Fanfic: Streik der Bösewichte

Kapitel: 2.

Ungeduldig ging die gute Fee in ihrem Hotelzimmer auf und ab, während Schneewittchen gelangweilt in einem Sessel saß. Eigentlich hatte sie von der Fee den Auftrag bekommen, einen spannenden Zeitungsartikel über das Vorgefallene zu schreiben, aber noch hatten sie keine Berichterstattung von ihrem Boten bekommen.
„Warum habe ich diesen Bogenschützen – Heini überhaupt eingestellt, wenn er nie pünktlich kommt?“, knurrte die gute Fee. Vergessen waren alle lobende Worte, die sie im Restaurant noch über ihn ausgelassen hatte. Sie hasste Unpünktlichkeit.
„Ich gebe ihm noch eine Minute. Wenn er bis dahin nicht erschienen ist, dann...“ Laut splitternd krachte die Zimmertür in den Raum, ausgelöst von einem atemlosen, nun völlig verstaubten Robin Hood. „Das mit der Tür tut mir Leid.“, keuchte er. „Um pünktlich bei Ihnen zu sein, musste ich einen Pfeil mit einem Seil und...“ Die Fee ließ ihn nicht ausreden.
„Wer redet hier von PÜNKTLICH?“, kreischte sie wütend. „Du bist alles andere als pünktlich! Außerdem ist jetzt meine Tür im Eimer! – Und wo bleibt dein Bericht???“
Robin zuckte erschrocken zusammen. „Also, ja ...ähm, das war so... Da war ja dieser Dracula, und der hatte wie vorhergesehen Pommes bestellt. Und ja, das wissen sie ja schon. Dann kam ja ich ins Spiel.“ Er fing an mit dramatischen Gesten vor der Fee herumzuhüpfen. „...ich rannte hinein, in einem Affentempo! Und was musste ich sehen? Die...“
„Das reicht!“, wurde er wieder unterbrochen. „Diese Vorreden kenne ich. Du hast es MAL WIEDER vermasselt!!!! Wozu bezahle ich dich überhaupt?“ Sie klatschte einmal in die Hände und schon wurde er von einem Luftstoß durch die kaputte Tür hinausgestoßen. Das war nichts Neues für Robin.

„Erneute Versammlung“ entzifferte Dracula die krakelige Schrift Voldemorts auf dem Plakat. „Ehrlich?“ Die Stiefmutter schubste ihn zur Seite, um es auch zu sehen. „Tatsächlich. Was wollen die denn bloß schon wieder?“
Die Hexe kam dazu. „Ich habe gehört, dass unser Antrag nicht angenommen wurde. Vielleicht geht es ja darum.“

So war es dann auch. Es hatten sich wieder einmal alle Bösewichte versammelt und warteten gespannt auf die Ansprache von Voldemort.
Dieser schritt nicht mehr ganz so siegessicher durch die Menge und nahm seinen Platz am Rednerpult ein.
„Herzlichen Dank, dass Sie alle noch einmal erschienen sind. Wie Sie sicher schon mitbekommen haben, wurde uns der Antrag auf bessere Arbeiten verweigert. Deswegen wollten wir nun unsere Androhung wahr machen und streiken. Das tritt schon ab heute in Kraft. Sollte sich in dem nächsten Monat nichts ändern, treffen wir uns noch einmal.“ Er wollte noch etwas sagen, aber die Worte gingen in der Menschenmenge verloren. Alle waren in heller Aufregung. Damit hatte niemand gerechnet.
Voldemort hatte nichts mehr zu sagen und der Saal leerte sich wieder. Nur Dracula, die Hexe und die Stiefmutter blieben zurück, mal wieder in eine heftige Diskussion verwickelt.
"Streik heißt, wir sollen aufhören zu arbeiten?", fragte Dracula, für den es besonders schwierig war. "Dann muss ich ja wieder diese sauteuren Blutersatztropfen kaufen..."
Doch die anderen beiden störte das wenig und redeten auf ihn ein.
"Es ist doch nur für eine kurze Zeit, bis wir unser Ziel erreicht haben. Die Guten halten das bestimmt nicht lange durch!"
"Und wenn nicht?" Dracula hatte immer noch Bedenken. "Ich habe keine Lust bis an mein Lebensende diese blöden Tropfen zu nehmen!"
Die Stiefmutter lachte. "Du hast doch gar kein Lebensende. Du bist doch schon tot!"
Aber das munterte ihn nicht gerade auf.

Entsetzt schrie die gute Fee auf. Vor ihr lag Voldemorts Brief mit der Mitteilung des Streiks.
"Das können die doch nicht machen!!! Wie stehen wir denn sonst da?"
Schneewittchen und Robin versuchten sich heimlich zu verdrücken. Wenn die Fee so wütend war, war mit ihr nicht zu spaßen.
"Hiergeblieben!!!" Sie zog ihren Zauberstab und stellte die beiden Ausreißer mit einem schnellen Zauber vor ihren Schreibtisch.
"Ihr beide macht das sofort wieder rückgängig!"
Schneewittchen nickte brav, aber Robin hatte mal wieder was einzuwenden. "Aber das geht doch nur, wenn wir die Bedingungen erfüllen. Das haben sie uns doch klar und deutlich gesagt. Wie sollen wir es denn anders schaffen?"
Wenn Blicke töten könnten... Robin wäre nun auf der Stelle tot, bei den Blicken, die die Fee auf ihn abfeuerte. Hatte er es doch tatsächlich gewagt ihr zu wiedersprechen!!!
"Ich dachte, du wärst so ein tolles Genie...", sagte sie verdächtig freundlich und schob beide mit einem Zauber aus dem Zimmer. "Lasst euch was einfallen und kommt ja nicht ohne Erfolg wieder zurück!" Die letzen Worte waren wieder in gewohnter Stimmlage. Danach schlug die Tür zu.
Seufzend setzte sich Schneewittchen auf eine der Treppenstufen des Schlosses. "Toll, und was machen wir jetzt?"
Robin stellte sich neben sie und spielte mit seinem Bogen herum. "Keine Ahnung. Irgendetwas ist uns doch bisher immer eingefallen."
"Hoffentlich hast du diesmal auch wieder recht." Sie stand wieder auf und hüpfte die Treppen hinunter. Von unten winkte sie ihrem Kollegen zu, der noch seinen Bogen verstauen musste. "Komm doch! Wir haben einen Auftrag zu erfüllen!"