Game of Life
Tür hindurch ging, als ob sie überhaupt nicht da wäre. Der `Geist´ hielt dennoch seine Hand immer noch fest und obwohl Yuugi es nicht wirklich spüren konnte, so war es dennoch beruhigend. Er bemerkte es kaum, als sie auf den Lagerraum des Spieleladens zugingen. Er hatte noch nicht einmal etwas dagegen, als sie durch die Tür hindurchgingen.
Der Lagerraum war stockdunkel, die Lichter ausgeschaltet, aber es kümmerte Yuugi nicht. Er hatte keine Angst, wenn da der violette Geist bei ihm war.
Das Gefühl der Präsenz war stark und unleugbar geworden, als ob sie dem Jungen näher war, als jemals zuvor. Yuugi sah sich verzweifelt um, ließ die Hand los und ging weiter in den Lagerraum hinein, auf die hinteren Regale zu. Genau dann begann ein Licht zu leuchten. Es war sehr hell, aber Yuugi schloss nicht seine Augen, denn es schmerzte ihn nicht. Es war wunderschön anzusehen, er schluchzte beinahe beruhigt auf, als er realisierte, was es war.
Das Licht kam aus einer goldenen, rechteckigen Box, welche bewundernswert mit dem Auge des Horus verziert war. Das Licht fühlte sich lebendig an und Yuugi wusste, dass die Präsenz, welche er jahrelang gesucht hatte, da drin war, und auf ihn wartete. (2)
Ohne einen weiteren Gedanken griff er nach der Box, doch seine Hände glitten hindurch. Yuugi schnappte erneut nach Luft, zitterte leicht. Für den Moment, in dem seine Hände durch die Box glitten, hätte er schwören können, dass er etwas gesehen hatte, jemanden...
Yuugi schluckte nervös, als er zu dem violetten Geist blickte. Mit dem Licht der Box, konnte Yuugi den Ausdruck in seinen Augen sehen, ein Ausdruck von Vertrauen, als ob er dem engelsähnlichen Kind eine beachtliche Menge von Vertrauen und Verantwortung gab. Yuugi nickte seinen Kopf langsam, verstehend.
Der Zeitpunkt war gekommen. Nun begann das Spiel!
Und dann öffnete er seine Augen.
Yuugi war zurück in seinem Zimmer, auf seinem Bett. Es war kein violetter Geist und keine leuchtende Box dort. Aber er wusste, dass es kein Traum gewesen war, er konnte die Präsenz nun fühlen, spürte sie nahe in der Box. Er musste sie nur ergreifen.
Yuugi erhob sich langsam, der Schmerz seiner Lungen war zurück. Er wusste, dass er sich nicht bewegen sollte, aber er musste es finden. Er –brauchte- es...
Yuugi verfluchte es, dass er im höchsten Winkel des Hauses lebte. Es fühlte sich nach einen so langen Weg an und sein Atem kam stoßweise. Er setzte sich hin um die Treppen herunter zu kommen. Vorsichtig schob er seinen Po entlang und versicherte sich, dass er nicht fallen würde. Er musste es retten...
Er rief sich das Bild, welches er kurz gesehen hatte, als er versuchte die Box zu berühren, vor Augen. Ein Bild von Dunkelheit und Kälte, eine junge Gestalt, welche in Ketten gefangen war, die seinen Körper umschlangen, ihn verhöhnten. Seine dunkle Haut war überall aufgeschnitten, sein Haar hing schlaff und besiegt herunter, sein Körper war nackt und auf grausame Art entblößt. Yuugi war nicht in der Lage gewesen zu sprechen, als diese Augen sich schwach gehoben und in die seinen gestarrt hatten, wie ihre ewige Leere und Wahnsinn kurz von einen flackernden Funken von Hoffnung und Verwunderung abgelöst wurde. Er war nicht in der Lage gewesen mehr zu sehen, es war nur ein Moment, aber er wusste, dass dieser Mann die Präsenz gewesen war, derjenige, welcher ihn zusammen mit seinem Großvater vor sieben Jahren herausgefordert hatte zu leben.
(3)
Und nun würde Yuugi ihm helfen.
Er kletterte langsam auf seine Füße, sobald er einmal das Ende der Treppen erreicht hatte, seine Atmung weigerte sich, sich zu normalisieren, aber Yuugi weigerte sich ebenso, dies anzuerkennen. Seine Sicht verschwamm, aber es kümmerte ihn nicht. Seine Hand war auf der Tür, welche in den Spieleladen führte. Er konnte schwach hören, wie sein Großvater mit einem Kunden sprach und er lächelte bei dem Gedanken. Sein Großvater hatte ihm so viel geholfen, vielleicht würde er ihm jetzt helfen.
Yuugi brauchte ein paar Versuche, bis er die Tür öffnete und halb in den Laden stolperte. Der Kunde war bereits gegangen und Sugoroku war alleine, ein Ausdruck von Sorge war sofort auf seinen Gesichtszügen, als er seinen Enkelsohn sah.
„Yuugi! Was...?“ er hielt inne, als Yuugi sich an ihm klammerte, als wäre er eine Rettungsleine, seine Atmung unregelmäßig. Er zeigte auf den Lagerraum, gab seinen Großvater einen bettelnden Blick.
Sugoroku wusste, dass er die Bitte ignorieren sollte. Yuugi musste ins Krankenhaus gebracht werden und der Lagerraum war voller Staub, es würde die Situation nur verschlimmern. Doch...
Der Ausdruck auf dem Gesicht des Jungen war so aufrichtig, als ob alles davon abhing, dorthin zu gehen. Sugoroku seufzte besiegt auf und begann ihn langsam dorthin zu führen, schwor sich, ihn direkt ins Krankenhaus zu bringen, sobald sie das hier hinter sich hatten.
Er öffnete die Tür leicht und machte das Licht an, half Yuugi ganz vorsichtig die Treppen herunter. Er blickte den Jungen besorgt an, aber Yuugi sah ihn nicht an, er hatte nur Augen für eines der hinteren Regale, wo einige alte Spiele gelagert und vergessen wurden. Sugoroku hielt verwirrt inne, aber Yuugi ließ sofort von ihm ab und ging alleine weiter, bewegte sich schnell zu dem hinteren Regalen, schob die Spiele auseinander, seine Atmung wurde unregelmäßiger, aber er schien es nicht zu bemerken.
„Yuugi...“ Sugoroku verstand es nicht. Yuugi war nie so angespannt in den hinteren Regalen gewesen, doch jetzt schien er so verzweifelt zu sein, etwas zu finden. „Was suchst du?“
Yuugi hielt kurz inne bei diesen Worten, war sich nicht sicher, wie er antworten sollte. Aber dann… wusste er was es war, ohne dass er überhaupt wusste wie er den Namen des Artefaktes kannte, in welchen die Präsenz war...
„Mill…” keuchte er hustend. „ennium… puzz… puzzle.”
Sugoroku blinzelte erstaunt. Wie konnte Yuugi überhaupt von dem Puzzle wissen? Er hatte es ihm gegenüber nie erwähnt und nachdem er es gefunden hatte und nicht hatte lösen können, hatte er es in den Lagerraum getan. Die Geschichten, dass jene, welche es gefunden hatte, später gestorben waren, hatten ihn aus der Fassung gebracht; er hatte nicht gewollt, dass Yuugi es bekam.
... Und dennoch wusste Yuugi irgendwie davon und er schien so verzweifelt danach zu sein. Konnte er es ihm wirklich verweigern?
Vielleicht würde Yuugi es lösen und die Macht und das Wissen erhalten, welche die Box beschrieb. Eine reine Seele, wie die Yuugis würde nicht davon manipuliert werden, nicht wahr? Die Dunkelheit oder die `Schatten Spiele´ von denen die sterbenden Männer erzählten, würde ihm auch nicht schaden, oder?
„Bitte.” Keuchte Yuugi, sank nun besiegt zu Boden, Schluchzer erfüllten den kleinen Körper. „Es…”
-Es hatte mich gerettet.- dachte er, war er doch nicht in der Lage, es laut auszusprechen. Er konnte inzwischen kaum noch atmen, aber war es noch von Bedeutung? Wenn es nicht hier war, konnte er es nicht haben...
Er bemerkte es kaum, dass sein Großvater ihn auf die Füße zog, ein paar weitere Spiele auf dem Regal bewegte, bevor er ihn anlächelte. Er nahm Yuugis kleine Hand und legte sie auf die goldene, rechteckige Box, hoffte, dass er die richtige Entscheidung gefällt hatte.
Sobald Yuugi es unter seinen Fingern spürte, stoppten seine Schluchzer, seine Atmung beruhigte sich. Er sah mit geröteten Augen auf den staubbedeckten Gegenstand, aber es war unbestreitbar einer, der das Puzzle beinhaltete.
Er nahm es von dem Regal und hielt es nahe an seine Brust, seufzte ehrfürchtig auf, als er spürte, wie es sich anfühlte. Es zu halten, es bei sich zu haben, ließ ihn sich komplett fühlen, als ob er ein anderen Teil seiner selbst gefunden hatte, von welchen er nie gemerkt hatte, dass es fehlte. Er öffnete den Deckel, sah sich die Stücke mit einem entschlossenen Lächeln an, welche innen lagen. Er war sich nicht ganz sicher, wie sie mit dem Mann verbunden waren, aber er wusste, dass sich das klären würde, sobald er es gelöst hatte. Und das würde er tun. Das war sein neues Spiel.
„Ich habe dich endlich gefunden.“ Lächelte er, und irgendwo, tief in der Dunkelheit des Puzzles brachen die Ketten.
Nach diesem Tag, quälten ihn seine Lungen nicht wieder, und seine Familie war beides, erleichtert und argwöhnisch, warum. Aber es war eigentlich egal, er war endlich gesund.
Sugoroku hatte Yuugi die Geschichte des Puzzles erzählt, wie diejenigen, welche es gefunden hatte, gestorben waren und mahnte ihn vorsichtig zu sein. Aber Yuugi konnte nicht überzeugt werden, es zu teilen, er würde nicht aufgeben. Sugoroku konnte ihn nur beobachten und hoffen, dass was auch immer die Macht der Dunkelheit war, welche das Puzzle versprach, seinem Enkelsohn nicht schaden würde.
Jahrelang würde Yuugi sich über den violetten Geist wundern, welcher ihn zu dem Puzzle geführt hatte und er würde ihn erst, wenn das Spiel `Magic and Wizards´ herauskam und sein Großvater ihm sein Deck zeigen würde, wissen, dass er ihn wiedersehen würde. Der Schwarze Magier würde immer seine Lieblingskarte sein, weil es das Wesen war, welches ihn komplett gemacht hatte. Er würde das niemals vergessen.
-Etwas was du siehst, aber nie zuvor gesehen hast.- Das Rätsel war etwas, was auf zwei Wegen benutzt wurde, um das Puzzle zu beschreiben, erstens, weil man das Puzzle niemals komplett sehen würde, und deswegen nicht wusste, wie es wirklich ganz aussah. Der andere... der andere hielt ein Geheimnis, auch ihm gegenüber, aber er war dennoch immer noch da.
-Etwas was du siehst, aber nie zuvor gesehen hast.- Er hatte die Präsenz im Puzzle vor langer Zeit gesehen, aber er hatte ihn nicht wirklich –gesehen-. Vielleicht würde er eines Tages die Möglichkeit kriegen hinter die gekettete Illusion zu sehen, vielleicht würde er eines Tages nicht von der Person denken, dass sie