Fanfic: Orion
Kapitel: Rosar
Lang lang ist's her.. Jaja, ich weiß. Ich komm übelst in Verzug. Aber hier ist nun das nächste Kapitel... Ich bin nicht wirklich damit zufrieden, aber dank einiger Tritte in den Hintern von einer gewissen L. habe ich mich dazu entschlossen, es trotzdem on zu stellen *lach*
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So ähnlich muss es sich anfühlen, wenn einem ein Amboss aus fünf Metern Höhe auf den Kopf geworfen wird. Ein klopfendes, dumpfes Gefühl, gepaart mit dem sehnlichen Wunsch, man möge mir den Kopf absägen und mir einen anderen geben.
"Das.. ist.. aber etwas pauschalisiert", sage ich schleppend und mit schwerer Zunge, fast als wäre ich betrunken, "ich wollte zurück. Ihr habt mich nicht gelassen."
Tizian schnaubt bloß und sieht wieder weg. "Ein Mitglied der Königsfamilie bittet nicht", antwortet er, "das solltest du doch wissen. Du bist ja schließlich auch hier jetzt König, oder nicht?" Seine Augen verengen sich und werden zu kalten, grünen Seen der Verachtung. "Anscheinend habt Ihr diesen Platz dem unseren vorgezogen, eure Hoheit." Ein bitterer Spott liegt in seinen Worten, gepaart mit abweisener Kühlheit. War er schon immer so gewesen?
Ich verenge meine Augen und blitze ihn wütend an. Man mag mir vieles vorwerfen können - aber dass ich nicht zurückwollte, dass ist schlicht und einfach gelogen!
"Ich habe nichts vorgezogen", zische ich zwischen zusammengebissenen Zähnen zurück, "ich hätte mein Leben gegeben, um wieder zurück zu gehen! Verdammt, mein bester Freund ist bei euch! Und.." Ich stoppe, bevor ich 'die Frau die ich liebe' sagen kann. Stattdessen hänge ich an: "...Molin."
Der Rothaarige verdreht die Augen. "Erklärt das den beiden", gibt er schnippisch zurück, "sie werden sicherlich anderer Meinung sein. Vor allem Ihr - wie Ihr so schön sagt - bester Freund." Er schnaubt erneut, mit einem listigen Lächeln auf seinem Gesicht, welches - wie ich nach kurzer Verwunderung erkenne - der Schadenfreude entspringt. "Ihr meint Cancer, nehme ich an?"
"Can", verbessere ich, immer noch wütend auch wenn mich der Gedanke an Molin kurzzeitig aus der Bahn geworfen hat, "er heißt Can."
Das Lächeln auf Tizians Zügen verbreitert sich, wird noch eine Spur böser. "Ach wirklich?" fragt er mit höhnischer Unschuld in der Stimme zurück, und wenn es Nacht gewesen und ich somit über meine sonstigen Fähigkeiten verfügt hätte, hätte ich ihn für diese Bemerkung wohl kopfüber durch den Saal fliegen lassen.
"Was willst du von mir, Tizian?" frage ich angestrengt, seine provokante Äußerung übergehend und die Hände tief in die Taschen meiner Hose schiebend, um meine Nägel in mein Bein zu krallen, fern von seinen Blicken.
"Was ich will? Na, sieh einer an. Der Kronprinz fragt mich nach meinen Wünschen." Er lacht humorlos auf und sieht auf die schweren Vorhänge, die das Licht der Sonne aussperren. "Du hast mich holen lassen. Du bist der Prinz. Du hast Wünsche zu äußern, nicht ich. Also, warum bin ich hier?"
Der unerwartete Wechsel in der Anrede bringt mich etwas durcheinander, und um meine vorübergehende Unsicherheit zu kaschieren laufe ich rasch zum Fenster und schiebe die Vorhänge zur Seite. Ich seufze leise und glücklich, als mich die Sonne daraufhin in ihre wärmenden Strahlen einhüllt.
"Ich will zurück", sage ich und blicke ihm fest in die Augen, "ich will Can und ich will Molin."
Ein Muskel zuckt in Tizians Gesicht und für einen winzigen Moment spiegelt sich Trauer in seinen Augen wieder. "Du bist noch immer derselbe", meint er leise, hebt den Blick und lächelt ansatzweise, "mal abgesehen von deinen Augen."
Ich runzele leicht die Stirn, auch wenn ich erleichtert bin, dass er mir anscheinend wieder etwas wohlgesonnener ist. Ich habe zwar nicht den blassesten Schimmer, warum dass so ist, aber mir soll es nur recht sein. "Nun ja", erwidere ich achselzuckend, "das mit den Augen kommt und geht."
Dismas gibt in seiner Ecke nahe der Tür ein unterdrücktes Lachen von sich, senkt aber wohlweislich den Blick und versinkt noch tiefer in den Schatten, sodass ich mir nicht sicher sein kann. Werwölfe.
Das Lächeln verschwindet von Tizians Gesicht und macht einer umfassenden Resignation Platz. "Aber keiner von uns ist mehr wie früher", sagt er bedauernd und richtet seine Augen auf die sanft im Morgenlicht glänzende Schneeschicht vor dem Haus, "wir haben uns alle verloren."
Ich lupfe fragend eine Augenbraue. "Wie meinst du das?"
Die Trauer in seinen Augen wächst. "Es ist der Hass. Wir haben gelernt zu hassen, und das ist nicht unbedingt ein schönes Gefühl."
"Hass?" echoe ich dümmlich und blinzele verblüfft, "was?"
Er seufzt und hebt in einer hilflosen Geste die Achseln. "Narziss", sagt er erklärend, "alles, was ihn noch am Leben hält, ist sein immerwährender Hass auf dich."
Obwohl mir so etwas hätte klar sein müssen, trifft mich diese Äußerung doch wie ein Fausthieb ins Gesicht. Narziss lebt also, schön und gut - aber dass der einzige Grund für diese Tatsache seine Abscheu mir gegenüber ist, muntert mich nicht gerade auf.
Dismas räuspert sich leise und tritt aus den Schatten heraus, augenscheinlich gewillt, sich in das Gespräch einzumischen. "Nur, damit ich mitkomme: In welcher Beziehung genau stehst du mit diesem Narziss?"
Es gefällt mir nicht sonderlich, wie er den Namen meines Bruders ausspricht. Auch wenn er ein Bastard ist, den ich umzubringen versucht habe, ist er immer noch mein Bruder. Man sollte nicht abfällig über ihn sprechen.
Die Wirrheit dieses Gedankengangs macht mich ganz konfus, und so muss Tizian schließlich antworten: "Sie sind Brüder."
Dismas Augenbrauen schießen in ungewöhnlicher Geschwindigkeit fast bis an seine Haarwurzeln und ein wenig seiner sonstigen Gelassenheit schwindet aus seinem Tonfall. "Eh", sagt er langsam und sieht mich schief an, "bist du eigentlich mit jedem wahnsinnigen Arschloch verwandt, dass noch durch die Unterwelt New Yorks tingelt?"
Ich wefe ihm einen kühlen Blick zu, doch er grinst nur herausfordernd.
Tizian lächelt leicht und sieht Dismas mit neugewonnenem Interesse an. "Wusstest du das nicht?"
Dismas' Grinsen verbreitert sich noch, wovon ich nicht gedacht hätte, dass es möglich wäre. Unglaublich, wie weit sich Mundwinkel dehnen können, ohne dass die Lippe in der Mitte durchreißt. "Wenn du Orion hier ein bißchen besser kennen gelernt hast wirst du feststellen, dass du so ziemlich nichts über ihn wusstest und das bißchen, was du weißt, vermutlich nicht stimmt."
Ein spitzbübisches Funkeln tritt in Tizians Augen, das schon weitaus mehr zu seinem Charakter passt als seine spröde Art zuvor. Anscheinend versteht er sich bestens mit Dismas - so wie es allen geht, die große Freude daran haben, sich irgendwie auf meine Kosten zu amüsieren. "Er ist Kronprinz der Rosar, wusstest du das?"
Dismas kichert leicht, ähnlich einem kleinen Jungen, der gerade einen Streich ausheckt. "Nein, das wusste ich nicht. Gleich Kronprinz? Da sieh einer an." Er lacht fröhlich auf und wirft mir einen kurzen Blick zu. "Immer der große Macker, was?"
"Halt die Klappe", fauche ich wütend zurück, derzeit einfach überhaupt nicht in der Stimmung für dämliche Spielchen à la "Orion-ist-doof", "du hast ja keine Ahnung, wie das damals war." Ich wende meinen Kopf zu Tizian um, dessen fröhliches Lächeln langsam versickert wie Wasser in einem Blumenbeet. "Und du! Der du eigentlich bescheid weißt! Du hast tatsächlich noch die Unverfrorenheit, zu lachen?!"
Unwillkürlich habe ich die Hände zu Fäusten geballt und meine Augen zu Schlitzen verengt. Wut durchpulst meinen Körper wie ein Gift.
"Orion", sagt Dismas da beschwichtigend in einem Tonfall, der mich augenblicklich wieder daran erinnert wer in diesem Spiel die Guten und wer die Bösen sind, "beruhig dich."
Der Zorn verraucht so plötzlich wie er gekommen ist und eine Welle schlechten Gewissens überschwappt mich, als ich einen Blick auf Tizian werfe. Der Rosar hat den Blick abgewandt und die Lippen fest aufeinander gepresst. In seinen Augen lese ich so etwas wie eine bittere Erkenntnis seiner schlimmsten Befürchtungen, und ich seufze leise.
"Tizian...", beginne ich in bittendem Tonfall, "du musst das verstehen..."
"Ich verstehe bestens, Sire", sagt er schneidend, "Ihr seid wahrlich Eures Vaters Sohn."
Ich sehe ihn einen Moment schockiert an, ehe ich dann meine Lippen zusammenpresse und den Kopf schüttele. Wenn er mir weh tun wollte, so kann er sich selbst gratulieren - das hat er geschafft.
Auch wenn ich meinem Vater bisher selbst noch nicht begegnet bin - ich habe genug gehört, ob Gerücht oder Wahrheit sei dahingestellt, um ziemlich genau zu wissen, dass ich es auch bei diesem Zustand belassen will. Das einzige Lebewesen, das ihm neben sich selbst jemals etwas bedeutet hat, war meine Mutter - und das ist kein besonders guter Schnitt für jemanden, der ein Reich von Abertausenden von Rosar beherrscht. Angeblich ähnele ich ihm äußerlich sehr... Und vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass ich meine Mutter fast nie länger als 30 Minuten am Stück gesehen habe, bevor sie mit einer fadenscheinigen Entschuldigung das Zimmer verlassen hat. Wie auch immer - er ist ein Tyrann. Und ich hatte mir schon früh vorgenommen, nie so zu werden wie er.
"Wo ist eigentlich dein Vater?"
Die unschuldige Frage wirft mich völlig aus der Bahn und ich sehe Leia etwas entgeistert an. "Wie kommst du denn jetzt darauf?"
Sie zuckt bloß mit den