Backstage

Leb die Sekunde!

Mein erstes Kappi! ^^

Ich schmeiße wütend mein Handy quer durch mein Zimmer. Klingelt das schon um 6! Dann drehe ich mich seufzend zur Wand, um weiter zu pennen. Aber sofort fällt mir ein, wieso es geklingelt hat: Tokio Hotel!
Klingt erstmal komisch, als ich das ausrufe, aber ich wollte extra früh aufgestehen, um auch möglichst früh zum Konzert zu kommen. Wir fahren nach Erfurt. Ich bin für heute sogar von der Schule freigestellt worden. (Offiziell besuchen wir Verwante in Stuttgart.)
Ich freue mich tierisch, mit meiner Cousine Paula, einer ihrer Freundinnen, sie ist 12, ihren Namen kenne ich nicht, und natürlich einer meiner besten Freundinnen Anne mit ihrer Sister Franzi dahin zu fahren. Jetzt endlich munter stürze ich mich aus dem Bett und suche meine Klamotten zusammen. Mit Lichtgeschwindigkeit husche ich ins Bad, ziehe mich um, mach mich fertig.
Dann denke ich kurz nach. Meine Mutter wird auch gleich aufstehen. Sie hat seit Jahren nicht erlebt, dass ich so früh aufstehe. Aber das ist mir scheißegal. Genau wie sie. Sie hat nur den Zweck, uns 3, Anne ist schon in Erfurt im Hotel, soweit ich weiß im gleichen wie die Tokios, wofür ich sie umbringen könnte (!), zu kutschieren und auch den, das sie mir die Karte gekauft hatte. Mehr hat sie nicht zu tun. Aber sie hätte mir für Leipzig ruhig noch TR-Karten besorgen können! (Ich finde TH echt geil, aber TR vergöttere ich!)
Ich gehe wieder in mein Zimmer, mache mein Bett und als ich sie schon höre, gehe ich mit einem Winken an ihr vorbei ins Schlafzimmer. Dort ist der Wäschekorb. Auch meine Klamotten sind weg, gut.
"Was willst du essen?", fragt sie mich, als wäre alles normal. Ich zucke mit den Schultern und kriege wiedermal ein Stück Kuchen. Ist schon komisch, so wie ich zu sein und eine Oma zu haben, die in einer Bäckerei arbeitet. Klar, das ich von Anderen aufgezogen werde. Ich stehe da zwar drüber, aber wer weiß...
So richtig habe ich keinen Hunger, zwinge mich aber zu essen, weil der Tag heute auf jeden stressig und anstrengend wird! Als ich fertig bin, ist im Flur grade Zickenzeit: Mein "süßer" kleiner Bruder Tom will mal wieder nicht in die Schule. Sofort denke ich, das einzig Gute an ihm ist sein Name. Ich schleiche nochmal an ihnen vorbei ins Bad. Tom weiß nicht, das ich heute eh nicht in die Schule gehen werde. (Offiziell wird er heute in die Schule kommen können, weil er nicht mit in Stuttgart war/ist.) Ich kemme meine langen Haare nochmal durch und mache mir einen einfachen Zopf. Das letzte mal waren sie hinderlich und es war zu warm.
Tom ist grade stinksauer losgestiefelt, gradewegs zum Bus. Ich komme wieder raus, suche mir alles zusammen, was ich mitnehmen werde und packe auch mein "Futter" ein. Zum Glück ist März und ich habe nicht so viele Klamotten wie zum Konzert im Dezember im Haus Auensee, die in den Rucksack müssen. Gustav-Esche-Straße war noch leicht zu merken, aber mir will die Erfurter Addi einfach nicht einfallen! Ich schaue auf meine gelbe Konzertkarte, die meine Mutter bei der BRAVO bestellt hat.
"Werner Seelenbinder Straße 2...", lese ich flüsternd. dann steht da unter anderem noch der 6.3.05, dass es halb sieben abends beginnt, eine Stunde vorher Einlass ist. Dieses Mal kein "unbestuhlt". Wir haben uns damals kaputt gelacht! Als ich mit Maria (Wolle91) da war. Wir hätten uns mit Anne getroffen, aber dazu wurde zuviel gequetscht.
Damals konnte sie da vorne nicht mehr stehen. Sie wurde dann direkt vor die Bühne gesetzt. Als sie gehen sollte, hat ihr Tom hochgeholfen! Maria und ich konnten es nicht glauben. Ich weiß noch genau, wie Bills Handtuch auf meinem Kopf gelandet ist und sie es mir weggerissen haben. Echt krank. Das war fast eine Prügelei. Ich hab auch mitgemacht, schließlich war es von meinem Kopf! Naja, hat nicht funktioniert. Ich konnte nicht mal fluchen, weil ich damals Grippe hatte, also beinahe keine Stimme mehr. Hoffendlich hab ich sie alle angesteckt! Die Tokios anscheinend auch...
Aber ich hab mich gefreut, als Maria mir gesagt hat, ich kriege ein Kleines Stück von dem Stück, das sie von Tom's Handtuch hatte. Zusätzlich hatte sie auch noch Wasser abbekommen. Ich bin echt neidisch gewesen! Kommt mir irgendwie kindisch vor. Dieses Mal bekomm ich auch was! Ganz sicher!! Und vielleicht auch ein Autogramm und die Chance, ihnen ein Pic ,von mir gezeichnet, zu schenken! Ich hoffe noch...
Jetzt laufe ich wieder raus, mit meinem Rucksack in der Hand. Ich klingle direkt Anne an, um ihr so mitzuteilen, dass wir gleich losfahren. Meine Mutter kommt aus der offenen Küche. Noch immer im Schlabberlook.
"Fahren wir?", frage ich leicht verwundert.
"Wohin?"; fragt sie mich nur zurück. "Willst du nicht in die Schule?"
Ich werde aufeinmal richtig sauer. "WAS? HAST DU DAS KONZERT VERGESSEN??? ICH DACHTE WIR WOLLTEN DANN SCHON LOS!?!", rufe ich stickig. Jetzt könnte ich heulen. Ich sehe sie mit sich langsam mit Tränen füllenden Augen an. (Wenn ich mir vorstelle, wie das bei The Rasmus wäre; ich würde schon heulen!)
Plötzlich beginnt sie aber fech, nein, echt dämlich zu grinsen: "Keine Angst, Stefan kommt gleich mit den 2en. Ich ziehe mich nur noch um." Schon ist sie weg.
"Zieh lieber aus!"; flüstere ich. Noch ein 3. Mal gehe ich ins Bad, um zu sehen, ob alles noch sitzt und in meinem Face nichts vrlaufen ist. Sie hat wieder nicht erkannt, wie wichtig mir das alles ist. Ich denke, ich habe nicht viel. Ich meine keine materiellen Dinge...
Sie hat wieder nicht gesehen, wie traurig ich war, auch wie immer. Ich schlürfe missmutig in den Flur und warte auf ein Klingeln an der Haustür unten. Wir wohnen in einer kleinen Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in einer Kleintadt. Früher habe ich- ab meinem 3. Lebensjahr- in einem Minidorf, bestimmt nicht mehr als 700 Einwohner, gelebt. Natürlich auf einem Minibauernhof. wie fast jeder 2. hier. Oben auf einem Berg, überall Felder und Weiden, nur einem Haus in der Nähe, überall noch andere streunende Tiere, wie Katzen, wir selber konnten wegen unserem Jagdhund keine haben, die wurden immer totgebissen, wie viele meiner Haustiere, was aber eher an Tom lag, der lässt nämlich gerne Käfige offen, auch mal Hunde, oder sogar einige verschwundene Pferde vom Reiterhof einer Freundin. Das war natürlich nicht oft! Wir hatten auch Pferde. Jetzt denke ich, wie könnte es anders sein, an einen TH-Text, den ich gelesen hatte und dass mir das sehr bekannt vorkam. Nur war dort keine Bushaltestelle...
Da höre ich von unten aber auch schon die drei Besucher. Mein Onkel will mitkommen, damit meiner Mutter nicht langweilig wird. Sie müssen ja auch von ca. acht Uhr bis spät abends warten. Wann, weiß ich nicht. Mir auch egal! Ich werde meinen Spaß auf dem Konzert haben und vielleicht sogar mehr, als ich jetzt denke.
Ich überlege schon eine Weile, wie es wäre, sie richtig persönlich zu treffen.
"Hallo Anne!", kommt es mir von meiner sehr gut gelaunten Cousine entgegen. Sie kann sich schnell für etwas begeistern. Aber das ist auch gut so, sie hat ja noch genug Zeit dazu! Ich kann mir richtig gut vorstellen, wie sie an Weihnachten wegen der Karte gequasselt hat. "Ach, Papa, das ist mein schönstes Geschenk! Ach, danke!", macht meine Oma sie immer nach.
"Na, Paulchen?", grinse ich schnell. Mein Onkel nur ein schön nasales "Hi!" und hinterher der Satz "Freust du dich schon auf dein Tokio Hotel?" Ich nur: "Ja logisch!" und grinse nochmal.
"Schrei!", kommt es wieder dämlich & spottend von meiner Mutter. Ich verleiere nur die Augen und ziehe schon meine Schuhe an. "Ich hab mich so über die CD's & so gefreut! Was hast du bekommen?"; fragt Paula hibbelig. Ihre Freundin, wie ich jetzt merke, hab ich noch garnicht beachtet. Sie nickt mir schüchtern zu.
"Moin!", lächle ich freundlich, sie lächelt zurück. "N'Mor'gn!"
"Hab natürlich die Karte, ne DVD, Geld usw..."
(Mein persönlicher Gedanke: Hab ich ihr das nicht schon erzählt?)
"Auf geht's!"; sagt Stefan und wir laufen im Gänsemarsch in den Keller, zur Hintertür raus und stehen vor einem Auto. Ich glaube, es ist von meiner Tante. Wir können unseres nicht nehmen, weil da nur 4 Leute reinpassen. Dieses ist größer.
Ich höre von hinten ein Gespräch über mich: "Hast du das Konzert vergessen? Hat sie gefragt. Hahaha!", kichert meine Mutter dämlich.
Ich steige ein. Die 2 Mädels sitzen schon drin.
"Sehr witzig!", fauche ich und knalle die Tür mit voller Wucht zu...