Fanfic: Blutmond (überarbeitet)
Wieder in sein Zimmer, das er sorgsam verschloss. Ihm tat alles weh. Er fühlte sich wie von einem LKW überfahren. Er wollte hier weg. Er schnappte sich seinen neuen Mantel, etwas Geld und seine Stiefel. Auf einmal gab es ein knackendes Geräusch. Sein Vater war dabei die Türe aufzubrechen. Was sollte er tun? Er war im Dachgeschoss er konnte ja wohl schlecht aus dem Fenster springen, oder? Warum eigentlich nicht?
Es war besser, als von einem Irren erniedrigt zu werden. Er hatte es eilig und achtete nicht sonderlich auf die hervorstehende Metallkante am Fensterbrett, die er schon längst beseitigen wollte.
Er öffnete das Fenster, dass sehr viel kleiner war als das er da einfach Rausteigen hätte können und blickte sich noch mal um. Er hatte die Türe geknackt und starrte ihn an. Immer wieder rief er ihn mit Dämon. Hastig zwängte er sich durch das Fenster und blieb an dem Metallstück hängen, das sich in seine Hüfte bohrte. Schmerzvoll jammerte er auf, aber er hatte keine Zeit, sich jetzt darum zu kümmern. Er ließ es stecken und brach es ab, bevor er sich aus dem Fenster stürzte. Den Mantel fest in die arme gedrückt fiel er nur ganz kurz, denn reflexartig breiteten sich seine Flügel aus und ermöglichtem ihn eine einigermaßen sanfte Landung im Garten. Den stechenden Schmerz in der Hüfte ignorierend begann er zu rennen, er sah sich nicht um, wollte sie nicht mehr sehen. Nach einiger Zeit war er zu erschöpft zum rennen, er traute sich nicht, dass Metall aus der Hüfte zu ziehen, denn es schmerzte höllisch und wer weiß, was er sich verletzt hatte. Er legte sich den Mantel über und lief zur nächsten Bushaltestelle. Wo sollte er hin? Egal Hauptsache weg von hier. Am besten in die Stadt. Da gab es Essen und viele Orte zum Verstecken. Um die Ecke wartete er auf den nächsten Bus und als dieser parkte, kletterte er geschickt, wie von Geisterhand gelenkt, auf dessen Dach und drückte sich fest an. Für seine Klauen war es kein Problem, sich in die Karosserie des Fahrzeuges zu bohren. Ihm war kalt, er hatte Hunger und unsagbare Schmerzen, aber er hielt durch. Einerseits wollte er sterben, aber andererseits hing er an seinem Leben.
In London angekommen sprang er vom Bus und wurde gleich an sein Problem erinnert. Aber bevor er sich darum kümmerte, wollte er essen. Nur woher nehmen mitten in der Nacht?
Diese Frage beantwortete sich von selbst, als er von einem Rowdy belästigt wurde, der sein Geld forderte. Wie aus Reflex riss er den Kerl zur Seite und drückte den Kopf beiseite. Da lag er nun vor ihm, der nackte Hals, das pulsierende Blut darunter konnte er förmlich sehen. Aber er ließ ihn los. Er war kein Mörder und das würde so bleiben. Er ließ den verdutzten Kerl stehen und schleppte sich in eine Seitengasse, in der er wegen der Schmerzen zusammenbrach.
Geweckt wurde er äußerst unsanft, indem ihm irgendjemand einen Eimer kaltes Wasser ins Gesicht klatschte.
Das helle Licht der Umgebung blendete ihn und doch versuchte er, irgendwas zu erkennen, besonders die Männer, die neben ihm standen. Erst jetzt merkte er, dass er gefesselt war. Panisch versuchte er, sich zu befreien.
„Lass es Kleiner! Das schaffst du eh nicht, endlich bist du wach. Wir dachten schon, du schläfst für immer“ sprach einer der Männer „Okay Doc, der Kleine ist wach, endlich nach 2 Wochen“, er konnte das eiskalte Grinsen des Mannes erahnen. Das helle Licht einer OP-Leuchte wurde ausgemacht und langsam konnte er wieder was erkennen. Er hob den Kopf nur um zu erkennen, dass sein Körper mit frischen und alten Wunden übersäht war. Allerdings steckte das Ding in seiner hüfte immer noch drinnen. Die Männer hatten beschlossen, es zu lassen, damit er nicht so leicht fliehen konnte.
„Die Regenerationsfähigkeit des Kleinen ist erstaunlich“
Ein Mann trat in sein Sichtfeld und spielte lässig mit einem Skalpell. „Mal sehen, was er so aushält.“ Was die nächsten Wochen folgen sollte, war die Hölle für Drake. Er wurde aufgeschnitten und irgendwelchen Foltern unterzogen. Dann wurde er immer wieder aufgepäppelt, nur, um wenig später noch schlimmer gefoltert zu werden. Er wünschte sich Tag für Tag zu sterben. Aber dieser Wunsch wurde ihm nicht erfüllt. Bald war die Wunde seiner Hüfte das geringste Problem. Mit seiner Hilfe erfand man den Freakchip, aber das sollte er nie erfahren. Mittlerweile war es Herbst und der Kleine hasste die Männer, die ihn jeden tag von seinen Ketten befreiten und wieder ins Labor schleiften. Neuerdings hörte er sie immer fluchen, dass irgendjemand ihre Freaks tötete und er war froh, dass sie sich nicht ungehindert vermehren konnten. In all den Wochen hatte er seinen Stolz behalten. Er wollte hier nur weg, aber er wusste nicht wie. Er war niemals wirklich alleine und wenn, dann nur angekettet und er hatte es versucht, aber die Ketten waren zu stark für ihn.
Wieder einige Tage später hing er wie immer in den Ketten…nur diesmal kam keiner, der ihn holte. Generell war niemand gekommen in den letzten Tagen. Hatten sie ihn vergessen?
Das war seine Chance. Er konnte abhauen, wenn er sich nur hier befreien konnte. Er stemmte sich mit aller Kraft in die Ketten, wieder und wieder zerrte er an ihnen, ignorierte die Schmerzen, ignorierte die Erschöpfung. Stemmte sich gegen die Wand und zog, stundenlang dauerte diese Prozedur, aber sie zahlte sich aus. Irgendwann rissen die Ketten und er war frei. Er konnte es noch gar nicht glauben. Aber zum Freuen konnte er sich später noch Zeit nehmen. Nun war es Zeit, hier zu verschwinden. Vorsichtig öffnete er seine Zellentür, doch niemand war da. Der ganze Gebäudekomplex war ausgestorben. In einer Kiste im Labor fand er seine Sachen. Sie waren blutig, aber immerhin musste er nicht mehr nackt herumlaufen. Dieses verfluchte Metall in der Hüfte. Er musterte es und er musste es loswerden, sobald er hier raus war. Humpelnd näherte er sich dem Ausgang, doch so alleine, wie er dachte, war er nicht. Ein Freak und seine Ghouls tauchten hinter ihm auf. Er hatte keine Lust, als Snack zu enden und humpelte schneller, doch die Gestalten verfolgten ihn unablässig. Draußen regnete es in Strömen und er spürte, wie unter den Wochenlangen Qualen seine Kondition gelitten hatte. Sie holten ihn ein. Es war egal, wer das war und warum sie ihn verfolgten. Er musste sie loswerden. Bis zum Trafalgar Square. Müde, erschöpft, frierend und durchnässt stand er ihnen nun gegenüber. Und als sie ihn angriffen, war es als würde etwas anderes die Macht über ihn übernehmen. Er tickte aus und, ungeachtet der eigenen Handicaps, verarbeitete er sie alle zu staub. Das blut seiner Opfer klebte an seinen Klauen, als er wieder zu sich kam. Was hatte er getan? Er verabscheute sich selber dafür. Wie in Trance schlurfte er durch den Regen, er hatte keine Ahnung wohin er ging. Er folgte seinen Füßen nur in eine nahe gelegene Kirche, wo er sich auf dem Dach erst einmal versteckte und nun sein Schicksal bedauern konnte. Aber nicht mal hier war er alleine, denn eine dunkle in rot gehüllte Gestalt formte sich aus der Dunkelheit….