Fanfic: Alles aus Liebe

Untertitel: Nachts unterm Sternenhimmel

Kapitel: 1.Kapitel - Nachts unterm Sternenhimmel

1.Kapitel – Nachts unterm Sterbenhimmel

Yami, oder auch Pharao Atemu, wie er eigentlich hieß, hatte dank Yugi seinen Frieden gefun-den. Sein Geist war nicht länger in der Welt der Lebenden gefangen. Er war auf der anderen Seite, und nur er wusste, wie es dort aussah.
Yugi, Joey, Tea und Tristan hatten sich von ihm verabschiedet, so schwer es ihnen auch gefal-len war und sehr es ihnen auch das Herz zerrissen hatte. Obwohl sie ihren 5000 Jahre alten Freund gehen lassen mussten, fühlten sie sich trotz Trauer auch glücklich. Der Pharao hatte seine Vergangenheit wieder. Bestimmt würde er auf der anderen Seite auch seinen Vater und seine Freunde aus dem alten Ägypten wieder sehen – und endlich seine Mutter kennen lernen, die bei seiner Geburt gestorben war.
„Ihm geht es bestimmt gut“, meinte Tea ernst zu den kleinen Yugi Muto, der traurig vom Heck der Fähre aus, die sie zurück nach Kairo brachte, in die Ferne starrte, dorthin, wo nun von den Bergen verdeckt das Grabmal lag, wo er mit dem Pharao das Duell gehabt hatten, aus dem er siegreich hervorgetreten war.
„Du hast das vollkommen richtige getan“, wollte sein Freund Joey Wheeler in aufmuntern und beugte sich auf die Höhe Yugis hinunter. Er wischte ihm mit dem Daumen eine Träne aus dem Gesicht.
„Du musst auch das Gute sehen: Da wir hier in Ägypten sind, könnten wir doch gleich Urlaub machen“, fügte Tristan wohlwollend hinzu.
„Wir haben sowieso Schulferien“, überlegte Tea laut, dabei besonders an Yugi denkend. Der Kleine brauchte Zeit, um alles zu verarbeiten, und das konnte er nicht in einer Stadt, wo Ver-kehrslärm und Menschengebrüll seine Ruhe störten. Er konnte nicht sofort wieder in sein normales Leben eintauchen, besonders, wenn es nicht mehr normal war, denn Yami war nicht mehr an seiner Seite.

„Und, bleibt ihr auch in Kairo?“, fragte Tea später Mokuba Kaiba, der sich zusammen mit seinem Bruder Seto vorne am Bug befand, der die ganze Zeit schon versucht hatte mit seinem Handy seinen Bodyguard Roland zu erreichen, der irgendwo mit dem Flugzeug der Kaiba-Corporation stecken musste. Doch als einzige Antwort auf seine Anrufe bekam er immer wie-der nur die Meldung, dass die Person nicht geortet werden konnte.
„Wie es aussieht schon“, erwiderte der Schwarzhaarige glücklich. Endlich konnten sie wieder Urlaub machen, zwar ungewollt, doch war ihm das egal. Sein älterer Bruder konnte sich so von den Strapazen, die der Beruf eines Firmenleiters eines Weltunternehmens mit sich brach-te, erholen. Für ein, zwei Wochen keine Arbeiten mehr, die bis in die frühen Morgenstunden dauerten, nur noch ausschlafen.
„Sorry, Mokuba, aber ich habe wichtiges zu tun. Vielleicht ein anderes Mal“, entgegnete Seto kurz angebunden und versuchte gleich noch einmal Roland zu erreichen. Er hatte wirklich seinen kleinen Bruder angelogen. Er schämte sich dafür, denn die Wahrheit war die: Er hatte nichts Wichtiges zu tun. Er hätte sich ruhig die Zeit für einen kurzen Aufenthalt in Kairo nehmen können, doch er hasste diese Stadt und das Land Ägypten. Er wusste nicht warum, doch wenn er nur etwas Ägyptisches hörte, begann sich etwas Unbeschreibliches zu wenden wie eine Schlange, die immer wieder in seine Seele biss und somit vergiftete. Er verspürte regelrechten Hass gegen dieses Land.
„Ach komm schon, Kaiba, so ein reicher Pinkel wie du wird sich doch so etwas leisten kön-nen. Oder haben wir uns schon verschuldet?“, fragte Joey schelmisch. Er war Tea nachgegan-gen. Tristan und Yugi hatten sich unter das Deck begeben, wo sie sich zu Ishizu, Marik und Odion setzten.
„Ich würde aufpassen, was ich sage, wenn ich du wäre, Wheeler, oder du könntest aus Verse-hen von Bord fallen; und Straßenköter wie du können sich ja meistens nicht lange überm Wasser halten“, entgegnete Seto grob. Er hatte keine Lust und keine Nerven dafür, mit dem Blondschopf zu streiten.

Alle – selbst Mokuba – waren unterm Deck, nur Kaiba lag ausgestreckt auf dem Dach der Steuerkabine, wo ihn niemand vermuten würde, der ihn suchte. Er sah gegen Horizont. Die Sonne ging unter, der Tag fand sein Ende. Seto war froh darüber. Für heute hatte er genug erlebt. Der Pharao hatte seinen Frieden gefunden – und er selbst auch irgendwie den seinen. Ihm freute es nicht, dass Yami gegangen war, doch er war auch nicht traurig deswegen. Ate-mu hatte nie richtig zu seinen Leben gehört, er war einfach so hinein getreten, ohne dass Kai-ba es gewollt hätte. Immer mehr hatten sich ihre Schicksale ineinander verwickelt, immer mehr war ihre gemeinsame Vergangenheit im alten Ägypten hervorgetreten. Ja, er hatte von all dem gewusst. Von dem Ereignis im alten Ägypten, von den Milleniumsgegenständen und von den drei ägyptischen Götterkarten. Er gab es sich selbst jetzt endlich zu. Schon als kleines Kind war ihm das alles schon bekannt gewesen. Seine Eltern hatten ihm davon erzählt. Doch hatte er es vergessen wollen!
Er sah gegen Himmel. Bald würden die ersten Sterne aufleuchten, doch an zwei Stellen wür-den zwei schwarze Punkte herrschen, in denen er sich vollkommen verlor, wenn er sie ansah. Vor noch neun Jahren hatten dort noch zwei strahlende Sterne geleuchtet, doch waren sie zu-sammen mit dem Tod seiner und Mokubas Eltern untergegangen. Er war damals zehn gewe-sen und sein kleiner Bruder erst fünf. Verwandte hatten sie ins Waisenhaus geschickt, und in ihrer ersten Nacht dort hatten sie die beiden Sternschnuppen gesehen, der Abschiedsgruß von Vater und Mutter.
Damals hatte er stark sein müssen für seinen Bruder und sich. In keinem Moment hatte er Schwäche zeigen dürfen, obwohl sie seinen Körper bewohnt hatte und seine Seele regiert hat-te. So viele Augenblicke hatte es gegeben, wo er am liebsten aufgegeben hätte, einfach nur gerne liegen geblieben wäre und darauf gewartet hätte, dass alles ein Ende findet, dass alles nur ein Traum wäre. Doch es war keiner gewesen. Alles war Wirklichkeit. Wie sehr hatte er sich doch gewünscht, dass seine Eltern plötzlich im Waisenhaus aufgetaucht wären und alles als einen blöden Scherz abgehakt hätten. Er hätte ihnen verziehen. Doch jene Hoffnung wurde von Tag zu Tag kleiner, bis sie vollkommen verschwunden war.
All diese Erinnerungen hatte er verdrängt, in der tiefsten und dunkelsten Ecke seines Herzens eingesperrt und ein großes Schloss des Vergessens davor gehängt. Doch als Yami und seine Freunde aufgetaucht waren, als sie ihm von dem Milleniumsgegenständen, den Götterkarten und ihrer gemeinsamen Vergangenheit erzählt hatten, war das Schloss aufgebrochen, und Wellen des Schmerzens und des Leids hatten seine gesamte Seele überflutet. Warm hatte das der Pharao getan? Waren sie vor 5000 Jahren in einem früheren Leben nicht einmal befreundet gewesen? Warum musste er die grausamen Erinnerungen in ihm wieder wach rufen?
„Kaiba“, sprach eine bekannte Stimme in plötzlich an. Liegen bleibend wandte er seinen Kopf zur Seite.
Ishizu war Setos Verhalten so komisch vorgekommen. Er war zwar wortkarg und in gewisser Weise auch arrogant, doch war er immer am selben Ort wie sein kleinerer Bruder. Aber wa-rum ließ er ihn jetzt allein? Die Ägypterin hatte sich auf die Suche nach dem braunhaarigen Milliardär gemacht. Sie hatte sich bei den anderen entschuldigt und gesagt sie hätte Kopf-schmerzen. Sie wusste nicht, warum sie die anderen angelogen hatte. Mokuba hatte ihr einen ernsten Blick zugeworfen. Er wusste, dass ihr nichts fehlte und was sie vorhatte, doch hatte er sie ziehen lassen. Nach gründlicher Untersuchung aller Räume war sie verstört aufs Deck getreten. War Kaiba wirklich verschwunden? Wo war er? Ihr Blick schweifte über den Um-riss der Fähre, der sich im letzten Sonnenstrahl hervor prägte. So stach er auch das weiße Hemd ins Auge, das Seto zusammen mit einer normalen Jeans gegen seine übliche Kleidung ausgetauscht hatte. In Ägypten herrschten wirklich hohe Temperaturen. Auf leisen Schritten hatte sie sich zur Steuerkabine begeben, hatte den Kapitän mit einer kurzen Handbewegung gebeten Stillschweigen über ihren Aufenthaltsort zu bewahren und war die Leiter hinauf ge-klettert, die an der Wand befestigt war.
Als sie ihn dort liegen sah, dachte sie, er würde schlafen, so sprach sie leise seinen Namen. Doch er war wach und wandte deswegen seinen Kopf in ihre Richtung. Im ersten Moment war sie vollkommen gedankenverloren. In seinen reinen, blauen Augen spiegelte sich so viel Trauer, Schmerz, Leid, Einsamkeit und Angst wider, dass Ishizu selbst glaubte, davon zerdrückt zu werden, wenn sie sie nur eine Sekunde länger ansah. Doch mit Setos nächsten Blinzeln war davon keine Spur mehr zu sehen. Nur noch eine klaffende Leere lag in seinem Blick.
„Was willst du?“, fragte er barsch. Er hatte allein sein wollen, doch war sie aufgetaucht und setzte sich nun neben ihn.
„Ich wollte nur wissen, was mit dir los ist“, erwiderte sie und versuchte genauso gefühlskalt zu klingen wie er, doch es gelang ihr nicht. Zu tief war dieser kurze Blick Kaibas in ihr Herz eingedrungen und hatte ihr mit Messersschärfe einen schmerzenden Schnitt zugefügt.
„Was sollte schon mit mir los sein, außer dass du mich ziemlich nervst, geht es mir gut!“, erklärte er grob. Er hatte vollkommen den Schmerz vergessen, den seine Vergangenheit ihm immer wieder zufügte. Wie oft hatte er das schon gemacht? Einfach alles zu verdrängen? Warum tat er das, obwohl er wusste, dass die Wunden seiner Seele immer wieder von neuem aufbrechen würden, wenn er nicht endlich begann den Schmerz zu verarbeiten?
„Kaiba?“
„Fällt dir nichts mehr ein um mich zu nerven? Dann geh endlich!“
„Ich mache mir Sorgen um dich. Mokuba auch.“
„Lass meinen Bruder aus dem Spiel. Nur weil der Pharao weg ist, brauchst du nicht mich als nächstes Opfer auszuwählen!“, fauchte sie Seto an.
„Ach, denkst du also doch, dass es einen Pharao gibt“, schoss es aus dem Mund der Grabwächterin hervor. Sie glaubte