Fanfic: Leos Versprechen
„Doofe Frage, natürlich...Aber nicht vor dem Tod. Ich habe Angst, das wenn ich sterbe...Vera alleine klar kommen muss.“
Ihr Heer bleibt stehen. Martin nickt: „Mir geht es genauso...Kämpfen wir....“ Leo schaut nach vorne. Sie stehen dem Heer von Donir entgegen. Es ist ein großes Heer. Größer als ihres und die Soldaten, die vorne her gehen, tragen lange Lanzen und Schilde. „...Für den König...Und für Vera!“, ruft Leo als er sich mit Martin und dem restlichen Heer in den Kampf stürzt.
Viele Tage vergehen. Doch jeder Tag verläuft gleich. Vera lebt in Ungewissen. Sie weiß nicht, was mit ihrem Bruder und mit Leo ist. Sie geht Tag für Tag ihrer Arbeit nach und ißt so gut wie nichts mehr. Abends liegt sie in ihrem Bett und kann aus Angst um die Beiden nicht schlafen. „Wann...Wann kommt ihr zurück zu mir?“, ein Frage die öfter fällt als je zuvor. Sie muss oft an Leos letzte Worte denken: „Wenn ich zurück komme, werde ich dich heiraten!“ Eines Tages wurde sie von einem lauten Trommelwirbel geweckt. Ein Späher rief von einem Turm herab: „Unser Heer! Es ist zurück gekehrt! Unser Heer hat die Schlacht gewonnen!“ Vera schreckt aus ihrem Bett. Schnell zieht sie sich ihr Kleid an und läuft aus dem Zimmer, durch den Flur und die Treppe hinunter. Als sie am Schloßhof ankamen hielt sie die Augen nach ihrem Bruder und Leo auf. Viele Krieger und Ritter kamen. Manche schwer verletzt, manche leichter. Doch nirgends waren Martin oder Leo zu sehen. Sie lief aus dem Schloßtor hinaus und drängte sich zwischen den Kriegern und Rittern durch bis zum Ende. Und dort, von zwei anderen Männern gestützt, sah sie Martin. Sie rennt auf ihn zu: „Martin!“ Martin hebt den Kopf. Sein rechtes Bein und sein linker Arm ist verletzt. Vera umarmt ihren Bruder und weint vor Freude. „Ich dachte schon du wärst tot!“ Ihr Bruder legt einen Arm um sie und schüttelt den Kopf. Dann sackt er in den Armen der zwei Männern und Vera zusammen. Vera lässt ihn von den zwei Männern zu einem Heiler bringen und schaut sich weiter nach Leo um. Nirgends eine Spur von ihm. „Haben sie Leo gesehen?“, fragt sie einen Krieger, der in seiner Gruppe gewesen war. Doch dieser
antwortet: „Nein...Aber vielleicht ist er bei einem Heiler...“ Vera durchsucht jedes Heilerzelt, dass es auf dem Schloßhof gibt, doch in keinem war Leo. Sie ging zu ihrem Bruder, der gerade seinen Arm verbunden bekommt. Er ist wieder zu sich gekommen und sieht zu Vera herüber.
„Vera... ich muss dir etwas sagen....Es geht um Leo...“ Vera will es gar nicht erst hören. Sie kann an der Stimmlage ihres Bruders schon deuten, dass etwas schlimmes passiert war. Sie beginnt wieder zu weinen und legt ihren Kopf auf Martins Brust. Dieser versuchte sie zu beruhigen, doch es hilft nichts.
Ein ganzes Jahr vergeht und Vera denkt nicht mehr an die Rückkehr von Leo. Sie macht gerade das Bett von Prinz Stefan, als dieser das Zimmer betritt. „Vera....ich weiß ja, das du um Leo trauerst aber ich frage dich....Ich kann es nicht sehen, wenn du traurig bist. ..Ich würde dich gerne glücklich machen. Und ich bin überzeugt, dass du es bist, wenn du Prinzessin bist. Also...Willst du mich heiraten?“ Vera sieht ihn an und schweigt eine Weile.
Am Abend geht sie in ihr Zimmer. Dort liegt Martin auf seinem Bett und ließt ein Buch. Vera setzt sich neben ihn und beginnt leise zu sprechen: "Martin?....Ich muss dir etwas sagen....Ich werde in drei Tagen....Prinz Stefan heiraten.“ Martin sieht sie entgeistert an. „Aber ich dachte du willst Leo heiraten?!“ Vera schaut zur Seite. Sie seufzt und schließt die Augen: „Ich habe mich damit abgefunden...Leo ist nicht mehr am Leben. Er ist tapfer in den Krieg gezogen und gefallen...Er hat seine Versprechen gebrochen. Mich alleine gelassen....und kann mich nicht heiraten....Der Prinz will mir den Trost schenken, den ich brauche und von Leo nicht mehr bekommen kann.“ Sie unterdrückt die Traurigkeit, die in ihr Steckt und lehnt sich mit dem Rücken gegen ihren Bruder. Martin kann ihren Schmerz spüren und auch verstehen, wie verzweifelt sie ist. Auch wenn er nicht will, dass sie den Prinzen heiratet, überläßt er ihr die Entscheidung.
Noch drei mal muss sie die Zimmer der Königsfamilie aufräumen, noch drei mal hilft sie Klara beim Tischdecken. Noch drei mal schläft sie. Am dritten Morgen wacht sie auf. Heute soll sie die Frau von Prinz Stefan werden. Heute, soll sie die Prinzessin werden. Heute, soll sie ihre letzten Erinnerungen an Leo vergessen. Sie steht auf und zieht sich an. Sie muss nicht mehr die Zimmer aufräumen, eine Zofe geht neben ihr her und trägt ein zusammengefaltetes weißen Brautkleid auf den Händen. Langsam geht sie mit der Zofe in ein Zimmer, indem noch viele andere Zofen und Dienstmädchen auf sie warten. Als sie wieder herauskommt, ist es fast Mittag. Sie trägt ein langes weißes Brautkleid mit vielen Stickereien und Perlen. Ein goldenes Amulett liegt um ihren Hals. Ein Kranz aus roten Rosen schmückt ihrem Kopf. An dem Kranz ist der hüftlange Schleier befestigt. Langsam stolziert sie mit den Zofen und Dienstmädchen hinunter zu der kleinen Kapelle, in der schon alle auf sie warten. Vor der Kapelle steht ihr Bruder und der König. Der König lächelt ihr fröhlich zu und streckt ihr den Arm entgegen. Die Kirchenglocken beginnen zu läuten und Vera hakt sich bei dem Arm des Königs ein. Langsam im Takt der Musik schreitet sie mit dem König zusammen nach vorne zum Altar. Dort steht der Prinz in einem dunklen Jackett und einer dunklen Hose. Kurz vor dem Altar löst Martin den König ab und führt Vera weiter bis zu Stefan. Der Pastor beginnt zu sprechen: „Liebe Gemeinde, Liebe Königsfamilie. Wir haben uns heute hier versammelt, um zwei besondere Menschen miteinander zu vermählen...“
.....
„Willst du, Prinz Stefan Wallachim die hier Anwesende Vera Schell zu deiner rechtmäßig angetrauten Ehefrau nehmen, so antworte mit ja, ich will.“ „Ja, ich will.“, antwortet Stefan und lächelt Martin zu. Martin jedoch wendet sich seinem Blick ab. „Willst du Vera Schell, den hier anwesenden Prinz Stefan Wallachim, zu deinem rechtmäßig angetrautem Ehemann nehmen, so antworte mit ja, ich will.“
Vera wird nervös und sucht halt in Stefans Augen. Doch diese strahlen keine Wärme sondern Habgier und Kälte aus. Sie muss an die blauen, sanftmütigen und klaren Augen von Leo denken. An sein Lächeln und seine ruhige aber durchsetzende Art. Sie schaut zu Martin der sie fragend ansieht. Erneut fragt sie der Pastor: „Willst du, Vera Schell, den hier anwesenden Prinz Stefan Wallachim, zu deinem rechtmäßig angetrautem Ehemann nehmen, so antworte mit ja, ich will.“ Vera beginnt zu stottern: „Ich...Ich...Ja...ich“
Die Kapellentür wird aufgestoßen. „Vera! Ich hab dich zuerst gefragt!“, drang es laut durch die Kappelle. Veras Herz beginnt zu rasen. Sie erkennt die Stimme. Sie weiß ganz genau wer es ist, der im Eingang der Tür stehen muss. Doch sie kann es nicht glauben. Alle in der Kapelle blicken nach hinten. Langsam dreht sie sich um. Leo steht in der Tür. Er stützt sich gegen die erste Bank der Kapelle. „Leo!“, ruft Vera und läuft so schnell sie kann auf ihn zu und umarmt ihn. Wieder bedecken Tränen ihr Gesicht und auch Martin kommen die Tränen. Leo drückt Vera fest an sich und lächelt. Dann sagt er leise: „Hast du wirklich geglaubt, dass ich mein Versprächen breche?“ Vera schaut ihn glücklich an: „Nein...Aber ich habe es mir immer wieder eingeredet...“ Stefan schaut nur mit offenem Mund zu als Vera Leo zu dem Altar zieht. Als er etwas sagen will, preßt Martin ihm seine Hand auf den Mund und schaut zu, wie Vera dem Pastor die neuen Namen mitteilt. „Also, ich hoffe, dass das jetzt deine richtige Wahl ist Vera.....Also....Willst du, Leo Froh, die hier Anwesende Vera Schell zu deiner rechtmäßig angetrauten Ehefrau nehmen, so antworte ja, ich will.“ „Ja, ich will“ Leo lächelt zu Vera herüber.
„Willst du Vera Schell, den hier Anwesenden Leo Froh zu deinem rechtmäßig angetrautem Ehemann nehmen, so antworte mit ja, ich will.“ Vera blickt Leo an und sagt: „Ja, das will ich!“ „Sie sind nun Mann und Frau. Sie dürfen die Braut jetzt küssen!“ Vera und Leo schauen sich an. Leo zieht Vera zu sich heran und küsst sie. Alle in der Kapelle klatschen. Sogar der König, dessen Sohn eine Abfuhr bekommen hat, klatscht Beifall.
„Ich halte meine Versprechen...Das habe ich immer getan!“, sagt Leo als er Vera aus der Kapelle trägt.
„Los Rebecca! Lass uns Verstecken spielen!“
„Ja! Du suchst Jerry!“
„Ach man...Immer ich!“
„Nun, fang schon an zu zählen!“
„Och nee....eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs....“
The End
Von Ulrike Wodnik