Fanfic: Sol et Scelus
Kapitel: Die Stadt der Liebe
Kapitel 2: Die Stadt der Liebe
Das taten sie wirklich. Nach wenigen Minuten tauchte am Horizont ein kleiner rosaner Fleck auf. Zuerst dachten Teiga, Kenji und Yuna, sie hätten sich geirrt, denn das pinke Ding dort hinten konnte doch unmöglich die Stadt sein! Diese Stadt hatte keine Mauern, als würden die Dämonen keine Gefahr für sie darstellen. Sie wollten sich das so schnell wie möglich ansehen und da eine ihrer Kühe wieder mal stoppte, banden sie alle vier Kühe an einem Baum fest und liefen die letzten paar Meter. Sky sollte sie später abholen. Als die Truppe näher kam, lief sofort ein junger Mann auf sie zu, der genauso pinke Kleidung trug, wie die Stadt gestrichen war. „Willkommen meine Freunde, willkommen in unserer schönen Stadt Amorica, dem perfekten Ort für junge, verliebte Paare! Hier kommen auch viele Leute her um zu heiraten oder ihre Flitterwochen hier zu verbringen! Folgt mir, folgt mir!“
„Ähm, warum waren wir gleich noch mal hier?“, fragte Teiga Sky und schaute sich nach einer Fluchtmöglichkeit um. „Das ist die letzte Stadt, in der wir uns ausruhen können. Die Stadt im Norden, die als nächste von den Dämonen angegriffen wird, Talleca, ist noch acht Tagesmärsche entfernt, auf den Kühen dauert es bestimmt doppelt so lange. Wir müssen hier etwas Proviant einkaufen, bevor wir uns auf so eine lange Reise machen. Besonders wegen Yuna.“ „Aber warum ausgerechnet hier? Ich meine, guck dir die Stadt doch mal an, alles ist pink gestrichen, ständig schmeißt irgendwer von seinem Balkon Blumen auf uns herunter und da, an jeder Ecke steht irgendein knutschendes Paar! Ich hasse so was!“ Darin waren sich Kenji, Teiga und Sky einig. Nur Yuna schien an allem hier Gefallen zu finden. Sie versuchte, alle Blumen aufzufangen, die auf sie herabsegelten und schaute den küssenden Paaren neidisch zu. Teiga wurde schlecht bei dem Anblick. „Hey, hey, wartet doch mal! Ich muss unbedingt in dieses Geschäft!“ Yuna blieb stehen und zeigte auf einen kleinen Laden, in dem einige Kleider in den Schaufenstern standen. Sie erklärte, dass sie doch auf keinen Fall mehrere Wochen lang in den gleichen Kleidern unterwegs sein konnte. Also gaben ihre drei Begleiter nach und folgten ihr in das Geschäft.
„Oh, sie dir doch mal das grüne hier an, das sieht doch wunderschön aus, oder?“ Nachdem Yuna sich sechs Kleidungsstücke ausgesucht hatte, die Kenji jetzt hinter ihr herschleppen musste, fing sie damit an, unterschiedliche Klamotten für Teiga auszusuchen. Yuna fand, dass Teiga sehr gut aussah in kurzen Röcken und Kleidern und schickte sie immer wieder in die Umkleidekabine. Teiga protestierte nicht, war allerdings kurz davor, einfach aus dem Laden rauszulaufen, da es ihr allmählich peinlich wurde. Als Teiga ein rosanes Kleid anziehen sollte, war sie schon unterwegs zur Tür, doch Yuna wollte unbedingt sehen, wie das Kleid an ihr aussah. „Helft mir doch!“, rief Teiga Kenji und Sky zu. „Warum sollten wir? Ich finde, du sahst in den Kleidern, die Yuna für dich ausgesucht hat, immer gut aus“, antwortete Sky mit einem Lächeln.
Teiga erwiderte sein Lächeln. „Na, wenn du meinst... Yuna, findest du nicht, dass Sky auch ein paar neue Klamotten braucht?“ Yuna, die Teiga gerade eine rosa Schleife passend zu ihren Kleid ins Haar machen wollte, war von der Idee begeistert. Sofort nahm sie Sky an der Hand und zog ihn durch den Laden. Teiga seufzte und setzte sich neben ihren Bruder auf den Boden. „Haben wir überhaupt genug Geld für diese ganzen Sachen?“, fragte sie und schaute besorgt auf inzwischen sieben Einkaufstüten, die bei Kenji standen. „Es müsste doch noch etwas von unserer letzten Mission übrig sein, oder?“ Teiga schüttelte traurig den Kopf: „Ich habe alles ausgegeben. Du erinnerst dich doch noch an das Festessen, das wir nach der Mission hatten? Dafür ist alles draufgegangen.“ Kenji schrie sie die ganze Zeit an, dass man ihr einfach nichts anvertrauen könnte und dass das Geld bei ihm bestimmt länger gereicht hätte als zwei Stunden, während Teiga in die Umkleidekabine ging und sich wieder ihre alten Sachen anzog. Danach gingen sie zu Yuna, um ihr zu erklären, dass sie (leider) die Sachen, die sie ausgesucht hatte, nicht mitnehmen könnten. „WAS?! Ihr seid schon die ganze Zeit ohne Geld unterwegs? Wie bescheuert seid ihr eigentlich?!“ Teiga sagte, es sei wirklich nicht einfach, mit zehntausend Goldstücken lange auszukommen. Yuna schrie sie an, dass ihre Familie nicht einmal zehntausend Goldstücke im Jahr zur Verfügung hatte. Der Verkäufer kam zu ihnen und fragte, was denn los sei. Als die vier ihm erklärten, dass sie kein Geld für die ganzen Sachen hatten, musste er lachen. „Ihr seid neu hier, oder? In Amorica ist alles kostenlos!“ Im selben Augenblick begann Yuna wieder zu lächeln und nahm nun auch Kenji mit, um für ihn etwas auszusuchen. Teiga und Sky schlichen sich heimlich aus dem Laden, weil sie Angst hatten, dass Yuna noch mehr Kleider für sie aussuchen würde. „Oh Mann, die kann einem echt ganz schön auf die Nerven gehen!“, stöhnte Sky, als sie wieder draußen waren. „Ja, es gibt einige Menschen, die gehen stundenlang einkaufen. Das nennen die dann ``shoppen``. Echt nervig. Hab nie verstanden, wozu das gut sein soll.“ Sie redeten noch eine Zeit lang weiter über Yuna`s Kaufsucht, bis sie schließlich bei einer Brücke ankamen und Sky von einer jungen Frau angesprochen wurde: „Möchten sie eine Rose für ihre Freundin?“ Er antwortete lächelnd: „Sie ist noch nicht meine Freundin. Ich arbeite noch dran.“ Als die Frau vorbeigegangen war, warf Teiga ihm einen wütenden Blick zu. „Du hast sie ja nicht mehr alle! Ich arbeite noch dran! Tut mir Leid, aber ich bin Einzelgänger. Lauf doch dem Blumenmädchen hinterher, vielleicht hat sie ja noch keinen Freund. Hoffentlich aber schon, ich will sehen, wie sie dich abblitzen lässt.“ Sky ließ traurig den Kopf hängen. „Schade. Wir wären bestimmt ein schönes Paar geworden.“ Ohne ihm zu antworten, stieß Teiga ihn ins Wasser.
Als sie noch etwas weitergegangen und allen möglichen Leuten, die sie zu einer romantischen Bootsfahrt und ähnlichem überreden wollten, erklärt hatten, dass sie nicht zusammen seien, beschlossen sie, zurück zu Kenji und Yuna zu gehen. Die waren jedoch immer noch nicht mit ihren Einkäufen fertig, aber sie konnten Yuna dazu überreden, für heute erst mal Pause zu machen. Also machten sie sich auf die Suche nach einem Gasthaus, in dem sie übernachten konnten.
Obwohl ihnen an jeder Ecke Wegbeschreibungen zu den zwanzig Gasthöfen, die in diesem Ort lagen, gegeben wurden, musste die Truppe bis in die Nacht hinein suchen, was hauptsächlich an Teiga`s ``Abkürzungen`` und ihrem schlechten Orientierungssinn lag. Schon weit nach Sonnenuntergang fanden sie jedoch zum Glück einen. Doch da gab es neue Probleme. „Was soll das heißen, es gibt nur Doppelbetten?!“, schrie Teiga wütend. „Tut mir Leid“, erklärte der Wirt immer wieder, „so ist das. Ihr seid in Amorica, der Stadt der Liebe. Verhaltet euch gefälligst auch so! Ich habe aber noch zwei Einzelzimmer, für Notfälle.“ Sky zählte vorsichtshalber noch einmal nach, bevor er sagte: „Wir sind aber zu viert.“ Also würfelten sie, wer die Einzelzimmer bekommen durfte. Am Ende gewonnen Kenji und Yuna die Einzelzimmer, während Teiga und Sky sich ein Zimmer mit Doppelbett teilen sollten. „Nein, das könnt ihr vergessen. Mit dem schlaf ich noch nicht mal im gleichen Zimmer, geschweige denn im gleichen Bett!“ Sky lächelte sie immer wieder von der Seite an und Kenji und Yuna versuchten, sie dazu zu bringen, das Doppelzimmer zu nehmen. „Es ist doch nur für eine Nacht! Du darfst ihm auch eine reinhauen, wenn er dir... zu nahe kommt.“ Teiga schlug vor ihn schon vorher k.o. zu schlagen, aber das durfte sie nicht. Also ging sie widerwillig mit Sky in ihr Zimmer, während Yuna und Kenji sich noch eine Weile unterhielten. „Ich dachte immer, Dämonen und Halbdämonen hätten magische Kräfte, ich habe aber noch nie gesehen, dass ihr sie eingesetzt habt. Warum nicht?“, fragte Yuna. „Natürlich haben wir magische Kräfte, aber es kostet uns sehr viel Energie, die einzusetzen, egal ob Halb- oder vollwertiger Dämon. Daher machen wir das nur im Notfall.“ Yuna war offenbar richtig interessiert an dem Thema. „Was für Kräfte habt ihr denn?“
„Na ja, Kenji ist ein Blitzdämon, bei ihm ist das wohl vererbt. Ich weiß aber nicht, wie weit seine Kräfte ausgeprägt sind, dafür müsste ich einmal sehen, wie er sie einsetzt. Teiga und ich sind allerdings Kinder von Lenya und die gehört zu einer zu einer der mächtigsten Dämonenfamilien, die es überhaupt gibt. Bei uns hängt das vom Charakter ab. Ich habe die Macht über das Feuer und Teiga hat die gleiche Macht wie ihre Mutter.“ Yuna wartete darauf, dass er weiter erzählte, aber Kenji ließ sich etwas Zeit. „Beide haben die Macht über die Toten, allerdings etwas unterschiedlich. Lenya kann wirklich Skelette heraufbeschwören, so wie ihr Menschen euch das vorstellt. Teiga ruft die Seelen der Toten herbei und verwandelt ihre Kraft in eine alles vernichtende Attacke. Was sie damit, da wächst kein Gras mehr.“
Am nächsten morgen kam Yuna gut gelaunt aus ihrem Zimmer und ging los, um die anderen zu wecken, aber die saßen schon unten bei ihrem Frühstück. Teiga und Sky hatten sehr schlechte Laune. Sie konnten sich nicht