Fanfic: Fluch der Treue

Herrscher etwas unwirsch. Er schien gereizt.
,,Verzeiht. Ich verweilte zu lange in der Gedankenwelt. Bitte macht euren Oberkörper frei.“
Der Herrscher über Ober- und Unterägypten tat wie ihm befohlen wurde. Der Palastarzt horchte ihn ab und tastete seinen Oberkörper ab. Doch wie immer fand er nichts; kein Geschwür oder ähnliche wulstartige Anzeichen für eine bösartige Erkrankung. Doch was-?
,,Welcher Monat ist heute, Majestät?“
,,Der dritte Sonnenmonat. Warum fragst du?“
Langsam drehte der junge Pharao seinen Kopf in Sharifs Richtung.
,,Was hast du denn? Warum machst du denn nicht weiter?“
Doch der Arzt antwortete nicht. Kleine Schweißperlen liefen an seiner Stirn herunter, seine Augen waren vor Schreck weit aufgerissen und er atmete schwer.
,,Was ist denn los?“, fragte der vom Re geliebten. Angst machte sich in ihm breit. Eine schleichende Angst, die langsam immer näher kommt bis sie sich dann wie eine Schlange um dein Ka wickelt, um es dann genüsslich Stück für Stück zu verspeisen.
,,Antworte endlich!“
Nun hatte er sich ganz umgedreht und sah nur noch wie sein Hausarzt vor ihm zusammenbrach. Ganz blass im Gesicht und die Augen vor Angst ganz starr- sie wirkten fast gläsern.
Leblos lag er vor seinen Füßen und regte sich nicht mehr. Speichel lief aus seinem Mund heraus.
Der Pharao konnte das alles nicht fassen! Er spürte wie seine Füße den Halt verloren und er neben seinem Hausarzt zu Boden sank.
<Es ist so angenehm warm…>
Langsam öffnete der junge Pharao seine Augenlider. Die Sonnenstrahlen kitzelten ihn im Gesicht und er wusste, dass Re wollte, dass er zu ihm zurückkehrte. Er probierte sich aufzusetzen, sank aber wieder zurück ins Bett, als er seinen toten Freund und Arzt noch immer in seinem Zimmer liegen sah. Er war zwar mit einem Leinentuch zugedeckt worden, aber er konnte noch seine Angst spüren. Dieses Gefühl schnürte ihm die Kehle ab, sodass er erneut hustete.
,,Mein Pharao. Seid Ihr in Ordnung?“, fragte eine besorgte Stimme neben seinem Bett, in dass er gelegt worden war.
,,Wie geht es Euch? Bitte antwortet mir.“ sagte die sanfte und beruhigende Stimme.
Er drehte sich um und sah in Isis` von Sorge erfülltes Gesicht.
,,Es geht schon, Isis. Bitte…“
Er deutete auf den toten Mann.
,,Euer Wunsch ist mein Befehl und ich habe auch schon Karim und Mahado damit beauftragt.“
Da ging auch schon die Tür auf und die beiden Männer betraten den Raum. Karim war hochgewachsen, schlank und trägt stets seine pechschwarze Perücke, die mit einem goldenen Ring geschmückt war, so dass sie ein wenig Halt auf dem Kopf finden wird. Sein ebenholz schwarzes Haar fiel ihn fast bis zu seinem Schultern und war sauber geschnitten. Er hatte stechende Augen und ein starkes Ka. Er trug einen roten Lendenschurz mit güldenen Verzierungen und seinen Oberkörper zierte eine neunkettige Amethystreihe. Außerdem ist ein der Träger der Milleniumswaage.
Mahado war ebenfalls groß und schien schon sehr erwachsen zu sein- zumindest wirkte er so auf andere. Viele verehrten ihn und der ganze Hof zollte ihm Respekt, denn seine Aufgabe war es die königlichen Grabstätten zu bewachen. Das war wahrlich keine leichte Aufgabe zumal das Gerücht umging, dass der ,,König der Grabräuber“ im Niltal sein Unwesen treiben solle.
Doch den mutigen Priester kümmerte das wenig. Immerhin besaß er ja den Milleniumsring und wusste sich schon zu wehren, wenn es zu einem Kampf kommen würde. Er hatte blaue Augen und seine Kopfbedeckung war ein schwungvoll geschmiedetes goldenes Re- Zeichen und zwei verzerrte, gezackte Flügel des Horus. Eine ebenfalls goldene Halskette bestehend aus mehr als 10 Reihen puren Goldes fiel auf seinen Oberkörper und verzierte das weiße, schlichte Leinengewand. Der Milleniumsring saß in der Mitte vor seiner Brust und ließ ihn eine gewisse Autorität ausstrahlen.
,,Widerlich diese Leiche…“, sagte Karim in einem gewissen abfälligen Jargon.
,,Er konnte dem Pharao eh nie helfen.“, sagte Mahado gelassen.
,,Karim! Mahado! Zügelt eure Zungen!“, ermahnte Isis die beiden streng.
,,Er wird wie ein hoher Ägypter bestattet werden. Schafft ihn fort. Der Pharao braucht Ruhe.“, sagte sie nun schon mehr mit sanfter, beherrschter Stimme.
Die Beiden nickten und verstanden, dass es jetzt nicht an der Zeit war den Pharao sein altes goldenes Ka wieder zu geben.
Ohne weitere Worte trugen die starken Männer den Toten heraus, um ihn in Natronlauge legen zu lassen. 70 Tage und 70 Nächte würde der tote Arzt nun in Natronlauge verweilen, damit das Wasser seinem Körper entwichen war und man das Hirn und die Eingeweide entfernen konnte, um ihn dann mit Myrrhenpulver und anderen Duftstoffen auszufüllen. Danach würde man ihn mit Leinenbinden, die aus einer kleisterähnlichen Gummimasse bestanden, einbinden lassen, um ihn darauf folgend in den Holzsarg und danach in den Steinsarkophag zu betten. Diese Art der Mumifizierung erhielten bloß hohe Persönlichkeiten, damit sie auch auf der anderen Seite des Nils in Glanz leben konnten.
Zum ersten Mal seit dieser schrecklichen Begebenheit hob der Pharao den Kopf und sah Isis an.
,,Seid Ihr wieder bei Sinnen, mein Pharao?“, fragte sie vorsichtig.
,,Ja…“, murmelte er leise und senkte wieder sein mächtiges Haupt.
Danach war kurz eine bedrückende Stille, bis der junge Pharao wieder das Wort leise erhob, um die Stille zu durchbrechen.
,,Könntet Ihr auf meinem Rücken nach etwas suchen?“, fragte er noch immer mit einem von Angst gekennzeichneten Gesicht.
,,Wie ihr wollt, mein Herrscher.“, sagte Isis ehrfürchtig. Sie würde es nie wagen, dem Pharao zu widersprechen. Sie war durch und durch eine wunderschöne Ägypterin. Sie hatte eine sanfte braungebrannte Haut, Re verlieh all seinen Landsleuten ein hübsches Antlitz und ein sanfte Haut, und tiefblaue Saphire als Augen. Sie trug ihre Milleniumskette stets um den schlanken Hals. Manche behaupteten sogar, sie könne damit die Zukunft sehen.
Sie hat außerdem rabenschwarze Haare, die glatt und hüftlang waren und sehr pingelig gerade geschnitten waren. Sie hatte eine hohe Stirn, trug aber eine goldene Kopfbedeckung, die links und rechts von ihrem Gesicht in einen dicken Wellenbogen hinunterhangen und deshalb diesen negativen Aspekt ihrer Schönheit verdecken. Zu alle dem umschmeichelte ein langes, weißes Leinengewand ihren Körper.
Langsam schob Isis das weiße Leinentuch des jungen Herrschers hinauf, um seinen Rücken zu erblicken und der Bitte folge zu leisten.
,,Und? Erblicken Sie etwas?“, fragte der Herr über Ober- und Unterägypten neugierig.
,,Nein, es tut mir leid…hier ist nur Ihr makelloser Rücken zu sehen…“
,,Sie alte Schmeichlerin…“, sagte er leicht verlegen, doch sein Ka konnte sich nicht entspannen.
<Woran ist bloß Sharif gestorben? Er fragte mich doch noch welcher Monat heute sei? Was hat er bloß gesehen?> Der Pharao spürte wie der erwürgende Griff der Schlange um sein Ka sich lockerte, aber nicht verschwand. Mit betrübtem Gesicht wollte er aufstehen, als er anfing zu husten.
,,Beim Auge des Horus!“, fluchte Isis. ,,Nicht schon wieder ein Anfall, mein Herr.“
Sie war aufgesprungen und stützte den jungen König.
,,E-Es geht schon…“,sagte der Pharao schwach.
,,Hier geht gar nichts, mein Herr!“, sagte ein bestimmende, starke Stimme- Simon Muran.
Ein kleiner, hagerer Mann, der den Pharao von Geburt an kennt und auch schon seinem Vater diente. Er hat zu dem Thronfolger ein inniges Verhältnis aufgebaut und ersetzt ihm fast die Vaterrolle, sofern dies denn möglich war…
Für keinen Menschen gibt es einen Ersatz, dass hatte der junge Herrscher erkannt und schützt seit jeher jedes Leben wie das Seinige. Doch er achtete Simon Muran wie einen Vater, doch konnte er ihn nie so lieben wie er seinen Vater geliebt hatte.
,,Ihr müsst sofort von eurem Arzt untersucht werden.“, befahl der kleinwüchsige, alte Mann.
Der Pharao senkte den Kopf und Isis schwieg betroffen.
,,Er ist tot.“, sagte eine Stimme, die von der Türschwelle in das Zimmer drang.
,,Hohepriester Akunadin!“, sagte Isis erschrocken.
,,Er ist tot?“, fragte Simon Muran ungläubig.
,,Traust du mir etwa nicht, alter Mann? Ich kann dank meines Milleniumsauges Gedanken lesen und ich habe in den Gedanken des Pharaos gelesen, dass er uns verlassen hat. Ein schrecklicher Tod.“, sagte er und ein unmerkliches Lachen umspielte seine Lippen.
,,Wie konntet ihr? Ihr wisst, dass es Euch untersagt ist, die Gedanken des Pharaos zu lesen! Das wird ein Nachspiel haben!“, drohte ihm Isis und Simon Muran nickte nur zustimmend.
,,Ach.“, sagte Akunadin verachtend. ,,Ihr droht mir, hübsche Frau? Soll ich jetzt Angst haben?“
,,Fordere mich nicht heraus!“, sagte Isis wütend.
,,Ruhe!“, befahl der König mit kräftiger Stimme.
,,Tragt eure Zwistigkeiten woanders aus.“, sagte er ernst und hustete wieder bitterlich, sodass er nach Luft schnappen musste.
,,Verzeiht mir, Mein Pharao. Er reizte mich.“, sagte sie kleinlaut.
,,Schon gut, Isis. Ich war ja anwesend. Und Ihr, Akunadin.“, sprach er mit kräftiger Stimme und stellte sich aufrecht, obwohl man sah, dass es ihm schwer fiel. Nur so wirkte er autoritär.
,,Ich verbiete Euch meine Gedanken zu lesen. Solltet ihr es erneut wagen, werde ich Euch bestrafen lassen und nun geht.“
Akunadin verneigte sich knapp und nur der Form halber und ging dann ab. Er war schon vom Alter gekennzeichnet und hatte einen weißen langen Bart, aber war dennoch nicht kränklich. Er war für sein Alter noch sehr robust, doch leider auch sehr miesepetrig und für niemanden hatte er ein gutes Wort übrig. Sein Haupt war meistens mit einer Kapuze bedeckt und ein Mantel verbarg seinen Körper.
,,Er hat noch immer ein böses Ka.“, sagte Simon Muran.
,,Man merkt, dass ihr der frühere Träger des Milleniumsankh wart, Simon Muran.“, sagte Isis mit einem Lächeln.
,,Bei Shada