Fanfic: O Brothers, where art thou??

Untertitel: How to enter the Grand Line in a Nutshell

Kapitel: Goodbyes & Reunions

Joe rieb sich die Schläfe. Dieser pochende Schmerz hinter seiner Stirn machte ihn fast wahnsinnig. Der gestrige Abend hatte eindeutig bewiesen, dass er keinen Alkohol vertrug. Und dabei hatte er seinen Rum nicht mal ganz aufgetrunken. Eigentlich hatte er ja bei Limo bleiben wollen, aber dieses seltsame Mädchen hatte ihm einfach ungefragt einen Krug vor die Nase gestellt und gesagt der ginge aufs Haus. Schon beim ersten Schluck zog sich sein gesamter Mundraum zusammen und sein Hals brannte wie Feuer, nachdem er sich endlich dazu überwunden hatte das furchtbare Zeug runterzuschlucken. Und dann diese komischen Fragen, mit denen sie ihn die ganze Zeit gelöchert hatte. Ob er schon mal 'ne Freundin gehabt hätte und ob er sein Glück nicht mal auf andere Weise versuchen wollte. Sie wäre ihm dabei gerne behilflich. Als sie dann auch noch einen düsteren Kerl in Lederhose zu ihnen an den Tisch winkte um die beiden miteinander bekannt zu machen, ergriff Joe entgültig die Flucht.
„Aber du brauchst doch was Dominantes!!“, rief sie ihm hinterher, aber das wilde Treiben des „Höllenlochs“ hatte ihn bereits verschluckt.
Irgendwie fühlten sich seine Beine komisch an. Etwas unkoordiniert schwankte Joe durch den Raum und stieß dabei aus Versehen den ein oder anderen Gast an. Den meisten von ihnen schienen seine unfreiwilligen Annäherungsversuche nicht besonders zu gefallen und hätte Norman ihn nicht schon zum zweiten Mal an diesem Abend gerettet und mit an die Bar geschleppt, hätte sein Zauberhut sicher ein paar Beulen mehr gehabt.
Wie er später ins Bett gekommen war, wusste Joe nicht mehr so genau, aber er erinnerte sich noch genau an das Aufwachen. An den Brummschädel, an die Decke der Jungskajüte, die sich über seinem Kopf drehte wie ein Karussell und an das widerliche Gefühl als hätte er mit seiner Zunge einen Aschenbecher ausgeleckt.
Während die anderen die Insel erkundeten, Vorräte besorgten oder sich von den Freunden verabschiedeten, die sie hier kennen gelernt hatten, saß Joe nur mit sich und seinen überdimensionalen Augenringen am Küchentisch und versuchte sich irgendwie von seiner Übelkeit abzulenken. Das Frühstück, das Norman ihm hingestellt hatte, hatte er nicht angerührt und wieder mal, wenn ihn keiner beobachtete, hatte er das Buch rausgekramt, das er vor einigen Tagen in Normans Hütte entdeckt hatte. Er wusste selber nicht, warum er den anderen bis jetzt nichts von seinem Fund erzählt hatte. Norman hatte sicher nichts dagegen, dass er das Buch mitgenommen hatte, aber irgendwas in ihm sträubte sich dagegen die anderen einzuweihen, bevor er selber wusste, was es damit auf sich hatte. Bisher war er aber mit der Entschlüsselung noch nicht viel weitergekommen. Die ersten Kapitel konnte er überhaupt nicht entziffern, da sie eine Schrift enthielten, die er noch nie im Leben gesehen hatte. Auf späteren Seiten schien sich die Schrift langsam zu entwickeln und hin und wieder entdeckte Joe Auflistungen, die wie Rezepte aussahen. Wenn er weiterblätterte, änderte sich das Schriftbild erneut, als wenn mit der Zeit verschiedene Personen die Seiten dieses Buches gefüllt hätten und auch wenn er nun lesen konnte was da vor ihm auf dem Papier stand, verstand er den Sinn immer noch nicht. Der Wortlaut war stark veraltet und klang irgendwie mystisch. Manchmal hatte Joe heimlich versucht die Verse laut vor sich hinzusagen wie eine Art Zauberformel aber seine Zunge war immer wieder über die ungewohnten Worte gestolpert und nach einer Weile hatte er es wieder aufgegeben. Die letzten Seiten des Buches waren leer. Entweder hatte hier jemand etwas mit unsichtbarer Tinte hingeschrieben oder vielleicht wartete das Buch auch nur auf seinen nächsten Besitzer, der es endlich vollendete. Ob er das sein konnte?? Joe schüttelte schief grinsend den Kopf. So jemand wie er hatte nun wirklich nichts zu berichten, das wichtig genug sein könnte um hier niedergeschrieben zu werden.
„Hey, was gibt’s, Brillenschlange?“, ertönte auf einmal eine rauchige Stimme hinter ihm und ließ Joe vor Schreck zusammenfahren.
Als er sich umdrehte, blickte er direkt in die schwarzgeschminkten Augen dieses Jack Sparrows. Wie war der Kerl hier reingekommen, ohne dass er es gemerkt hatte? Und warum guckte er ihn so merkwürdig an? Joe wusste, dass er diesem Mann eigentlich dankbar sein sollte, denn schließlich war er es gewesen, der Bunny das Leben gerettet hatte, aber irgendwie war ihm der Kerl nicht ganz geheuer. Und jetzt war er hier mit ihm ganz allein. Übelkeit begann sich langsam mit aufsteigender Angst zu mischen. Was wollte er bloß von ihm? Hoffentlich keine Körperteile..
„Nicht sehr gesprächig, was?“, fuhr Jack fort, als sein Gegenüber ihn weiterhin stumm und mit ängstlichen Augen ansah.
„Eigentlich suche ich Bunny. Hast du sie gesehen?“
Langsam kam es Jack so vor, als würde er Selbstgespräche führen. Ob der Junge seine Zunge verschluckt hatte? Er sah jedenfalls nicht gut aus. Er trat vorsichtshalber einen Schritt zur Seite, damit ihm diese lebende Leiche nicht noch auf die Schuhe kotzte. Dabei fiel ihm das Buch auf, das vor Joe auf dem Tisch lag. Neugierig streckte er die Hand aus und noch bevor Joe es verhindern konnte, hatte Jack es sich auch schon geschnappt.
„Was haben wir denn da? Liebesromane?“, grinste Jack spöttisch und warf einen Blick auf das frischerbeutete Fundstück.
„Hey! Geben Sie mir das sofort zurück! D...das gehört Ihnen doch nicht!“, versuchte Joe zu protestieren, aber er war im Moment einfach selber zu eingeschüchtert um auf andere einschüchternd zu wirken.
Jack ließ sich von ihm nicht beirren und blätterte weiter durch die Seiten. Je weiter er dabei kam, desto mehr Falten bildeten sich auf seiner Stirn. Schließlich blickte er auf und sah Joe ernst an.
„Wo hast du das her?“, fragte er barsch.
Wenn Joe das Herz vorher bereits in die Hose gerutscht war, wanderte es jetzt noch ein paar Etagen tiefer.
„W...wieso?“, stammelte er unsicher und wagte es nicht den Anderen anzusehen.
„Sag mir einfach wo du’s herhast! Das ist doch nicht dein Buch, oder?“, hakte Jack erbarmungslos weiter nach und packte Joe grob an der Schulter.
„Und guck mich gefälligst an wenn ich mit dir rede!“
Oh Gott! Es war doch nicht etwa sein Buch, das er da gefunden hatte. Aber warum sollte er sich sonst so darüber aufregen? Und wie sollte er bloß lebend aus dieser Situation rauskommen? Nach einem weiteren Moment panischen Schweigens, in dem Jacks stechender Blick ihn fast durchbohrte, entschied sich Joe schließlich für die Wahrheit.
„Ich.. ich hab’s gefunden.“, setzte er an.
„Wo?“
„Auf der Insel, auf der wir Norman getroffen haben.“
„Wann?“
„Vor...“, Joe überlegte einen Moment. Er kam sich mittlerweile vor wie beim Kreuzverhör.
„Vor drei oder vier Tagen..“
„Ich weiß nicht was das für ein Buch ist! Es lag in Normans Hütte. Vielleicht wurde es am Strand angespült. Ich hab ihm nicht gesagt, dass ich’s mitgenommen hab. Wenn es Ihrs ist, können Sie es gerne wieder mitnehmen. Ich wollte bestimmt nichts klauen!!“, sprudelte es aus ihm heraus bevor Jack die nächste Frage überhaupt stellen konnte.
Die Gesichtszüge seines Gegenübers entspannten sich langsam doch der eindringliche Blick in seinen Augen blieb.
„Du hast also keine Ahnung was das hier ist. Hab ich mir fast gedacht. Aber das ist kein Kinderspielzeug. Es ist ein Schamanenbuch.“
„Sch...schamanenbuch?“, wiederholte Joe verwirrt.
„Ja, und wie’s aussieht ein ziemlich altes. Davon gibt es nicht viele und das hat auch einen guten Grund. Wenn so ein Teil in die falschen Hände gerät, kann man damit ganz schönen Schaden anrichten.“, fuhr Jack fort.
„Schamanen? Aber das sind doch so Zauberer und Geisterbeschwörer. Sind... sind Sie denn auch so einer?“, fragte Joe zögerlich. Er war sich nicht so sicher, ob er die Antwort wirklich hören wollte. Der Kerl war ihm auch so schon unheimlich genug.
Jack pfiff durch die Zähne.
„Ich mag ja vieles sein, aber Schamanenkräfte hab ich keine. Und glaub mir, ich hab’s versucht. Aber so was kann man nicht lernen. Entweder man hat das Talent dazu oder eben nicht. Und dass du einer bist, bezweifle ich irgendwie..“, brummte er und musterte Joe abschätzig.
„Wie findet man so was denn heraus?“
Joe war zwar immer noch ängstlich, aber jetzt siegte seine Neugier und er schaffte es sogar dem Blick des Piraten standzuhalten, der ihn eine Weile stumm ansah, bevor er sich wieder dem Buch in seiner Hand zuwendete und ein paar Seiten zurückblätterte.
„Probier mal das hier.“, meinte Jack und legte das aufgeschlagene Buch wieder vor Joe auf den Tisch.
„Damit kann man Geister heraufbeschwören. Wenn unerwarteterweise doch irgendwelche Fähigkeiten in dir schlummern, könnte es klappen.“, fügte er hinzu und deutete auf den unteren Absatz der rechten Seite.
Sogleich beugte Joe sich wieder über das Buch und studierte den Text, doch als er den Mund öffnete, unterbrach ihn Jack sofort.
„Doch nicht jetzt, du Idiot! Dafür musst du allein sein! Außerdem funktionieren solche Sprüche bei Vollmond am besten.“
Also klappte Joe den Mund wieder zu und ging erneut dazu über Jack wortlos anzustarren. Doch diesmal war er mit anderen Gedanken beschäftigt. Ob dieser Jack wirklich wusste wovon er sprach? Vielleicht wollte er ihm ja auch nur einen Bären aufbinden. Und selbst wenn etwas Wahrheit in der Geschichte steckte, hätte er doch schon früher irgendwas von solchen verborgenen Talenten mitkriegen müssen. Seine bisherigen Zauberversuche waren schließlich auch alle ziemlich in die Hose gegangen.
„Tja, ich lass dich dann mal mit dem Teil alleine. Aber sei gewarnt! Der Zauber in diesem Buch ist mächtiger als du’s dir vorstellen kannst. Also pass gut drauf auf!“, riss ihn Jack aus seinen Gedanken.
„Gute Reise.“, sagte er noch, klopfte Joe auf die