Fanfic: Blutmond (überarbeitet)
Kapitel: Rückblick
Es war ein Freitag wie jede Woche, außer, dass heute Abend seine Lieblingsband ein Konzert in seiner Stadt geben würde. Er hibbelte den ganzen Tag in der Schule und konnte es kaum erwarten. Am Nachmittag machte er sich fertig und zog sich um. Er liebte es, sich von der grauen Masse abzuheben und er liebte seine Musik, in diesem Falle war es ihm egal, dass sie ihn Satanist schimpften. Er hatte viel zu gute Laune.
Auch als Stunden Später das Konzert zu ende war, fand er es toll. Er hatte sogar ein Autogramm ergattern können. Allerdings wurde es recht kalt und es regnete und er beschloss, eine Abkürzung durch ein paar Seitenstraßen zu nehmen.
Dies war ein Fehler, was er nur allzu schnell feststellte. Denn kurz bevor er das Haus seiner Eltern erreichen konnte, wurde er in eine dunkle Ecke gezerrt. Schneeweiße Reißzähne bohrten sich brutal in seinen Hals und das einzige, was er sah, waren diese Klauen auf seiner Schulter. Irgendwann wurde er wieder losgelassen und er lebte…das glaubte er zumindest.
Ihm war schwindlig und er schleppte sich blutend in das Haus. Er schaffte es sogar irgendwie in sein Zimmer und fiel wie tot ins Bett.
Die nächsten Tage fühlte er sich müde, schlapp und ausgelaugt. Er glaubte, dass sich seine Sinne verbesserten. Jeden Geruch, Eindruck und jedes Geräusch nahm er so klar und deutlich war, wie nie zuvor. Drake verschwieg es seinen Eltern und seiner Schwester. Die würden ihn eh nur für verrückt halten. Sie hielten es ja schon für krank, dass er noch nie eine Freundin hatte. Aber er konnte seinen gläubigen Eltern ja wohl schlecht sagen, dass er auf Kerle steht. Sie würden ihn verstoßen.
Am dritten Tag kaute er seit einer halben Stunde angeekelt an einem Toast. Es schmeckte widerwärtig und ein Würgen ließ sich nur schwer unterdrücken. Seufzend schnappte er sich seine Schultasche, würgte das Brot hinunter und lief, wie immer alleine, in die Schule. Auf dem Weg dahin musterte er seine Hände. Sie waren abstoßend, schienen sich langsam zu verändern. Ebenso wie seine Füße und das machte ihm Angst. Außerdem litt er seit jenem Abend unter höllischen Rücken und Kieferschmerzen, dies allerdings tat er als Prüfungsangst ab. Allerdings hatte er auch nicht groß Lust, den ganzen tag mit Rückenschmerzen zu verbringen und schlich sich ins Krankenzimmer der Schule, um sich ein paar Tabletten zu klauen. Zu der Zeit war sowieso noch keiner da. Neugierig und auf der Suche nach Pillen schweifte sein Blick durch das Zimmer und blieb auf einem kleinen Kühlschrank haften. Er wusste nicht warum, aber er öffnete ihn. Da drinnen befanden sich nur eine Blutkonserve und ein paar Petrischalen.
Die rote Flüssigkeit fesselte seinen Blick und wie in Trance griff er danach. Er musterte die wabernde Flüssigkeit im Inneren des Beutels und leckte sich über die Lippen. Ohne es wirklich zu wollen öffnete er das Plastik und trank das Blut. Es schmeckte ihm gut aber als ihm bewusst wurde, was er da getan hatte, lief ihm ein kalter Schauer über den Rücken. Er schwankte in sein Klassenzimmer. Durch das Blut waren die schmerzen noch schlimmer geworden und seine Hände kribbelten, als würde er an einen Weidenzaun fassen. Nach ihm unendlich erscheinenden 20 Metern stützte sich an der Wand ab und schleppte sich in das Zimmer. Ein wenig Wasser im Gesicht würde ihm gut tun und so schwankte er zum Waschbecken und klatschte sich Wasser ins Gesicht. Er fühlte sich wie auf einem Trip, besser gesagt fühlte er sich, wie das eine mal, als er schlechten Fisch gegessen hatte, aber das war noch angenehm. Erneut musterte er seine Hände und wollte schreien aber seine Stimme versagte. Es waren keine Hände mehr, sondern breite und hässliche Klauen. Drei an Jeder Hand. Zufällig sah er in den Spiegel aber diesmal schrie er wirklich. Er war noch blasser als sowieso schon. Sein Gebiss war vollkommen entstellt mit drei scharfen Reißzähnen auf jeder Seite. Aber nicht nur das. Diese Ohren…damit sah er aus, wie ein Elb aus Herr der Ringe. Doch am abscheulichsten fand er seine Augen. Dieses einfache und leere Weiß und sonst nichts. Wo war der Rest?
Er ging in die Knie. Sein Rücken brachte ihn um. Er fühlte sich, als würde es ihn zerreissen.
Er hoffte inständig, dass noch niemand seiner Klassenkameraden auf dem Weg war. Er wollte nicht so gesehen werden. Er verstand auch nicht, was mit ihm los war. Er fühlte sich, als würde es ihn von innen zerreißen. Ein stechender Schmerz erfüllte ihn. Es war, als würde sich etwas durch seinen Rücken nach außen bohren. Und da stand auf einmal jemand in der Tür. Die Tratschtante überhaupt. Sie würde es allen erzählen. Panik erfüllte ihn. Er raffte sich auf und stürzte an ihr vorbei aus dem Zimmer. Nach Hause. Er wollte nur nach Hause, sich in seinem Zimmer einschließen und nie wieder hervorkommen. Trotz der Schmerzen behielt er weitestgehend einen kühlen Kopf: Der Schulweg war zum Glück nicht weit und so früh am morgen war niemand auf den Strassen. Auch zu Hause waren bereits alle ausgeflogen. Erleichtert seufzte er, stolperte ins Bad und zog sich sein Hemd aus. Entsetzt drehte er sich mit dem Rücken zum Spiegel und musste sich verrenken um überhaupt was zu sehen aber das was er sah, ließ ihn erneut schreien. Unter der Haut zeichneten sich seltsame Konturen ab und das schlimmste war, dass diese sich bewegten. Er tippte die Haut mit dem Finger, oder das, was mal ein Finger war und wieder bewegte sich die Masse darunter. Nun hatte er noch mehr Angst, wenn dies überhaupt möglich sein sollte.
Er hoffte, dass er nur schlecht träumte, ging wieder in sein Bett und hoffte, dass wenn er die Augen wieder aufmachte, alles vorbei sein würde.
Unter seiner Bettdecke eingegraben schlief er ein und bemerkte nicht, wie sich die Haut von seinem Rücken löste und zwei große schwarze Schwingen zum Vorschein kamen. Von dem Kläffen eines Nachbarhundes, das er so laut wahrnahm, als sei der Hund neben ihm, wachte er ein paar Stunden später auf. Gähnend streckte er sich und dachte, alles sei tatsächlich nur ein Traum gewesen, doch ein Blick auf seine Hände überzeugte ihm vom Gegenteil. Wieder begann er zu zittern. Was sollte er machen, jeder würde sehen, dass er nicht normal war.
Er rollte sich im Bett ein und bemerkte irgendwas an seinem Rücken. //Kann es denn noch schlimmer kommen?// Er tastete den Rücken ab und erstarrte und ja, es konnte schlimmer kommen. Wieder ging er zum Bad. Besser gesagt, er schlich zum Bad und das noch besonders langsam in der Hoffnung, es niemals sehen zu müssen. Irgendwann stand er doch in besagtem Raum und starrte atemlos auf die schwarzen Dinger, die er auf dem Rücken trug. Irgendwie hatten sie schon was cooles, aber das auch wieder abartig und krank. Er konnte doch so nirgendwo rumlaufen und seine Eltern würden ihn für Besessen halten. Er spielte schon mit dem Gedanken, sich die Dinger einfach abzuschneiden, aber er hatte zuviel Angst. Er schluckte, atmete tief durch und betrachtete sich noch mal. Das ganze wiederholte sich eine halbe stunde lang und dann stand er immer noch ratlos vor dem Spiegel. Was sollte er tun? Nun gut er war schon immer Außenseiter, also hatte er sowieso keine Freunde, vor denen er sich verstecken musste. Seufzend nahm er sein Schicksal an, wenn auch nur vorerst. Er erinnerte sich an die Szene im Krankenzimmer, sollte er sich wirklich von Blut ernähren? Es ekelte ihn bei dem Gedanken, aber gleichzeitig erinnerte er sich an den warmen Geschmack der roten Flüssigkeit. Er brauchte mehr, dass wusste er aber woher nehmen? Am besten einfach mal beim Metzger fragen, dachte er sich und wuselte erneut in sein Zimmer, um in seinem Chaos nach dem langen, schwarzen und für den Sommer viel zu warmen Ledermantel zu suchen. Stolz, wie eine Trophäe, hielt er das gute Stück hoch als er es nach minutenlanger Suche in den Tiefen seines Kleiderschrankes fand. Sollten sie ihn doch für verrückt halten wenn er bei 30° mit so einem Ding rum rannte, aber besser, als Angestarrt zu werden wie ein Freak. Er warf ihn sich über und setzte sich seine Sonnenbrille auf die Nase. Auch wenn sie die Konturen seiner Flügel unter dem Mantel abzeichneten, sah er so wenigstens halbwegs normal aus.
Auf dem Weg zur nächsten Bushaltestelle machte er sich Gedanken über all das, was passiert war und verfluchte sich selber dafür, dass er es nach dem Konzert so eilig hatte. Hätte er den nur wenige Minuten längeren Weg genommen, wäre das nie passiert. Er grübelte auch noch, als er im Bus zur nächsten Stadt saß. Immerhin wollte er nicht, dass jeder in der kleinen Vorstadt gleich von seiner eigenartigen Vorliebe erfuhr. Wie in Trance stieg er am Marktplatz eine halbe Stunde später aus und hatte das Gefühl von allen angestarrt zu werden. In Wirklichkeit wurde er nicht beachtet. Er war nur ein Freak in einem Mantel. Zögerlich betrat er die Metzgerei. Als die Verkäuferin fragte das er wünschte, hatte er das Gefühl, sie würde es ihm ansehen. Sie weiß es, dachte er, sie kennt dein abscheuliches Geheimnis. Zögerlich verlangte er nach ein oder zwei Litern Blut. „Für den Biounterricht“ fügte er ungefragt hinzu und sah unsicher sein Gegenüber an. Wie ein Dieb stahl er sich mit seinem Blut davon und klammerte die Tüte fest. Irgendwie verlangte es ihn nach dem Zeug, aber er konnte es ja schlecht hier trinken, mitten auf der Straße. Also wieder auf in den Bus und ab nach Hause. Vor dem Elternhaus stehend ergab sich aber ein neues Problem. Mittlerweile war seine Mutter mit seiner kleinen Schwester zu Hause und um diese Zeit sollte er eigentlich in der Schule sein. Erneut seufzte er und öffnete leise die Tür, in der Hoffnung, unentdeckt zu bleiben. Er schlich die Treppen hoch, dank seines neuen Daseins war er vollkommen lautlos und schloss sich in seinem Zimmer ein. Er stellte die Tüte mit dem Plastikbecher auf den PC-Tisch und musterte sie ausgiebig. Er legte Mantel und Brille wieder ab, setzte sich an