Fanfic: Der eigenartige Geschmack von Scotch
Kapitel: Meisterdieb in Nöten (Teil 2)
Es war wieder nach der Schule, als Conan die Detektei betrat. Heute etwas besser gelaunt, warf er seine Schultasche in die Ecke und ging schnell ins Wohnzimmer. Der Grund seiner guten Laune war ein Zeitungsartikel, von dem seine Mitschüler aufgeregt gesprochen haben. Jetzt wollte er unbedingt sehen, ob das ganze nicht nur ein Produkt kindlicher Fantasie war. Als er die Tür öffnete, erblickte er einen Kogoro Mori in seiner besten Verfassung – schlafend. Laut schnarchend lag er mitten im Raum. Die kleine Freudenfeier von gestern schien er wohl immer noch nicht ganz ausgenüchtert zu haben. Zielstrebig steuerte Conan eine unberührte Zeitung auf dem Tisch an. Als er sie aufschlug studierte er aufmerksam den besagten Artikel auf der Titelseite, der lautete:
PHANTOM KID FORDERT ALLES HERAUS!
Die Glückssträhne des meistgesuchtesten Einbrechers der Welt nimmt kein Ende, so gelang es ihm gestern, das berühmte Schwert ‚Klinge des Sichelmondes’ aus dem Beika-Museum zu stehlen ohne den anwesenden Polizeikräften auch nur den Hauch einer Chance zu lassen, ein weitere Blamage von vielen, welche die Polizei in den letzten Monaten einstecken musste. Und als ob das noch nicht reichen würde, schickte der Dieb, der auch als Meisterdieb 1412 bekannt ist, mehrere Briefe an Polizei und Presse, in welchem er alle Detektive und kriminalistischen Genies des Landes zu einer Art Spiel herausfordert, wenn er sein nächstes Ziel, den ‚Grünen Frühling’ stehlen will, einen Smaragd, der übermorgen im Messeturm ausgestellt wird…
Conan lächelte. Das war seine Chance Kid endlich zu stellen! Doch erst mal musste er dort hinkommen. Er ging rüber zu Kogoro und versuchte ihn zu wecken.
„He, Onkel Kogoro!“, sagte er laut und rüttelte am schlafenden Elend.
„*Schnarch*… was?...was soll das? Lass mich weiterschlafen, Hosenscheißer!“, war nur die Antwort.
„Aber das Können eines Meisterdetektivs ist gefragt.“
Erst rührte sich Kogoro nicht, so, als müsse er diese Information erst richtig zuordnen. Doch dann war er mit einem Schlag hellwach und sprang wie Stehaufmännchen auf.
„WAS? Wer braucht mich? Wer braucht den legendären Meisterdetektiv Kogoro Mori?“
Conan fasste sich an den Kopf aufgrund dieser Wechsellaune. Dann erklärte er.
„Na schau dir doch mal den Artikel hier an!“, und reichte ihm die Zeitung. Kogoro nahm die Zeitung und las sie mit müden Augen. Verunsichert legte er sie weg.
„Und was meinst du, soll ich dabei machen?“, fragte er.
„Aber das liegt doch auf der Hand. Als DER Meisterdetektiv ist es doch selbstverständlich, dass du die Herausforderung von Kid annimmst!“
Nervös kratzte sich der Privatdetektiv am Kopf und sah so aus, als ob ihm die ganze Situation über den Kopf wachsen würde.
„Also, na ja. Ich weiß nicht…“, begann er zögerlich.
„Hey, Kid ist doch so ziemlich der einzige Kriminelle in diesem Land, der es mit deinem scharfen Verstand aufnehmen kann. Außerdem ist er dem Staat schon seit langem ein Dorn im Auge, wenn du ihn also schnappst, hast du ausgesorgt…“
Plötzlich bildete sich auf Kogoros Gesicht ein breites, siegessicheres Grinsen.
„Jaaaa! Du hast Recht! Ha, das wäre doch gelacht, wenn ich diesen Tagedieb nicht fangen könnte. Der wird noch sein blaues Wunder erleben, wenn ICH ihn mir vornehme.“
Er stand auf und schlug sich mit der Faust auf die Brust.
„Ja, das werde ich machen.“
Conan stand daneben und zuckte die Schultern. Das Einschmeicheln machte ihm zwar keinen besonderen Spaß, aber die Vorarbeit war jetzt wenigstens geleistet.
Mit schmalen Augen inspizierte Inspektor Nakamori seine Polizeitruppe, die ihn letztes Mal so Stich gelassen hatte. Das war die reinste Blamage gewesen! Als die Medien im Ausstellungsraum erschienen waren, hatten sie eine schlafende und schnarchende Menge von Polizisten vorgefunden – ein wahrer Leckerbissen für die Klatschzeitungen der Stadt (auch wenn Nakamori nicht wusste, wer den Reportern eigentlich erlaubt hatte, das Gebäude zu betreten). Zugegeben, er war nicht so gut vorbereitet, wie er es eigentlich vorhatte, doch was diese Bande hier geleistet hatte, war unter aller Sau! Doch diesmal würde er WIRKLICH gut vorbereitet sein. Zusammen mit seinen Assistenten hatte er sich ein paar nette Überraschungen für Kid ausgedacht. Die nötigen technischen Spielereien hatten sie schon angefordert. Und diese Bande von Idioten vor ihm würde es ihm diesmal nicht versauen.
„OK, ihr Schlafmützen! Diesmal habt ihr euch ranhalten. Das Land wird morgen auf uns schauen, und ICH werde dafür sorgen, dass ihr euch nicht und vor allem mich nicht blamiert! So eine Schlamperei wie Vorgestern werde ich nicht noch einmal tolerieren, kapiert?“
„Jawohl.“, erklang es im Chor.
„Es kann doch nicht sein“, fuhr Nakamori fort, „dass ihr euch alle von Kids Gas habt betäuben lassen!“
„Wir saßen ja auch nicht in einer Blechbox in Sicherheit.“, sagte jemand in der hinteren Reihe.
„WER HAT DAS GESAGT?!“, brüllte Nakamori.
„Öhem… niemand.“
„Gut. Also, deswegen überprüft jetzt, ob ihr alle eure Gasmasken habt.“
Alle Beamten bestätigten und zeigten ihre Masken vor.
„Gut. Dann sollte in dieser Hinsicht nichts schief gehen, in DIESER Hinsicht. Der letzte Vorfall war vor allem deshalb möglich, weil einige von euch der Meinung waren, sie müssten eigenmächtig handeln.“
Bei diesen Worten fingen drei Polizisten in der ersten Reihe heftig zu zittern an. Mit schnaufendem Atem näherte sich Nakamori den dreien und war im Begriff, seine heftige Predigt loszulassen.
„Hm, sehr mageres Sicherheitssystem.“, bemerkte eine Stimme abschätzend hinter ihm.
Nakamori wandte sich um. Da, wo er gerade noch gestanden hatte, stand jetzt ein junger Mann Mitte zwanzig mit langen schwarzen Haaren, der einen langen braunen Mantel trug und seine Umgebung mit gelangweiltem Blick untersuchte.
„Was? Wer sind Sie?“, fragte Nakamori sichtlich entsetzt, während die drei Polizisten hinter ihm dankbar für die Ablenkung waren.
„Wer ich bin?“, sagte der Mann, „Oh, Entschuldigung, ich habe mich noch nicht vorgestellt. Mein Name ist Jérôme Fuchet, ich komme aus Frankreich und bin von Interpol.“, er kramte aus einer Tasche einen Ausweis hervor und zeigte ihn.
„Was? Frankreich? Interpol?“, rief Nakamori und sah überfordert von den plötzlichen Informationen aus.
„Gibt es die Interpol denn noch und was macht die in Japan und vor allem in MEINEM Einsatz?“
„Das müssen Sie ihre Regierung fragen, die hat uns nämlich um Hilfe ersucht. Meine Aufgabe hier ist es lediglich, diesen Dieb mit VERNÜNFTIGER Ausrüstung und VERNÜNFTIGEN Fachkräften dingfest zu machen.“, antwortete der Franzose.
„Wollen Sie mit ihrem VERNÜNFTIG auf irgendetwas anspielen?“, fragte Nakamori.
„Nein, sollte ich etwa?“
„Ach, egal.“, sagte Nakamori.
„Aber wie kommen sie darauf, dass unser Sicherheitssystem ‚mager’ ist?“, fragte er nun.
„Vielleicht aus dem Grund, dass ich hier stehe und dass mich niemand auf dem Weg hierher nach meinem Ausweis gefragt hat?“, entgegnete der Franzose ironisch.
„Wie bitte?“ Nakamori drehte sich zur Eingangstür um, wo ein gähnender Wachposten stand, der sich gerade die Augen rieb.
„Das… hmpf… Unverschämtheit…“, knurrte der Inspektor vor sich hin.
„Sie haben doch keine weiteren Einwände gegen unsere Aktionen hier, oder?“, fragte Fuchet.
„Äh, nein, wie sollte ich auch… äh, Moment mal, UNSERE Aktionen?“, sagte Nakamori.
Fuchet klatschte in die Hände.
„Eh bien, mes amis, durchsucht den Raum, ob ihr etwas verdächtiges findet.“, rief er. Die Eingangstüren öffneten sich und ein Dutzend Polizisten kam in zwei Sechser-Gruppen in den Raum marschiert und begann, den Raum zu inspizieren.
„Aber… aber… das können… das geht doch nicht…“, stotterte Nakamori.
„Keine Sorge, meine Leute leisten gründliche Arbeit.“, sagte Fuchet. Doch Nakamori sah alles andere als unbesorgt aus. Niedergeschlagen ließ er sich auf einen Stuhl am Rande des Raumes nieder. Noch schlimmer konnte der Tag kaum noch werden. Doch, etwas konnte noch passieren. In seinem Brief hatte Kid alle Detektive des Landes herausgefordert, und wenn jetzt noch…
„Ah, guten Tag, Inspektor.“, begrüßte ihn jemand.
Nakamori erkannte die Stimme und kippte vom Stuhl. Hakuba Saguru! JETZT konnte es nicht mehr schlimmer werden. Zur Tür kam ein Junge mit blonden Haaren herein, der einen gepflegten blauen Anzug mit Krawatte trug. Ihm folgten zwei weitere Männer. Den ersten erkannte Nakamori aus der Zeitung, es war der ‚schlafende Detektiv’ Kogoro Mori, auch jetzt machte er einen schläfrigen Eindruck. Nakamori hielt nicht viel von ihm. Der zweite war ein Mann, der einen braunen Tweed-Anzug und einen braunen Hut trug, genau wie seine Haare braun waren. Er konnte sein Alter nicht einschätzen. Der Junge im blauen Anzug, Hakuba, kam auf ihn zu.
„Sieht so aus, als hätten Sie unerwarteten Besuch erhalten.“, sagte er und deutete mit dem Kopf auf Fuchet und seine Leute.
„Sozusagen.“, bemerkte Nakamori und lächelte halbherzig.
„Hätte nicht gedacht, dass die Regierung der Sache so einen Stellenwert eingeräumt hat.“, sinnierte Hakuba und beobachtete, wie zwei Interpolizisten eine Vase auf den Kopf stellten.
„Ach ja“, sagte Hakuba, „Schauen Sie mal, wen ich unten vor dem Eingang getroffen habe. Darf ich vorstellen? Der berühmte schlafende Detektiv Kogoro Mori.“
„Schon gehört.“, brummte Nakamori und rieb sich den Kopf.
„Und der zweite Herr ist…“
„Adam Brown“, stellte sich der Mann im Tweed-Anzug selbst vor und hob den Hut. „Englischer Detektiv.“
„Ah ja“, bemerkte Nakamori.
„Daher konnten wir uns gut miteinander unterhalten.“, sagte Hakuba, der sich sehr oft in London aufhielt. Nakamori stöhnte. Ein Interpol-Inspektor und drei Detektive waren zu viel für diesen Tag.
Die drei