Geschichten aus dem Leben

sonst nichts. Lass uns lieber ein wenig Spaß haben hier. Man kommt nicht jeden Tag hierher.“ „So Spaß haben? Okay, da wir beide anscheinend ein wenig aufgeheizt sind, dann sollten wir uns abkühlen.“ Ehe sie etwas sagen konnte, hatte er sie wieder gepackt und zog sie mit sich ins Wasser. Ohne Vorwarnung riss er sie hinab in die Tiefe und gemeinsam tauchten sie wieder an der Oberfläche auf. Statt ihm böse zu sein, begann sie zu lachen und wollte es ihm gleich tun, doch er war größer und stärker. Ein Gerangel entstand, doch gegen ihn hatte sie nie eine Chance, aber davon lies sie sich nicht entmutigen. Das bisschen Wasser hatte sie noch nie abgeschreckt. Die Zeit verging und irgendwann schaffte sie es doch ihn in einem schwachen Moment zu erwischen und glücklich über ihren Sieg, wollte sie etwas sagen, als er sie wieder in die Arme nahm. „Na warte, die Strafe folgt sogleich.“ Lachend wand sie sich, doch er hielt sie zu sehr fest.
Plötzlich wurde sein Gesicht wieder ernst. „Ich wüsste da etwas anderes. Vorhin hatte ich das Gegenteil behauptet, doch da bist du noch nicht strampelnd in meinen Armen gelegen. Es muss einfach sein.“ Sie hielt inne und ihr Atem stockte. Sie wusste, dass sie ihn abwehren konnte, doch etwas in ihrem Inneren ließ ihn gewähren. Leicht neigte er sein Gesicht zu ihr und ihre Lippen kamen sich immer näher. Der Lärm um sie herum wurde leiser und es gab nur noch sie beide. Wenige Zentimeter trennten sie noch von einander. Ein letztes Mal sah sie ihm noch in die Augen, bis sie ihre schließlich schloss und ihre Lippen sich berührten.
Ein Kribbeln durchzog ihren ganzen Körper und eine unbekannte Spannung sammelte sich in ihrem Bauch. Darüber würde sie später nachdenken, beschloss sie und gab sich ganz ihren Gefühlen hin. Seine Lippen waren weich und warm. Ein wenig schmeckten sie nach Chlor, aber das störte sie nicht. Sie wollte einfach nur die Welt um sie herum vergessen.
Mit der Zeit begann sich der Druck seiner Lippen zu verstärken und eine Stimme in ihrem Inneren begann nach mehr zu verlangen, ihn intensiver zu berühren.
Erschrocken öffnete sie ihre Augen und zog sich zurück. Was dachte sie da nur? Das sollte sie nicht. Er sah ihre Verwirrtheit. „Was ist los?“ Seine Stimme klang noch belegt und kam keuchend aus seinem Mund.
Statt einer Antwort befreite sie sich aus seinen Händen und griff nur auf ihre Lippen. Bereits auf dem Weg zum Beckenrand schüttelte sie nur den Kopf. „Es tut mir leid, das ist absurd. Ich muss hier weg.“ Er wollte sie zurückhalten. Wollte ihr sagen, dass nichts gewesen sei und das es was ganz normales gewesen ist sich zu küssen, doch sie hörte ihm nicht zu. Er versuchte sie einzuholen, doch immer wieder drängten sich Menschen in seinen Weg. Als er den Beckenrand erreicht hatte, war sie bereits mit ihrem Handtuch unterwegs zur Umkleidekabine. Was hatte sie nur? Diese Frage ging ihm die ganze Zeit durch den Kopf. Er musste sie aufhalten, aber wie?
Noch immer spürte sie seinen Geschmack auf ihren Lippen. Es war alles so schön gewesen, aber nun musste es vorbei sein. Was war nur in sie gefahren?
Sie verzichtete aufs Duschen und zog sich schnell um. Auch war ihr egal, dass ihre Haare vom Wasser noch nass waren. Sie musste einfach nur hier weg. Sie musste einfach in Ruhe über alles nachdenken. Geschwind räumte sie ihr Kästchen und verlies die Umkleidekabine, wo er bereits auf sie wartete. Er hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht sich umzuziehen. Er stand lediglich in Handtuch und Badebekleidung vor ihr und sah sie fragend an. Damit hatte sie nicht gerechnet oder etwa doch? Tief in ihrem Inneren wollte sie, dass er da stand und sie nicht gehen lassen würde, aber ihr Verstand sagte ihr, dass er nicht hier stehen hätte sollen.
Sie wollte an ihm vorbeigehen, doch wieder hielt er sie zurück. „Warum?“ War alles, was er sagte. „Ich muss einfach gehen. Ich brauche Zeit um über das, was da passiert ist nachzudenken.“ „Aber es war doch nur ein Kuss.“ Richtig, für ihn war es nur ein Kuss, also wie sollte sie ihm dann erklären, dass es für sie etwas anderes war. Für sie war es nicht nur ein Kuss, es war mehr. Was es genau war, dass konnte sie nicht sagen, darüber müsste sie erst in Ruhe nachdenken, aber das konnte sie nicht, wenn er hier vor ihr stand und sie verwirrt und zugleich flehend ansah.
„Es tut mir leid.“ Nochmals kamen ihr die Worte über die Lippen, als sie sich von ihm losriss und an ihm vorbeilief. „Warte“, war alles was er ihr nachrief, doch ihre Gestalt verschwand bereits im Regen, der eingesetzt hatte. Bekleidet in seinem Handtuch sah er ihr nach und fragte sich, was er nur falsch gemacht hatte.