des Wassers und das Heulen des Windes, der unbarmherzig gegen die Segel blies, vermischten sich zu einem ohrenbetäubenden Lärm, gegen den Bunny jetzt anzubrüllen versuchte.
„Wir müssen die Segel einholen oder der Wind bricht uns dem Mast ab!“, schrie sie und sofort machten sie sich daran die Seile zu lockern um die arg gebeutelten Segeltücher hochzuziehen. Doch es gab ein Problem.
„Da oben klemmt irgendwas. Jemand muss hochklettern und es losmachen.“, rief Norman.
Bunny hatte schon einen Fuß auf die Leiter am Mast gesetzt als Joe sie zurückhielt.
„Ich hab keine Lust dich noch mal aus dem Wasser zu ziehen. Ich klettere da hoch!“, brüllte er und der Wind übertönte das merkliche Zittern seiner Stimme.
Bunny blickte ihn wie vom Donner gerührt an doch schon hatte er sie zur Seite geschoben und begann die Leiter hinaufzusteigen. Sie wollte ihm sofort hinterher klettern, doch Norman packte sie am Arm und schüttelte den Kopf.
„Es hat keinen Zweck wenn ihr beide da hoch steigt. Lass ihn das machen! Hilf mir lieber die Kisten an Deck festzubinden.“, rief er und zögernd kam Bunny seiner Aufforderung nach.
Fast alle Kisten waren bereits sicher vertäut als beide von oben ein verzweifeltes Schreien hörten. Als sie aufblickten, sahen sie wie Joe kopfüber am Segel hing. Einer seiner Füße hatte sich im Seil verfangen und jetzt baumelte er hilflos und durch den Wind gefährlich hin- und hergeschaukelt in einigen Metern Höhe über ihren Köpfen. Selbst seine Brille hatte der Sturm bereits fortgerissen was seine Lage nicht gerade verbesserte.
„Verdammt! Der kann auch nichts alleine!!“, fluchte Bunny und hetzte hinüber zum Mast, den sie jetzt ohne Zögern empor kletterte. Als sie etwa auf gleicher Höhe angekommen war, versuchte sie sich langsam zu Joe hinüberzuhangeln. Mit aller Kraft krallte sie sich in den Maschen des Seils fest um bei dem Geschaukel nicht den Halt zu verlieren. Sie sah Joe’s verschüchtertes Gesicht. Seine Augen waren starr vor Angst.
Nach einigen erfolglosen Versuchen schaffte sie es endlich seine Hand zu packen und zog ihn zu sich heran. Joe klammerte sich an sie und sie konnte spüren wie sein ganzer Körper zitterte.
„Halt dich gut an mir fest!“, rief sie und begann vorsichtig seinen Fuß aus der Schlinge zu befreien. Gerade als sie es geschafft hatte den Knoten zu lösen und Norman nach unten zurief, er solle jetzt schnell das Segel einholen, erhellte ein gleißender Blitz die Umgebung, der von einer kräftigen Windböe begleitet wurde. Vielleicht war dieser Windstoß wirklich stärker als die bisherigen gewesen oder vielleicht hatten Bunny’s Hände nach der ganzen Zeit auch einfach keine Kraft mehr gehabt. Jedenfalls schaffte es der Wind die beiden mit sich zu reißen und ließ sie durch die Luft fliegen um sie kurz darauf über der tobenden See wieder freizulassen. Immer noch krallte sich Joe an Bunny’s Hand fest auch wenn das eiskalte Wasser ihm den Atem stocken ließ. Durch die über ihm kollidierenden Wellen versuchte er das Schiff auszumachen und er glaubte entfernt Fetzen von Norman’s Rufen hören zu können. Doch er hätte genauso gut eine Augenbinde tragen können, denn selbst mit Brille hätte er hier nicht mal die Hand vor Augen sehen können. Also versuchte er blindlings Norman’s Stimme entgegen zu schwimmen und zog dabei Bunny hinter sich her, deren Körper keine Eigenbewegung mehr erkennen ließ. Alles erinnerte ihn an seine letzte Rettungsaktion doch das hier war unendlich viel schlimmer. Aber er durfte jetzt nicht aufgeben. Er hatte sie in diese Situation gebracht und er musste