Fanfic: A Sengoku-Jidai History
Kapitel: Das Abenteuer beginnt
Chiyo:
Heute war es also soweit: der erste Tag der neunten Klasse an der Momokuri High. Okay, eigentlich war es schon das zweite Mal „Der erste Tag der neunten Klasse“. Ja, ihr habt schon richtig gehört! Ich gebe es ja nur ungern zu, aber es stimmt leider: ich bin sitzen geblieben.
Mein Name ist Chiyo Hagino und ich bin bereits 16 Jahre alt, obwohl man mir das nicht besonders ansah, als ich heute so hilflos wie ein kleines Mädchen vor meiner neuen Klasse stand. Im Grunde sahen alle wirklich nett aus, ich hätte überhaupt keinen Grund gehabt, aufgeregt zu sein. Und trotzdem, es war irgendwie schon seltsam. Ihr kennt das bestimmt, dieses mulmige Gefühl, wenn man von allen angestarrt wird. Man wird gemustert und fixiert, und man kommt sich dabei vor, wie ein Verbrecher beim Verhör. Bah! Na ja, vielleicht übertreibe ich da ja ein bisschen, aber egal. Auf jeden Fall stand ich nun hier, vor meiner zukünftigen Klasse und wünschte mir in diesem Moment zum ersten Mal in meinem Leben nichts sehnlicher, als die Schulglocke zum Unterrichtsbeginn läuten zu hören. Könnt ihr euch das vorstellen?
„Ich werde noch irre, bestimmt!“, seufzte ich gequält und blickte ungeduldig zur Klassentür, wodurch jeden Augenblick einer meiner neuen Lehrer treten würde. „Geh auf, geh auf, geh auf!“, flehte ich im Stillen. Zwar war es ja nicht so, dass alle mich ansahen, schließlich ging es in diesem Raum ganz schön laut zu und es gab glücklicherweise noch weitere Ablenkungen als mich.
Ein Mädchen mit langen schwarzen Haaren, nussbraunen Augen und einem freundlichen Gesicht stritt sich zum Beispiel gerade mit drei weiteren Mädchen, die immer wieder anfingen zu kichern und sie anscheinend ohne Rücksicht mit vielen Fragen löcherten. Auch sie trugen wie alle anderen unsere hübsche Schuluniform, die ich so sehr mochte. Neugierig drehte ich meinen Kopf in ihre Richtung und lauschte interessiert dem Gespräch.
„Hey Kagome-chan, was willst du denn jetzt eigentlich Hojo-kun erzählen?“, hörte ich das linke Mädchen mit den langen schwarzen Locken sagen, die sich ein kleines Grinsen nicht verkneifen konnte. „Ja, Kagome, wann erzählst du ihm endlich von deinem Freund aus dem Brunnen?“ Auch das rechte Mädchen mit dem kurzen braunen Haar fing an zu lachen und selbst die dritte unter ihnen stimmte mit ein. „Wie oft muss ich euch das noch sagen?!“, rief Kagome und knallte wütend ihre Bücher auf den Tisch. „Er ist NICHT mein Freund! Er ist brutal, rücksichtslos, sturköpfig, eingebildet und...?!“ „Ja ja, das erzählst du uns schon die ganze Zeit, Kagome-chan. Aber uns kannst du nichts vormachen.“ Das Mädchen mit den schwarzen Locken grinste amüsiert und Kagome seufzte darauf genervt: „Du treibst mich noch in den Wahnsinn, Ayumi-chan. Und ihr auch, Yuka und Eri! Ich werde noch verrückt, wenn ihr so weiter macht! Lasst mich einfach mal für eine Minute damit in Ruhe, okay?“
Ich sah den streitenden Mädchen noch eine Weile belustigt zu, doch dann wurden diese und auch der Rest der Klasse urplötzlich von einem leisen Knarren unterbrochen. Erst als alle sich hastig und schnell auf ihre Plätze zurückgezogen hatten, wandte ich meinen Kopf in Richtung Tür. Ich bemerkte einen leisen Luftzug und sah, wie die Türe wieder ins Schloss fiel. Die Person, die eben hindurch gegangen war, rauschte an mir vorbei und ich richtete erwartungsvoll meine dunklen braunen Augen auf sie. Auf einmal stand ein großer hagerer Mann mit einem schmalen Gesicht und ziemlich ausgeprägten Wangenknochen neben mir. Sein langes schwarzes Haar hatte er streng zu einem Zopf gebunden, und auch sonst sah der Typ echt fies aus, der wohl oder übel mein neuer Klassenlehrer sein musste. „Womit habe ich das nur verdient“, dachte ich gequält und lächelte den Mann, so gut ich nur konnte, nett an. Obwohl mir eigentlich gar nicht danach zu Mute war….
„Guten Tag, Miss Hagino“, fing der Lehrer, mit der tiefsten unheimlichsten Stimme, die ein Lehrer wohl je gehabt hatte, an zu sprechen. „Ich freue mich, Sie kennen zu lernen. Wenn Sie sich wohl kurz vorstellen würden?“ Er wandte sich an seine Klasse, die nun die ganze Szene interessiert in Augenschein nahm, und donnerte: „Hört alle her! Das hier ist…Miss Higurashi, ich sagte alle!“ Kagome, die eben noch ganz vertieft mit Ayumi im Gespräch gewesen war, schreckte erschrocken aus ihrer leisen Unterhaltung auf und drehte sich eingeschüchtert zu dem Lehrer. „T-tut mir Leid, Kyamato-sensei“, stotterte sie kleinlaut und neigte entschuldigend ihren Kopf. „Kommt nicht wieder vor.“ Währenddessen konnte ich ein leises Glucksen nicht unterdrücken. „Arme Kagome“, dachte ich mitfühlend, und sah zu, wie sich Kyamato-sensei nun wieder der Klasse zuwandte und Kagome mit ihrem rot angelaufenem Gesicht nicht weiter beachtete. „Wie ich gerade sagen wollte, haben wir eine neue Schülerin“, fuhr er fort. „Das hier ist Miss Hagino, und sie wird dieses Jahr gemeinsam mit euch unterrichtet werden. Und ich bitte euch, sie nicht zu ärgern oder zu benachteiligen, nur weil sie die Klasse wiederholen muss.“
Na toll! Schluss, Punkt, Aus, Ende! Meine Chancen, neue Freunde zu finden, waren nun vollkommen zerstört. Na danke! Warum musste dieser doofe Lehrer nun auch noch davon faseln? Klasse, wahrscheinlich werden mich jetzt alle nur noch deswegen triezen. Super!
„Also, Miss Hagino wird nun einige Dinge über sich und ihr Leben berichten.“ Auch das noch! Besser gings echt nicht mehr. Ich bin verflucht!!!
Ich seufzte. Aber ich hatte wohl keine andere Wahl…leider. Gerade wollte ich zu sprechen anfangen, um mich vorzustellen, als auf einmal die Türe zum Klassenzimmer mit einem lauten Knall aufflog und ein Mädchen mit langem goldblonden Haar mit einer Wucht hereinstürmte.
Die Türe knallte zu.
Stille.
Das Mädchen blieb erschöpft stehen und stemmte ausgepumpt die Arme in die Seiten. Ich glaube, sie muss eine ziemlich lange Strecke gerannt sein, wenn ihr mich fragt. So wie die außer Atem war….
Doch ich mochte sie auf Anhieb, schon die Tatsache, dass sie mir soeben meine Vorstellung vermasselt hatte, war ein guter Zug von ihr gewesen. Aber sie sah echt nett aus, hatte langes blondes Haar, das sie mit einer roten Schleife zu einem dicken Zopf gebunden hatte, trug ein süßes weißes Top mit einem roten Herz darauf und hatte einen schwarzen Minirock an, der ihr aber noch bis zu den Knien reichte. …Ähm, Moment mal! Keine Schuluniform? Und auch diese blonden Haare…ganz klar, die war bestimmt nicht von hier! Das stand fest. Woher sie wohl kam? Vielleicht aus Europa? Oder Amerika? Ich wusste es nicht. Aber egal, auf jeden Fall nicht von hier.
Shiori:
Puh, gerade noch geschafft! Gott, war ich froh, dass ich’s noch hinbekommen hatte. Dieser verdammte Bus! Warum musste der ausgerechnet auch heute, an meinem ersten Schultag an der Momokuri High, gerade zu spät kommen? Oh Mann, ich war völlig am Ende! Erst mal setzten und…oh!
Erstaunt sah ich mich in dem Raum um und bemerkte die vielen neugierigen Gesichter, von denen ich aufmerksam gemustert wurde. Och nö, war ich etwa mitten in den Unterricht reingeplatzt? Das durfte doch nicht wahr sein. Wieso passierte das ausgerechnet immer mir? Ich glaube, das Pech scheint mich buchstäblich anzuziehen…
Langsam richtete ich mich wieder auf und sah mich in dem Zimmer um. Auf den klapprigen Stühlen an vollgekritzelten Tischen saßen so um die dreißig Schüler. Alle schwarz- und braunhaarig, wie es eben in Japan oder Asien so üblich war. Alle sahen mich erstaunt an und fingen aufgeregt an zu tuscheln, ich glaube, sie haben sich ziemlich über mein Aussehen gewundert. Ich nehm’s ihnen auch nicht übel - es sah schon seltsam aus, ich mit meinen normalen Klamotten und alle anderen in Uniform. Ziemlicher Unterschied, wenn ihr mich fragt.
Ich lächelte schüchtern und richtete mich schließlich wieder auf. Als ich mich scheu im Raum umsah, bemerkte ich ihn - ja das musste er sein. Mein neuer Lehrer. Und neben ihm – war das auch eine Neue? Zumindest saß sie nicht bei den anderen, und das hieß wohl, dass ich doch nicht die einzige war.
Ich atmete erleichtern auf und dachte: „Zum Glück, vielleicht finde ich mich dann ein bisschen besser zurecht, wenn ich mich mit ihr anfreunde.“
Das Mädchen hatte lange braune Haare, ebenfalls zu einem Pferdeschwanz gebunden, tiefbraune Augen und ein sehr hübsches Gesicht. Irgendwie wusste ich schon anfangs, dass ich mich sicher gut mit ihr verstehen würde, fragt mich nicht warum. Vielleicht lag es auch nur daran, dass ich mir im Moment nur Mut machen wollte, keine Ahnung.
Der Lehrer sah mich streng an und sagte dann: „Sie müssen Miss Shiori Kazuki sein. Mal wieder zu spät, wie es Ihre Akte beschrieben hat.“ Ich lächelte verlegen. „Nun ja“, fuhr er fort und winkte mich zu sich her, ,,kommen Sie nach vorne und stellen Sie sich hierher, bitte.“ Rasch machte ich mich auf den Weg vor das Pult, und blieb unsicher neben dem anderen Mädchen stehen. „Hi“, flüsterte ich und lächelte sie freundlich an. „Ich bin neu, du auch?“ Sie lächelte gequält. „Sitzen geblieben….“
„Oh….“
„Das ist schon okay. Mein Name ist übrigens Chiyo!“
„Freut mich dich kennen zu lernen Chiyo!“, lächelte sie erfreut. „Ich bin Shiori, aber nenn mich ruhig Shio, so werde ich normalerweise von meinen Freunden genannt.“ Chiyo lächelte zurück. „Okay, gerne. Willkommen, Shio!“
Der Rest des Tages lief eigentlich nicht anders ab, als auf meiner alten Highschool in Oxfort. Es waren nur die mehr Stunden Unterricht, die mir zu schaffen machten, ich glaube, es waren zwei bis drei Stunden mehr als in England. Aber daran musste ich mich wohl noch gewöhnen – ebenso daran, wie jeden Tag japanisch zu sprechen. Wenn meine Mutter mir die Sprache nicht von Kindesalter an schon beigebracht hätte, ich glaube, ich wäre