Fanfic: Orion
gehört. Das Gewicht ihres Kopfes auf meine Bauchdecke verschwindet und ich kann ihren prüfenden Blick auf mir fühlen. Ich öffne die Augen.
"Sag das nicht", sagt sie bestimmt, "sag es nicht." Ihre Augen spiegeln einen ungewöhnlichen Ernst wieder, und ich runzele verwirrt die Stirn.
"Was?" frage ich konfus, "warum denn nicht?"
Sie rollt sich auf den Bauch, stützt sich auf die Ellbogen auf und starrt auf ein Gänseblümchen. Der Wind fährt sacht durch ihr Haar und ich muss der Versuchung, sie zu berühren, fast gewaltsam widerstehen.
"Weil ich nicht glaube, dass du es tust", meint sie dann, den Blick immer noch auf das Gras vor ihr gerichtet, "auch wenn du es vielleicht glaubst."
Ich blinzele verblüfft und stütze meinen Kopf auf dem Arm ab. "Was redest du da bloß?"
Ein kleines Seufzen entfährt ihr. "Wir kennen uns schon so lange", erklärt sie, "und wir haben immer alles zusammen gemacht. Du hattest gar nicht die Chance, jemand anderes kennen zu lernen. Du denkst nur, dass du mich..." Ihre Stimme wird schwächer und sie dreht ihr Gesicht weg, sodass ich nur noch ihren Hinterkopf sehe.
"... liebst?!" komplettiere ich ihren Satz ein wenig ungeduldig und mit einem Hauch von Spott in der Stimme. So hatte ich mir die Situation nicht unbedingt vorgestellt, wenn ich meiner Freundin meine Liebe gestehe. Viel mehr Körperkontakt und weniger Worte.
"Ja", bestätigt sie mit leicht belegter Stimme und wirft mir endlich einen scheuen Blick zu. Täusche ich mich - oder sehe ich da so etwas wie Angst?
"Leia", sage ich schließlich, nachdem ich einige Sekunden vergeblich darauf gewartet habe, dass sie weiterspricht, "ich schätze, ich weiß ziemlich genau was ich fühle."
"Weißt du eben nicht!" widerspricht sie heftig und setzt sich ruckartig auf, ihren Blick auf den Horizont gerichtet.
Wie, frage ich mich dumpf, konnten wir von einem Wolkenschaf in diesen dummen Streit geraten?
Ich schlucke und sage leise: "Es ist in Ordnung, wenn du mich nicht liebst..."
"Das ist es nicht", unterbricht sie mich hastig und ballt ihre Fäuste, "das ist es wirklich nicht." Sie legt den Kopf in den Nacken und ihre Haare fallen ihr lang den Rücken hinab. Zu meiner Überraschung und Besorgnis glänzen ihre braunen Augen verdächtig.
"Was ist denn los?" frage ich leise und strecke die Hand aus, um ihr die Tränen aus den Augenwinkeln zu wischen, "warum weinst du?"
Sie schlägt meine Hand zur Seite als hätte sie Angst ich würde sie verbrennen und rückt ein Stück von mir weg. Ihre Lippen pressen sich zu einem Strich zusammen. "Das, was du jetzt fühlst", sagt sie dann und sieht angestrengt an mir vorbei, "das fühlst du nur, weil wir uns solange kennen. Du würdest jedes andere Mädchen, dass soviel mit dir erlebt hätte, ebenso lieben. Und du wirst irgendwann aufhören, das für mich zu fühlen. Das könnte ich nicht ertragen!" Sie schlingt ihre Arme um sich als wäre ihr kalt.
Ich lächele leicht und ziehe sie, trotz ihrer Proteste, in meine Arme. "Vielleicht", sage ich ruhig, "aber ich habe das alles nun mal mit dir erlebt. Mit dir und niemandem sonst. Um aufzuhören, dich zu lieben, müsste ich wohl nicht mehr ich sein."
Ihre Arme schlingen sich um mich und sie lacht unter Tränen in mein T-Shirt. "Du solltest nicht immer so schleimen", murmelt sie lächelnd, und wir sinken zurück ins Gras.
Das enstpricht schon viel mehr meiner Vorstellung.
"... wir müssen weiter."
Ich blinzele ein paar Mal, mehr als bloß aus der Situation gerissen - schon fast aus dem Leben gerissen, wie mir scheint, doch mein Körper erholt sich schneller als mein Verstand und folgt schon Dismas' Anweisungen, sorgsam einen Fuß vor den anderen setzend.
Er stößt die Tür zur großen Halle auf, und da stehen sie, Dutzende, und sehen mich erwartungsvoll an.