Fanfic: Der eigenartige Geschmack von Scotch

Kapitel: Scotch

Misstrauisch betrachtete Gin den Agenten der Organisation durch den Rückspiegel. Seine Kleidung war tadellos gepflegt, sein Blick auf das Weltgeschehen außerhalb des Wagens gerichtet. Hin und wieder zuckten die Augen interessiert hin und her, wenn sie irgendetwas besonderes, wer weiß was, entdeckt hatten. Gin wollte unbedingt mehr über seinen Aufenthalt wissen. Am besten, er verwickelte ihn in ein Gespräch.
„Und? Wie laufen die Geschäfte in Amerika?“ Scotch’s Aufmerksamkeit richtete sich nun auf ihn.
„Welche? Meine persönlichen oder die der Organisation?“
„Die der Organisation natürlich.“, brummte Gin.
„Alles perfekt.“, antwortete Scotch, „Die Amis röntgen zwar jeden, der von außen rein kommt. Doch ihr Anti-Terrorismus-Wahn lässt nicht zu, eine größere gegenstaatliche Vereinigung im eigenen Land zu vermuten. Die Situation liegt sicher in unserer Hand. Was hier in Japan hoffentlich derselbe Fall ist.“ Wodka sagte nichts. Doch Gin antwortete: „Die hiesige Polizei besteht nur aus Schlafmützen und Vollversagern. Von denen hat keiner eine Ahnung, das es so etwas wie uns überhaupt gibt.“ Scotch schien sich damit zufrieden zu geben. Er schlug eine Zeitung auf, die er wohl an der Station gekauft hatte. Eine Weile wurde im Porsche nichts mehr gesagt. Dann jedoch untersuchte Scotch einen Artikel ganz genau und fragte dann: „Und was ist mit diesem komischen Detektiv, Kogoro Mori? ‚Der schlafende Detektiv’? Sieht zwar nicht sonderlich intelligent aus, soll aber schon so manchen Fall gelöst haben, bei dem die Polizei nicht weiter wusste…“ „Was ja auch kein Meisterstück ist“, unterbrach ihn Gin. Weiter fuhr er fort: „Als ob so ein Idiot uns gefährlich werden könnte. Nein, der ist Privatdetektiv, so viel ich weiß, der hat andere Sorgen.“
„Apropos gefährliche Detektive,“, fragte Scotch weiter, „Was ist aus diesem Shinichi Kudo geworden, dieser Schülerdetektiv, dessen Abgang ich euch ans Herz gelegt habe?“
„Was wohl?“, entgegnete Gin, „Wir haben ihn natürlich kalt gestellt.“
„Und wie, wenn ich fragen darf? Ich habe nämlich die Todesanzeigen von Tokio regelmäßig via Internet studiert, und da stand nie etwas von einem Shinichi Kudo.“ Gin und Wodka sahen sich fragend an.
„Vielleicht haben seine Alten seinen Tod nicht verkraftet“, antwortete nun Wodka, „und deshalb keine Anzeige drucken lassen. Jedenfalls, wie wir ihn getötet haben, na ja“, er lachte , „wir wollten dir, da du uns diesen Auftrag gegeben hast, die Ehre geben und dich sozusagen teilhaben lassen, indem wir das Gift verwendet haben, das du damals mit entwickelt hast.“ Im Wagen knallte es laut. Gin und Wodka schauten nach hinten. Scotch hatte sich an der Autodecke gestoßen. „WAS!?!“, rief dieser und rieb sich den Kopf.
„Ja.“, sagte Gin und runzelte die Stirn, „Sollte da etwas nicht stimmen?“
„Nein, nein. Eigentlich nicht. Und es hat ihn wirklich getötet?“
„Na ja, besoffen ist er nicht davon geworden.“, bemerkte Wodka ironisch. „Wir waren ja auch gespannt, was passieren würde, aber die Polizei war in der Nähe, daher mussten wir schnell weg, er hat sich ja auch nicht mehr gerührt.“ Scotch stöhnte auf dem Rücksitz.
„Stimmt damit nun etwas nicht?“, hakte Gin ungeduldig nach.
„Nein, es ist nur so, die Versuche damit waren noch nicht abgeschlossen. Wir kennen die Wirkungen also nicht genau. Wenn ihr aber sagt, er war tot, dann wird er das auch wohl so gewesen sein.“ Gin und Wodka fragten nicht weiter.
„Ah“, Scotch erholte sich immer noch von seinem Stoß, „Nun zu der Sache mit Sherry. War euch vielleicht irgendetwas Seltsames an ihrer Flucht aufgefallen?“ „Nein, nicht das ich wüsste,“ überlegte Wodka mit misstrauischem Blick, „obwohl, da war doch was, ja klar, die Handschellen, mit der wir sie im Keller gefesselt haben, die waren überhaupt nicht beschädigt. Irgendwie muss sie es geschafft haben, die Hände, na ja, es klingt bescheuert, kleiner zu machen.
„Mhm, das ist alles sehr interessant.“, bemerkte Scotch eher klagend.
„So, “ sagte Gin, „ wir sind angekommen. Man hat dir ein Appartement ganz oben in diesem Haus hier besorgt. Die Schlüssel hast du, glaube ich, schon bekommen“ Er zeigte auf ein Haus rechts vom Wagen, das bis auf wenige erhellte Fenster völlig im Dunkeln lag.
„Ja, das ist sehr gut“, sagte Scotch und öffnete die Tür.
„Dein ‚Gepäck’ wird noch nachgeschafft“, sagte Wodka.
„Ja, das ist alles wirklich gut“, Scotch sah sich um.
„Ach ja, “ er sah wieder zu den beiden, „ich werde mich in…sagen wir mal drei Tagen wieder bei euch melden. Länger dürfte das ganze nicht dauern.“ Er schlug die Tür zu und ging auf die Haustür zu.
Gin knurrte und fuhr los. Scotch verschwand im Eingang des Hauses.
„Drei Tage? Denkst du, der braucht wirklich nicht länger?“, fragte Wodka nach einer Weile.
„Kann schon sein. “ sagte Gin, „Er ist vielleicht etwas komisch, aber man sollte ihn besser nicht unterschätzen, das könnte in seinem Fall besonders gefährlich werden.“
„Meinst du?“
„Das mein ich nicht, das weiß ich.“
„Wieso?“
„Innerhalb der Organisation wird er sozusagen als ‚Doppeltes Netz’ gehandelt. Wann immer irgendwo ein Problem besteht, wo die anderen versagen, schickt die oberste Führung IHN, damit er klar Schiff macht.“
„Hm, wenn das wirklich so ist“, sagte Wodka, „dann musst du ja richtig Angst um deine Sherry bekommen.“
Doch Gin sagte nichts.

Conan gähnte. Ein weiterer Grundschultag war vergangen. Er hatte mal wieder ‚super Leistungen’ gezeigt, wie es die Lehrerin ausgedrückt hatte, indem er das Einmaleins perfekt beherrscht hatte (wie sollte es auch anders sein, war er doch schon zehn Jahre weiter im Stoff). Nun war er kurz vor der Detektei Mori. Und wieder das alte Spiel: rein und den kleinen ‚Klugscheißer’ mimen, wie Kogoro ihn ständig nannte. Er ging die Treppe hoch. Von innen hörte er lautes Gejohle. Als er die Tür öffnete, kam ihm eine von Kogoro Mori selbst erdichtete Siegeshymne entgegen, deren Verse durch einige Promille ins unerkenntliche verdreht wurden. ‚Dem schlafenden Detektiv’ war zu allem anderen als zum Schlafen zumute. Er saß am Tisch im Wohnzimmer und haute sich gerade eine weitere Flasche Sake hinter. Ran kam gerade aus der Küche. „Paps, drink doch nicht so viel! Du weißt doch in was das endet. Du bekommst schläfst betrunken ein und bist für die nächsten zwölf Stunden nicht mehr zu erreichen.“ Doch Kogoro ließ nicht locker. „Ach, sei doch nicht so, Mausebein! Man wird doch nicht jeden Tag groß und öffentlich in der Presse gelobt! Außerdem, wie hieß das Sprichwort? Man soll die Feste feiern, wie sie fallen. Und wohin sie fallen, da liegen sie auch!“
„Ich glaub’, hier liegt gleich noch jemand ganz anderes…“ bemerkte Conan leise. Kogoro drehte sich um. „Eh, da ist ja der kleine Wicht! Hast du was gesagt?“
„Nöööö!“
„Na, heute will ich mal nicht so sein. Denn ich bin heute zum besten Detektiv Tokios gekürt worden.“ Ein Glanz erstrahlte in Kogoro’s Gesicht, der nicht von dieser Welt schien.
„Gekürt? Von wem denn?“, fragte Conan.
„Hier, lies doch selbst! Es steht in der Zeitung, in der Zeitung!“, rief Kogoro und wedelte dabei mit einer Zeitung vor Conan’s Gesicht herum. Conan schnappte sich diese und begann zu lesen:
„Tokio hat ein neues Genie, wenn es darum geht, knifflige Fälle zu lösen, vor denen selbst die besten Kommissare kapitulieren. Kogoro Mori, der sogenannte schlafende Detektiv. Der ehemalige Polizist, der wegen eines schrecklichen Vorfalls vom Dienst zurück trat, eröffnete vor geraumer Zeit eine Privatdetektei, bei der jedoch lange der Erfolg ausblieb. Erst im letzten Jahr erhielt der neue Sherlock Holmes die Chance, sein Können unter Beweis zu stellen. Seit dem erlangte er durch zahlreiche Fälle, in die er scheinbar zufällig geriet, mehr und mehr Ruhm, da er sämtliche Vorfälle erfolgreich löste und den Täter immer stellte. Bei Umfragen ist sich die Bevölkerung sicher: Kogoro Mori ist der beste Detektiv der Ostküste! Manche Experten zählen ihn sogar zu den zehn intelligentesten Menschen Japans…“
Na das ist ja wohl ein bisschen zu viel des Guten, dachte sich Conan.
„Der Verfasser dieses Artikels muss ein ziemlicher Verehrer von dir sein, wenn er ausgelassen hat, dass du suspendiert wurdest weil du deine eigene Frau…“
„Das ist nicht von Bedeutung!“, schnappte Kogoro gereizt und riss ihm die Zeitung weg.
„Aber schau dir doch den letzten Satz an! Einer der zehn intelligentesten Japaner!“ Dann müsste Japan aber seeehr tief gesunken sein, dachte Conan zynisch.
„Darauf drinke ich noch einen! Ran! Bring mir noch ne Flasche Sake!“, rief Kogoro.
„Die kannst du dir selber holen!“, entgegnete Ran; „Ich muss noch zur Bibliothek gehen. Sonoko und ich haben uns dort verabredet, um die Hausaufgaben zu machen. Conan, möchtest du mitkommen?“ „Ja, gerne.“ Länger hätte er es auch nicht mit diesem Suffkopf ausgehalten. Schnell schnappte sich Ran ihre Tasche und gemeinsam gingen sie raus. Eine Weile gingen sie die Strasse entlang, ohne etwas zu sagen. Conan sah Ran an. Wenn er ihr schon nicht die Wahrheit sagen kann, dann wollte er eines doch wissen.
„Du, Ran?“, fragte er.
„Ja, Conan?“
„Sag mal, hast du mal wieder was von Shinichi gehört?“
„Nein, seit dem Abend im Restaurant nicht.“, sagte sie überraschend ruhig.
„Bist du denn überhaupt nicht sauer deswegen, oder so?“
„Ach weißt du“, begann Ran, „ich vertraue Shinichi. Ich bin mir sicher er hat für all das einen guten Grund. Natürlich, ist das schon seltsam, dass er ständig weg ist. Aber mittlerweile habe ich gelernt zu warten. Ich kenne Shinichi, er wird bestimmt wieder zurückkommen.“ Conan fiel ein Stein vom Herzen.
„Puh, na dann ist ja gut.“ Plötzlich hatte