Fanfic: Fluch der Treue
warme Luft und das entfernte besänftigende Rauschen des Nils.
<Das Kräuterkissen und der warme Sud haben mir wirklich geholfen. Vielleicht kann mir diese Person wirklich helfen. Aber wer ist sie und warum habe ich nie zuvor von ihr gehört?>, fragte sich der Herrscher und verweilte so bis zum Beginn der Reise.
Langsam gingen sie aus dem Palast, nachdem sie alle hohen Persönlichkeiten mit der jeweiligen Aufgabe betreut haben, um das höfische Leben aufrecht zu erhalten. Mahaado und Karim würden alle Staatsgeschäfte leiten und bald von Shada und Seth unterstützt werden, da sie bald von ihrer Reise wiederkehren sollten.
Ein großes Schiff, dass wie die Barke Osiris` geformt war, stand im Nil und wartete auf ihre Besatzung.
Isis im gewohnten weißen Leinenkleid und Simon Muran in seinem weißen Leinengewand, das weniger Haut zeigte gingen zum Schiff voran. Der Pharao folgte ihnen. Er trug ein weißes Leinengewand und eine kurzen Lendenschurz sowie eine mehreihige Türkiskette um den Hals. Gold und Bronze hefteten sich an seinen Arm- und Beingelenken fest und auch seine Ohren und seine Stirn waren mit schwerem güldenen Schmuck besetzt worden. Zu guter Letzt sein alltägliches Schmuckstück- sein Milleniumspuzzle.
Seine bronzefarbenen Sandalen wirbelten den heißen Wüstensand auf und seine Augen blickten weit durch das Land. Wie lange war er schon nicht mehr rausgegangen? Ägypten ließ sich nicht von allein regieren. Viele Menschen werden vom Müßiggang beherrscht und vergessen darüber ihre Pflicht. Er hatte es schon einmal erlebt, dass der ganze Tempel von Karnak nicht den großen Amun ehrte, sondern woanders arbeitete. Er muss ständig als Sinnbild der Maat regieren und überall ihre Lehren verbreiten und aufpassen, dass sie auch geachtet werden.
Er blickte sich noch einmal um und sah Mana, die fleißig weiter lernte. Was hatten sie nicht schon alles erlebt. Sie waren gemeinsam groß geworden. Sie, damit meinte er, Mana, Mahaado und sich selbst. Sie hatten gemeinsam die Magie studiert, waren militärisch ausgebildet worden und machten alles zusammen, aber seit er Pharao ist, hat sich alles geändert: Er dient jetzt Ägypten und muss sein Leben für sein Land geben.
Alles war verladen worden und der Pharao saß vorne am Bug der Barke und betrachtete die wunderschöne Landschaft seines Landes. Jedes Jahr stieg der Nil und bescherte dem Land eine Zeit des Wohlstandes und des Reichtums. Doch dazu mussten die Götter geehrt werden, um dass Ägypten nicht in Hunger und Elend untergehen konnte.
Die Fahrt verlief ruhig und ohne Zwischenfälle. Der azurblaue Himmel verschmolz mit dem goldenen Sand der Wüste. Hier und da erblickte die Besatzung des Schiffes ein paar Nilpferde oder Krokodile und umrahmte sie vorsichtig. Der Nil war die Lebensquelle Ägyptens doch er barg auch viele Gefahren und Geheimnisse.
Die Hitze stieg immer mehr an. Immerhin neigte sich der dritte Sonnenmonat schon dem Ende hinzu. Die Felder waren hochbestellt und man dankte den Göttern dafür, wenn man den Pharao auf seiner Barke erblickte. Sofort wurde in den einzelnen verschiedenen Dörfern an denen sie vorbeifuhren die frohe Kunde verbreitet und dann heftig gefeiert.
Der junge Pharao hatte im Allgemeinen einen guten Ruf und ein hohes Ansehen im ganzen Lande.
Die Besatzung dankte Re als er langsam tiefer sank. Die Dämmerung trat ein.
Hoffentlich konnten die Götter seine Barke beschützen und für seine Wiederkehr sorgen.
<Harr. Harr. Harr.> Gehässig lachte jemand in Gedanken und freute sich über seinen wahnsinnigen Plan. Akunadin verabschiedete sich gerade von einem Mann im roten Mantel und weißen Haaren. In der Hand hielt er etwas fest umschlossen und ging dann langsam von dannen den heißen Wüstensand unter den Füßen spürend. Auch in der Totenstadt Theben setzte jetzt die Dämmerung ein und er nutzte die Gelegenheit, um unbemerkt mit der Dunkelheit zu verschmelzen und in den Palast zu kommen.
,,Pharao. Hier ist eure Medizin.“, sagte Mana und setzte sich zu ihm.
Die untergehende Sonne glänzte nur so auf den Nil, der allen Ägyptern das Leben schenkte. Sie fuhren immer weiter Richtung Süden wo die Stadt Elephantine lag- die Stadt Hathors.
Mana setzte sich zu dem jungen Herrscher über Ober- und Unterägypten und er genoss ihre Gesellschaft. Sie sagte nichts, sondern sah bloß auf den Nil hinaus.
Der Pharao tat es ihr gleich.
<Es ist schlimm, wenn sich gute Freunde nichts mehr zu sagen haben…>, dachte der Herrscher wehmütig und konzentrierte seine Gedanken auf die Heilkundige der Hathor.
Da ergriff Mana das Wort.
,,Ouji?“, sagte sie liebevoll und neckte ihn damit. Er sah sie fragend an.
,,Kannst du mir sagen, was du fühlst?“ Sie sah ihn eindringlich an.
,,Was meinst du? Also…du bist für mich…“, sagte er stotternd.
,,Das meine ich nicht, Ouji. Ich meinte was ihr in der Brust fühlt, wenn ihr euer Land seht. Die wunderschönen Palmen, den blauen Nil, die Himmelsgestirne der Hathor- all dies.“
Er lachte erleichtert und antwortete: ,,Ich fühle ,dass Ägypten ein Teil von mir ist- vom Pharao. Ägypten ist zu meinem Schicksal geworden. Und mein Schicksal ist mit Ägypten verknüpft. Meine Zukunft gehört dem Königreich. Ich bin nicht mehr Ouji, Mana, ich bin jetzt Pharao und dementsprechend bin ich Ägypten. Danach muss ich fühlen und mich verhalten. Es gibt nicht wichtigeres als das Volk Ägyptens mit Hilfe der Gerechtigkeit der Maat zu regieren.“ Als er merkte wie ehrfürchtig Mana ihn ansah, geriet er ins Stocken und lächelte sanft.
,,Sprech ruhig weiter. Du klingst so erhaben.“, sagte sie grinsend.
,,Warum duzt du mich, wenn wir allein sind und nicht vor dem Hof?“
,,Na denk doch nur an die Gerüchte…für mich bist und bleibst du Ouji!“
Sie lachten beide und fuhren weiter mit der Sonnenbarke gen Jenseitsrichtung.
Noch diese Nacht würden sie ihr Ziel erreichen.
<Warum? Warum geschieht dies mit mir? Ich verspüre Angst. Große Angst, die sich meines Körpers bemächtigt und langsam die Überhand gewinnt. Muss ich denn im Wasser versinken?>
Eine schwarze Silhouette entfernte sich von dem Brunnen, der im Heiligtum der Hathor stand und begab sich auf ihr Schlafgemach, von dem sie aber sogleich auf den Balkon schritt um die Himmelsgestirne zu beobachten. Schon immer war es das höchste Ziel für ihre Hochkultur gewesen ,,den Himmel auf Erden zu errichten“- das verstanden jedoch nur Gelehrte in der Lehre der Sterne. Hathors großer Leib erstreckte sich als das Firmament und gab ihr ein wenig Geborgenheit, die ihre Angst besänftigte, aber nicht nahm. Sie probierte zu schlafen, weil sie wusste, dass die Angst nur noch mehr steigt, wenn man sie zulässt.
Chons, der Mondgott, nahm sie in seine Arme und wiegte sie sanft, obwohl sie nun verfluchtes Blut in den Adern hatte. Es war sinnloses Gift, das sie nur schwer unterdrücken konnte…
Die Sonnenbarke des Pharaos erreichte die Stadt Elephantine. Warum hielt sich hier die Hohepriesterin der Hathor auf, wenn sie doch,, Hathor von Dendera“ getauft wurde?
Es war schon tief in der Nacht als der Pharao die kleine Stadt sah. Er wollte endlich etwas gegen die Würgeschlange um sein Ka tun, die sich seiner mehr und mehr bemächtigt. Er hatte es Mana nicht sagen wollen, um sie nicht zu beunruhigen, aber die Medizin half nicht mehr so gut wie bei der ersten Anwendung. Wenn er nur wüsste durch was er solche Schmerzen hatte…
Er hatte eigens für diese Fahrt seinen Amtssitz verlassen, aber er wusste, dass er Ägypten von überall regieren konnte.
Re nahm gerade den Kampf gegen die Feinde seiner Barke auf und der Gott senkte sein Antlitz bis er nicht mehr zu sehen war. Der Herrscher über Ober- und Unterägypten schwieg und betete, dass er wieder neu erwachen würde…den Kampf einfach gewinnen musste. Er fragte sich wie es wohl sein muss, jeden Tag kämpfen zu müssen.
Die Himmelsgestirne sahen auf den jungen Pharao herab und er fühlte sich nicht gerade behaglicher. Die Nacht war immer etwas unangenehmes, die Schatten fraßen sich in das Ka des Umherstreifenden bis nur noch Angst regiert. Angst die in Panik umschlagen kann, man sieht dann die verrücktesten Dinge. Doch er war kein kleiner Junge mehr.
Elephantine war eine schöne Stadt, wo den Wonnen des Lebens gut nachzukommen war. Ein riesiger Tempel war weit vom Stadtinneren errichtet worden, wo die Göttin Hathor gepriesen wurde. Er hatte zwei große Pylone und sechs mächtige Obelisken als Eingangtor und er glänzte im schwachen Abendlicht wirklich majestätisch. Die Kacheln des Tempels waren alle aus Türkissteinen gebaut worden und der Pharao konnte von seiner Barke aus noch ein paar Kühe, die heiligen Tiere der Göttin, erkennen.
Die Stadt war mit einfachen Häusern ausgestattet in denen die Kinder ausgelassen spielten. Hier und da konnte er die Alten sich im Schatten von Weiden erholen sehen. Die Frauen und Männer waren entweder noch arbeiten oder kosteten die Lustgefühle an diesen sanften Abend aus. Der Wüstensand wurde von einem sanften Wind umhergetragen und die Palmehaine bewegten sich geschmeidig.
Der junge Herrscher über Ober- und Unterägypten kostete einen Moment des Glücks, der ihm beschert wurde. Was gab es schöneres als ein ruhiges, friedliches Land?
Neben ihn erschienen Simon und Isis.
,,Wie geht es Euch, Mein Pharao?“, fragte Simon beunruhigt.
„Schon besser, danke der Nachfrage, aber nun lasst uns nach dem Tempel aufbrechen. Die Heilkundige soll dort erforderliche Riten zelebrieren. Wir werden sie also dort finden.“, ordnete er an und redete sich ein, dass Notlügen über seine Gesundheit erlaubt waren. Insgeheim fürchtete er den Zorn der Götter für seinen Frevel. Er belastete andere nun mal nicht gerne mit seinen Problemen.
Sie verneigten sich knapp und befohlen den Dienern das Gepäck zu entladen und ihnen zu folgen.
Mana hüpfte vergnügt neben Pharao umher. Er zwang sich zu einem Lächeln,