Fanfic: Fluch der Treue

Untertitel: Kapitel 1: Die Pyramidenarchitektin

Kapitel: Die Pyramidenarchitektin

DER FLUCH DER TREUE

Prolog:

Die Sonne stand hoch am Himmel der nubischen Wüste. Die Hitze schien unerträglich auf die schon ohnehin ausgetrocknete Erde herab. Seit Monaten schon herrscht dieses mörderische Klima für alle Anwesenden der Wüste im Süden Ägyptens. Der Nil stieg nicht mehr sehr hoch und Hungersnöte überzogen das Land.
Als sei ihnen der Gott Re schlecht gesonnen. Sie hatten doch alles Notwendige getan: Die morgendlichen Rituale vollzogen, die Opfergaben bereitgelegt, der Tempel des Re war immer sauber und die Bediensteten arbeiteten unermüdlich.
Trotzdem war die Zeit alles andere als harmonisch und zufrieden stellend. Der Pharao war schwer krank geworden. Böse Zauberer belegten ihn mit tödlichen Flüchen, die sein Ka schwächen sollen. Denn der junge Pharao hatte viele Feinde, die seinen Tod wollten, um den Thron zu besteigen.
Eine Zeit des Verrats und der Kämpfe begann.

Kapitel 1: Die Pyramidenarchitektin

Die ersten Sonnenstrahlen fielen auf das Gesicht des sechszehnjährigen Pharaos durch das große Fenster seines Schlafgemaches. Langsam öffnete er die Augen, blinzelte kurz, aber sah dann der Sonne ins Gesicht. Er wusste, dass der Gott Re ihn akzeptiert hatte und sein Verbündeter war, denn wäre dies nicht der Fall, hätte er ihm sein Augenlicht genommen. Dieses Wissen trug er schon bei sich seitdem er sich dieser Prüfung im Haus des Lebens von Heliopolis hatte stellen müssen.
Der Pharao war schlank und hochgewachsen. Er hatte eine gerade Nase, stolze, mit einem violetten Farbverlauf gekennzeichnete Augen und eine sehr widerwillige Frisur, die jeden Morgen von den Besten des Landes gerichtet werden musste, damit sie ihm nicht ins Gesicht fiel. Diese einzigartige Frisur bestand aus einem Stachelkopf, der überwiegend schwarz war, aber an den glänzenden Rändern den gleichen, unverwechselbaren Farbverlauf wie seine Augen besaß. Von seiner Stirn aus fielen dem Herrscher von Ober- und Unterägypten noch vier blonde, wie Blitze geknickte, Strähnen ins Gesicht.
Der junge Pharao erwartete heute eine Heilkundige, die seinen Schmerz in der Brust lindern sollte. Ständig stach sein Herz oder der junge Mann musste schrecklich husten bis er fast keine Luft mehr einatmen konnte. Außerdem bekam er oft Schwindelgefühle und brach fast zusammen. Er, der Pharao, der Allmächtige, war krank.
Viele am Hofe munkelten, dass er von einem bösen Dämon besessen sei. Deshalb würde er heute diese Heilkundige empfangen, die ihm helfen sollte.
Der junge Mann stütze sich auf die Bettkante und wollte aufstehen, als die Tür aufschwang und eine Dienerin eintrat. Sie hatte langes, schwarzes Haar, helle grüne Augen und eine Normalstatur. Sie trug ein einfaches Leinengewand und bronzefarbene Sandalen. Ihr Anzug musste ihrem Stand angepasst sein.
,,Aber, mein Pharao. Ihr sollt doch nicht ohne Erlaubnis eures Arztes aufstehen.“, sagte sie aufgebracht und lief auf ihn zu.
<Warum behandeln mich alle wie ein Kind? Ich bin sechzehn Jahre alt!>, dachte der Angesprochene störrisch und richtete sich vollends auf.
,,So bleibt doch in eurem Bett.“
,,Ihr habt mir nichts zu befehlen, Lelanta. Wo ist denn mein Hausarzt?“
Er sah sie herausfordernd an. Sie war zwar eine seiner besten Dienstmädchen, aber auch ziemlich unentschlossen und leicht einzuschüchtern. Ihr Ka war sehr unbeständig. Er hielt nicht viel von willensschwachen Menschen. Sein Vater hatte sie noch eingestellt, als … als er noch lebte.
Ja. Sein Vater, der Pharao von Ober- und Unterägypten war tot. Ermordet. Seitdem regierte er Ägypten mit Hilfe von fünf erfahrenen heiligen Priestern und einer Priesterin. Sechs Personen standen ihm bei allen zur Seite und unterstützten ihn so gut sie konnten. Sie wurden eigens vom Haus des Lebens auserwählt und geprüft.
Er war so in den Gedanken vertieft, dass er nicht merkte wie Lelanta schon seine Nachtbleibe erfrischte und sie mit neuen Tüchern bezog.
,,Was beschäftigt Euch so sehr, hoher Herr?“, fragte sie neugierig.
,,Das geht Euch nichts an. Holt nun meinen Hausarzt, damit er mir endlich Auskunft über meinen Zustand geben kann.“
Lelanta sah den Blick, der keinen Widerspruch duldete und machte sich unverzüglich auf den Weg.
Nachdem die Tür geschlossen wurde, seufzte der Pharao und setzte sich auf sein Bett. Es fiel ihm nicht leicht die autoritäre, starke Person zu spielen, aber er musste es durchstehen- um seines Vaters Willen.
<Beim Auge des Horus!>, fluchte er. <Dieser stechende Schmerz schnürt mir die Luft ab. Welch Sohn einer Wüstenschlange will mir mein Ka austreiben?>
Er wollte sich auf das rote Leinentuch auf seinem frisch bezogenen Bett legen und einen Moment lang Luft holen, damit der Schmerz für einen kurzen Augenblick seinem Körper entweiche. Wie lange hatte er schon nicht mehr das Gefühl gehabt frische, kühle Luft in seinen Lungen zu spüren.
Doch wieder einmal schwang die Tür seines Schlafgemaches auf und Leanira, Lelantas Schwester, trat ein.
,, Ehrwürdiger Pharao. Der Palastarzt wird gleich eintreffen und ich habe die würdevolle Aufgabe erhalten Euch einzukleiden.“
Widerwillig murrend stand er auf und ging zu ihr. Sie entledigte ihn seines dünnen Leinenhemdes, welches er beim Schlafen trug.
<Ich könnte mich auch allein anziehen… Die einfachsten Aufgaben lassen sie mich nicht selbst erledigen und bei den schweren Entscheidungen, die das ganze Volk Ägyptens betreffen, lassen sie mich allein entscheiden.>
Er wurde noch gewaschen und gesalbt. Während Leanira das tat, betrachtete er die Wüste, die sich vor seinem Palast in Theben offenbarte. Häufig spürte er das Verlangen einfach wegzurennen, dem allen hier zu entfliehen, sein eigenes Leben zu leben, doch dann erschien ihn immer wieder das Bild seines sterbenden Vaters vor Augen und er wusste, dass er hier noch eine Aufgabe zu erledigen hatte.
<Man kann seinem Schicksal nicht entfliehen…>, dachte er traurig.
,,So. Fertig, Majestät.“, bestätigte Leanira ihre vollbrachte Tat und lächelte glücklich. Selten war es ihr vergönnt so eine hohe Aufgabe zu erfüllen. Sie sah ihrer Schwester sehr ähnlich. Sie hatte auch langes, schwarzes Haar und lichtgrüne Apophyllite als Augäpfel. Sie unterschieden sich einzig und allein durch ihr Auftreten und ihre Stimme, zumal alle Dienerinnen das gleiche Gewand tragen mussten.
Der Pharao hatte nun ein weißes, schlichtes Leinentuch an und ein güldener Lendenschurz, der mit Verzierungen aus Malachit versetzt war, hing ihn von seiner Hüfte abwärts. Bronzefarbene Sandalen und an Armen und Beinen Schmuck der gleichen Sorte umgaben seinen Körper. Ein schweres güldenes Diadem bändigte seine wilde Haarpracht und Ohrringe aus Türkisen, die Edelsteine der Göttin Hathor, waren ihm noch angelegt worden.
Aber es gab etwas, was keiner seiner Gefolgsleute je auch nur berühren durfte: ein Schmuckstück, dass sein Vater ihn hinterlassen hatte. Es war aus reinem Gold, das in allen möglichen Farbnuancen glitzerte, wenn man es Re zeigte. Dieses Erinnerungsstück an seinen Vater soll einer alten Legende nach zu den sieben Gegenständen gehören mit dessen Macht man die ganze Welt unterwerfen könne. Wie oft hatte ihn Isis schon gepredigt, dass er sein Ka nie beschmutzen dürfe, um nicht von Ammit, dem schrecklichen Monster aus der Totenwelt gefressen zu werden. Als ob das nicht wüsste.
In dem 125. Kapitel aus dem Buch der Toten wird eindeutig >>Das Letzte Gericht<< erläutert. Der Verstorbene muss vor dem Gericht des Gottes Osiris bestehen. Auf die eine Waagschale wird die >>Feder der Wahrheit<< gelegt, auf die Andere das Herz des Toten als Symbol der Seele mit all den Sünden… wiegt das Herz mehr als die Feder, wird der Verstorbene dem Monster Ammit vorgeworfen.
Er liebte seinen Gegenstand über alles. Er sah aus wie eine Pyramide und war aus vielen kleinen Puzzleteilen zusammengesetzt worden. Ob das sein Vater getan hatte? Er hätte ihn noch so viel fragen wollen…
Traurig legte er sich sein Puzzle um. Sein >>Milleniumsgegenstand<< wie die heiligen sieben Gegenstände genannt wurden. Jeder einzelne besaß schon ungeheure Macht und eine ganz besondere Fähigkeit.
Bevor er weiter grübeln konnte, betrat sein Hausarzt sein Gemach.
,, Mein Pharao.“
Er verbeugte sich knapp. Sein Arzt hieß Sharif und trug den Beinamen der Gnadenlose.
<Leider stimmt sein Beiname noch immer mit seinem Verhalten überein…>, dachte der junge Pharao schweren Herzens.
,,Ihr habt Euch sicher wieder nicht ausgeruht, mein Herr!“ ,warf sein Hausarzt ihm vor.
Betroffen senkte der Herrscher von Ober- und Unterägypten seinen Blick und gab somit die Unterstellung als bestätigt.
,,Aber ich kann nicht einfach faul im Bett liegen und nichts tun. Ich brauche eine Aufgabe.“, protestierte der Junge.
Sharif lächelte steif. Wie sehr glich er ihm doch als er in seinem Alter war. Ja, er ist Arzt geworden, um das Leiden der Menschen zu lindern, aber nun hatte er schon vielen Bürgern das Leben gerettet und er spürte, dass es mit seinem Leben langsam dahin ging. Warum konnte er andere Menschenleben retten, aber nicht sein Eigenes?
Betrübt ließ er seinen Blick über den großen Raum schweifen. Es waren zwei Fenster vorhanden, die viel Licht hineinließen- er dankte Re dafür. Zwei große, lange Leinentücher waren über das pompöse Bett des Herrschers gespannt und die unzähligen Säulen waren mit alten Schriftzeichen oder Beschwörungsformeln- für ein langes und gesundes Leben- geschmückt. Leider taten sie nicht ihre Aufgabe.
Der Pharao war schon seit mehreren Monaten schwer erkrankt. Selbst er, der königliche Palastarzt, wusste keinen Rat. Es hat noch nie eine derartige Erkrankung in ganz Ägypten gegeben. Ja, er hatte alle Archive überprüft und auf mögliche Antworten gehofft, aber vergebens.
,,Ähm. Sharif. Soll ich hier ewig warten?“, fragte der junge