Fanfic: See der Träume
McLaine hatte sie immer in Ehren gehalten, weil sie und ihr Mann es von ihrer Freundin bekommen haben, die kurze Zeit nach der Hochzeit an Leukämie gestorben war. Oft hatte Ryan Marge vor dem Herd stehen gesehen, wenn er mit seinen Freunden auf dem Fahrrad vorbeigefahren ist. Es duftete immer nach Zimt und ihren berühmten Plätzchen. „Manchmal hat sie uns dann hineingerufen und welche angeboten. Sie schmeckten genauso gut, wie sie rochen. Wie gerne würde ich jetzt Plätzchen haben.“, dachte er, als Claire den Raum betrat. „Kann ich Ihnen helfen?“ Ihre Augen waren rot unterlaufen und sie wirkte wie ein kleines, zerbrechliches Mädchen. „Nein, brauchen Sie nicht. Ruhen Sie sich im Wohnzimmer aus. Ich werde Ihnen dann den Kaffee bringen.“ Dankend sah Claire Ryan an. „Okay.“
Als Ryan kurze Zeit später zu ihr kam, lag Claire auf dem kleinen, schmalen Sofa. Sie hatte eine Hand unter ihrem Kopf und schien zu schlafen. Eine Haarsträhne hing über ihr Gesicht und die Sonne schien sie auf der Nase zu kitzeln. Ryan stellte die zwei Tassen auf den fast antik wirkenden Tisch und betrachtete sie einige Zeit. Seit sie vor einigen Jahren aus Maryland weggegangen war, hatte sie sich kaum verändert, nur ihr Körper glich jetzt mehr dem einer Frau. Sie war wunderschön in seinen Augen, schon seit sie gemeinsam zur Schule gegangen waren. Er bedauerte, dass sie aus der Stadt gezogen war. Noch nie war er in jemanden so verliebt gewesen, wie in sie, doch Claire würdigte ihn keines Blickes. Im Gegensatz zu früher hatte er sich sehr verändert. Er ist schwach und dünn gewesen, nun war er stark und muskulös. >Die viele Arbeit als Holzfäller hatte sich bezahlt gemacht<, dachte er sich. >Ob sie mir vielleicht jetzt eine Chance geben würde? Wahrscheinlich in Anbetracht ihrer Familientragödie wird sie es nicht tun, aber eines Tages?< Eine Bewegung in seinen Augenwinkeln riss ihn aus seinen Gedanken. Cleo, die momentane Katze des Hauses kam ins Zimmer. Marge hatte sie damals verletzt auf der Straße aufgefunden. Der Tierarzt konnte das Tier retten, aber es gab nirgends ein Zuhause für die Katze, sodass sie ins Haus der McLaines kam. Ihr graues Fell glänzte in hereinfallendem Sonnenlicht. Leise erhob sich Ryan und ging auf das Tier zu. Die Katze zeigt keine Anzeichen von Furcht, sondern sah ihn mit ihren gelben Augen durchdringend an. Ryan kniete sich nieder und begann ihr das samtweiche Fell zu kraulen. Zufrieden lies sie nur ein lautes Schnurren von sich hören. Ryan bemerkte nicht, dass Claire langsam die Augen aufschlug und ihm liebevoll zusah. „Sie können anscheinend liebevoll mit Tieren umgehen.“ Leicht erschrocken drehte sich Ryan zu ihr um. „Eigentlich nicht, aber Cleo kennt mich schon länger.“ Claire hatte sich in der Zwischenzeit aufgesetzt und nach ihrer Tasse Kaffee gegriffen. Ryan setzte sich ihr gegenüber in einen Stuhl und tat es ihr gleich. Nachdem beide einen Schluck getrunken hatten, blickte Claire ihn durchdringend an. „Sie kennen sich hier anscheinend sehr gut aus. Wie kommt das?“ „Naja, ich wollte es Ihnen vorhin nicht sagen, aber ich wohne hier.“ „Sie wohnen hier? Warum?“ „Es sollten nur einige Wochen sein. Mein Haus ist vor 14 Tagen abgebrannt und Ihre Eltern waren so freundlich mich hier leben zu lassen in der Zwischenzeit. Wenn es Sie stört, dass kann ich mir auch ein Hotelzimmer nehmen.“ „Bleiben Sie ruhig.“ Claire trank noch einen Schluck Kaffee, bevor sie weitersprach. „Hat der Arzt sich schon gemeldet?“ „Tut mir leid, nein. Aber ich bin sicher, es geht Ihrem Vater schon besser.“ Sofort bemerkte er wieder den traurigen Gesichtsausdruck auf ihrem wunderschönen Gesicht. Es schien, als ob ihr die schrecklichen Ereignisse der vergangenen Stunden wieder eingefallen sind. Ryan versuchte ihr Trost zu spenden, trotzdem verspürte er einen Stich in seinem Herzen. „Ich kann das mit Ihren Eltern noch immer nicht begreifen. Sie waren so gute und nette Menschen. Wieso gerade sie? Ich verstehe es einfach nicht.“ Claire sah ihn an und er erkannte einen Glanz in ihren Augen. „Ich frage mich es die ganze Zeit.“ Bevor sie weitersprach, stand sie auf und ging zu den Bildern an der Wand hin. Beim Betrachten dieser musste sie schmunzeln. Das eine zeigte eine Theateraufführung aus ihrer High- School- Zeit, wie sie sich gerade verbeugte. Damals hatte sie die Rolle der Julia in Shakespeares „Romeo und Julia“ gespielt. Ihre Mutter war so stolz auf sie, dass sie nach der Aufführung gemeinsam ein Eis essen waren. „Es war mein größter Wunsch einmal die Julia zu spielen. Durch dich wurde er wahr.“ Diesen Satz sagte die Stimme ihrer Mutter hinter Claires Stirn. Erneut stiegen Tränen in ihren Augen auf und sie sah zum nächsten Foto. Während ihrer Erinnerung bemerkte sie nicht, wie Ryan hinter sie trat und die Bilder ebenfalls musterte. „An die Theateraufführung kann ich mich noch erinnern. Ich habe damals auch mitgespielt. Leider reichte mein Talent nur für die Rolle von dem alten Capulet. Ich gebe zu, dass Bobby Smith sicher ein besserer Romeo als ich war, trotzdem war ich eifersüchtig auf ihn. Alle Mädchen haben sich in ihn danach verliebt.“ >Wie wahr<, dachte sich Claire. „Mir ist es genauso ergangen. Er ist ein wunderbarer Schauspieler und Herzensbrecher gewesen. Mich würde interessieren was er heute für einen Job hat.“ „Naja, Bobby hatte sehr viel Talent, aber es reichte anscheinend nicht aus. Kurz nachdem du weggezogen warst, wollte auch er aus Maryland entkommen, aber bereits nach einigen Monaten kam er zurück. Seine Eltern sagen immer noch, das Gott und die Welt an seinem Scheitern schuldig waren. Seine damalige Freundin hatte ihn dann schließlich auch verlassen. Armer Kerl. Kein Geld, kein Job und keine Freundin. Er hat mir richtig leid getan.“ „Wie geht es ihm jetzt?“ „Tja, durch den Einfluss seiner Eltern hat er eine Stelle als Sekretär im Rathaus bekommen. So weit ich gehört habe, verdient Bobby auch gut. Das einzige was ihm noch fehlt, ist eine Frau.“ Claire hatte ihm die ganze Zeit zugehört, während sie die restlichen Bilder betrachtete. Danach drehte sie sich um und setzte sich wieder auf das Sofa. Nach einem letzten Schluck war die Tasse leer und sie lehnte sich zurück. Cleo kam wieder ins Zimmer und sprang neben sie. Vorsichtig rollte sie sich neben Claire ein und schloss die gelben Augen. Mit der Rückseite ihrer Hand strichelte sie das Tier. „Sagen Sie, was für einen Job haben Sie, Ryan?“ Bevor er antwortete, ging er zum Fenster und sah hinaus. „Was ich arbeite? Nun, im Ort besitze ich ein Gasthaus. Vielleicht können Sie sich noch an das „Lake Inn“ erinnern. Früher gehörte es meinen Eltern, aber diese sind vor drei Jahren gestorben. Mein Vater erlitt einen Herzanfall und meine Mutter starb an gebrochenem Herzen. Früher habe ich als Holzfäller gearbeitet, bevor ich das Inn übernahm. Wenn Sie wollen, können wir dort einmal hinfahren.“ Claire blickte ihn begeistert an. „Das würde ich gerne einmal machen. Früher war ich mit meinen Freundinnen dort. Das waren noch schöne Zeiten.“ „Sie sind jetzt als Tänzerin tätig, soweit es mir ihre Mutter erzählt hat. Sind Sie deshalb von hier weggezogen?“ Bevor sie antwortete, schwieg sie einen Moment. Ryan bemerkte es, wollte aber nicht genauer nachfragen. „Nun, es war ein Grund von vielen. Schon als kleines Kind wollte ich eine berühmte Tänzerin werden. Meine Eltern traf es schwer, als ich Maryland verlassen wollte, aber ich musste hier fort. Ich kann es Ihnen nicht genauer erklären, bitte verzeihen Sie mir.“ „Schon in Ordnung. Sie sprechen nicht gerne über die Vergangenheit. Habe ich Recht?“ Claire sah ihn schockiert an. Sie kannten einander nicht gut, warum sollte sie sich dann über die Gründe für ihre „Flucht“ aus dem kleinen Dorf rechtfertigen. Leichte Wut stieg in ihrem Inneren auf und Ryan konnte es in ihren Augen sehen. Die Traurigkeit war in den Hintergrund gerückt und an deren Stelle machte sich ein Funkeln bemerkbar.
Gerade als er noch etwas sagen konnte, läutete zu seinem Glück das Telefon. Claire sprang auf und nahm den Hörer ab. Ein flaues Gefühl breitete sich in ihrer Magengegend aus. Der Arzt sprach zu ihr in einer ruhigen und besänftigenden Stimme. „Mrs. McLain, ich habe Ihnen eine schreckliche Nachricht zu überbringen. Es tut mir leid, aber es kam bei Ihrem Vater zu Komplikationen. Wir haben jetzt bemerkt, dass er schlimmer verletzt ist, als wir vermutet haben. Eine weitere Untersuchung hat ergeben, dass er innere Blutungen hat. Vielleicht sollten Sie noch einmal ins Krankenhaus fahren und Ihrem Vater vor dem Tod sehen. Wir können leider nichts mehr für ihn tun. Mrs. McLain? Sind Sie noch am Apparat?“ Claire stand die ganze Zeit schwer atmend am Telefon. Als sie von der schrecklichen Nachricht hörte, verließen sie alle Kräfte. Plötzlich wurde alles um Claire herum schwarz. Von weitem erkannte sie Ryans Stimme, die ihren Namen rief. Dann nichts mehr.
Als Claire die Augen wieder öffnete, spürte sie zwei starke Arme um ihren Körper. Benommen versuchte sie einen kläglichen Versuch sich wieder zu befreien, doch Ryan war stärker. „Geht es Ihnen wieder gut?“ Mit besorgtem Blick sah er sie an. Mitleid, Trost und Verständnis erkannte Claire in seinem Gesicht.
„Es geht schon wieder. Lassen Sie mich bitte los.“ Zögernd erfüllte er ihren Wunsch. Ryan vergewisserte sich noch, ob sie ohne seine Hilfe auf den Beinen stehen konnte und entschied, dass sie es schaffte.
Obwohl sie noch immer blass im Gesicht war, erklang ihre Stimme fest und kalt. „Ich muss sofort ins Krankenhaus, Ryan. Seien Sie bitte so nett und fahren Sie mich hin. Alleine schaffe ich es nicht.“ Diese Bitte war ein bitteres Einsehen. Immer war sie froh gewesen alles alleine zu bewältigen, aber momentan fehlte ihr jede Kraft.
Mit einem Nicken schob Ryan Claire zu der Türe uns