Fanfic: Orion

Kapitel: König IV

Das Lethal!! Ist es zu fassen!! :D
Falls du dich wunderst, wo deine Mail bleibt - sie wird getippt, keine Sorge. PC-Zeit ist leider aber begrenzt im Moment... Nähere Erklärungen findest du in der Mail!

Ok, alle die das jetzt nicht interessiert hat können sich mit Freude dem Kapitel widmen...

***

Ein unsanfter Stoß in die Magengegend weckt mich und ich japse erschrocken auf und schlage nach dem vermeintlichen Angreifer. Dieser weicht spielerisch aus und sieht kopfschüttelnd auf mich herunter. "So viele Zimmer mit Betten in diesem Haus", bemerkt er, "und du schläft ausgerechnet auf der unbequemen Couch?!"
Ich fahre mir gähnend mit der Hand durch das Haar und richte mich in eine sitzende Position auf, das protestierende Knacken meiner Schultern ignorierend. "Hab gestern noch was gelesen", erkläre ich knapp und deute auf den Wälzer, der vor mir auf dem Tischchen liegt.
Dismas wirft einen spöttischen Blick auf das Buch. "Angenehme Bettlektüre?"
Ich schnaube leise und schüttele dann den Kopf. "Nicht unbedingt, nein", antworte ich, "ich musste nur etwas nachsehen." Ihn mit einem Blick taxierend, während ich mich etwas mehr in die wohlige Weichheit der Polster schmiege, hänge ich an: "Hast du schon mal etwas über die Lahrdi gehört?"
Die Wirkung dieser Worte ist verblüffend. Er, der ach-so-beherrschte Werwolf, bar jeden Gefühls ausgenommen Spott, lässt die Maske der Coolness fallen und starrt mich
entgeistert an. "War sie hier?" fragt er heiser und stürzt zum Fenster, wohl in der Erwartung, irgendjemanden dort draußen zu sehen - und vor allem als würde er sich nichts verzweifelter wünschen, als jemanden dort zu entdecken.
"Wer - sie?" hake ich vorsichtig nach, ihn ein wenig erstaunt betrachtend. Passiert ja auch nicht alle Tage, dass man Dismas solch menschliche Regungen ansehen kann.
"Louise! Louise!" antwortet er hektisch und wirft mir einen wilden Blick zu, so als wäre es völlig logisch, dass nur sie gemeint sein könnte.
"Ja", antworte ich dann wahrheitsgemäß, "sie war hier."
Mit einem Satz ist er bei mir, stößt im Vorbeigehen den Tisch mitsamt dem Buch um, packt mich bei den Schultern und schüttelt mich wie irre. "Was hat sie gesagt? Sag schon! Was hat sie gesagt?!"
Ich stoße ihn von mir weg und betrachte ihn erst einmal eingehend von oben bis unten. Wer, frage ich mich dumpf, oder viel mehr was ist diese Louise, dass sie ihn zu solch einem Schatten seiner Selbst werden lässt?
"Sie hat nur gesagt, dass sie eine Lahrdi ist", erwidere ich bemüht ruhig und hoffe still, dass etwas von meiner Ruhe vielleicht auch auf ihn übergeht, "und irgendwie wusste sie, wer ich bin."
"Natürlich wusste sie das", wirft Dismas ein und lacht plötzlich laut auf, als hätte ich einen wahnsinnig lustigen Witz gemacht, "natürlich, natürlich!" Der Lachkrampf schüttelt ihn und er muss sich setzen, was ich mit argwöhnischen Blicken beobachte. Gut, die ersten paar Sekunden war der neue Dismas ja ganz nett - aber allmählich wird er mir unheimlich.
"Dismas", sage ich bestimmt, "beruhige dich." Irgendwie hätte ich nie gedacht, dass ich diese Worte mal würde über meine Lippen bringen müssen - viel mehr waren sonst unsere Rollen immer anders herum verteilt, ich das hysterische Nervenbündel und er derjenige, der mich auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Ich kann nur hoffen, dass ich nicht in den nächsten Sekunden einen weiteren Erinnerungsschub bekomme und mich dann seinem schwachsinnigen Gelächter anschließe, bis uns einer der Boten findet. Das wäre wohl nicht sehr förderlich für meine neue Königsstellung.
Sein Lachen ebbt langsam ab und er legt den Kopf in den Nacken und starrt die Decke an. Von einer Sekunde auf die andere ist er völlig ruhig geworden, so als hätten meine Worte irgendeine magische Wirkung gehabt.
"Lahrdi sind Dämonen", sagt er nach einer Weile, "weibliche Dämonen." Er schließt die Augen und seufzt leise. "Man könnte sie wohl guten Gewissens als das Gegenstück zu euch betrachten."
"Zu uns?" wiederhole ich verblüfft, "wie - uns? Den Boten? Den Rosar? Oder wie?"
Er runzelt leicht die Stirn. "Was hast du denn mit den Rosar zu schaffen?"
Ich überlege eine Sekunde, ihm von meiner komplizierten Situation dieser Rasse gegenüber zu berichten, entscheide mich aber schließlich dagegen. Nicht unbedingt der richtige Zeitpunkt, um ihm mit so einem erneuten Schock zu kommen. "Lange Geschichte", antworte ich daher ausweichend.
Er sieht mich weiterhin eindringlich an, zuckt dann aber mit den Schultern und nimmt es hin - vorerst, wie mir sofort klar wird. Er wäre nicht er, wenn er nicht später nochmal in mir wegen dieser unbedachten Äußerung herumbohren würde. Aber nicht jetzt. "Wenn eine Frau sich entschließt, nicht ein Vampir zu werden - dann wird sie zur Lahrdi. Ist dir noch nie aufgefallen, dass es keine weiblichen Boten gibt?"
Mein Ausdruck muss unaussprechlich dumm sein, denn er schüttelt mit einem "Ts!" den Kopf und sieht wieder aus dem Fenster. "Ihre Kräfte sind völlig anders als eure", erklärt er geistesabwesend, "sie kämpfen mit dem Geist, nicht mit dem Körper wie ihr."
Geister. Hat das der Notiz-Schreiber gemeint?
"Und wie genau darf ich mir das vorstellen?" frage ich mit Skepsis in der Stimme. Irgendwie kann ich mir das ganze nicht wirklich vorstellen.
Er zuckt mit den Schultern. "Sie manipulieren dich. Können dich dazu bringen, die schrecklichsten Schmerzen fühlen. Sachen zu tun, die du nie tun wolltest. Können Tote vor deinem geistigen Auge auferstehen lassen. Lesen deine Gedanken."
Ich schaudere unwillkürlich und werfe, ebenso wie er, einen Blick nach draußen. Wenn das stimmt, dann sind die Lahrdi weitaus gefährlicher als ich bisher angenommen habe. Warum nur habe ich sie die ganze Jahre, die ich nun schon als Untoter über den Erdball stolziere, nicht bemerkt?
"Sie kämpfen im Verborgenen", fährt er fort, als hätte er meine Gedanken erraten - wahrscheinlich war mir die Frage deutlich vom Gesicht abzulesen, "mit völlig anderen Zielen als ihr."
"Die da wären?" hake ich nach, immer nervöser werdend. Was ich jetzt am allerwenigsten gebrauchen könnte wäre die Aussage, dass diese machtvolle Rasse heimlich die Vernichtung aller Boten plant.
Er wendet mir wieder den Blick zu und Hilflosigkeit steht in seinen Zügen geschrieben, ein Ausdruck den ich wirklich nicht von ihm gewöhnt bin. "Ich weiß es nicht", bekennt er leise, "und eigentlich bin ich deswegen hier."
Ich lege fragend den Kopf schief, und er beeilt sich anzuhängen: "Nicht nur deswegen. Also, ursprünglich kam ich natürlich wegen Mullholland... Aber diese ganze Königssache mit dir - es war klar, dass sie den Kontakt zu dir suchen würden. Es konzentriert sich zuviel Macht in dir, als dass sie das einfach ignorieren könnten." Er schluckt schwer und sieht auf den Boden. "Die Lahrdi... Louise... Sie haben meinen Sohn."

Das Baby kreischt und strampelt in Cals Armen, der es trotz dessen lautstarken Protests mit so einem glückseligen Ausdruck betrachtet, dass ich mich rasch zum Fenster wende. Das ist also mein Sohn, zischt mir durch den Kopf und ich kralle meine Finger um die Fensterbank.
"Ryan, willst du ihn auch mal halten?" fragt Cal mich und sieht mich strahlend an. Ich kann nicht ablehnen ohne dass irgendjemand Verdacht schöpfen würde, und so lächele ich gezwungen und nicke. Vorsichtig legt er mir das kleine Bündel in die Arme und ich sehe dem kleinen Wesen interessiert ins Gesicht und schlucke.
Das Baby hört auf zu schreien und betrachtet mich mit dem gleichen Interesse, lacht dann leise und streckt mir seine zierlichen kleinen Finger entgegen. Aus einem Reflex heraus hebe ich eine Hand und lasse zu, dass sich seine Hand um meinen Zeigefinger schließt.
"Er mag dich!" verkündet Cal leise und lacht fröhlich, "und er hat aufgehört zu schreien!"
"Ja", sage ich geistesabwesend und wiege das Kind sanft in meinen Armen hin und her, das genießerisch die Augen schließt und mit den Füßen wackelt.
Cal wendet sich in einer fließenden Bewegung zu Elaine um, die uns beide mit einem schwer zu deutenden Gesichtsausdruck betrachtet. "Hast du schon einen Namen für ihn, Schatz?" Er greift nach ihrer Hand, an dessen Ringfinger ein schmaler Goldring blitzt.
Sie nickt und lässt uns nicht aus den Augen. "Ich finde, Ryan wäre eine gute Idee", sagt sie dann, "oder hast du etwas dagegen?"
Ich hebe den Blick und werfe ihr einen kühlen Blick zu. "Nein", erwidert Cal, obwohl ich mir sicher bin, dass die Frage an mich gestellt war, "ich hab auch schon an so etwas gedacht." Er sieht mich wieder an und bemerkt verwirrt den kalten Ausdruck, der sich in meine Augen geschlichen hat. "Was meinst du, Ryan?"
Ich blinzele ein paar Mal und sehe wieder auf das Baby herunter. Es lächelt leicht. "Ich fühle mich geehrt."

"Sohn..." murmele ich leise und meine Fingernägel bohren sich so fest in das Polster des Sofas, dass der Stoffbezug an einigen Stellen nachgibt und etwas watteähnliches sich gegen meine Handfläche drückt, verstörend weich.
"Ja", erwidert Dismas, anscheinend zu sehr mit sich selbst beschäftigt um meinen Stimmungsumschwung zu bemerken, "ich und Louise... Wir waren ein Paar. Sie wurde schwanger. Mir war nicht einmal klar, dass sie schwanger werden konnte... schließlich war sie tot! Zumindest ein großer Teil von ihr! Sie hat mir nie gesagt, wie es passieren konnte... Und ich habe sie nie wieder gesehen.