Fanfic: O Brothers, where art thou??
Kapitel: Hellhole straight ahead
“Bunny? Hey Bunny!! Hörst du mir zu, du taube Nuss??“
Bunny schreckte aus ihren Gedanken hoch und sah Jack an.
„Was ist denn?“, fragte sie verwirrt.
Jack seufzte.
„Ach gar nichts... Außer dass ich schon eine Weile versuche mich mit dir zu unterhalten und du nichts besseres zu tun hast als Löcher in die Luft zu starren.“, erwiderte er entnervt.
„Tut mir leid. Mir gehen einfach so viele Sachen durch den Kopf. Ich frage mich wie’s meiner Mannschaft geht und ob ich sie jemals wiedersehen werde. Außerdem fang ich langsam an daran zu zweifeln, dass wir es irgendwann mal auf die Grand Line schaffen. Wir haben nicht mal einen richtigen Navigator...“, murmelte Bunny und ließ den Kopf hängen.
Jack sah sie einen Moment lang an bevor er seinen Stuhl geräuschvoll zurückschob und aufstand. Er war kurz davor die Kombüse zu verlassen doch dann blieb er hinter Bunny stehen und legte ihr die Hand auf die Schulter.
„Du solltest besser aufhören in Selbstzweifeln zu versinken und etwas dagegen tun. Wenn du was über Navigation lernen willst, solltest du mal Gibbs fragen. Der kennt sich damit aus. Ich muss jetzt wieder zu den anderen.“, sagte er und schon war er verschwunden.
Bunny sah ihm nach oder vielmehr starrte sie jetzt die geschlossene Tür an. Irgendwie hatte er wohl Recht. Sie durfte sich nicht so einfach mit ihrem Schicksal abfinden. Also beschloss sie sich auf die Suche nach diesem Mr. Gibbs zu machen um zu sehen ob der ihr wirklich helfen konnte.
Sie begab sich an Deck und schaute sich suchend um. Sie hatte bis jetzt noch nicht die Zeit gehabt sich mit dem Schiff und seiner Besatzung vertraut zu machen. Woher sollte sie wissen wer dieser Gibbs war und wo sie ihn finden konnte?
Hilfesuchend wendete sie sich an den ersten Menschen, der ihr über den Weg lief. Es war ein schon ziemlich ergrauter Pirat, auf dessen Schulter ein blaugelber Ara saß.
„Entschuldigen Sie, Sir. Sind Sie Mr. Gibbs?“, fragte sie ihn höflich.
Der Mann schüttelte nur wortlos den Kopf.
„Ach so... Können Sie mir dann vielleicht sagen wo ich ihn finden kann?“, hakte Bunny weiter nach.
Ihr Gegenüber schüttelte erneut den Kopf.
„Nicht? Kennen Sie ihn überhaupt?“
Diesmal nickte er und schenkte ihr dabei ein Lächeln, das aus ziemlich wenigen Zähnen bestand.
Langsam wurde es Bunny echt zu bunt. Der Kerl wollte sie wohl für dumm verkaufen.
„Und warum wollen Sie mir dann nicht sagen wo er ist? So groß ist dieses Schiff doch auch nicht!“, fauchte sie ihn an.
Als der Mann endlich den Mund öffnete, stieß sie einen erleichterten Seufzer aus, doch anstelle einer Antwort streckte er ihr seinen Kopf entgegen und riss seinen Mund dann noch weiter auf, bis er aussah als wenn er gerade einen Termin beim Zahnarzt hätte. Bunny warf somit unweigerlich einen Blick in seinen Mundraum, in dem sie nicht nur einen Haufen faule Zähne entdeckte sondern auch feststellen musste, dass er dieser Mann keine Zunge mehr hatte...
„Oh... tut mir leid. Das wusste ich nicht...“, stammelte Bunny verlegen und trat einen Schritt zurück, da sein schlechter Atem ihr fast die Sinne raubte.
„Polly will einen Kräcker.“, meldete sich plötzlich der Papagei zu Wort und Bunny’s verwunderter Blick heftete sich sofort an ihn.
„Was?“
„Polly will einen Kräcker.“, wiederholte das Tier bereitwillig seine Forderung.
„Ich hab keinen...“, gab Bunny immer noch völlig verdutzt zurück.
Der Vogel schwieg für einen Moment und es sah ein bisschen so aus als ob er nachdachte.
„Hast du einen wenn Polly dir sagt wo Gibbs ist?“, fuhr er dann fort.
Bunny hatte angenommen, dass sie nach all ihren Abenteuern nichts mehr überraschen konnte, doch da hatte sie sich anscheinend geirrt.
„Du... weißt wo er ist? Und... du willst mir diese Information für einen Kräcker verkaufen?“, fragte sie ungläubig nach.
„Aye. Deal?“
„...Deal.“, erwiderte Bunny und strumpelte zurück in die Kombüse um dem Koch einen Kräcker oder etwas ähnliches abzuschwatzen.
Der schien über ihren Wunsch wenig überrascht. Anscheinend machte dieser Vogel so öfter Geschäfte...
Nur wenig später, nachdem sie die Kräcker-Gebühr bezahlt hatte und Polly ihr endlich die langersehnte Information anvertraut hatte, betrat Bunny Gibbs’ Kabine. Er war ein etwas rundlicher Mann, mit einem ungewöhnlich geformten Backenbart und freundlichen Augen.
„Du willst was übers Kartenlesen lernen? Na da bist du hier richtig.“, lachte er nachdem sie ihm ihr Anliegen vorgetragen hatte und führte sie zu einem großen Tisch auf dem ein großer Stapel Seekarten ausgebreitet lag.
„Haben Sie die alle gezeichnet?“, fragte Bunny und ließ ihre Finger ehrfürchtig über die Papiere gleiten.
„Alle?? Gott bewahre! Ich hab auch noch was anderes zu tun. Aber ein paar sind schon von mir.“, antwortete Gibbs mit ein wenig Stolz in der Stimme und beugte sich dann über ein besonders großes Exemplar.
„Dann lass uns mal mit der Lehrstunde anfangen...“, grinste er und so begann eine mehrstündige Sitzung, in der Bunny eine ganze Menge über das Lesen und Erstellen von Seekarten, die verschiedenen Seewinde und das Navigieren mit Hilfe der Himmelkörper erfuhr. Gibbs war ein geduldiger Lehrmeister und Bunny war selber überrascht wie schnell sie alles begriff.
„Du scheinst wirklich ein Naturtalent zu sein.“, bemerkte Gibbs anerkennend als Bunny ihm einen ihrer ersten Zeichenversuche vorlegte.
„Es macht auch richtig Spaß! Nicht so wie in der Schule...“, erwiderte Bunny und dachte mit Unbehagen an die Bulldogge und ihre Strafarbeiten zurück.
„Dass du überhaupt die Schule besucht hast, verschafft dir gegenüber den meisten anderen Piraten einen Vorteil. Das kann manchmal ganz nützlich sein. Ich weiß wovon ich rede.“, lachte der Navigator. Dann nahm er seine Lesebrille ab und rieb sich die Augen.
„Aber für heute haben wir erst mal genug studiert, oder? Du kannst mir gerne noch ein paar Fragen stellen wenn du willst, aber meine alten Augen sind vom vielen Kartenlesen schon ganz erschöpft.“, fügte er hinzu und ließ sich auf einen Stuhl sinken.
Das ließ Bunny sich natürlich nicht zweimal sagen und so zog sie sich ebenfalls einen Stuhl heran und setzte sich neben Mr. Gibbs.
„Können Sie mir vielleicht etwas über die Grand Line erzählen?“, sprudelte es sofort aus ihr heraus und es war ihr selbst ein bisschen peinlich, dass sie dem armen Mann nicht mal eine Minute zum Luftholen gab. Doch die Frage brannte ihr schon so lange auf den Nägeln, dass sie es einfach nicht mehr länger aushielt.
Ihr Gegenüber hob eine Augenbraue und sah sie einen Moment lang schweigend an.
„Ich hab schon von deinen Plänen gehört...Aber ich weiß nicht was ich davon halten soll. Du bist sicher ein pfiffiges Mädchen und Mut hast du auch, aber die Grand Line ist kein Kinderspielplatz! Sie hat schon die mächtigsten Piraten in die Knie gezwungen. Wenn du es überhaupt dorthin schaffst, erwarten dich dort Gefahren, die du dir im Moment nicht mal vorstellen kannst!“, sagte Gibbs mit eindringlicher Stimme, doch Bunny war nicht in der Stimmung für solche Belehrungen.
„Ich weiß selber, dass es auf der Grand Line gefährlich ist, aber ich habe mich für diesen Weg entschieden! Und sobald ich meine Mannschaft wiedergefunden habe, werden wir uns auf den Weg machen. Davon kann uns niemand mehr abhalten! Und wenn Sie statt Gruselgeschichten keine nützlichen Details parat haben, geh ich lieber und hol mir was zu essen...“, erwiderte Bunny trotzig.
Auf Gibbs’ Gesicht breitete sich ein Schmunzeln aus.
„Okay, ich habe verstanden. Keine Vorträge mehr. Aber da ich selber noch nie da war, kann ich dir leider nur erzählen, was ich bis jetzt von anderen gehört habe. Aber warum fragst du nicht Jack? Der war schließlich’ne ganze Weile dort.“, schlug er vor.
„Jack war auf der Grand Line??? Warum hat er mir nichts davon erzählt?“, rief Bunny völlig außer sich. Da hatte sie dem Kerl die ganze Zeit die Ohren vollgejammert und er hielt es anscheinend nicht mal für nötig ihr von seinen eigenen Erlebnissen zu erzählen. Wahrscheinlich hielt er ihren Plan auch für eine Schnapsidee und wollte sie dabei nicht auch noch ermutigen. Warum hatten nur alle Leute so wenig Vertrauen in sie? Wütend ballte sie die Fäuste und war kurz davor aus Gibbs’ Kajüte zu verschwinden, als dieser ihr antwortete.
„Ja, bevor ich Jack kennen lernte, war er mit seiner alten Mannschaft für ein Jahr auf der Grand Line. Aber er spricht nicht gerne darüber... Die verlogenen Ratten haben eine Meuterei angezettelt, ihn auf einer einsamen Insel ausgesetzt und sind dann mit seinem Schiff abgehauen. Doch er hat es geschafft zu entkommen und die Black Pearl zurückzukriegen. Seitdem ist er vorsichtig geworden und bindet nicht gleich jedem alles auf die Nase.“
„Diese miesen Schweine!“, zischte Bunny und ihre Hände verkrampften sich so sehr, dass schon das Weiße ihrer Fingerknöchel sichtbar wurde. Meuterei war eins der schlimmsten Verbrechen, das Bunny sich vorstellen konnte. Piraten waren zwar nicht gerade kultivierte Gentlemen, aber auch sie richteten sich nach einem Kodex und seinen eigenen Käpt’n zu hintergehen, verstieß in höchstem Maße dagegen.
Plötzlich wurde die Tür der Kajüte aufgerissen und der kleinwüchsige Pirat, der vorher Bekanntschaft mit Jack’s Pistole gemacht hatte, steckte den Kopf herein.
„Höllenloch voraus! Wir legen gleich an.“, rief er und war gleich darauf wieder verschwunden.
„Was ist denn das Höllenloch?“, fragte Bunny verdutzt. Der Name beunruhigte sie ein wenig.
„Eine Piratenkneipe. Da kommt so gut wie jeder vorbei wenn er in der Gegend ist. Vielleicht kannst du da was über deine Freunde rausfinden.“, antwortete Gibbs und erhob sich stöhnend.
„Außerdem haben sie guten Rum. Den hab ich mir jetzt auch wirklich verdient!“, fügte er hinzu und