Fanfic: Blutrot
sie es ihre Augen zu öffnen, doch viel sehen konnte sie nicht. Um sie herum war alles dunkel. Kopfschüttelnd setzte sie sich auf und sah sich angestrengt um. Wo war sie denn jetzt gelandet?
„Ocelot?!“ rief sie in die Dunkelheit.
Kein Geräusch kam zurück.
„Puma?! Leopard?!“
Nichts. Nur Stille um sie herum und das ließ sie zu dem Schluss kommen, dass sie allein war. Nur wo… Erst einmal brauchte sie wohl Licht.
Also zog Jain eine Taschenlampe aus ihrem Ledermantel und schaltete sie ein. Sie war in einem Gang gelandet. Hinter ihr war eine Sackgasse nur vor ihr erstreckte sich ein dunkler Durchgang. Langsam und vorsichtig setzte Jain sich in Bewegung. Man konnte nie wissen, was als Nächstes kommen würde.
„AHHHH!“ schrie Yume, als der Boden unter ihren Füßen verschwand und sie einen dunklen Tunnel entlang rutschte. Kopfüber fiel sie auf den harten Steinboden, als der Tunnel endlich geendet hatte.
„Au!“ meckerte sie und rieb sich die Nase.
Blitzschnell wurde ihr die Situation wieder klar und sie sah sich um.
„Hallo?! Leute?!“ rief sie.
Der Raum in dem sie sich befand, wurde von einer nackten Glühlampe erhellt. Es roch moderig und nach Schimmel und von den Wänden flossen feine Rinnsäle von Wasser. Sie stand wieder auf und sah sich in dem Raum um. Hier konnte man wirklich Platzangst bekommen, wie gut das Yume noch nie vor engen Räumen Angst gehabt hatte
„Hallo?!“
Das Echo ihrer Stimme hallte durch den leeren Raum und verlor sich dann irgendwann wieder. Yumes Blick fiel auf eine alte Holztür, die schon fast aus den Angeln fiel. Langsam schritt sie darauf zu und hoffte, dass sich dahinter so etwas wie ein Durchgang befinden würde. Vorsichtig drückte sie die Klinke herunter und riss die Tür auf. Diese gab mit einem Quietschen nach und schließlich hatte Yume die alte Tür in der Hand. Davon unbeeindruckt ließ sie die Klinke los, zückte ihre Taschenlampe und erkundete den Gang.
Unsanft landete Christina auf dem Steinboden. Sich den Allerwertesten reibend stand sie auf und sah sich um.
„Na super!“ murmelte sie ungehalten.
Jetzt waren sie nicht nur getrennt worden, nein, sie, die Anführerin saß in einem ollen Keller. Christina klopfte sich den Staub aus der Hose und sah sich um. In diesem Keller schien seit Ewigkeiten niemand mehr gewesen zu sein. Plötzlich überfiel sie das Gefühl der Angst. Um Yume und Jain brauchte sie sich keine Sorgen zu machen, doch Mitori war noch nicht lange dabei. Christina wusste nicht wie diese damit umgehen würde, also musste sie Mitori und die Anderen schnell finden.
Sofort blickte sie sich nach einem Ausgang um und fand auch direkt eine alte Tür zu ihrer Rechten. Mit einem gekonnten Tritt wurde diese aus den Angeln befördert und Christina eilte, mit einer Taschenlampe bewaffnet, in die Dunkelheit.
Schon seit ein paar Minuten saß die kleine, zierliche Gestalt in Mitten der Dunkelheit, die sie umgab. En Schluchzer entwich ihrer Kehle. Sie hatte schon immer Angst vor der Dunkelheit gehabt. Ihre Eltern hatten sie immer in den Kelle gesperrt und sie dort halb verhungern lassen.
//Nein!// dachte Mitori sich. //Du musst jetzt stark sein! Die Anderen zählen auch auf dich!//
Sie erhob sich und holte mit zitternden Händen eine Taschenlampe aus ihrer Manteltasche. Plötzlich stießen ihre Hände gegen das Walky Talky. Im Notfall könnte sie die Anderen noch anfunken, doch erst mal musste sie herausfinden wo sie hier war. Die Taschenlampe warf einen langen Strahl und Mitori leuchtete durch den Raum, bis sie eine Tür eindeckte. Mit einem letzten Blick auf die Röhre, die sie hier herunter geleitet hatte verließ Mitori, noch immer zitternd den Raum. In der einen Hand die Lampe und in der Anderen ihre gelandete und schussbereite 6mm.
Es kam Jain so vor als wäre sie schon Tage unterwegs, als sie endlich den schmalen Tunnel verließ. Wahrscheinlich waren es jetzt erst ein paar Minuten. Doch sie war trotzdem froh, endlich den Gang passiert zu haben. Dieser mündete jedoch in eine Art Saal. Die Wände waren karg und feucht und die Decke war nicht zu erkennen. Sie war wahrscheinlich zu hoch oben, als dass das Licht der Taschenlampe sie erfassen könnte. Leise seufzte Jain erleichtert. Immerhin hatte sie diesen seltsamen Gang verlassen. Er hatte sie so an ein Heim erinnert, in dem sie einmal war. Schrecklicher Ort. Doch diese Halle war nicht angenehmer. Der Geruch von Moder und Fäule, machte die ohnehin schon stickige Luft, noch unerträglicher. Feucht und heiß war es hier. Bald wie in einer Sauna. Wahrscheinlich nicht so warm, aber schwül war es schon. Die Luft war richtig drückend. Was hätte Jain jetzt nicht für frische Luft gegeben?
Es grenzte an ein Wunder, dass Jain ihren Brechreiz noch zurückhalten konnte. Sie rang sich endlich dazu durch, sich umzusehen. Insgesamt fünf Gänge führten in diese Halle. Wenn sie hier rauskommen wollte, musste sie wohl oder übel einen Gang wählen, die im Übrigen nicht viel einladender aussahen, als diese Halle hier. Bloß welchen sollte sie nehmen?
Jains Gedanken wurden erst wieder ins Hier und Jetzt zurückgeholt, als plötzlich ein schmaler Lichtkegel aus einem der Gänge in den runden Raum fiel. Sie fasste sich schnell wieder und versteckte sich in dem Gang, aus dem sie gekommen waren. Mit klopfendem Herzen drückte sie sich an die feuchte Wand. Die unangenehme Kälte drang durch die dünne, eng anliegende Kleidung.
Vorsichtig linste sie wieder in den Raum. Das Licht wurde heller. Jain bemerkte wie es leicht zitterte. Die Person war also nervös, das war vielleicht ein Vorteil für sie. Falls es zu einem Kampf kommen würde. Schnell zog sie ihre Waffe und entsicherte sie mit einem leichten Klick.
Nach endlosen Minuten des Wartens- Jain hatte sich schon überlebt, ob dieser jemand überhaupt noch mal den Raum betrat- betrat endlich eine Person den Raum. Sie war klein und zierlich. Ihre Hände zitterten stark und das Licht schwankte weiter. Nervös sah dieser jemand sich um und Jain erkannte das, durch ein Tuch halb verdecktes, Gesicht.
„Leopard?!“ hauchte Jain, kaum hörbar, doch die Angesprochene sah in ihre Richtung.
Es schwand eine gewisse Freude in ihrer Stimme mit, doch sofort fasste sie sich wieder. Mitori leuchtete in ihre Richtung und Jain konnte ein erleichtertes Seufzen hören. Sofort stürmte Mitori auf Jain zu und warf sich in ihre Arme.
„Geht’s dir gut?“ fragte Leopard sofort.
Wortlos nickte Jain und schob die Kleinere von sich.
„Bist du den Anderen begegnet?“ fragte Jain.
Mitori schüttelte den Kopf und rümpfte plötzlich die Nase. Sie hatte eine unglaublich empfindliche Nase, was verschiedene Gerüche anging. Spielend konnte sie alle möglichen Gerüche unterscheiden.
„Was ist?!“ war Jain kurze Frage.
Mitori schwieg und schnüffelte weiter.
„Das kommt jemand!“ flüsterte sie, die Augen geschlossen und die Nase hoch in die Luft gehoben.
Ernst sah sie nun Jain an.
„Jemand von uns?“
„Ich weiß nicht genau! Ich denke aber schon!“ meinte sie ziemlich leise.
„Trotzdem müssen wir vorsichtig sein!“ meinte Jain entschlossen und zog die Kleinere hinter sich her, in den Gang zurück.
Wortlos machte sie der Anderen klar, dass sie gefälligst den Mund halten sollte. Mitori nickte. Natürlich war sie froh, dass sie nun nicht mehr allein war, aber Jain war wirklich kein Ersatz. Manchmal fühlte Mitori sich sogar allein, wenn Jain direkt neben ihr saß.
Unbemerkt blickte Mitori zu ihrer Freundin auf. Mitori kannte diese nur zu gut. Normalerweise saß oder stand sie irgendwo alleine, total desinteressiert und gelangweilt. Einmal sah sie sogar sehr traurig aus, doch als Mitori sie darauf angesprochen hatte um ihr zu helfen, hatte Jain bloß abgeblockt und gemeint, sie sollte sich nicht in ihr Leben einmischen. Aber waren sie denn nicht Freunde? Sollten sie sich nicht helfen? Was half es denn wenn Jain immer alles versteckte? Es in sich hineinfraß, bis da nichts mehr war, das aufgefressen werden konnte? Mitori konnte sich die Frage leicht beantworten, doch Jain war es bestimmt lieber, nicht darüber zu reden.
Wieder riskierte Mitori einen scheuen Blick, in das leicht verdeckte Gesicht der Anderen. Nun war es angespannt und vollkommen konzentriert. Manchmal konnte man Musik auf die höchste Lautstärke schalten und Jain ließ das völlig kalt, doch in einer Situation wie dieser, konnte ihr nahezu nichts entgehen.
„Wer ist es?“ hörte Mitori sich leise wispern.
„Shhh!“ machte Jain gereizt und warf Mitori einen Halt-gefälligst-den-Mund-Blick, wandte sich dann aber wieder um.
Angestrengt lauschte Jain in die Dunkelheit und starrte wie gebannt auf den Tunnel, aus dem schwaches Licht drang. Dieses zitterte gar nicht. Entweder waren es Yume oder Christina oder jemand den sie nicht kannten. Jain wollte kein Risiko eingehen und hielt ihre, noch immer, entsicherte Waffe bereit.
Erleichtert seufzte sie auf, als diese Person endlich aus dem Gang trat und Jain die bekannten Züge erkannte. Yume! Mitori vernahm das leise seufzten und wagte einen Blick. Schneller als der Wind war sie an Jain vorbeigerannt und fiel Yume in die Arme.
„Na ihr Beiden!“ lächelte sie und strich der Anderen durch die Haare.
„Hey! Puma! Hast du Ocelot gesehen?“ fragte Jain direkt.
„Nein! Sonst würde sie jetzt mit Sicherheit hier sein!“
Bedrückt schüttelte Yume den Kopf.
„Sie schafft das sicher auch allein!“ meinte Jain kalt, obwohl man bei einem solchen Satz eher Zuversicht hätte hören müssen. Jedoch nur im Normalfall und Jain war bestimmt nicht normal.
Wortlos nickte Yume.
„So und nun?“ fragte sie schließlich.
„Irgendwie müssen wir hier raus!“ meinte Mitori, nahm ihre Taschenlampe und leuchte in Richtung Decke.
Mit Argusaugen musterte sie die Dunkelheit, die trotz des Lichtes nicht weichen wollte.
„Hat dieser Raum überhaupt eine Decke?“ fragte sie schließlich.
„Also ich seh nichts!“