Game of Life

hatte keine richtigen Freunde? Es schien nicht richtig zu sein, sie war so nett und normal und hübsch, sie sollte nicht so einsam sein, wie er es war.
„Ich könnte dein Freund sein.“, platze es aus ihm heraus ohne nachzudenken. Aber er bereute es nicht, selbst wenn sie ablehnen sollte. Er hatte jemanden gefunden, der wusste, wie es sich anfühlte allein zu sein, ein Elternteil zu haben, welcher erwartete, dass man jemand war, der man nicht sein wollte.
„Das ist lieb von dir, aber...“, begann sie und runzelte etwas die Stirn. „Wie alt bist du?“
Yuugi errötete erneut, er fühlte sich leicht verletzt. Egal wie oft er das gefragt wurde, es schmerzte immer noch, wenn Leute nach seinem Alter fragen mussten.
„Ich bin sechs, man sieht es mir nur nicht an.“, sagte er leise und ließ seinen Kopf soweit hängen, dass seine blonden Locken seine Augen verdeckten. Er wollte nicht anfangen zu weinen. Dies war immer der Zeitpunkt, an dem die Leute begannen ihn zu ärgern und auszulachen. „I-ich bin nur kleiner, weil ich so früh geboren wurde.“
Anzu nickte, stand langsam auf und humpelte schmerzvoll herüber, legte eine beruhigende Hand auf seine schmale Schulter. Dieser Kontakt ließ ihn überrascht aufspringen. Niemand hatte ihn zuvor berührt, zumindest niemand außer seiner Familie.
„Es ist in Ordnung. Du bist der der du bist und solltest darüber glücklich sein.“
Ihre Worte verwirrten ihn. Er sollte glücklich sein, dass er so schwach war? Was für eine seltsame Anschauung. Es hörte sich eher nach etwas an, was Opa sagen würde, aber er würde immer Yuugis offensichtliches Spieltalent als seine Stärke loben.
„Freunde müssen einander so akzeptieren wie sie sind und nicht wie andere Personen wollen, dass sie sind.“, fuhr Anzu mit einen Lächeln fort. „Und ich denke, dass du das verstehst, weil du genauso wie ich weißt, was es heißt einsam zu sein.“
Yuugi sah vernünftig zu ihr auf, sah, dass auch sie unvergossene Tränen in ihren Augen hatte.
„Wir müssen nicht mehr einsam sein. Wir können Freunde sein.“, beschloss sie. „Aber ich muss deinen Namen erst einmal wissen. Ich bin Anzu.“
„Yuugi.“, sagte er leise, aber mit einem breiten Lächeln auf seinem Gesicht. Für einen kurzen Moment dachte er, dass sie ihn hereinlegte, aber es war ihm egal. Er wollte diesen Moment, auch wenn falsch war; er wollte nicht mehr ohne Freunde sein.
Doch tief in sich drin wusste er, dass sie ihn nicht hereinlegte und dass er wirklich einen Freund fürs Leben gefunden hatte.
„Yuugi!“ Eine Stimme zerbrach plötzlich den Moment. Yuugi sprang auf und drehte sich zu der panischen Stimme seines Vaters. Er sah so schockiert aus, aber gleichzeitig... war da auch ein wenig Stolz in seinen Augen zu lesen. „Warum bist du nicht an der Maschine?“
Yuugi grinste nur breit, er fühlte sich glücklich. Sein Vater war hier und er sah, dass er stark war und selbstständig atmete! Und er redete mit seiner neuen Freundin.
-Daddy, ich habe eine neue Freundin gefunden.- wollte er sagen. Aber natürlich war das Leben nie gütig zu diesem Jungen.
In dem Moment, in welchen er wieder seinen Mund öffnete, fühlte er sich, als ob seine Lungen zu Stein geworden wären. Alles was aus seinem Mund herauskam, war ein erstickter Laut.
„Yuugi?“, fragte Anzu besorgt, aber er konnte sich nicht mehr zu ihr umdrehen. Es schmerzte so sehr...
Doch bevor er das Bewusstsein verlor, konnte er noch den Blick von Enttäuschung und Niederlage auf dem Gesicht seines Vaters sehen.
Und er wusste,
dass sein Vater ihn niemals stark sehen würde.

** * *

Als Yuugi das nächste mal begann sich zu regen, fand er nicht die normalen Schläuche vor, sondern eher eine große Maske, welche seinen Mund und seine Nase bedeckte und ihm half zu atmen. Er ließ die Augen zu. Er fühlte sich immer noch schwach, von dem, was vorher passiert war. Er konnte Stimmen hören...
„Das kannst du ihm nicht antun! Er ist dein Sohn!“ Das war Großvaters Stimme. Normalerweise war er immer heiter, doch jetzt war seine Stimme voller Wut.
„Dieser Junge kann niemals stark sein, er wird das niemals überleben! Und... und ich weigere mich zu sehen, wie er weiter stirbt. Es ist einfach zu schmerzhaft weiter zu hoffen.“ Sein Vater klang so traurig, besiegt.
Also sorgte er sich...
„Yuugi ist stärker als du denkst, er hat das sechs Jahre lang überlebt und er wird jeden Tag stärker. Bitte... du kannst ihn jetzt nicht aufgeben, es würde sein Herz brechen.“
Keine Antwort kam und der Raum war mit einer dicken Spannung gefüllt. Yuugi zwang sich seine Augen zu öffnen, genau in dem Moment, in welchen sein Vater begann zur Tür zu gehen.
„Es tut mir Leid, aber ich kann hier nicht bleiben... Ich habe Aufgaben in Amerika, ich muss gehen...“
„Daddy...“ murmelte Yuugi in seine Maske. Seine Stimme ließ den Mann sich versteiften, seine Hand lag auf der Türklinke. „Ich liebe dich.“
Es war sinnlos ihn zu beten zu bleiben, wenn er nicht auf diese Worte reagierte. Dann würde es auch nichts nützen seinen Vater anzuflehen.
Sein Vater drehte sich noch nicht einmal um, als er die Tür öffnete. Er murmelte nur ein hastiges 'Es tut mir Leid, bevor er ging. Und Yuugi wusste; er hatte seinen Vater für immer verloren.
Der kleine Junge richtete seine traurigen Augen auf seinen Großvater, welcher auf der Stelle zu ihm kam und ihn umarmte, er ließ ihn sein Herz ausweinen, murmelte ihm beruhigende Worte zu.
„Mach dir keine Sorgen, Yuugi, er liebt dich, aber er kann es einfach nicht mit ansehen, wie du verletzt bist.“, versuchte er zu erklären. Yuugi schniefte und nickte, als Zeichen, dass er verstanden hatte. Es war genauso, wie er es gehasst hatte Anzu weinen zu sehen... aber hätte sein Vater nicht bleiben können, für ihn?
“Deine Mutter und ich werden für immer für dich da sein, Yuugi und wir lieben dich.”, fuhr sein Großvater fort, während er ein Stück Papier aus seiner Tasche zog. „Und deine neue kleine Freundin wird auch da sein.“
Yuugi hörte kurz auf zu weinen, nahm den Zettel und erlaubte ein trauriges Lächeln auf seinen Gesicht zu erscheinen. Ein Gesicht, welches Leute als engelhaft beschrieben, und doch war es eines welches bereits so viel Schmerz von seiner Seele gezeigt hatte.
Auf dem Zettel stand eine Nummer und die Worte `Ruf mich an wann immer du dich alleine fühlst. Anzu.´
Aber er fühlte sich immer noch einsam, auch mit seinen Großvater oder seiner Mutter zusammen fühlte er sich einsam. Weil er immer noch nicht diese Präsenz von früher gefunden hatte.
Sobald er sie gefunden hatte, würde er komplett sein. Denn jetzt war er nur die Hälfte eines Ganzen.
-Bald werde ich dich finden. Ich verspreche es.-

Kommis?