Fanfic: Orion

unbedingt gut getan und dass er sich fröhlich an seinem Hass auf mich genährt hat, scheint durch die krankhafte Fixierung auf meine Augen auch nicht wirklich weiterzuhelfen. "Jeder außer dir sieht es", hängt er in einer leicht erschöpft klingenden Tonlage an, "deswegen musst du auch hier bleiben."
"Was?!" frage ich irritiert und kann nicht verhindern, dass meine Stimme um ein paar Oktaven noch oben rutscht und ich ein bißchen so klinge wie ein Gummiigel, auf den man aus Versehen drauf getreten ist, "bleiben?! Nein, Narziss. Ich werde gehen. Mit Molin und Can."
Ein Mundwinkel von ihm hebt sich zu einem abgrundtief bösen, scheußlich schiefen Lächeln an, das so gar nicht in dieses erschreckend schöne Gesicht zu passen scheint, und er senkt endlich die Hand von der Wunde, die ich ihm zugefügt habe, und entblößt sein wieder hergestelltes, vollkommenes Auge. "Sie wollen aber nicht mit dir gehen. Und selbst wenn sie wollten - du kommst hier nicht mehr weg. Nicht, solange ich hier bin."
Wut und Verzweiflung überschwemmen mich und finden ihr Ziel in dem tödlichen Rot, das Narziss' Pupillen umspielt. "Warum tust du das?" frage ich, während das Blut laut durch meine Ohren donnert und ich spüren kann, wie sich hungrige Flammen durch meine Adern schlängeln und die Haut unter meinen Fingerspitzen versengen, "was habe ich dir getan?!"
"Du lebst", erwidert er mit einer trockenen Selbstverständlichkeit, die mir die Sprache verschlägt. Mit einem Aufschrei des Zorns entfache ich zwei Flammenbälle in meinen Händen und werfe sie wütend auf ihn, was er mit einer kurzen Handbewegung quittiert, woraufhin die Feuerkugeln in der Luft verpuffen wie Seifenblasen. Dies stachelt mich nur noch mehr in meiner alles vernichtenden Wut an, sodass ich meine - Gott gegebenen? verfluchten? - Kräfte vergesse und mich wie ein Tier auf ihn stürze, nur von dem Gedanken beseelt, ihm nur ansatzweise den Schmerz zurückzugeben, den er mich hat fühlen lassen - und das in jeder verdammten Sekunde, die er mit mir verbracht hat. Warum?!, frage ich mich immer wieder, warum hasst er mich so sehr?
Wie raufende Schuljungen, auch wenn es deutlich ernster und weitaus gefährlicher ist, rollen wir über den bräunlichgrünen Boden, und mit einem skurillen Gefühl der Genugtuung bohre ich meine krallenartigen Nägel durch den feinen Stoff seiner Kleidung in seine empfindliche Haut und ziehe weit sichtbare Furchen über seinen makellosen Rücken. Er knurrt unterdrückt, reißt dann eines meiner Messer von meinem Gürtel und rammt es mir bis zum Anschlag in die Hand, diese so an den Boden festnagelnd. Ich schnappe hörbar nach Luft und muss an mich halten, um mich nicht vor Schmerz zu übergeben, als er mit einem perfiden Grinsen in meine Richtung das Messer genüßlich einmal umdreht, als würde er eine Flasche öffnen wollen. Knochen bersten und ich spüre, wie meine Sehnen und Muskeln reißen, sodass ich gequält aufschreie und die Augen schließe, um die sich anbahnende Ohnmacht zu verhindern. Nicht so, nicht jetzt...
"Genug", tönt da eine herrische Stimme von der Tür her zu uns, die mir vage bekannt vorkommt. Zwischen meinen Schulterblättern breitet sich eine angenehme Wärme aus, und meine Augenlider werden plötzlich tonnenschwer. Irgendwo in mir regt sich eine schwache Erinnerung an eine ähnliche Situation, doch bevor ich darüber auch nur eine Sekunde länger nachdenken kann, falle ich doch in die nicht mehr abzuwendende Ohnmacht, begleitern von einem leisen Prasseln in meinen Ohren.