Fanfic: Orion
Kapitel: König VI
TJa, ich vermute ja dem Kapitel mangelt es an Qualität. Aber ich wollte das Viech endlich von meinem PC runter haben, es hat mich endlos genervt. Wargh, furchtbar. Tja, müsst ihr mit leben, haha.
***
Irgendwie ärgert mich diese Äußerung maßlos. Machtlos, weil ich mächtig bin. Was für ein gelungenes Wortspiel.
Am liebsten würde ich ihn kräfitg schütteln um ihn endlich von der hirnrissigen Idee abzubringen, dass an mir irgendetwas besonderer sein soll als an jemand anderes. Gut, meinetwegen hatte ich Kräfte, die mich auf eine gewisse Weise auszeichneten. Aber was ist sonst so, wie er sagt, einzigartig an mir?
Mit Entsetzen spüre ich eine tiefe Trauer in mir aufwallen - wieder einmal.
Das Einzige, was besonders an mir ist, war sie.
"... und jetzt wird ihr guter Freund Ryan Ope ein paar Worte sagen. Ryan." Der Direktor wirft mir durch seine schwarz gerandete Brille einen ernsten Blick zu, und ich nicke und steige langsam auf die Bühne. Wieder mal im Anzug, wieder vor aller Augen - nur diesmal ohne Leia.
Ich schlucke schwer und lege meine Hände auf das kleine Podium, auf dem das Mikrofon aufgestellt ist. Ich brauche jeden Halt, den mir dieses zusammengehämmerte Holzstück geben kann, und auch wenn es völlig unsinnig ist, so fühle ich mich etwas beruhigt.
Der Geruch von Dutzenden von Blumen betäubt mich fast und das laute Surren des Dia-Projektors, der Leias Gesicht auf Überlebensgröße auf eine weiße Leinwand hinter mir projiziert, verdrängt alle Worte, die ich mir im Laufe der letzten Tage zurecht gelegt habe. Nichts bleibt außer grenzenloser Leere und dem Gefühl, schrecklich fehl am Platz zu sein - hier, ohne sie.
"Leia war", beginne ich, und meine Worte schallen hundertfach verstärkt durch die ganze Halle, die Stille durchbrechend, die sich über die Anwesenden gelegt hat, "auf jede Weise etwas ganz besonderes." Ich mache eine Pause und räuspere mich leise, den Blick an allen mitleidig auf mir lastenden Augenpaaren vorbei lenkend. "Sie liebte es, im Regen spazieren zu gehen. Dauernd war sie deswegen im Herbst krank und hatte Schnupfen, aber sie war nicht davon abzubringen. Sie sagte immer, das wäre Gottes Art, uns zu streicheln." Meine Stimme wird schwächer, und ich räuspere mich erneut. In meinem Hals bildet sich ein Kloß, und ich schlucke krampfhaft. "Sie konnte Gedichte auswendig, wenn sie sie einmal gelesen hatte. Und sie hat im Sommer viel Zeit damit verbracht, im Gras auf dem Rücken zu liegen und sich die Wolken anzugucken." Meine Stimme zittert und ich presse die Hände etwas fester auf das abgegriffene Holz. "Wenn sie gelächelt hat, musste man einfach zurücklächeln." Ich schlucke abermals und senke meinen starren Blick auf meine Hände, die so krampfhaft zu Fäusten geballt sind, dass meine Fingerknöchel weiß herausstaksen und meine Fingernägel mir in die Hand schneiden. "Sie hat es gehasst, über den Tod zu reden. Sie hat immer gesagt, der Tod käme früh genug, und wenn es soweit ist sind Worte sowieso überflüssig." Ich löse meine Finger mit größter Anstrengung und schiebe sie langsam in die Taschen meiner Hose. "Ich danke Gott, für jede Sekunde, die ich mit ihr verbringen durfte."
Unter dem Druck der auf mir lastenden Blicke trete ich bedächtig von dem Podium zurück und schreite langsam die Treppe wieder herunter. Diesmal ohne einen Umhang. Und ohne Leia.
Mit leerem Blick setze ich mich wieder auf meinen Platz und senke die Lider. ... und ich verfluche ihn dafür, dass er sie mir so früh genommen hat.
In meiner Kehle hat sich ein dicker Kloß gebildet und obwohl ich diesmal schon mitten in der Erinnerung wieder halbwegs ansprechbar war und die letzten Eindrücke eher schemenhaft an mir vorbeigezogen sind, hält die Wirkung diesmal fast noch länger an. Wie in Trance sitze ich da und starre vor mich hin, der Blick genauso ausdruckslos wie an jenem Tag in der verfluchten Turnhalle - wie lächerlich - in der zu Leias Ehren eine Art Mahnwache abgehalten wurde. Wie hätte sie darüber gespottet.
"Orion", sagt Dismas da eindringlich und ich fühle seine goldgelben Augen auf mir wie an mir klebenden Insekten, "ich brauche dich."
Langsam hebe ich den Kopf und sehe ihn an. "Ich glaube nicht, dass das eine besonders gute Grundeinstellung ist", antworte ich tonlos, "alle, die mich irgendwie brauchten, haben nur darunter gelitten."
Der Ausdruck seines Blickes ändert sich, wird etwas beunruhigt. "Danke für die Warnung", erwidert er leicht spöttisch, "aber ich habe keine Wahl, als mich auf deine Hilfe zu verlassen." Er zögert und runzelt ein wenig die Stirn. "Du wirst mir doch helfen, oder?"
Ich seufze und wende den Blick wieder ab. "Natürlich werde ich dir helfen."
Sein Gesicht spiegelt sich in der Fensterscheibe und er scheint nicht völlig zufrieden zu sein. "Ich danke dir", sagt er trotzdem, während er langsam zur Tür geht und so aus meinem Sichtbereich verschwindet, "und übrigens, es ist beruhigend, dass deine Augen wieder blau sind."
Er ist aus der Tür verschwunden, bevor ich irgendetwas erwidern kann, und ich sehe ihm nur kurz hinterher bevor ich automatisch mein Spiegelbild in der Fensterscheibe suche. Es ist ein trostloser und mir fremder Anblick, wie ich da mit hängenden Schultern, eingefallenen Wangen und trüben Augen vor mich hin stiere - ein ganz anderer Mann als den, für den ich mich bisher gehalten habe. Und keiner, den man besonders gerne kennen lernen möchte.
Den Kopf schüttelnd wende ich den Blick ab. Keine besonders schlaue Idee, die ganze Zeit den vergangenen Zeiten - welchen auch immer - hinterher zu trauern. Ich seufze leise und lege wieder meine Beine hoch, zurück in die Position in der Dismas mich gefunden hat. Langsam schließe ich die Augen und hoffe still, dass ich zumindest ein wenig Schlaf finde - wenn schon 'Ruhe' zu einem Zustand geworden ist, der ganz einfach utopisch scheint.
Trotz dieses wenig erheiternden Gedankens - oder gerade deswegen - falle ich fast augenblicklich in einen fast komatösen Schlaf, der aber wohl größtenteils meiner Erschöpfung zu zu schreiben ist.
Zur Abwechselung werde ich diesmal von einem leisen Räuspern geweckt, und als ich benommen die Augen öffne und wie eine verschlafene Eule um mich blicke, fällt mein Blick auf eine Reihe von Boten, die andächtig um die Couch herumstehen und feierliche Gesichter machen. Die Vorhänge sind zugezogen und durch den dicken Stoff erkenne ich die Sonne, die am Himmel stehen muss - anscheinend ist es Tag und ich habe tatsächlich ein wenig geschlafen.
Als hätte der Gedanke gereicht um die letzten Spuren des Schlafmangels von mir zu waschen bin ich mit einem Mal hellwach und setze mich auf. Alle vor mir stehenden runzeln synchron die Stirn, ein Anblick der mich zum Lächeln bringt. Diese so ähnlichen Gesichter mit exakt dem gleichen Gesichtsausdruck zu sehen ist als würde man im Spiegellabyrinth stehen und amüsiert mich wirklich ungemein, auch wenn mir nicht wirklich klar ist warum. Meine Psyche scheint einfach ein wenig labil zu sein, sodass egal was ich gerade fühle die Empfindung um ein Vielfaches erhöht wird.
"Sire", sagt einer schließlich auf eine leicht empörte Weise, während ich immer noch wie ein Schwachsinniger vor mich hingrinse, "eure Augen..."
Ach ja, richtig. Es ist Tag. Mein Lachen verfliegt so schnell wie es gekommen ist und ich senke für eine Sekunde den Blick. "Nichts, was euch Sorgen bereiten sollte", entgegne ich bemüht ruhig und hoffe im Stillen, dass meine Stimme so überzeugend klingt wie ich es mir wünsche.
Ob aus Respekt oder weil sie mir tatsächlich glauben - sie setzen gehorsam ein "normales" Gesicht auf und äußern sich nicht weiter zu meiner ungewöhnlichen Erscheinung.
"Wir haben einen Rosar gefunden", teilt mir einer von ihnen schließlich mit, der extrem kurze Haare hat. Sie sind nur circa einen Zentimeter lang und umfassen seinen Kopf wie ein pelziger Helm. "Aber nur ihn. Keinen anderen."
"Tatsächlich?" hake ich nach und stehe rasch auf, durch das Adrenalin, dass plötzlich durch meine Adern rauscht, nicht mehr fähig so untätig zu sitzen. "Wo ist er? Wann kann ich ihn sehen? Wo habt ihr ihn gefunden?"
Der Bote wechselt einen Blick mit einem der anderen, der ungleich längere Haare hat - sie reichen ihm knapp bis auf den Po hinab und wellen sich sacht, was ihn von hinten fast weibliche Züge verleiht. Dieser Eindruck wird jedoch von seinen markanten Gesichtszügen Lügen gestraft, die im krassen Gegensatz zu seiner Frisur stehen. "Im Park", antwortet dieser Bote langsam, "an einem See."
Ein bitteres Lächeln huscht über mein Gesicht. Natürlich am See, wo auch sonst. "Danke."
Sie nicken und gehen einer nach dem anderen aus dem Zimmer. Die letzten beiden - die sich so augenscheinlich etwas besser kennen als der Rest - halte ich mit einer Handbewegung zurück. "Wie heißt ihr?"
Wieder tauschen sie einen Blick. "Cedric", antwortet der mit den kurzen Haaren dann. "Joe", sagt der Andere.
Ich nicke ihnen zu und versuche mir ihre Gesichter einzuprägen. "Ich danke euch."
"Das müsst ihr nicht", erwidert Joe ernst, und bevor ich etwas erwidern kann fügt Cedric hinzu: "Wir bringen euch den Rosar." Und schon sind die beiden aus der Tür verschwunden.
Aufregung fließt wie Strom durch meinen Körper und versetzt mich in einen Zustand, der nur schwer zu kontrollieren ist. Glücklicherweise bin ich menschlich - ansonsten würde ich vermutlich das ganze Gebäude abfackeln, ohne dass ich es verhindern könnte. So tigere ich nur mehr wie ein eingesperrtes Tier durch den Raum und warte gespannt auf