Fanfic: Blutmond (überarbeitet)

den PC, schaltete die Kiste ein und loggte sich im Internet ein. Er verbrachte Stunden mit der Suche nach einem Hinweis was ihm passiert war, aber nichts. Nebenher trank er sein Blut, als sei es eine Flasche Cola und suchte weiter. Aber irgendwann hatte er selber die Nase voll und gab auf. Mit diesen dämlichen Klauen zu tippen war auch nicht gerade einfach und die Flügel hinderten ihn am gemütlichen Sitzen. Für den Rest des Tages ließ er sich nicht wirklich bei seiner Familie blicken. Er entschuldigte sich nur, dass er sich nicht gut fühlte und selbst das rief er nur aus dem Zimmer und schloss sich ein.
Am nächsten Morgen wurde er erneut von dem unbarmherzigen Wecker geweckt. Murrend stand er auf, tapste ins Bad und stieg unter die Dusche. Und hier zeigte sich das neuste Problem. Mit den Dingern auf seinem Rücken wurde das Duschen zu einem Akt der Akrobatik, denn diese Teile waren echt empfindlich und Kontrolle über sie hatte er nicht wirklich. Bis jetzt hatte er sie noch nicht wirklich bewegt. Das Bad war geflutet und er hatte aufgegeben und stand nun murrend mit der Zahnbürste im Mund vor dem Spiegel. Solche Beißerchen mussten gepflegt werden immerhin konnte er damit nicht zu einem Zahnarzt, wenn es mal nötig sein sollte.
Er schaffte es, sich an seiner Familie vorbei zu schleichen und unerkannt in die Schule zu kommen, erneut plünderte er die Konserven aus dem Krankenzimmer, wer wusste schon, wann er das nächste Mal was bekam. Nun wartete er hier an seinem Platz, immer noch mit Mantel und Sonnenbrille, dabei hatte er nun wirklich wichtigere Sorgen aber auch keine Ahnung, was er tun sollte und es war allemal besser, als zu Hause zu vergammeln. Dann kam sie wieder, diese Klatschtussi vom Vortag, ob sie was gesehen hatte?
Sauer sah er sie an und widmete sich wieder seinem Buch. Die Hände lies er unter seinem Tisch, er musste es vermeiden aufzufallen auch, wenn ihm das nicht wirklich gelang. Langsam füllte sich das Zimmer und er wurde natürlich sofort wieder gehänselt und beschimpft. Also echt solche Kleinkinder immerhin waren sie alle erwachsen.
Er ließ es sich wie immer gefallen und überstand den Unterricht bis zur Pause. Jedes Mal, wenn er seinen Mantel ausziehen sollte, faselte er was von Sommergrippe und bei der Brille meinte er was von Sehhilfe mit selbst tönenden Gläsern.
Erst auf dem Schulhof wurde es gefährlich. Man hatte es satt, dass er sich nicht anpassen wollte. Eine Schlägertruppe von 10 Mann ging auf einmal auf ihn los. Sie traten auf ihn ein und prügelten. Es tat ihm nicht wirklich weh. Erst als er Tritte auf seine Flügel abbekam, brüllte er vor Schmerzen. Er verbiss sich im Bein einer der Schläger und durchdrang mit seinen Zähnen leicht die Jeans. Er durchdrang auch die Haut und das süße Blut lief in seinen Mund. Er hätte es genossen, aber die Tritte hörten nicht auf. Man entriss ihm den Mantel und starrte ihn dann an, als sei er ein kleines, grünes Männchen. Eine Flasche traf ihn am Kopf. Außer einer anderen Ecke hörte er, wie jemand Monster rief. Was sollte das. Er hatte doch nichts getan, außer einen zu beißen. Denn dessen Blut lief in einem kleinen Rinnsal sein Kinn entlang. Aber das war reine Notwehr. Erneut wurde eine Flasche geworfen und bei dieser einen blieb es nicht. Er sprang auf und rannte. Er hatte Angst um sein Leben.
Er kannte die Schläger auf seiner Schule, die hatten keine Skrupel, einen Krankenhausreif zu prügeln, wenn man sie nur falsch ansah.
Irgendwann lief er wieder noch mal. Seine Flügel schmerzten, die waren echt empfindlich, wie er feststellen musste. Angestarrt wurde er trotzdem. Für ein Monster hielten ihn alle. Er hatte sich das doch nicht ausgesucht. Er war schon immer ein Einzelgänger aber dieser Ekel, mit dem man ihn ansah, zerriss ihn innerlich. Wieder zu Hause und fest entschlossen, sein Zimmer nie wieder zu verlassen. Erst mal musste er sich den Dreck abwaschen. Wieder stand er im Bad vor dem Spiegel. Er hasste sein jetziges Aussehen. Warum er und nicht jemand anderes von den Menschen da draußen?
Mit einem gezielten Schlag mit der Faust zerschlug er den Spiegel und auch die Wand gab unter der Wucht des Schlages nach. Verdutzt blinzelte er seine Faust und das Loch in der Wand an. Langsam wunderte ihn echt nichts mehr. Er begann sich vom Dreck zu befreien, vergaß allerdings das Abschließen der Tür. Und als hätte er nicht schon genug erlebt an diesem Tag, stand auf einmal seine sehr verwirrte Mutter im Bad. Sofort sprang er hinter den Duschvorhang, doch es war zu spät. Sie hatte es gesehen. Der Wäschekorb fiel zu Boden und die Mutter stand wie erstarrt da. Was hatte sie da gesehen? Was zur Hölle war das? „Drake?“ Zögerlich fragte sie den Duschvorhang oder besser gesagt, die Gestalt dahinter.
„Geh weg…das hättest du nie sehen sollen“
„Was in Gottes Namen?“
„Gott? Der hat nichts damit zu tun“, unsicher steckte er den Kopf hervor.
Seine Mutter musterte ihn. Sie hatte Angst. Dieses Ding da war nicht mehr ihr Sohn, es war irgendwas, aber nicht ihr Sohn. Sie wollte schon schreien und vor dem Monster fliehen, doch der gequälte Ausdruck der schneeweißen Augen brach ihr das Herz. Zögerlich ging sie Schritt für Schritt auf die verängstigt wirkende Gestalt zu, die sich zitternd immer weiter an die Duschwand drückte. Sie überwand ihren Ekel und nahm ihren eiskalten Sohn in die Arme. Ihr wurde schlecht von dem Anblick und von dem Blutgeruch, der ihn umgab. Ein Würgen konnte sie nur schlecht unterdrücken. Drake konnte sich nicht mehr halten. Er klammerte sich an sie und fing an, zu weinen. Das war alles zu viel für ihn. Er wollte nicht mehr. Schluchzend hing er in ihren Armen. Während sie ihrem Sohn durch die Haare strich, spürte sie, wie sich seine Klauen in ihre Arme bohrten. Das tat weh, aber sie ließ ihn gewähren. Er war wirklich eiskalt, wie ein toter und sie musterte ihn weiter. Die nun schlaff herunterhängenden Flügel eines Dämonen machten ihr Angst, genauso, wie die blutigen Tränen die ihr Oberteil einsauten. Aber dieses Ding war immer noch ihr Sohn, wenn er sich auch verändert hatte. Sie ließ ihn gewähren und redete beruhigend auf ihn ein. Irgendwann beruhigte er sich wieder und sah sie nur verheult an. Er sah den Ekel in ihrem Gesicht aber auch, dass sie ihn nicht verstoßen würde. Sein Vater wäre da anders. Der würde ihn wahrscheinlich exorzieren lassen.
Zitternd rückte er von ihr weg

Er drückte sich an der Wand hoch und schwankte an ihr vorbei. Er wollte nicht, dass sie ihn so anstarrt, als sei er der Teufel persönlich. Er schleppte sich in sein Zimmer, schloss sich ein und vergrub sich abermals für stunden in seinem Bett.
Die Mutter hingegen war nicht untätig. Sie besorgte ihm geistesgegenwärtig einen neuen Mantel. Immerhin konnte sie ihn nicht so rumlaufen lassen. „Es ist mein Sohn“ diese Worte wiederholte sie wie ein Gebet, nur, um sie irgendwann selber glauben können. Sie hoffte, dass dies bald geschehen würde.
Wieder zurück klopfte sie an seine Tür, geöffnet wurde ihr aber nicht, also legte sie den Ledermantel vor seiner Türe ab und machte sich daran, das Abendessen zuzubereiten. Geistesabwesend schnippelte sie das Gemüse und seufzte. Sie begrüßte nicht mal ihren Mann als dieser von der Arbeit kam. Was würde er wohl sagen? Er, der extrem gläubige Christ?
Würde er ihn verstoßen? Und sie am Ende auch? Immerhin hatte sie dieses Vieh aus sich herausgepresst. Nein, das wollte sie nicht, sie liebte ihren Mann und dieses Monster war nicht mehr ihr Sohn. Trotzdem sagte sie ihm gegenüber nichts und sah zu, wie der Mann seine allabendlichen Rituale durchging und anfing Zeitung zu lesen.
Drake hatte sich derweil beruhigt und den Mantel schon fein säuberlich auf sein Bett gelegt und tapste unwissend die Treppe herunter. Er wusste nicht, dass sein Vater schon zu Hause war. Der Kerl, der ihn schon wegen seiner Lebensart und seiner Musik verachtete. Er war einer der Leute, die ihn für einen Satanisten hielten.
Er wollte grad was sagen, als er ihn erblickte. Wie er da saß, mit seiner Zeitung und ihn nicht beachtete. Er schlich sich Rückwärts wieder aus der Küche und hoffte, unentdeckt zu bleiben. Dies war ihm mal wieder nicht vergönnt. Denn eine seiner Schwingen hatte scheinbar nichts Besseres zu tun, als sich reflexartig auszubreiten und dabei eine Vase zu Boden zu werfen. Das Klirren ließ seine Eltern hochschrecken und er blieb wie angewurzelt stehen. Sein Vater legte die Zeitung beiseite und ging dem Klirren nach. Seine Frau wagte es nicht, sich ihm zu widersetzten. Sie wusste, wer das gewesen war. Zuerst sah er die Scherben und dann ließ er den Blick höher schweifen. Wortlos starrte er seinen Sohn an. Dabei klappte der Kiefer auf und zu wie das Maul eines Fisches. Dann fing er sich wieder, sah ihn seltsam an und ging auf ihn los „Monster“ knurrte er. „ Ich habe es doch schon immer gewusst, du bist besessen“. Er würgte seinen Sohn und hätte dieser noch geatmet wäre er wohl erstickt. Drake spürte das würge nicht mal, ihm rannen nur mal wieder die Tränen über die Wangen. Als ob er was dafür konnte, für seinen Zustand. Er wurde nicht gefragt. Auf einmal spürte er einen harten Schlag in die Magengrube. Er ging in die Knie und ächzte, hielt sich den Magen und sah die folgenden Schläge nicht kommen. Es war doch sein Vater, aber er wollte ihm nicht wehtun. Und trotzdem prügelte dieser Fanatiker auf ihn ein. So, wie die Leute an seiner Schule. Er wollte weg, er wollte so nicht leben. Er wollte sterben, was könnte er auch machen, wenn alle ihn hassten. Aus tränenden Augen sah er seien Mutter, die nur wortlos daneben stand. Stumm flehte er um Hilfe, aber sie blieb stehen und rührte sich keinen Millimeter. Er hatte die Nase voll, er spürte, wie eine ihm unbekannte Wut in ihm aufstieg. Diese Wut wollte seinen Vater töten, aber er ließ es nicht zu. Er stieß ihn weg und stolperte lädiert die Treppe hinauf.