Fanfic: Orion
Kapitel: Rosar II
Hach, ihr seid toll ^^
Das nenn ich mal treue Leser... Und das mir, der wohl schreibfaulsten Autorin aller Zeiten *sfz* (Obwohl ich da auch noch andere Kandidaten hätte... *ein wenig strafend in die Runde blick*) Aber dafür, dass ihr so lieb ward und soooo geduldig gibt es das nächste Kapitel auch extra schnell, tada!!
Damit ihr die Handlung nicht schon wieder vergesst, also quasi als Gedächtnisstütze *lach*
***
Seine Haare sind länger geworden. Und heller, falls das bei silberblonden Haaren überhaupt möglich ist.
Sein Blick jedoch ist noch der gleiche - rot, stechend, und mit einer unglaublichen Verachtung in den Augen, die mich frösteln lässt.
"Narziss", sage ich ein wenig schleppend und mit rauer Stimme, bin jedoch eigentlich schon froh, dass ich überhaupt noch sprechen kann, "du lebst."
Er hebt ironisch eine Augenbraue und tritt einen Schritt auf mich zu. Seine Präsenz ist überwältigend, alles scheint neben ihm zu verblassen - selbst Tizian ist vergessen, der sich irgendwo hinter mir herumdrücken muss. "Nicht, wenn es nach dir geht, nicht wahr?" fragt er mit einem gefährlichen Unterton, und mit äußerster Anstrengung kann ich ein scheinbar sorgloses Lächeln auf meine Züge zaubern.
"Man tut, was man kann", erwidere ich lakonisch, und zu meiner Überraschung zieht ein ungeahnt belustigter Ausdruck über Narziss' Gesicht. Langsam erst sickert in mir die Erkenntnis durch, dass er es tatsächlich ist, der Rosarprinz, der Führer der Schönen... und mein großer Bruder. Dorian. Ich schlucke schwer und würde nur zu gern meine Augen von seinen entspannten Zügen lösen, schaffe es aber leider nicht.
"Wie wahr", meint er dann nach ein paar Sekunden und dreht sich ruckartig um. Ich atme erleichtert auf, froh endlich seinem schon unheimlich schönen Gesicht zu entkommen, und wende den Kopf etwas zur Seite. Mein Blick fällt auf flammend rote Haare und bedauernd blickende grüne Augen, die bestätig und flehend meine Vergebung zu suchen scheinen. Ich zucke nur mit den Achseln und sehe wieder weg - vermutlich hatte er keine Wahl und außerdem hatte ich ihn ja ausdrücklich darum gebeten, hier hin zu gelangen... Aber die Tatsache, dass er mich direkt in die Arme des Wesens stieß, der mich in diesem Universum wohl am meisten hasste, trübte das Bild des untergebenen Freundes doch ein wenig.
"Täusche ich mich", schneidet da Narziss' Stimme durch meine Gedanken, und seine Anwesenheit wird mir wieder mit jeder Zelle meines Körpers bewusst, so als müsste er nur an mich denken und in mir bliebe nichts bis auf das Wissen, dass er existiert, "oder waren deine Augen früher blau?"
Seine Augen blicken suchend in meine, fast als würde er nach dem verschwundenen Farbton suchen, und diesmal schaffe ich es, den Blick abzuwenden. "Nicht immer", antworte ich wahrheitsgemäß, ehe ich einem plötzlichen Impuls folgend wieder den Blick hebe und ihn direkt ansehe, "Dorian."
Die Strenge entgleitet seinen Zügen und er blinzelt verblüfft. Zwischen ein paar Wimpernschlägen vermeine ich, das warme Braun zu sehen mit denen er früher in die Welt geblickt hat, aber ich kann es nicht beschwören.
"Du weißt es also", stellt er heiser fest, und ich nicke nur. Für einen kurzen Moment fühle ich mich wieder wie früher, der ewige Bewunderer Dorians, und ein plötzliches Glücksgefühl darüber, dass ich ihn wiedergefunden habe, durchströmt mich. Dann spricht er weiter, und das Gefühl verfliegt augenblicklich.
"Dorian ist tot."
Dorians Todestag jährt sich, und wie jedes Jahr stehe ich schon einen Tag vor dem eigentlichen Datum vor seinem Grab. Ein schlichter, schwarzer Stein ziert die Erde und markiert die Stelle, an der sein toter Körper begraben worden ist. Wortlos lege ich einen grün schimmernden Stein auf den Rasen - neben 9 andere, die fast genauso aussehen. 9 Steine aus unserem Garten, von dem geheimen Fleckchen Erde, den nur er und ich kannten und der nun meine Zufluchtsstätte geworden ist. 9 relativ große, grün schimmernde Steine - einen für jedes Jahr, das vergangen ist.
"Ich wusste, dass du hier sein würdest."
Ich schließe ergeben die Augen und wage nicht, mich nach der Stimme umzudrehen. Mir ist sowieso klar, wem sie gehört.
Leia.
Seit der Sache in meinem Zimmer bin ich ihr aus dem Weg gegangen, habe mich in der Schule größtenteils mit Freunden vom Basketball oder Cheerleadern umgeben und alles gemieden, was auch nur geringfügig mit ihr zu tun hat. Sie zu sehen und zu wissen, dass sie nicht mehr mein ist, schmerzt mindestens genauso sehr wie die Wut über ihren Betrug.
"Ich hab dich eine Weile nicht gesehen."
Ihre Stimme klingt gewollt beiläufig, als hätten wir uns zufällig getroffen und nicht als hätte sie mich auf den Friedhof bis ans Grab meines toten Bruders verfolgt.
"Dir entgeht auch nichts", erwidere ich kühl.
Ich habe ihr schiefes Lächeln deutlich vor Augen, auch wenn ich ihrem Blick noch immer ausweiche. Sie hat - ebenso wie Allan - die Gabe, meine gut versteckten Gefühle durch jede noch so perfekte Maske der Gleichgültigkeit hindurch zu entdecken. Gerade jetzt bin ich verzweifelt - und sie weiß es.
"Du fehlst mir."
Drei so kleine Worte, und doch fühlen sie sich an als hätte man mir fröhlich in den Brustkorb gelangt um mein Herz mit größtem Genuß einmal kräftig zu drücken.
"Das ist mir egal", gebe ich hart zurück und richte endlich meine Augen auf sie, und sie schreckt vor diesem Blick zurück - zeigte er doch echte Verachtung ebenso wie beinahe endlosen Schmerz. "Und ich wäre dankbar, wenn du mich alleine lassen könntest."
"Ryan...", beginnt sie bittend, aber ich mache eine zackige Handbewegung und schneide ihr das Wort ab.
"Hör auf, Leia", sage ich scharf, und der Geschmack ihres Namens auf meiner Zunge schnürt mir beinahe die Kehle zu, "ich will das nicht hören. Es gibt einen Grund, warum du mich nicht gesehen hast, weißt du? Ich wollte dich nicht sehen. Will es immer noch nicht. Und es ist anmaßend von dir, mir bis hierhin zu folgen. Du hast kein Recht, hier zu sein! Nicht mehr!"
Ungewollt habe ich sie bei den letzten Worten fast angeschrien. Sie senkt ihren Blick und sie bohrt ihre Fingernägel in ihre Daumen, wie sie es immer tut wenn sie aufgewühlt ist. Gott, ich kenne sie einfach zu gut.
"Ich weiß", antwortet sie so leise, dass ich sie kaum verstehen kann, "aber ich musste dich sehen. Musste wieder mit dir sprechen. Deinen Blick auf mir spüren. Ich... ich liebe dich doch, Ryan!"
Ich muss mich beherrschen, um sie nicht wie eine Ratte zu schütteln. "Du hast eine verdammt beschissene Art, das zu zeigen."
Ein humorloses Lachen entschlüpft ihren Lippen und ich sehe wieder zum Grab. Alles in mir schreit und verzehrt sich danach, sie wieder in meinen Armen zu halten und wieder ihren Kopf an meiner Brust zu spüren... Sie, die mein perfektes Gegenstück ist. Ohne sie bin ich unvollständig, nicht mehr wirklich ich, aber ich bin zu stolz und zu verletzt um das vor ihr zu zu geben.
"Sieh mich an", bittet sie irgendwann leise, nachdem wir für ein paar Minuten geschwiegen haben und ich es irgendwie akzeptiert habe, dass sie dort steht, "bitte, sieh mich wenigstens an. Hasse mich, verabscheue mich, aber bitte - ignorier mich nicht länger!"
Ich schnaube leise und wende ihr wie gewünscht meinen Blick zu. "Mach es dir nicht so verflucht leicht", fordere ich scharf, "du leidest nicht ansatzweise so sehr wie ich und das ganze hier ist deine Schuld. Also spiel du nicht das Opfer, nur weil es dir so gut in den Kram passt!"
"Ich leide viel mehr", widerspricht sie und geht einen Schritt auf mich zu. Ich rühre mich nicht von der Stelle, aber jeder Muskel meines Körpers spannt sich an, "denn ich weiß genau, dass ich alles verbockt habe und wie sehr du leidest, und ich darf dich nicht trösten! Darf nicht mit dir auf dieses dumme Mädchen schimpfen, die so unglaublich bescheuert war, jemand so wunderbares wie dich gehen zu lassen! Darf dich nicht ansehen oder ansprechen, weil ich weiß, dass es dir nur noch mehr weh tut..."
"Wenn du das alles weißt", falle ich ihr wütend ins Wort, "warum bist du dann hier? Wieso quälst du mich? Verschwinde! Ich meine es ernst! Hau ab!"
Sie beißt sich auf die Lippen und tritt noch näher an mich heran. "Weil ich egoistisch bin", antwortet sie, und ihre Stimme zittert, "und weil ich nicht so stark bin wie du. Du hälst es vielleicht aus, mich nicht zu sehen... Aber ich kann das nicht. Ich kann dich nicht aus meinem Leben streichen. Du bist ein Teil von mir, mein anderes Ich, mein.. mein Herz." Sie verstummt und sieht auf das Gras zu ihren Füßen. Zu gern würde ich zu ihr gehen und sie an mich ziehen, ihren unverwechselbaren Geruch einatmen, aber ich kann nicht. Meine Beine sind wie angewachsen.
"Dann musst du wohl lernen, ohne Herz zu leben", erwidere ich kühl, und sie schluchzt trocken auf, fährt auf dem Absatz herum und lässt mich allein.
Ich hole tief Luft und gehe vor Dorians Grab in die Hocke. "Es tut mir so leid", flüstere ich mit gebrochener Stimme, und bin mir im nächsten Moment nicht ganz im Klaren darüber, an wen ich diese Worte gerichtet habe.
"Ryan auch", erwidere ich fast unhörbar, und die plötzliche Erinnerung lässt meine Stimme erstickt klingen. Es ist eine Lüge, eine dicke, fette Lüge - gerade jetzt, in diesem Augenblick, lebt Ryan viel mehr als Orion es je getan hat. <i>Wer, </i>frage ich mich dumpf, <i>ist überhaupt dieser Orion? Dieser Vampir, dieser Killer, derjenige, der immer nur das Falsche zu tun pflegt?</i> Es ist müßig, darüber nachzusinnen - habe ich doch