Fanfic: Blutrot
stimmte Yume ihr zu.
Jain schüttelte verständnislos den Kopf. Sie waren hier gefangen, wussten nicht wohin und diese Beiden diskutierten darüber ob es in diesem Raum nun eine Decke gab oder nicht. //Kindisch!// dachte sie sich und sah sich um.
Drei dieser fünf Gänge endeten also in Sackgassen. Zwei blieben noch übrig. Welchen sollten sie denn nun nehmen?
Plötzlich endete die Diskussion der Beiden, da Mitori ihre Nase wieder in die Luft hob und schnupperte.
„Da kommt noch jemand! Riecht wie…“ Sie schnupperte weiter „Ocelots Parfüm!“
Sie lächelte. Völlig zufrieden mit sich und der Welt, strahlte sie Yume an.
Nach einiger Zeit tauchte auch Christina auf und wurde überschwänglich begrüßt.
Jain stand etwas abseits und beobachtete die Szene. Wie oft hatte sie sich Freunde gewünscht? Doch wenn sie ständig abblockte, würde sie nie richtige Freunde bekommen. Mittlerweile jedoch hatte sie sich damit abgefunden, dass sie allein war.
Jain seufzte leicht.
Gerade wollte Jain etwas sagen, doch plötzlich hatte sie ein seltsames Gefühl, auf das sofort Kopfschmerzen folgten.
Gequält stöhnte Jain auf und hielt sich den dröhnenden Kopf.
Die Anderen drehten sich sofort um.
„Was ist, Cheetah?“ fragte Yume besorgt und eilte zu ihrer Freundin.
Jain brachte kein Wort über ihre Lippen. Das Blut rauscht laut durch ihre Schläfen. Bildfetzen flog vor ihrem inneren Auge vorbei. Plötzlich war alles vorbei. Das Rauchen klang ab und auch die Kopfschmerzen hörten langsam auf. Jain wagte es ihre geschlossenen Augen zu öffnen. Alles war wieder normal, doch ihr Atmen ging immer noch schnell.
„Jain!“
Zum ersten Mal auf einer Mission, hörte Jain ihren Namen. Nicht den Codenamen, beziehungsweise ihren Decknamen.
„Alles in Ordnung? Jain, sag doch was!“ hörte sie Mitoris Stimme.
Jain sah auf und blickte in ein besorgtes Gesicht.
„Geht’s dir wieder besser?“ fragte sie.
Benommen nickte Jain und nahm die Hände vom Kopf.
„Was ist passiert?“ fragte Yume direkt.
„Ich weiß nicht genau!“ gab Jain zu „Plötzlich hatte ich tierische Kopfschmerzen!“
„Geht es wieder?“ fragte die Jüngste besorgt.
Die Angesprochene brachte es fertig leicht zu nicken, noch immer waren ihre Gedanken wirr und ihr Blick leer. Erst als Christina dann endlich ihre Stimme erhob und sagte, dass sie doch endlich weitergehen sollten und sie keine Lust hätte hier unten zu verrecken, versuchte Jain wieder ihre Muskeln zu bewegen. Komischerweise schmerzte ihr ganzer Körper. Jain war schon immer anfällig für Kopfschmerzen gewesen und hatte auch schon oft genug Migräneanfälle gehabt, aber dieser hier hatte alles übertroffen. Migräne war bei ihr nichts schlimmes, nur etwas das ab und zu mal auftrat und mit dem man leben konnte, doch diese Kopfschmerzen waren einfach unmenschlich gewesen. Sie versuchte das seltsame Gefühl abzuschütteln, doch es blieb.
Jain folgten den Anderen in den Gang, der bis dato unberührt war. Vielleicht würde er sie in die Freiheit führen, so hofften sie es jedenfalls. Jains Sinne waren bis auf äußerste gespannt. Sie war sich absolut sicher, dass sie nicht mehr allein hier unten waren. Dieses Gefühl trug sie schon seit geraumer Zeit mit sich herum, wagte es jedoch nicht es auszusprechen.
„Wartet mal!“ flüsterte Mitori und hielt abrupt an, sodass Yume fast in sie hinein gerannt wäre.
„Was denn?“ fragte Christina und hielt ebenfalls an.
Ihre Gesichtzüge waren, für Außenstehende, entspannt und gelassen, doch für Menschen, die sie besser kannten, war klar, dass auch Christina angespannt war und nichts anderes wollte, als so schnell wie möglich aus diesem Drecksloch zu kommen.
„Riecht verdächtig nach...“
Angewidert verzog Mitori das Gesicht.
„Bähhh“ machte sie und hielt sich energisch die Nase zu.
„Was denn?“ fragte Yume gespannt.
„Pfui! Das stinkt. Ekeliges Parfüm oder Haarspray und das in Massen!“
Die Jüngste wedelte mit der Hand vor ihrer Nase rum, um den ekeligen Gestank loszuwerden, der sich jedoch mittlerweile in ihrer Nase festgesetzt hatte und sich weigerte zu verschwinden.
„Das riecht noch schlimmer, als das Parfüm von Chris!“ murmelte Mitori leise.
Gekonnt überhörte Christina diese Beleidigung und wandte den Anderen wieder den Rücken zu.
„Gehen wir weiter! Ich hab keine Lust den Rest meines Lebens hier unten zu verbringen!“ meinte sie und setzte sich in Bewegung.
Jain folgte ihr wortlos. Ihre Haare hingen ihr ins Gesicht und so konnte man nicht ihre Augen sehen. Diese blitzten herausfordernd auf. Vielleicht käme sie heute doch noch zum kämpfen, dann wäre dieser Tag vielleicht noch zu retten.
„Kommt ihr jetzt mal?“ feuerte Christina und Yume und Mitori zuckten unweigerlich zusammen, folgten den beiden Anderen.
Während des ganzen Weges schwiegen die Killer. Jede Frau hing ihren Gedanken nach. Die Stille war ziemlich drückend und das gefiel Mitori ganz und gar nicht.
„Sagt mal! Was ist denn wenn wir hier auf Gegner treffen?“ begann sie zögerlich, den Blick gen Boden gerichtet.
„Warum sollten wir ausgerechnet hier auf Gegenspieler treffen? Das ist bis jetzt noch nie passiert!“ erwiderte Yume gelassen.
„Warum nicht? Es kann doch sein!“ zweifelte die Kleinste weiterhin.
„Ach! Mach dir mal keine Sorgen! Ob oder ob nicht ist doch auch egal! Wenn es sein muss, wissen wir uns zu verteidigen!“
Yume lächelte die Jüngere aufmunternd an. Diese konnte das Lächeln nur erwidern.
„Trödelt nicht so!“ fuhr Christina die Beiden an.
Diese nickten und folgten rasch den beiden Älteren.
Ein paar Minuten später fanden sie sich in einer weiteren großen Halle wieder.
„Das wird langsam aber sicher, blöd!“ murrte Yume.
„Da magst du nicht ganz Unrecht haben!“ meinte Christina und die kalte Luft, verlieh ihrer Stimme eine noch erschreckendere Wirkung.
Die Temperatur war drastisch gesunken, doch Jain ließ das ziemlich kalt. Missmutig sah sie sich in der Halle um. Sie sah genauso aus, wie die, aus der sie gerade herausgekommen waren. Sie gab einen gebrummten Laut von sich und starrte Christina an. Die sollte endlich mal eine Entscheidung treffen. Schließlich standen sie hier, in einer vollkommen versifften Halle, die, mal wieder, vier andere Auswege hatte.
Genervt stöhnte Christina auf.
„Also!“ seufzte sie. „Wir trennen uns ab hier! Jeder nimmt einen anderen Gang und falls irgendetwas passiert, haben wir schließlich noch unseren Walky Talkys!“
Bevor diese Worte überhaupt in Yumes Bewusstsein gedrungen waren, war Jain schon in einem der Gänge verschwunden.
Erstaunt zog Mitori eine Augenbraue hinauf und wollte gerade etwas sagen, als Christina die Hand erhob.
„Egal! Lass sie! Los wir sollten uns auch auf den Weg machen!“ meinte sie und wandte sich zum gehen um.
„Warte doch mal!“ meinte Yume.
Ihr Blick war ziemlich besorgt.
„Was ist wenn es wieder passiert?“ fragte sie schließlich.
„Das darf es nicht. Wir müssen ihr vertrauen!“ meinte Christina.
Sie drehte sich ohne ein weiteres Wort um und verschwand durch einen Gang, doch Yume schien nicht im Geringsten beruhigt.
„Mach dir da mal keine Sorgen!“ lächelte Mitori „Sie schafft das schon… Wie Ocelot gesagt hat. Wir müssen ihr nur vertrauen!“
„Wenn ihr was passiert, werde ich mir das nie verzeihen!“ gab Yume zu und verschwand betrübt in einem anderen Gang. Mitori blickte ihr solang nach, bis sie nicht mehr zu sehen war.
//Bitt, Jain. Mach nichts was dir schaden könnte!// betete sie im Stillen und verschwand dann ebenfalls.
Und schon wieder lief sie einen dunklen Gang entlang. So langsam konnte Jain diese eintönige Umgebung nicht mehr sehen. Der nächste Auftrag, dem schon anzusehen war, dass es in so etwas endete, würde sie den Anderen überlassen. Leise seufzte sie und ging weiter. Einfach einen Fuß vor den Anderen setzten. Bei sich hoffte Jain, dass dies hier schnell vorbei sein würde. Sie hatte nun wirklich keine Lust in solch einem Kellergewölbe zu verrecken. Wenn sie doch nur einen Ausgang finden würde. Jain konnte nicht behauptet, dass ihr viel an ihrem Leben lag, aber sie wollte einen schöneren Tod als solch einen.
Sie blickte sich um. Es sah ziemlich eintönig aus. Steinwände, die bereits von seltsamen Pilzen befallen waren, und einzelne Pfützen auf dem Boden, die ebenso verdreckt waren. Hier schien seit Jahren niemand mehr saubergemacht zu haben. So etwas kannte man doch sonst nur aus Gruselfilmen, die von alten Schlössern handelten.
Jain verlangsamte ihre Schritte und blieb schlussendlich stehen. Gab es hier denn wirklich keinen Ausgang?
Eine ganze Zeit lang, stand sie unbemerkt dort, lauschte und sah sich um. Am und zu konnte man das Aufklatschen von Wassertröpfchen auf eine Pfütze hören, das unglaublich laut an den kahlen Wänden wiederhallte.
Sooft sich Jain auch umsah, hier war nichts. Leicht den Kopf schüttelnd ging sie endlich weiter, doch der Gang wollte einfach nicht enden. Der Gestank war erdrückend.
//Endet dieser Gang auch irgendwann mal wieder?// fragte sie sich.
Gerade als sie sich das dachte, wurde der Gang breiter und endete schließlich in einer großen Halle. Jain betrat diese und stieß mit dem Fuß gegen etwas hartes. Klackernd rollte dieses etwas über den Steinboden und blieb schließlich irgendwo liegen. Jain leuchtete in die Richtung, in der sie dieses Etwas vermutete. Sie musste heftig schlucken. Sie blickte direkt in zwei einsame, schwarze Augenhöhlen. Ein Knochenschädel. Jain leuchtete über den Boden. Überall waren Knochen und Schädel verstreut, vereinzelt huschten auch einige Ratten durch dieses Meer aus Knochen.
Angewidert verzog Jain das Gesicht, als sie eine Ratte zu Gesicht bekam, die geradewegs auf sie zurannte. Mit einem heftigen Tritt beförderte sie das Tier ans andere Ende der Halle. Einfach widerlich war das hier.
Plötzlich fiel es Jain wie Schuppen von den Augen. Immer