Fanfic: Fire Curse
ziemlich Prächtigen, der bunten Teppiche, stand ein riesiger aus edlem Holz geschnitzter Stuhl mit vier hölzernen Füßen, die die Form gigantischer Pranken eines Löwen oder Ähnlichem besaßen. Er besaß außerdem zwei breite Armlehnen mit eingeschnitzten Zeichen und Figuren. Auch die große Rückenlehne und der Rest des Stuhls waren mit den seltsamen Schriften verziert.
Auf ihm thronte der wohl gutaussehenste Mann den Keichi je gesehen hatte. Im Gegensatz zu den Alten im Dorf, war dieser Mann wohl um Jahre jünger. Er hatte ein junges, freundliches Gesicht mit dunklen blauen Augen und einem kantigen Kinn. Seine schwarzen Haare standen zerzaust in alle Richtungen, wurden nur von einem lederfarbenen Band, das um seine Stirn gebunden war, zusammengehalten. Sein Gesicht sah ernst, aber auch nervös und freundlich aus. Keichi schätzte, dass dieser Mann so um die 30 Jahre alt sein musste.
‚Und da sprechen, die vom ‚Oberältesten’….’
Auch er war wie Kite sehr gut gebaut, hatte ebenso starke Muskeln und kräftige Hände. Er war schlank und sein roter Umhang betonte dies unübertrefflich. Um seinen Hals glitzerte eine goldene Kette mit dem Zeichen eines Auges darauf.
Doch der Mann war nicht alleine im Raum. Um ihn herum standen zwei weitere junge Männer und eine hübsche Frau mit langem blondem Haar. Shiori stand etwas abseits von ihnen und hielt sich ehrfürchtig im Hintergrund.
Als Keichi endlich das Mädchen erblickte, wollte er schon rasch zu ihr laufen, doch sie wies ihn mit einem warnenden Blick ihrer Augen ab und deutete damit abhaltend auf den schwarzhaarigen Mann. Verwirrt blickte er von ihr zu diesem und wieder zurück und wusste nicht, was er jetzt tun sollte. Der junge Herr und die anderen Zuschauer musterten den Jungen aufmerksam. Dann hob der Schwarzhaarige die Hand und winkte ihn zu sich: „Tritt näher, mein Junge.“
Er blickte unsicher zu der Sarutei hinüber. ’Hilf mir!’ Das Mädchen lächelte. Sie hatte sein Flehen verstanden. „Meister“, warf sie schnell ein, „das ist der Junge, den ihr verlangtet.“ Sie trat rasch an Keichis Seite und verpasste ihm einen ruckartigen Schlag mit dem Ellenbogen in die Seite, woraufhin der Brünette schmerzvoll zusammenzuckte. „Hey, was sollte das denn?“, zischte er wütend, aber leise, sodass niemand etwas mitbekam. Shiori kniete bereits auf dem Boden und hatte den Kopf gesenkt. „Runter!“, zischte sie zurück, packte seine Hand und zog ihn unsanft zu Boden. Seine Knie schlugen grob auf den Grund auf und er fluchte leise.
„Was soll das, Shio?“
Shiori legte ihm warnend einen Finger auf die Lippen und bedeutete ihm damit still zu sein. „Überlass das einfach alles mir, okay? Du musst dich nur respektvoll benehmen und dich verbeugen und was man eben so macht. Das schaffst du schon!“
Der Mann trippelte ungeduldig mit den Fingern auf der Lehne. Shiori bemerkte seine Nervosität und stand flink auf.
„Ich freue mich, Sie wieder zu sehen, Meister Ryoku“, sprach sie mit ehrvoller Stimme und machte einen kleinen Knicks vor dem Thron. „Wie Ihr seht, habe ich meine Aufgabe erfüllt. Hier ist der Junge, den Ihr zu den fünf Auserwählten auserkoren habt.“ Sie reichte Keichi ihre zierliche Hand und führte ihn rasch nach vorne. Irgendwie kam er sich albern vor, doch er zog es vor zu schweigen und einfach mitzuspielen. „Ich danke dir, Shiori.“ Der Mann lächelte. „Das hast du sehr gut gemacht. Du kannst nun gehen.“ Das Mädchen nickte gehorsam, verbeugte sich noch einmal und machte sich dann wieder auf den Weg nach draußen. Im Vorbeigehen raunte sie Keichi versteckt ins Ohr: „Ich warte draußen auf dich. Viel Glück!“ Sie zwinkerte ihm ermutigend zu dann verschwand sie hinter der Tür. Keichi sah ihr hilflos hinterher. Nun waren nur noch die vier weiteren Personen und er in dieser Hütte. Der Oberälteste ergriff zuerst das Wort: „Es freut uns sehr, deine Bekanntschaft zu machen, Keichi. Wir haben lange auf diesen Moment gewartet, glaub mir. Doch zuerst würde ich mich gerne vorstellen. Mein Name ist Ryoku und ich bin der Stammesvorsitzende der Sarutei, oder eben einfach, der Oberälteste. Ich bin dir sehr dankbar, dass du kommen konntest. Das hier“, er nickte in die Richtung eines kleinen hageren Mannes mit mausgrauem Haar und einem auffallenden goldenen Ohrring am linken Ohr, „ist Meister Doron, Stammesführer der Kurotei.“ Dieser brummte etwas Unverständliches, das wohl so etwas wie ’Tag.’ heißen sollte. „Dann hier“, erklärte der Schwarzhaarige weiter und deutete auf den weiteren Mann, „Meister Jakoru, Stammesvertreter der Heritei.“ Der junge Herr mit rotblonden Locken und einem kleinen Kinnbart nickte ihm freundlich entgegen und hob die Hand. Keichi erwiderte schüchtern den Gruß. Schließlich deutete Ryoku auf die letzte Anwesende im Zimmer: „Und hier die letzte, jedoch wohl bezaubernde Stammesführerin unter uns, Miss Elyana, Vorsitzende der Maritei.“ Die überaus hübsche blonde Frau trat liebenswürdig lächelnd auf den Jungen zu und reichte ihm ihre Hand. Keichi sah ihr verlegen ins Gesicht. Elyana hatte zarte weiße Haut und eisblaue Augen. Keichi fand, dass sie verblüffende Ähnlichkeit mit einer Elfe hatte, wenn auch ohne Flügel. „Freut mich sehr, Sie kennen zu lernen, Meister Keichi“, sprach sie mit der wärmsten Stimme, die er je gehört hatte und klimperte verführend mit ihren langen Wimpern. Der Brünette spürte, wie ihm zugleich die Röte ins Gesicht schoss, und er wandte sich deshalb schnell wieder Ryoku zu, der eben wieder zu reden ansetzte.
„Jetzt, da wir uns nun alle vorgestellt haben, außer dir Keichi, aber wir wissen bereits alles, was wir über dich wissen müssen, würde ich dir gerne erklären, weshalb und warum ich dich hierher bestellt habe. Bitte nimm doch Platz.“ Er wies auf einen weiteren der fünf Stühle und Keichi setzte sich dankbar, da ihm schon vom vielen Stehen und Laufen die Füße wehtaten. Unsicher baumelte er mit den Füßen und blickte scheu von einem Gesicht zum andern. Alle hatten ernste Mienen aufgesetzt und in der Luft lag eine Art stille Spannung, die jedoch noch deutlich zu spüren war. „Hör zu, mein Junge“, krächzte der Mann mit rauchiger Stimme und dem mausgrauen Haar und spielte währenddessen mit zitternden Fingern an seinem Ohrring, „die Sache ist die: sicher hat dir das kleine Mädchen schon alles berichtet….“
’Kleines Mädchen?’, Keichi hob die Augenbrauen. Nach einem ‚kleinen Mädchen’ sah Shiori nicht im Geringsten aus. Trotzdem folgte er der Frage gehorsam und antwortete: „Ja, aber ich verstehe noch nicht ganz, was ich eigentlich tun soll.“ Ryoku schenkte ihm ein einsichtiges Lächeln. „Das ist schon in Ordnung“, erwiderte er, „wir werden dir alles erklären, was du wissen musst, also hör gut zu.“ Jakoru, der stramme Heritei holte tief Luft und räusperte sich, dann setzte er zu reden an:
„Es begann alles vor etwa drei Jahren, als es das erste Mal passierte. Ich kann mich noch genau erinnern, es war ein heißer Sommertag und die Hitze der Sonne brannte erbarmungslos auf die Erde. Wir hatten ein paar Männer losgeschickt, um die Gegend zu überprüfen…doch es dauerte nicht lange, bis die ersten unserer Krieger schon wieder ins Dorf zurückgestürmt kamen. Sie schrieen und griffen sich immer fassungslos an die Stirn…sie waren ein furchtbarer Anblick. Sie mussten etwas Grausames hinter sich haben, denn ihr Benehmen war äußerst beunruhigend. Und schließlich berichteten sie was geschehen war.“ Der Junge sah, wie der rothaarige Heritei erbleichte und den Kopf schüttelte. Offenbar hatte er nicht die Kraft, weiter zu sprechen. Elyana erzählte deshalb mutig weiter, wenn sich auch ihre Miene stark verfinsterte.
„Die Männer berichtete von einem grausamen Feuer, ein Feuer, das mit seinen glühend roten, todbringenden Flammen ein ganzes Dorf vernichtet hatte. Sie erzählten, der Anblick wäre entsetzlich gewesen. Überall…lagen Leichen. Heritei, Mädchen und Jungen, Frauen und Männer…alle tot und bis auf die Knochen verbrannt. Es…war grausam. Ich habe es selbst gesehen! Wir dachten, eine Hütte hätte durch die große Hitze Feuer gefangen und dass sich dieses verbreitet hätte…aber selbst dann hätte es Überlebende geben müssen. Doch es gab keine….“ Elyana senkte den Kopf und nach kurzem Schweigen fuhr sie fort.
„Das Schlimme war, dieser Vorfall blieb nicht der Einzige. Nach einer Weile wurden immer mehr Dörfer von den todbringenden Feuern heimgesucht. Es…war schrecklich. Wir wussten nicht was wir tun sollten! Und die Zeit kam, in der alles noch viel schlimmer wurde. Wir mussten etwas unternehmen, mussten dem Treiben ein Ende bereiten. So konnte es nicht weitergehen.“
Doron, der alte Kurotei, der bisher geschwiegen hatte, fiel der jungen Dame ins Wort und löste sie somit mit dem erzählen ab.
„Wir wussten, dass das Feuer nicht aus Zufall entstand, sondern dass jemand oder etwas dafür verantwortlich sein musste. Es musste jemanden geben, der das Feuer steuerte oder heraufbeschwor.
Eines Tages, alle waren dabei, Pläne gegen das Wesen zu schmieden, traf die letzte katastrophale Nachricht ein. Das Feuer hatte auch eine Stadt aus der anderen Welt niedergebrannt, Kirjaka, und wie in den angegriffenen Dörfern hier, blieb kein einziger Überlebender übrig. Außer….“ Der alte Mann brach unerwartet ab und sah Keichi ernst an. Seine Augen glitzerten.
Ryoku setzte das Gespräch schließlich fort:
„Keichi, wir wissen, dass du selbst Opfer so eines Anschlags geworden bist und das tut uns aufrichtig Leid, doch gerade deshalb haben wir dich rufen lassen. Du hast als einziger das Feuer überstanden. Du und deine Mutter, sind die einzigen Überlebenden. Jetzt, da das Feuer auch eure Welt bedrohte, war es an der Zeit, dem Schrecken ein Ende zu bereiten.“
Die beiden Männer nickten zustimmend und Elyana ergriff darauf erneut das Wort: