Fanfic: Freundschaft, Liebe und Linh

Kapitel: Gast oder nicht Gast?

Es ist Sonntag. Linh und Serafin sitzen im Café. Sie haben sich getroffen, um mal über die jetzige Situation zu sprechen.
,,In letzter Zeit hast du nur noch selten Zeit für mich. Das finde ich echt schade”, äußert Serafin.
,,Ja, ich weiß. Sorry, aber ich hatte halt viel zu tun. In der Woche habe ich sowieso erst spät Zeit, weil ich arbeiten muss.”
,,Aber sonst bist du danach immer noch vorbeigekommen. Ich finde, du verbringst zu viel Zeit damit, mehr über Kai und Fiore zu erfahren.”
,,Aber…”
,,Ich verstehe dich ja irgendwie, aber du könntest doch trotzdem darauf achten, dass ich nicht zu kurz komme.”
,,OK, dann lass uns ab jetzt wieder öfter was unternehmen.”
Für einen kurzen Moment ist Serafin erleichtert. Endlich kann sie wieder was mit Linh zusammen machen. Doch dann äußert das Mädchen eine Idee, die Serafin weniger gefällt.
,,Vielleicht können wir was mit Fiore und Kai zusammen machen. Ich hoffe nur, dass er nach seinem Abflug im Schwimmbad nicht mehr sauer auf mich ist.”
,,Na gut, dann mit denen zusammen…”
Serafin will doch was mit Linh allein unternehmen und nun spannt sie diese beiden mit ein. Sagen tut die Freundin nichts. Hauptsache, sie unternehmen überhaupt noch etwas.

Gemeinsam gehen die beiden Freundinnen nach Hause. An einer Kreuzung trennen sie sich dann. Plötzlich sieht Linh Kai vor einem Haus sitzen. Könnte er da wohnen? Ziemlich in Gedanken versunken merkt Kai nicht, wie Linh sich ihm nähert.
,,Hey, wohnst du hier?”, fragt sie ihn.
Doch Kai reagiert nicht. Also schnippst Linh ein paar Zentimeter vor seinem Gesicht mit dem Fingern. Erschrocken blickt der Junge auf.
,,Ist was?”, fragt er mit verpeiltem Blick.
,,Ich hoffe, du bist nicht sauer.”
,,Warum sollte ich?”
,,Na du bist im Schwimmbad einfach abgehauen, deshalb.”
Linh bemerkt, wie sich Kais Stimmung senkt. Hätte sie vielleicht nicht wieder damit anfangen sollen?
,,Das geht dich nichts an, also hör auf davon zu reden!”
Kai ist nun sichtlich gereizt. Linh kann aber auch einen Funken Traurigkeit in seinen Augen sehen. Bedrückt ihn etwas? Sie würde es gerne herausfinden, aber dennoch lässt sie von dieser Frage ab und versucht das Thema zu wechseln.
,,Ach ja, wohnst du hier?”
,,Nein, das ist das Haus meines Großvaters. Ich bin hier gerade mit meinen Eltern zu Besuch.”
Beide sind still. Linh weiß nicht, was sie noch sagen soll. Langsam ist der Funke in Kais Augen erloschen.
,,Möchtest du deinen Gast nicht reinritten, Kai?”, ruft eine Stimme aus dem Inneren des Hauses.
Plötzlich öffnet sich die Haustür. Eine dunkelhaarige Frau steht im Eingang. Sie sieht sehr nett aus.
,,Kommt doch rein. Es gibt Kuchen”, bittet die Frau.
,,Ich weiß nicht”, äußert sich Linh.
Kai ist damit bestimmt nicht einverstanden, aber sie möchte auch nicht allzu unhöflich sei. Also nimmt das Mädchen die Einladung an.

Im Inneren des Hauses befindet sich ein gedeckter Tisch. An ihm sitzen eine ältere Frau, ein jüngerer und ein älterer Mann. Schnell läuft die Frau in die Küche, um einen Teller und Besteck zu holen.
,,Setz dich doch”, bittet der jünger Mann.
Doch sie wartet bis Kai sich setzt und nimmt dann neben ihm Platz. Sie sieht ihm an, dass er über ihre Einladung nicht allzu glücklich ist. Der Junge schaut sie nicht an. Er blickt stumpf auf seinen Teller und isst.
,,Kai, möchtest du sie uns nicht vorstellen?”, fragt der ältere Mann.
Kai schaut ihn nicht an.
,,Sie heißt Linh.”
,,Also Linh. Was hättest du lieber? Einen Erdbeerkuchen oder einen mit Mandarinen?”, fragt die jüngere Frau.
,,Ähm… Könnte ich bitte ein Stück vom Erdbeerkuchen bekommen?”
,,Geht ihr in eine Klasse?”, fragt die ältere Frau.
,,Ja”, antwortet Kai ohne den Blick zu heben.
Plötzlich steht er auf und will gehen.
,,Kai, du kannst doch deinen Gast nicht einfach hier sitzen lassen”, sagt der jüngere Mann empört.
,,Sie ist nicht mein Gast”, widerspricht Kai mit kühler Stimme bevor er das Haus verlässt.

,,Es tut mir Leid. Ich möchte mich für das Verhalten meines Sohnes entschuldigen”, sagt die jüngere Frau, Kais Mutter.
,,Ach ,das ist schon in Ordnung.”
,,Dürfte ich dich mal etwas fragen, Linh?”, fragt Kais Mutter.
,,Natürlich, nur zu.”
,,Wie ist Kai so in der Schule?”
,,Oh, er ist in jedem Fach sehr gut.”
,,Und wie steht es so mit ihm und den anderen Schülern?”
,,Er ist an der ganzen Schule sehr beliebt.”
Das Gesicht von Kais Mutter sieht sehr erleichtert aus, richtig glücklich.
,,Weißt du, unser Sohn verhält sich sonst immer sehr merkwürdig. Er redet mit niemandem und meldet sich auch sonst nicht in der Schule. Es ist schön, dass er jetzt Freunde hat”, erklärt der jüngere Mann, also Kais Vater.
Etwas verwirrt schaut Linh den Vater an. Hat sie etwa was Falsches gesagt? Kai verhält sich so doch immer noch. Aber nach ihren Aussagen hörte sich das wohl anders an. Linh möchte den Eltern jetzt aber nicht die Freude nehmen, deshalb sagt sie nichts weiter. Gelogen ist es ja auch nicht. Sie hat halt nur ein paar Dinge weggelassen.
Langsam wird es Linh zu unangenehm.
,,Entschuldigung, ich müsste jetzt mal los. Danke, für den Kuchen. Er war sehr lecker.”
,,In Ordnung. Besuche uns doch mal wieder”, sagt der ältere Mann.
,,Klar, mach ich.”
In Wirklichkeit hat Linh das aber nicht vor. Das hat sie nur so gesagt. Wie das aus Höflichkeit halt so ist. Sie verlässt das Haus und schaut sich noch mal um. Vielleicht ist Kai hier noch irgendwo. Doch entdecken kann das Mädchen ihn nicht.
Nachdenkend macht sich Linh auf den Weg nach Hause. Wieso ist Kai so eigenartig? Selbst vor seiner Familie verhält er sich so. Oder lag es an ihr, weil sie dabei war? Aber Kais Familie macht sich schon ganz schöne Sorgen um ihn. Sie sahen ziemlich erleichtert und glücklich aus, als sie von Kais jetziger Situation in der Schule gehört haben, auch wenn es nicht ganz die Wahrheit war.

Am nächsten Tag in der Schule kommen wieder diese drei Mädchen, Dana, Cristel und Martina, auf Linh zu. Sie haben ein breites Grinsen auf dem Gesicht.
,,Du hattest recht. Du und Fiore hatten nichts. Hätte ich mir ja gleich denken können. Du und Fiore? Niemals!”, sagte Dana und ihr Grinsen wurde noch breiter.
So schnell sie kamen, gehen sie auch wieder. Im selben Moment kommt Serafin.
,,Was wollten die denn von dir?”
,,Ach, sie haben mich mit Fiore im Café gesehen.”
,,Du warst mit Fiore im Café? Wieso sagst du mir denn nichts davon?”, fragt Serafin etwas enttäuscht.
,,Hab ich wohl vergessen, sorry.”
,,Na ja, OK. Aber wie war es denn?”, fragt die Freundin nun neugierig.
,,Es war nicht so hilfreich. Wir haben uns nur über Orlando Bloom und ,,Der Herr der Ringe” unterhalten.”
,,Aber das ist doch schon mal ein Anfang. Ihr habt eine Gemeinsamkeit entdeckt”, sagt Serafin und versucht Linh aufzuheitern.
,,So etwas in der Art hat Kai auch gesagt”, bemerkt diese mit leichtem Grinsen.
,,Wieso der?”
,,Na ja, er hat es sozusagen arrangiert”, antwortet Linh mit einem verlegenen Blick.
,,Er hilft dir?”
,,Nein, er greift mir unter die Arme, so hat er es genannt.”
,,Das ist ja interessant. Dann scheit er ja endlich aufzutauen.”
,,Nein, eher nicht. Er verhält sich immer noch so seltsam. Außerdem meinte er, er verlange etwas von mir. Was er will, hat er aber noch nicht gesagt.”
,,Das ist ja mies. Etwas dafür zu verlangen. Also echt. Das geht gar nicht. Du hast doch nicht eingewilligt, oder?”, fragt Serafin spöttisch.
Linh sagt kein Wort. Sie blickt zu Boden. Serafin begreift sofort.
,,Wer weiß, was der Kerl jetzt verlangt?! Bist du noch ganz dicht?!”, meckert Serafin, ,,Ich kann dir genauso gut helfen!”
Die Schulglocke rettet Linh aus der Situation. Die Mädchen gehen stillschweigend ins Schulgebäude. Ihre Lehrerin Frau Raps wartet schon im Klassenraum. Nachdem alle da sind beginnt sie mit ihrer Durchsage.
,,In zwei Wochen findet das jährliche Schulfest statt. Wir Lehrer haben gedacht, es sollte dieses Jahr mal etwas anders laufen. Also werden die Projekte dafür dieses mal nicht in den Klassen sondern in AG’s stattfinden. Ich habe hier einen Zettel auf dem ihr das gewünschte Projekt ankreuzen sollt. Danach bringt ihr sie nach vorne zu mir. Noch fragen?”
Ein Mädchen fragt: ,,Wie wird denn das so geregelt sein?”
,,Wir werten die Zettel heute aus. Morgen werden die Ergebnisse ausgehängt und dann beginnt auch schon die Vorbereitungszeit. Ihr habt dann bis zum Schulfest Zeit. Also knapp zwei Wochen.”
,,Kann es auch passieren, dass jemand in ein anderes Projekt kommt, weil das gewünschte zu voll ist?”, fragt ein Junge.
,,So etwas lässt sich leider nie vermeiden, aber alle Projekte sind gut. Man kann also überall Spaß haben.”
Niemand meldet sich mehr. Also werden die Zettel ausgeteilt. Interessante Angebote sind das schon.

Essen und Trinken:

Coktails Pizzabäckerei ausländisches Gebäck

Waffeln mal anders Bonbonfabrik

Unterhaltung:

Moderation Theater Musik (Band)

Tänze

Sonstiges:

Grußkarten bedruckte T-Shirts Spielestand

Losestand Kerzen und Co.

Erst mal wird sich natürlich mit jedem abgesprochen, wer denn nun was nimmt.
,,Was nimmst du?”, fragt Serafin.
,,Ich weiß nicht, aber Theater und ausländisches Gebäck hört sich interessant an”, antwortet Linh unentschlossen.
,,Dann lass uns doch beide Theater nehmen.”
,,Na gut, dann also Theater. Aber glaubst du, wir kommen da auch rein?”
,,Bestimmt. Den meisten ist es zu peinlich vor den Eltern und Freunden etwas vorzuführen. Alle Unterhaltungsprojekte werden Mitgliedermangel haben. Da werden bestimmt noch Leute einfach so rein gesteckt.”

Und am nächsten Tag ist es dann so weit. Die Listen hängen und überall drängeln Schüler, um nach ihrem Namen zu suchen. Auch Linh ist mittendrin und wird von ein paar älteren Jungs an die Wand gequetscht. Jetzt hat sie es