Fanfic: O Brothers, where art thou??
Irgendwie musste sie schließlich ein bisschen Ordnung in das Chaos in ihrem Kopf bringen.
„Ich bitte dich! Die langen Haare, die geschminkten Augen, der wiegende Gang und wie er spricht! Das sind doch alles 1A-Beweise!! Du kommst wohl vom Dorf, was? Da kennt man sich eben mit solchen Sachen nicht so aus...“, erwiderte Luzi fachmännisch.
„Ja, ich komme aus dem Windmühlendorf und um ehrlich zu sein versteh ich gerade überhaupt nichts. Warum willst du Jack denn unbedingt davon überzeugen, dass er schwul ist?“, fragte Bunny.
„Na ich steh eben auf hübsche, schwule Jungs. Ist das so schwer zu verstehen??“, gab Luzi zu verstehen und sah wieder hinüber zur Bar, an der Jack gerade seinen Frust in einem extra großen Krug Rum zu ertränken versuchte.
Bunny stand einen Augenblick stumm da und man konnte förmlich sehen wie sie sich den Gedanken durch den Kopf gehen ließ. Dann schien sie endlich zu einem Ergebnis gekommen zu sein und öffnete langsam den Mund um es kundzutun.
„Aber wenn die alle schwul sind, hast du doch selber nie eine Chance bei denen, oder? Also mir würden zugucken alleine nicht unbedingt reichen...“
Normalerweise bedurfte es schon einem sehr strapazierfähigen Pflaster um Luzi’s Redefluss zu unterbrechen, aber mit diesem Argument schaffte es Bunny tatsächlich sie für kurze Zeit sprachlos zu machen. Denkfalten begannen sich auf ihrer Stirn zu bilden.
„Der Punkt geht wohl an dich, Landei... Na ja, dann müsste mein Traummann wohl bi sein um mich wirklich zufrieden zu stellen. Dann würde ich ihm sogar einen Seitensprung mit einem anderen Kerl verzeihen. Aber nur wenn er süß ist und ich dabei zugucken darf.“
Bunny wusste langsam echt nicht mehr was sie darauf antworten sollte und eigentlich hatte sie auch keine Lust mehr diese Diskussion fortzuführen, aber Luzi schien mit ihren Gedanken sowieso gerade ganz wo anders zu sein und Bunny wunderte sich, dass ihr dabei noch kein Sabber aus dem Mund lief. Wenn sie noch etwas über ihre Freunde in Erfahrung bringen wollte, musste sie handeln bevor ihre Informantin völlig in ihrer Traumwelt versank.
„Also, eigentlich bin ich hier hergekommen weil ich jemand suche. Ich hab gehört, dass man hier gut an Informationen rankommen kann. Kannst du mir da vielleicht weiterhelfen?“, versuchte Bunny das Thema zu wechseln doch erst nachdem sie Luzi einige Mal angestupst hatte, fokussierten sich deren Augen langsam wieder auf sie.
„Was ist? Du suchst jemand? Warum hast du das denn nicht gleich gesagt?? Kann gut sein, dass ich dir da helfen kann. Um wen geht’s denn genau?“, fragte Luzi interessiert und führte Bunny zu einem kleinen Tisch in der hinteren Ecke der Kneipe, wo der Lautstärkepegel nicht ganz so hoch war wie im Rest des Ladens.
„Ich wurde in dem Unwetter von meiner Mannschaft getrennt. Jack und seine Bande haben mich aus dem Wasser gefischt und jetzt muss ich unbedingt meine Freunde wiederfinden!“, erklärte Bunny aufgeregt.
„Ach so ist das also gewesen. Na da hast du wohl echt Glück im Unglück gehabt. Wie sehen deine Freunde denn aus? Sie da wenigstens ein paar knackige Jungs dabei?“, hakte Luzi eifrig nach und ihre Augen begannen vor Neugier zu funkeln.
Bunny seufzte. Das war anscheinend das einzige wofür sich dieses Mädchen interessierte...
„Tja, ich würde sie nicht sofort beim Schönheitswettbewerb anmelden, aber bei Freundschaft geht’s doch auch nicht um Äußerlichkeiten!“
„Ja, so war das auch nicht gemeint. Aber ohne eine Beschreibung kann ich dir leider nicht helfen.“, erwiderte Luzi versöhnlich und lächelte sie an.
Bunny erwiderte das Lächeln dankbar und versuchte dann so gut wie möglich die besonderen äußeren Merkmale ihrer Freunde wiederzugeben.
„Du suchst also nach einem gefleckten Hündchen, einem dicken Kerl mit Hawaiihemd und einer halben Portion mit Zauberhut?“, fasste Luzi das Gehörte zusammen nachdem Bunny geendet hatte.
„Ja genau! Hast du sie gesehen?“, fragte Bunny hoffnungsvoll.
Luzi dachte einen Moment lang nach, doch Bunny kam es vor wie ein paar Stunden. Ihr Herz klopfte so schnell als wenn es gleich zerspringen würde und ihr Hals war furchtbar trocken. Dann endlich bekam sie eine Antwort.
„Wenn sie hier vorbeigekommen wären, hätte ich es wohl als erste mitgekriegt, aber leider hab ich von niemand gehört auf den deine Beschreibung passen würde. Tut mir wirklich leid.“
Es war ein Gefühl wie ein direkter Tritt in den Magen und einen Augenblick blieb Bunny die Luft weg. Sie hatte so gehofft, dass man ihr hier weiterhelfen könnte. Was sollte sie jetzt machen? Ein Käpt’n ohne Mannschaft war doch wie ein Fisch ohne Wasser. Und eine Bunny ohne ihre Freunde fühlte sich gerade wie der einsamste Mensch auf dem Planeten. Regungslos starrte sie auf den völlig versifften Tisch vor sich und wartete darauf, dass man ihr entgültig den Boden unter den Füßen wegriss. Dann spürte sie auf einmal die Wärme einer Hand, die sich auf ihre eigene legte. Sie blickte auf und sah in ein von braunem Strubbelhaar umrahmtes Gesicht, das jetzt so voller Mitgefühl war, dass Bunny am liebsten auf der Stelle angefangen hätte zu heulen.
„Hör zu Küken, du findest deine Freunde ganz bestimmt bald wieder. Du darfst nur nicht so schnell aufgeben!“, sagte Luzi bestimmt. Als sie den Mund aufmachte um noch etwas hinzuzufügen, drangen plötzlich laute Rufe von draußen herein und ließen sie innehalten.
„Oh nein, da draußen gibt’s wohl wieder mal’ne Prügelei. Ich geh besser mal nachsehen, sonst kann das ganz schön hässlich werden. Bin gleich zurück.“, rief sie und eilte Richtung Ausgang.
Sofort drängte alles zur Tür. Eine gepflegte Schlägerei war schließlich immer eine nette Abwechslung zum ewigen Unter-den-Tisch-saufen. Bunny war zwar kein großer Fan von körperlicher Gewalt, aber trotzdem entschied sie sich mal einen Blick auf das Spektakel zu werfen und schloss sich den anderen an. Je näher sie der Tür kam, desto mehr Sprachfetzen drangen von draußen an ihr Ohr.
„Und wenn du dich noch mal an jemand vergreifst, der kleiner ist als du, brech ich dich in zwei Teile, du Würstchen!“, donnerte eine tiefe Stimme aufgebracht und brachte die Menge zum jubeln.
Bunny drängelte sich zwischen grölenden Piraten hindurch um besser sehen zu können. In der vorderen Reihe angekommen, stolperte sie zuerst über einen auf dem Boden zusammengekrümmten Piraten, der sich mit schmerzverzerrter Miene den Bauch hielt doch dann fiel ihr Blick auf eine ziemlich gewaltige Person, die sich gerade zu einer neben sich hockenden, kleineren Person hinunterbeugte und besorgt auf sie einredete.
„Geht’s dir gut, Kleiner? Hast du dir was getan? Dieser verdammte Mistkerl!!“
Da die Nacht mittlerweile auch das letzte Licht verschlungen hatte, konnte Bunny selbst aus dieser Entfernung nichts genaues erkennen, aber der Klang dieser Stimme ließ wieder neues Leben durch ihren Körper strömen. Dieser Bariton kam ihr so verdammt bekannt vor...
Langsam ging sie näher heran bis sie genau vor den beiden stand, die aber noch zu beschäftigt mit sich selbst waren um sie zu bemerken.
„Jungs?...“
Wie zwei Synchronschwimmer rissen Norman und Joe gleichzeitig ihre Köpfe herum und starrten Bunny an als wenn sie eine außerirdische Erscheinung mit Antennen auf dem Kopf wäre.
„Ich glaub mein Schwein pfeift...“, war Norman’s geistreicher Kommentar bevor er aufsprang und Bunny freudestrahlend in die Luft hob.
„Du kleiner Teufel! Ich wäre fast gestorben vor Sorge um dich und du vergnügst dich in so einer Spelunke!“, lachte er und wirbelte Bunny so lange wie ein Flugzeug im Kreis herum, dass ihr fast schwindelig wurde.
„Du hast uns gefehlt, Käpt’n! Mach das bitte nie wieder!“, fügte er jetzt ernster hinzu und drückte sie fest an sich.
„Versprochen.“, antwortete Bunny und erwiderte die Umarmung.
Nachdem Norman sie nach einer kleinen Ewigkeit endlich wieder losließ, sah sich Bunny erneut nach Joe um, der immer noch bewegungslos auf dem Boden hockte. Erst als sie genauer hinschaute, konnte sie sehen, dass seine Brillengläser beschlagen waren und ihm Tränen über die Wangen liefen.
„Ich...ich dachte du wärst...“, schluchzte er und dann war es auch mit Bunny’s Selbstbeherrschung entgültig vorbei. Heulend wie zwei Schlosshunde lagen sich die beiden in den Armen und erst Luzi’s Stimme konnte die beiden wieder von einander trennen. Mittlerweile hatten selbst die härtesten Piraten schon feuchte Augen und rieben sich verstohlen über ihre verdreckten Gesichter.
„Oh ich liebe solche Happy Ends! Das war ja soooo rührend!! Das muss doch gefeiert werden. Die nächste Runde geht aufs Haus!“, rief die junge Kellnerin und versetzte die umstehende Meute damit in so einen Freudentaumel, dass sie sie laut jubelnd auf ihre Schultern hoben und dann singend wieder in die Kneipe zurückmarschierten. Die drei zurückgelassenen sahen sich stumm an und brachen dann in lautes Gelächter aus.
Bunny konnte förmlich spüren wie der ganze Kummer und die Verzweiflung der letzten Stunden sich wie ein Schleier von ihr lösten und nach oben in den Nachthimmel davon schwebten. Doch etwas störte sie noch. Prüfend sah sie sich um.
„Wo ist Buster?“, fragte die beunruhigt.
„Ach keine Sorge. Der ist am Hafen und passt auf unser Schiff auf. In dieser Gegend kann man ja nicht vorsichtig genug sein...“, erwiderte Norman gelassen und schickte sich an ebenfalls in der Kneipe zu verschwinden.
„Na los Leute. Den Drink haben wir uns jetzt wirklich verdient!“, grinste er und half den beiden auf die Beine.
Was folgte war eine rauschende Wiedersehensfeier, die bis in die frühen Morgenstunden dauerte, bevor alle glücklich und mehr oder weniger betrunken in ihre Betten fielen.
Backstage: Puh, ist euch auch so heiß, oder liegt das an dem Laptop auf meinem Schoß?? XDD
In dieser Hitze sollte man seinem