Fanfic: Sol et Scelus

Untertitel: Dämon des Lichts

Kapitel: Kapitel 11: Meine wahren Gefühle

Kapitel 11: Meine wahren Gefühle
Teiga wachte in einem dunkeln Raum auf. „Hey, wieder wach?“, fragte eine Stimme direkt neben ihr. „Wer ist da?!“, schrie sie und blickte sich um. „Keine Angst. Ich bin`s nur, Kenji.“ Teiga hatte keine Ahnung, was passiert war und nachdem ihr Bruder ihr alles wieder erklärt hatte, fragte sie: „Ist hier sonst noch jemand außer uns?“ Sie konnte fast spüren, sie Kenji den Kopf schüttelte. „Nein, nur wie beide. Sky war bis vor kurzem noch hier, aber weil er die ganze Zeit rumgeschrieen hatte, sie sollten dich bloß nicht anfassen, haben sie ihn in einen anderen Raum gebracht. Frag mich bloß nicht, in welchen. Dieses Schloss ist riesig.“
Sie erinnerte sich schwach an das Schloss, in dem sie in ihrer Kindheit mit ihrer Mutter und Kenji gelebt hatte. Soweit sie wusste, gab es fünf verschiedene Kerker, jeder mit ja fünf Zellen und sieben Folterkammern. Sie hoffte nur, dass man ihn nicht in eine Folterkammer gebracht hatte... Plötzlich fiel ihr noch etwas anderes ein. „Was ist eigentlich mit Yuna?“ Kenji brauchte einen Moment, bevor er antwortete: „Sie ist eben noch hier gewesen und hat gefragt, ob du schon wieder aufgewacht bist, weil Lenya dich für irgendwas braucht. Mehr hat sie nicht gesagt. Ich kann immer noch nicht glauben, dass sie ein Spion war.“ Teiga blieb eine Weile stumm, dann: „Hör mal, Lenya darf mich auf keinen Fall holen, ja? Dann ist alles vorbei.“ Kenji blickte sie fragend an, doch als er merkte, dass sie das ja nicht sehen konnte, fragte er sie, was sie damit meinte. „Du hast keine Ahnung, was? Okay, Kurzfassung: Ich verfüge über Kräfte, die kein anderer Dämon besitzt, daher will sie mich fangen. Sobald sie meine Kräfte hat, ist sie so gut wie unbesiegbar!“
Kenji verstand es immer noch nicht. Wenn sie solch mächtige Kräfte hatte, warum hatte sie diese nicht schon viel früher gegen ihre Mutter eingesetzt? Warum bekämpfte sie ihre Mutter überhaupt?
Als er sie danach fragte, begann sie zu lachen. „Ja, ich wollte es dir erzählen, nur als das passiert ist, warst du noch zu jung und als du dann älter wurdest, hatte ich es bereits vergessen. Also, du weißt doch noch das mit Maia, oder?“ Natürlich erinnerte er sich noch an Maia. Sie war seine und Teiga`s Halbschwester und verfügte über die selben Fähigkeiten wie sie und Lenya, nur hatte man ihm erzählt, dass sie etwas ausgeprägter seien als ihre. Lenya ließ sie ihre Fähigkeiten Tag und Nacht trainieren und eines Tages ging sie zu weit. Maia versuchte ihre Techniken weiter zu verbessern und verwendete aus Versehen die Attacke ein, die Teiga benutzen wollte, als sie auf Talleca gegen Lenya kämpfen und opferte dabei ihre Seele. Kurz danach zwang ihre Mutter Teiga zum Training, die so viel wertvoller als ihre Schwester wurde und bald war das Thema Maia total verdrängt. Das meinte sie also mit außergewöhnlichen Kräften...
„Ach so, du bekämpfst sie, weil du meinst, es war Lenya`s Schuld, was mit ihr passiert ist, weil sie Maia so lange trainieren ließ. Ziemlich weit hergeholt, findest du nicht?“ Teiga antwortete wütend: „Das ist nicht weit hergeholt! Sie wollte das nicht mehr, sie wollte aufhören zu kämpfen und zu trainieren, aber Lenya ließ sie nicht. Sie zwang sie dazu, weiter zu machen und trieb sie in den Tod.“
„Nicht ganz“, ertönte plötzlich eine Stimme hinter Teiga und etwas Licht fiel in den Raum, als die Tür geöffnet wurde und Lenya hereintrat, gefolgt von Yuna. „Was meinst du damit?!“, rief Teiga und versuchte sich von den Fesseln zu befreien. Die beiden Besucher kamen näher und sie konnte Lenya`s Atem in ihrem Nacken spüren, als sie antwortete: „Ich habe euer Gespräch belauscht. Du sagst zu ihm, er habe keine Ahnung, doch in Wirklichkeit bist du die Unwissende. Wenn sie über die selben Kräfte wie ich verfügt hätte, wäre das ganze Training gar nicht notwendig gewesen. Da hätte ich mich lieber selber verbessert, anstatt meine Zeit mit ihr zu verschwenden. Sie hatte eine ganz andere Magie als ich, eine Energie, über die niemand sonst verfügt, aber das versteht ihr Idioten eh nicht“, fügte sie an und wollte den Raum schon verlassen.
Na großartig, dachte Teiga. Das war doch jetzt eigentlich komplett überflüssig. Da kommen die hierher, um uns zuzuquatschen und hauen danach einfach wieder ab?! Verarschen die uns irgendwie?! Ach, sollen sie doch, aber ich halt es nicht mehr aus, hier Gefangene zu sein. Spielen wir also unser As im Ärmel aus...
„Hey, Yuna! Wo habt ihr eigentlich Sky hingebracht?“, reif sie. Yuna blieb stehen, antwortete aber nicht. Lenya übernahm das für sie: „In Kerker 3, Zelle eins! Aber warum willst du das wissen?“ Teiga dachte schnell nach. Alle Räume in Kerker 3 und 4 waren nicht bewacht und wenn sie es schaffte, ihm durch Yuna eine Nachricht zu überbringen, ohne dass Lenya es bemerkte, konnte sie ihm vielleicht erklären, wie er hier raus kam (das er sie dann anschließend retten sollte, musste sie wohl nicht mehr erwähnen). Ohne Wachen konnte er sich leicht mit seinen Blitzkräften befreien. Das Problem war nur, dass sie immer wieder vergaß, wo Kerker 3 und 4 lagen! Wie war das noch mal? Es gab in dem Schloss einfach zu viele Gänge! „Ähm, fünf Minuten Bedenkzeit!“, rief sie lächeln.
Oh mein Gott, was wird denn das für ein Mist, dachte Kenji. Wir sind Gefangene und die führt sich auf, als wäre sie zu hause!
Aber Lenya, die Teiga schon seit ihrer Kindheit kannte, wusste, dass wenn Teiga nicht von Anfang wusste, was sie sagen sollte, dann kam nie was vernünftiges dabei heraus. Daher verließ sie den Raum kopfschüttelnd. Yuna wollte ihr schon folgen, als Teiga sagte: „Oh, jetzt hab ich`s! Also, sag ihm...äh... zuerst rechts... nach zwei mal geradeaus links und dann... noch mal links... und wie ging`s weiter? Oh ja, zweimal geradeaus, einmal links, zweimal rechts... und dann... und dann irgendwo anders lang! Sag ihm das, okay?“
„Ähhhh...“, antwortete Yuna, die Probleme hatte, sich diese komplizierte Nachricht zu merken. Sie wusste sofort, dass Teiga Sky damit den Weg nach draußen zeigen wollte... wenn man mit dieser Beschreibung überhaupt irgendwo ankam.
„Ihr kommt hier nicht raus, versucht es gar nicht erst“, sagte Yuna teilnahmslos. Kenji unterbrach sie: „Komm, überbring ihm die Nachricht.“ Er blickte sie hoffnungsvoll an.
Was soll das, dachte sie. Sie wollte widersprechen, aber irgendwie kam ihr über die Lippen: „Geht klar.“ Was mach ich hier für einen Sch...?!
Aber okay, jetzt wo ich schon zugesagt hab, kann ich es ja schlecht nicht tun. Ich könnte, aber... wenn er mich so ansieht, dann... ich halt es nicht mehr aus, ich muss hier raus! Fluchartig rannte sie raus, schlug die Tür zu und ließ die beiden allein in der Finsternis.
„Bist du sicher, er kommt damit raus?“, fragte Kenji nach einiger Zeit und Teiga erwiderte: „Na ja, ich bin hier schon lange nicht mehr gewesen und ich habe null Orientierungssinn... ich würde sagen, zu 10% funktioniert es!“

„... und dann irgendwo anders hin“, wiederholte Yuna für Sky die Nachricht, als sie kurz darauf in seine Zelle trat. „Aha?! Hat sie sonst noch was gesagt?“, fragte er, da er damit absolut nichts anfangen konnte.
„Nein“ antwortete Yuna und fügte hinzu: „aber ich glaube, sie setzt ihre ganze Hoffnung in dich.“
Cool, dachte er. Wenigstens vertraut sie mir. Nur, ähm... ist es Sinn der Sache, dass man die Nachricht nach zwei Minuten vergisst? „Okay, kannst du es dann noch mal wiederholen?“, fragte er und Yuna schüttelte den Kopf. „Ich habe euch wirklich genug geholfen. Mehr werde ich nicht tun.“
Warum tue ich überhaupt so was? Kann mir doch egal sein, wenn die sterben? Ich gehöre zu den Dämonen! Warum will dann ein kleiner Teil von mir, dass sie überleben?
Sie verließ den Raum und ließ ihn allein. Toll, dachte er. Ich kann mich zwar befreien, weiß aber nicht, wo ich hin muss. Okay, ich hab ne kleine Hilfe von Teiga, aber seien wir mal ehrlich: Haben ihre Richtungsangaben je gestimmt? Argh, verdammt, es ist das beste, was ich habe und ich sollte wohl besser abhauen, bevor ich die Beschreibung total vergessen habe!
„Hmm... die Ketten sind ziemlich rostig... da brauche ich nicht viel Kraft einzusetzen. Brauche ich da überhaupt meine magischen Kräfte?“ Die Antwort bekam er innerhalb von Sekunden: Nein. Ohne das er irgendwas getan hatte, brachen die Ketten und er stürzte zwei Meter in die Tiefe. „Man, rostiger, als ich gedacht hatte! Gut, wie jetzt weiter...?“ Vorsichtig öffnete er die Tür und als er sicher war, dass sich keine einzige Wache auf dem Flur befand, lief er nach Teiga`s Beschreibung weiter.
Fieberhaft versuchte er sich an ihre Worte zu erinnern. Zuerst rechts? Ja, da ist auch schon die Abbiegung! an zwei Kreuzungen geradeaus... dann links und gleich noch mal links, stimmt`s?
Oh Mist, Sackgasse. Na dann eben hier lang... auch Sackgasse. Warum haben die überhaupt so viele Gänge, wenn die nirgendwo hinführen?
Er versuchte so gut es ging, Teiga`s Anweisungen zu befolgen, doch mit der Zeit ging er einfach nur abwechselnd links, rechts und geradeaus, bis er in eine Sackgasse kam. Nach ungefähr zwei Stunden (ihm kamen es wie Tage vor), hatte er immer noch keinen Ausgang und merkwürdigerweise auch keine Wachen gefunden.
Ich hab die Schnauze voll, sagte er still zu sich.