Fanfic: Einbildung ist auch eine Bildung

Kapitel: Eines folgt dem anderem

Eines folgt dem anderem

In den folgenden Wochen hatte Angy sehr große Schuldgefühle und versuchte immer wieder an Zorro heranzukommen, doch sie scheiterte jedes mal aufs neue. Er ließ keinen mehr an sich heran. Man sah ihn nur noch am Esstisch, sonst immer auf seiner Hängematte. Sogar das Trainieren hatte Zorro vor ein paar Tagen aufgegeben. Der Rest war nicht sehr betroffen. Eines Morgens, Angy war schon lange vor Sonnenaufgang auf, fragte sie sich mal wieder was sie denn in ihrem Leben falsch gemacht hatte, dass es so enden musste. Sie befand sich in einer seelischen Krise mit sich selbst.
"Was habe ich bloß falsch gemacht? Kann mir das jemand sagen?"
Wie vom Blitz getroffen, bekam sie merkwürdige Kopfschmerzen. Sie schloss ihre Augen und nahm seltsame Gestalten wahr.

"Mutter, Vater? Sianta, Loria, seid ihr das?"
"Ja mein Kind. Du hast nichts in deinem Leben falsch gemacht, es ist deine Bestimmung zu erfahren, was die wirklichen Gefahren des Lebens sind."
"Mutter, du bist immer noch die selbe. Vater was hast du mir zu sagen?"
"Nichts, nur das da noch jemand ist, der dir gerne was sagen möchte."
Sie sah sich diese Person haargenau an. Rabenschwarzes Haar, sanfte rote Augen und ein breites Lächeln im Gesicht. Seine Stimme klang freundlich, dennoch ernst. Angy erkannte ihn sofort.
"Marimi?"
"Ja genau. Angy du erkennst mich wieder. Das freut mich sehr. Ich möchte dir sagen wie sehr es mir Leid tut das wir uns nicht mehr sahen."
"Schon in Ordnung. Hast du mir etwas zu sagen?"
"Ja, ich möchte das du auf unsere Insel zurückkehrst, weil wir alle vermissen dich sehr."
"Aber was ist..."
"Nehme die Beiden mit. Sie werden es verstehen und mit dir kommen."
"Na gut. Ich werde euren Rat befolgen."
"Angy..."
"Ja Sianta?"
"Du wirst dich nicht mehr daran erinnern was jetzt geschehen ist. Früher oder später wirst du von selbst darauf kommen und dich wieder erinnern."
"Nein ich will es immer noch wissen! Loria, dass willst du doch auch oder?"
"Nein, sonst wird es zu früh und deine Generation wäre in Gefahr."
"Ach ja stimmt, mein Baby..."
"Angy, bitte komme in ein paar Jahren zurück zu uns und rette unsere Insel...wir alle vermissen dich...auch wenn die meisten von uns tot sind...unsere Geister werden immer in deinem Herzen sein."

Mit einem Schrei schreckte Angy hoch. Die Sonne ging gerade auf. Dann hörte sie Schritte.
"Morgen Sanji. Schon wach?"
"Ja ich hab dich schreien gehört und da machte ich mir Sorgen."
"Nicht nur du bist wach."
Ohne sich umzudrehen zeigte Angy in Richtung Tür. Da tappte Chopper total übermüdet her.
"Ist jemand verletzt?"
"Nein alles okay. Ich hatte eine Vision."
"Ach echt was für eine denn?"
"Ich-ich weiß es nicht mehr. Ich hatte komische Kopfschmerzen, dann fing es an."
"Aha...dann hast du vielleicht zu wenig getrunken."
"Nein. Sie fühlten sich komisch an. Einerseits schmerzhaft und auch erlösend. Komisch halt."
"Hmm.....auf jeden Fall ist keiner verletzt. Ich versuche noch ein wenig zu schlafen. Kommst du mit Chopper?"
"Nein, ich komme nach. Warte noch einen Augenblick."
"Ist gut."
Mit diesen Worten ging Sanji zurück ins Zimmer und warf sich auf die Hängematte.
Chopper setzte sich neben Angy.
"Wieso..." fing Chopper an, doch er führte die Frage nicht weiter.
Angy fasste sich an ihren Bauch und spürte sich darin etwas bewegen. Dabei lächelte sie, doch ihre Augen verloren ihren Glanz. Sie waren wie stumpf und starrten aufs offene Meer hinaus.
"Warum was?" fragte Angy und drehte sich zu ihm um.
"Ach nichts." antwortete Chopper leise.
"Ich verstehe unsere Welt nicht mehr und ich will wissen was los ist mit unserer Gesellschaft. Wir sind nicht mehr das was wir einmal waren."
"Angy, ich versteh nicht."
"Chopper...hast du unsere jetzige Lebensweisen und unsere frühere mal verglichen?"
"Nein, was ist denn damit? Ich weiß das alles sehr aus den Fugen geraten ist, aber das werden wir wieder hinbekommen, das verspreche ich dir."
"Da irrst du dich. Ich habe alles verglichen. Es gibt einen sehr großen Unterschied. Wir waren früher EINS. Eine Gemeinschaft, die nichts trennte und durch dick und dünn ging. Schau uns jetzt einmal an. Fast jeder lebt für sich, so als wären wir alleine und das will ich nicht. Ich möchte das dieses Eins zu uns allen wiederkehrt. Ich halte es hier nicht mehr aus und ich möchte das alle wieder friedlich zusammen leben können. Am liebsten würde ich die Zeit zurückdrehen können und alles wieder so richten das es für uns wieder ein verträgliches Leben gibt."
Sie ging in ihr Zimmer zurück und legte sich ins Bett. Einige Tränen bahnten sich über ihre Wangen.
"Ich bin so fertig. Ich will nicht mehr!" schluchzte sie, doch ihr Weinen half nichts. Alles war still.
"Ich weiß das alles sehr aus den Fugen geraten ist, aber das werden wir wieder hinbekommen, das verspreche ich dir.".
Dieser Satz schwirrte in ihrem Kopf und wollte nicht aufhören.
"Wir wollen alle nicht mehr. Sogar mir ist es langsam zu viel geworden." erklang plötzlich eine Stimme wie aus dem Nichts.
"Und bitte weine nicht. Jede einzelne Träne macht alles nur noch schlimmer. Wir wollen alle nicht, dass du zusammenbrichst."
"Nein. Weinen ist das einzigste was ich noch kann, bis alles wieder geregelt ist. Bitte mach mir das nicht zum Vorwurf. Das ist das Letzte was ich noch bräuchte."
"Nein das meine ich nicht. Wenn du weiterhin so viel weinst, dann macht jeder jeden dafür verantwortlich und dann wäre unsere Gemeinschaft am Ende. Naja sie ist es sowieso schon."
Angy lief zum Bücherregal und bewunderte immer wieder, wie lange diese Leute wohl daran gesessen haben mochten. Dann zog sie ein dickes, schwarzes Buch heraus. Es war schon verstaubt und wohl sehr alt. Sie blätterte darin herum. Es glich einem Tagebuch. Von wem es ist, konnte sie aber nirgendwo lesen. Dann blieb sie an einem Tag hängen. In dem stand folgendes:

"An diesem Morgen war nicht mehr alles so wie es scheint. Es war still, schon seit einigen Wochen. Ich befand mich schon seit 2 Jahren nur unter Männern. Sie dürfen immer noch nicht erfahren, dass ich in Wirklichkeit eine Frau bin. Heute war ein besonderer Tag. Es war der Todestag meiner Eltern und meiner 5 Brüder. Ich versuchte mir nichts anmerken zu lassen, doch wenn ich alleine war, weinte ich heimlich. Ich brach das Gesetz meines Stammes. Frauen dürfen nicht zusammen mit Männern auf See fahren, oder mit ihnen jagen, etc. sonst bringt das Unglück. Ich saß wie gewohnt mitten in meinen Büschen und Bäumchen, die ich so liebevoll gepflanzt hatte. Meine Augen feuchteten sich und ich weinte wieder. Dann kam einer meiner Leute auf mich zu.
"Jared, was ist los? Du benimmst dich schon den ganzen Morgen so merkwürdig."
"Ich weiß es ist nicht männlich, aber am heutigen Tag vor 10 Jahren wurden meine Eltern und Brüder umgebracht. Alle nacheinander und ich musste mir das mit ansehen. Es war schrecklich. Ich muss einfach weinen."
"Wie alt warst du da?"
"Ich war glaub 12 oder 13 Jahre alt. Es passierte 2 Tage nach meinem Geburtstag. Es drangen Leute aus anderen Stämmen ein. Sie waren anders als ich. Sie hatten weiße Haut und sprachen eine sehr komische Sprache, genauso wie ihr. Ich verstehe bis heute noch nicht was sie mir damals sagen wollten, nachdem sie mich gefunden und in eines ihrer Lager gebracht hatten. Tage nachdem sie wieder abgereist waren, überlebten nur noch wenige Leute. Unser Häuptling lebte noch und auch unsere Schamanin hatte es überstanden, zwar schwer verletzt, aber sie kannte sich sehr gut mit Kräutern und Pflanzen aus und konnte zu unserem Gott reden und sich mit Tieren verständigen. Mit ihr war alles in Ordnung, sie konnte sich selbst versorgen und behandeln. Ich kann immer noch nicht verstehen wie ich mit euch auskommen kann. Weil schließlich..."
"Ja unsere Vorgesetzten haben deine Eltern und Brüder ermordet, aber wir wollen dir nichts böses tun."
Sie konnten meine Sprache immer mehr verstehen und ich auch ihre. Wir lehrten uns gegenseitig unsere Sprache und unsere Bräuche. Mittlerweile wurde es Abend. Ich war die ganze Zeit über mit Xavier, so hieß er, alleine und wir redeten. Ich liebte ihn, doch er wusste von all dem nichts. Wie gewohnt, ging ich ins Bad um zu duschen. Doch dann geschah das, was ich mir nie verzeihen konnte. Ich vergaß abzuschließen und voller Trunkheit riss einer meiner Kameraden die Tür auf und ich stand splitternackt vor allen. Jeder schaute blöd drein und ich zog mich so schnell wie ich konnte, an.
"Wo willst du hin, Weib?"
Ich rannte so schnell wie ich nur konnte, doch ich wurde festgehalten.
"Unser Kapitän ist...eine Frau?!" riefen einige umher.
"Du weißt was das bedeutet."
Ich seufzte.
"Ja, macht was ihr machen müsst und werft mich den Haien zum Fraß vor."
Mein Blick sank sich und ich schloss meine Augen für kurze Zeit.
"Halt lasst die Finger von ihr, oder ich werfe euch zum Fraß vor. Habt ihr mich verstanden?"
"Xavier nein! Lass sie alles machen, du warst doch auch so entsetzt!"
"Nein, ich wusste schon die ganze Zeit das du eine Frau bist, ich wollte es nur nicht zugeben. Und euch Saufgelage sag ich was: Ich will hier nicht das Meuterei stattfindet, also lasst uns gemeinsam einen Ausweg finden."
"Hmm lass uns mal darüber schlafen, dann sehen wir weiter."

Am nächsten Morgen war nichts mehr in Ordnung. Jeder ignorierte mich. Nur Xavier