Fanfic: Jahr des Feuers

einzelnen der Anwesenden direkt an.
„Ihr alle seid große Kämpfer. Kämpfer, die um Ruhm, Ehre und Würde des Reiches gestritten haben. Bald werdet ihr wieder kämpfen, in einer Baronie, einer Festung, einem Tempel oder auf einem rauen Gebirgspass.“ Sie hob ihre Hand und ballte sie zur Faust. „Doch heute denken wir nicht an Vergangenes oder Zukünftiges. Heute kämpft ihr nur um eines, meine Ritter...“ Sie machte eine Pause, lächelte und gab ihrer Stimme einen noch festeren und lauteren Ton. „Heute kämpft ihr um den Sieg!“
Die Streiter und die Zuschauer hoben an zu frenetischem Jubel.
Unter dem Getose drang dennoch die Stimme der Regentin bis zu Raffael.
„Heute ist ein guter Tag zum Kämpfen! Das Turnier ist eröffnet!“
Raffael beobachtete das aufkommende Durcheinander. Er musste gegen seinen Willen grinsen, als die einzelnen Streiter sich vor der Tribüne des Adels aufbauten und die Männer und Frauen um die Herzen der Minnedamen und Minneherren buhlten. Kleine Händeleien begannen jetzt schon. Vor dem eigentlichen Wettstreit. Einige der Kämpfer, denen kein parfümiertes Tuch, oder eine Blume geschenkt wurde, wanden sich mit missmutigem Blick von den Adelfräuleins ab und versuchten ihr Glück unter der weniger gehobenen Schicht.
Währenddessen wurde die anderthalb Schritt hohe Lanzenwand aufgebaut, die die Reiter während des Gestechs voneinader trennten.
>>Du meine Güte, wie albern<< dachte Raffael. Er stützte gelangweilt seinen Kopf in seine Hand, starrte vor sich hin und suchte nach dem Greifen. Dieser Mann war interessanter als das aufgeplusterte Verhalten einiger Streiter. Doch er konnte ihn nicht mehr ausmachen. Dafür trat Rondrasil Löwenbrand auf das Gelände. Er schien nicht am Turnier teilzunehmen.
Er begab sich zu einem der Turnierherolde, die die Kämpfer nacheinander aufriefen, und stellte sich neben ihn.
Raffael schloss daraus, dass er vermutlich als Turniermarschall agieren würde. Wer wäre auch besser geeignet, über den Sieg eines ehrenvollen Zweikampfes zu entscheiden, als ein Mann, dem die Ehre über alles ging?
Raffael gähnte breit. Er streckte sich auf seinem Sitz aus und bereute erneut, dass er sich hatte breitschlagen lassen, Marie zu begleiten. Grimmig blickte er auf die Männer, die sich vor ihrer eigenen Tribüne herumdrückten und auf die Aufmerksamkeit der hübschen Mädchen hofften.
Direkt vor ihm stand ein junger Kerl in seiner blank geputzen Rüstung mit einem blauen Wappen, in dessen Mitte ein schwarzer Rabe seine Flügel ausgebreitet hatte, bereit sich zu erheben.
Das schmale Schwert hielt der Jüngling in der Hand, den Helm unter dem Arm.
Raffael betrachtete ihn. Er konnte keine zwanzig sein, dafür war das schmale und bleiche Gesicht zu kindlich und sein Körper, trotz Rüstung zu schmächtig.
Raffael fragte sich, was ein „Kind“ bei einem solchen Wettstreit zu suchen hatte.
Das halblange, glatte, braune Haar des Jungen tanzte im Frühlingswind. Er lächelte strahlend in die Zuschauer und suchte. Das Antlitz das Jungen, aus dessen fast grauen Augen der Schalk sprach, blieb schließlich an Raffael hängen. Der junge Mann lächelte ihn an, ein Strahlen erhellte seine Augen, als erkenne er ihn wieder, und deutete dann mit dem Schwert auf ihn.
„Du gefällst mir!“ sagte er mit bestimmtem Ton.
Raffael sah ihn verdutzt an und hätte um ein Haar gelacht, weil er es für einen Scherz hielt.
Die Augen des jungen Mannes verrieten hingegen, dass es ihm völlig ernst war.
Auch Marie war das bewusst und zuckte zusammen. Die Leute begannen zu lachen und der ein oder andere stupfte Raffael vielsagend den Ellbogen in die Seite. Er kommentierte das Getue lediglich mit einigen bösen Worten und ignorierte sie dann. Es war ohnehin schon peinlich genug.
Er musterte den Jungen, der grinsend auf eine Antwort wartete und die der Hexer ihm auch sofort gewährte.
„Bedaure, junger Herr, aber Ihr solltet vielleicht besser nicht am Turnier teilnehmen, wenn es um Eure Augen so schlecht bestellt ist! Ich bin kein Mädchen!“
Raffael wollte ihn nicht in Verlegenheit bringen, aber seine Worte fielen provozierender aus, als er beabsichtigte. Und einen gewissen Groll konnte er nicht verbergen.
Der Ritter vor ihm schien ihm seine Worte jedoch nicht übel zu nehmen. Sein Selbstbewusstsein, oder seine Arroganz, waren so groß, dass sein Grinsen noch um einiges breiter wurde.
„Na, da habe ich doch Glück, wenn du keines bist! Ich suche auch nicht nach einem Mädchen!“ sagte er und zwinkerte ihm zu.
Raffael war fassungslos. Dieser Jungspund grub ihn an. Vor allen Leuten, in Anwesenheit seiner Frau! Er hatte ein Kind auf seinem Schoß! Nahm dieser Kerl nicht an, dass es seins sein könnte?
>>Was hab ich nur an mir<< fragte er sich.
Dann grinste er zurück und schnappte sich die verdutzte Marie, die nur einen leisen Schrei von sich gab vor Überraschung. Nathanael beschwerte sich lautstark über die rüde Behandlung, aber im Moment war das Raffael egal.
„Ich muss Euch enttäuschen, junger Herr!“ er drückte Marie enger an sich „aber ich bin nicht mehr frei.“ Damit drückte er Marie einen innigen und langen Kuss auf, was das Johlen der Leute um sie herum verstärkte.
Erst als Marie gegen seine Arme klopfte entließ er sie. Raffael grinste in ihr gerötetes Gesicht.
„Jetzt sind wir quitt!“
Marie überlegte kurz, was er meinte und grinste dann zurück, als sie sich an den Markttag erinnerte.
Sie lehnte ihre Stirn erleichtert gegen die Raffaels.
Der Hexer drehte seinen Kopf wieder dem Mann zu, ohne aber den Kontakt zu seiner Frau zu verlieren.
„Ihr seht. Ich bin vergeben.“ grinste er.
Der junge Ritter lächelte zurück. Dieses selbstsichere Grinsen konnte ihm scheinbar keiner aus dem Gesicht wischen.
„Macht nichts, Liebe hält nicht ewig!“ sagte er vergnügt und wandte sich um zum Gehen. Er setzte sich den Helm auf und machte zwei Schritte. Dann drehte er sich noch einmal zum Hexer um.
„Ich streite trotzdem für dich, mein Freund“ Er deutete eine Verbeugung an und machte sich dann eilig auf zu seinen Knappen.
Die Menschen um Raffael lachten und spöttelten.
„Was war das denn für ein Vogel?“ fragte Fadime, die ihren Sohn mit einem missbilligenden Blick wieder an sich nahm.
Raffael musste jetzt doch lachen.
„Keine Ahnung.“

Das Turnier -Der schwarze Ritter

Die ersten zwei Reiter führten ihre Pferde an die achtzig Schritt lange Bahn. Die Lanzen wurden eingelegt, die Schilde von gepanzerten Händen fest umschlossen und die Visiere herunter geklappt.
Es war still in der Arena und nur das leise Atmen der Menge war zu hören. Gespannt wartete man auf den ersten Lanzengang.
Die Tjoste war gefährlich, für beide Reiter, auch wenn es nur Turnierlanzen und somit die Spitzen der Waffen entschärft waren.
Die Pferde tänzelten unruhig und spürten die Anspannung. Sie blähten ihre Nüstern und scharrten nervös mit den Hufen.
Raffael sah gebannt auf die Kämpfer und verfolgte das Geschehen mit mehr Interesse, als er sich eingestehen wollte. Rondrasil Löwenbrand hob die Hand. Gleich würde er das Zeichen geben und die Reiter aufeinander zu preschen.
Der Geweihte sah vom einen zum Anderen. Beide nickten und gaben zu verstehen, dass sie bereit waren. Der Turniermarschall sah wieder nach vorne und wollte seine Hand herunterfahren lassen.
Da ertönte ein dumpfer Hufschlag, eine dunkle Stimme hallte über den Platz und unterbrach den Zweikampf, bevor er begonnen hatte. Raffael sah zum Eingang neben der Schildegallerie.
Ein riesiges schwarzes Ross mit einem Reiter in pechschwarzer Rüstung betrat die Arena. Auch das Wappen, das er führte war ein einheitliches Schwarz. In der einen Hand hielt er eine mächtige Ochsenerde, die jedem Menschen mit nur einem Schlag den Kopf von den Schultern trennen konnte, in der anderen die fast drei Schritt lange Lanze aus schwarzem Holz.
Der Helm des Mannes, dessen schmale Schlitze ihm Sicht ließen, ahmten eine große Wolfsschnauze nach, an deren Spitze schwarze Federn wehten, so lang, dass sie nicht von Krähen oder ähnlich großen Vögeln stammen konnten. Dieser Mann war furchteinflößend. Nicht nur die Aufmachung verlieh ihm eine Düsternis, die dem Hexer das Blut in den Adern gefrieren ließ. Auch seine ungewöhnliche Größe von mehr als zwei Schritt. Dieser Mann war ein Riese!
Er führte sein Pferd in die Mitte des Platzes und beider Schatten lastete groß und schwer auf dem Turnierboden.
Das mächtige Pferd mit seiner Schulterhöhe von mehr als zwei Schitt, trabte mit langsamen und kraftvollen Bewegungen voran. Der Hexer musste unweigerlich an sein eigenes Ross denken, das er von Farviriol gestohlen hatte. Dieses hier war ebenso schön und edel, aber um ein Vielfaches größer und kräftiger. Beinahe erinnerte es ihn an das unheimliche Dämonenross, mit dem der Elf seine erstmalige Flucht aus Oron beendet hatte.
Die Menge hielt den Atem an und Raffael tat es ihnen gleich. Selbst die beiden Streiter, deren Kampf je unterbrochen worden war, starrten in die Richtung des schwarzen Ungetüms.
Vorsichtig und unsicher trat ein Herold mit Turnierrolle an ihn heran, den Blick immer fragend an Rondrasil werfend. Neben dem Riesen wirkte er mehr als nur verloren. Er war klein und unbedeutend neben diesem Edelmann.
„Wie.. ist Euer... Name Ritter?“ fragte er demütig und blickte ängstlich an dem zwei Schritt hohen Tier entlang, das ihn nicht mal eine Blickes würdigte.
Der schwarze Ritter senkte seinen Kopf und die schwarzen Federn wehten aufgeregt im lauen Wind.
„Ich brauche keinen Namen. Ich brauche nur Gegner, die ich bezwingen kann!“ dröhnte ein tiefer Bass hinter dem Visier hervor.
Der Herold zuckte unter der mächtigen Stimme zusammen, wie ein geprügelter Hund.
„Und wie... wünscht... Ihr in der Turnei... genannt zu werden?“ stotterte der kleine Mann und schluckte aufgeregt.
„Nennt mich