Fanfic: Muttertochterliebe

Kapitel: Muttertochterliebe

Diese Geschichte habe ich meinen Eltern zum Mutter-/Vatertag geschenkt. Ist vielleicht ein wenig kitschig, aber da meine Mutter auf so etwas steht, hab ich das halt so geshrieben. Nun wollte ich aber mal wissen, was andere Leute so über die Geschichte, und nicht zuletzt auch über meinen Schreibstil, denken. Also bitte schreibt mir Kommentare!

Langsam fuhr der Möbelwagen vor und hielt vor der Nachbareinfahrt. Zwei Möbelpacker stiegen aus und öffneten die Heckklappe des Lasters. Dann entluden sie ihn und trugen Sofas, Stühle, Betten, Tische und unendlich viele Kisten ins Haus. Keiner kam aus diesem um ihnen zu helfen und als alles ausgepackt war, fuhren die Möbelpacker ab, ohne dass sich irgendjemand hatte blicken lassen.

Kopfschüttelnd zupfte Liz die Gardine wieder in Form. Das ging schon seit einer Woche oder sogar noch länger so. Seit sich endlich ein Käufer für das Haus gefunden hatte, sah man ständig irgendwelche Arbeiter, aber nie jemanden, der der neue Besitzer des Hauses sein könnte. Angeblich war es ein junger Mann, der mit seiner Frau und einer kleinen Tochter hierher ziehen wollte. Dafür war das kleine, urgemütliche Haus mit großem Garten nahezu perfekt geeignet. Es war ein genauso schönes Familienhaus, wie das, in dem sie mit ihrem Mann und ihrer Tochter gewohnt hatte, als noch alles in Ordnung war.
Seufzend setzte Liz sich in einen Sessel und betrachtete die vielen Fotographien aus schöner Zeit, die immer noch ordentlich eingerahmt an der Wand hingen. Neben den Porträts der vielen Familienmitglieder und dem Hochzeitsfoto ihres Mannes Thomas und ihr hing dort noch ein Foto. Auf diesem war eine lachende junge Frau abgebildet, die auf ihren Armen ein blond gelocktes Kleinkind trug und von einem Mann liebevoll umarmt wurde. Dieses Foto war schon immer eines von Liz absoluten Lieblingsfotos gewesen, doch nun versetzte es ihr einen schmerzhaften Stich. Sie waren so glücklich gewesen, sie und ihr Mann Thomas, als die kleine Sophia das Licht der Welt erblickte. Sie war ihr erstes und auch einziges Kind und sie und Thomas wollten Sophia alles geben, was sie dann auch –ihrer Meinung nach- getan hatten. Wohlbehütet war sie von einem süßen Baby, zu einem verträumten Mädchen und dann zu einem Teenager mit ganz eigenem Kopf herangewachsen. Und dieser Teenager hatte eines Tages in einer Diskothek David kennen gelernt.
Von da an hatte der Haussegen immer wieder schief gehangen, da Thomas und Liz, vor allem aber Liz, nicht hatten einsehen wollen, dass Sophia und David ebenfalls das verband, was sie für Thomas empfunden hatte, wahre und unendliche Liebe. Als sie dann auch noch erfahren hatte, dass David der uneheliche Sohn einer Nachtklubbesitzerin war, war ihr der Kragen geplatzt.
‚Er ist nicht der richtige Umgang für dich, Sophia, Schatz! Er passt nicht in deine Welt! Er ist nicht gut genug für dich!!!’
Das war das letzte, was sie zu ihrer geliebten Tochter gesagt hatte. Die war nur noch wutentbrannt in ihr Zimmer gerannt, hatte sich eingeschlossen, sämtliche Sachen eingepackt und war abgehauen. Einfach so, ohne irgendein Wort des Abschieds. Nur eine schnell und unsauber gekritzelte Nachricht hatte sie hinter lassen: Ich brauche dich nicht, um mein eigenes Leben glücklich zu leben!
Dieser eine einzige Satz hatte den tiefsten Schmerz ausgelöst, den sie jemals empfunden hatte, doch ihre eigene Arroganz hatte ihr verboten diesen zu zeigen. Eitelkeit, die sie jetzt nicht im Geringsten nachvollziehen konnte, hatte sie, und wohl auch Thomas, dazu gebracht nie nach ihrem einzigen Kind zu suchen. Liz erinnerte sich noch sehr genau an den Tag, nach Sophias Verschwinden. An diesem Tag hatte sie Besuch von ihrer Schwester Miriam erhalten. Miriam war entsetzt, als sie hörte was passiert war.
„Wollt ihr nicht nach Sophia suchen? Mein Gott, Liz, sie ist doch noch ein Kind! Wie könnt ihr sie denn jetzt einfach so allein lassen?!“
Ein Kind, ja das war sie mit ihren 18 Jahren wahrhaftig immer noch. Zwar volljährig, aber immer noch voll von den Fantasien und Träumen einer 10-jährigen. Doch das hatte Liz erst viel zu spät eingesehen. An besagtem Tage hatte sie nur die Schultern gezuckt, gelächelt und gesagt: „Wenn sie der Verblendung, sie könne mit David glücklich werden, unbedingt Recht geben will, dann soll sie versuchen, im richtigen Leben zurechtzukommen. Sie wird schnell merken, dass David nicht der Richtige für sei ist und einfach nicht in ihr Leben passt!“
Miriam hatte noch stundenlang versucht, ihr verständlich zu machen, dass das, was sie tat, nicht richtig war, doch Liz ließ sich nicht beirren. Sie war davon überzeugt gewesen, dass Sophia schon sehr bald wieder demütig vor der Tür stehen würde. Sie hatte fest geglaubt, es wäre gut für Sophia einen Mann zu heiraten, der ebenfalls aus einer ähnlich wohlhabenden Familie wie sie stammt. Außerdem hatte sie David nach dem beurteilt, was sie über ihn gehört hatte. Sie war ihm nie persönlich begegnet, hatte kein einziges Wort mit ihm gewechselt. Sie war davon ausgegangen, dass sie Recht hatte.
Doch Sophia war nie aufgetaucht, hatte sich nur einmal nach ihrem Verschwinden gemeldet, um von der Eitelkeit ihrer Mutter erneut verletzt zu werden, und heute hatte Liz die Hoffnung, ihr Kind noch einmal wieder zu sehen längst aufgegeben.
Sie hatte zwar eingesehen, dass sie Fehler, unverzeihliche Fehler, gemacht hatte, aber dennoch hatte sie sich nie vorstellen können, je ernsthaft nach Sophia zu suchen. Zu groß war die Angst –vor was auch immer- gewesen.

Am nächsten Morgen wurde Liz von den Sonnenstrahlen und dem Gezwitscher der Vögel geweckt. Langsam stand sie auf und ging in die Küche um zu frühstücken. Die Morgenzeitung lag bereits auf dem Tisch, denn Thomas überflog sie immer, bevor er zur Arbeit ging. Langsam schlug Liz sie auf, als sie plötzlich von draußen ein lautes Poltern hörte. Erschrocken lief sie zum Fenster und sah hinaus.
Sofort erkannte sie den Grund des Polterns: Die Leiter, die immer an ihrem kleinen Gartenhaus lehnte, war umgekippt und auf das Kopfsteinpflaster gefallen. Neben der Leiter saß ein kleines Kind, nicht einmal zwei Jahre alt, und fing nun bitterlich an zu weinen.
Schnell warf sich Liz ihren Morgenmantel über und eilte zu dem kleinen Kind, um zu schauen, ob es sich verletzt hatte. Als sie am Gartenhaus angekommen war, sah sie, dass das Kind ein Mädchen mit kastanienbraunen Locken und himmelblauen Augen, die ihr seltsam bekannt vorkamen, war.
Liz bückte sich zu der Kleinen hinunter und wollte sie gerade auf den Arm nehmen, um sie zu trösten, als ein junger Mann zu ihr kam und rief: „Luise! Was machst du denn für Sachen! Du solltest doch im Garten bleiben.“
Er war wohl der Vater der Kleinen. Auf jeden Fall hatte er exakt dieselbe Haarfarbe, wie das Mädchen, welches er nun vorsichtig auf den Arm nahm, kontrollierte, ob sie sich verletzt hatte, sie dann beruhigte und sich danach Liz zuwendete: „Es tut mir sehr Leid, dass Luise ihre Leiter umgestoßen hat, aber ich habe sie nur einen Moment aus den Augen gelassen und da war sie auch schon weg…“
Entschuldigend sah er sie an, doch Liz winkte nur lächelnd ab: „Ach was, wichtig ist nur, dass sie sich nicht verletzt hat!“
Da sich die kleine Luise wieder beruhigt hatte und sich nun neugierig mit großen Augen umsah, setzte der junge Mann sie wieder ab und stellte die Leiter zurück ans Gartenhäuschen.
Mit einem „Ich bitte nochmals um Entschuldigung!“ und einem freundlichen Lächeln nahm er das Kind an die Hand und verschwand mit ihm aus dem Garten. Erstaunt beobachtete Liz, wie die beiden in der Einfahrt des Nachbarhauses verschwanden. Das waren also die geheimnisvollen Nachbarn. Sie sahen richtig nett aus! Ob es wohl auch noch eine Frau im Haus gab?
Liz wusste, dass sie einfach viel zu neugierig war, aber sie konnte es nicht ändern und so schaute sie im Laufe des Tages immer wieder aus dem Fenster zum Nachbarhaus, konnte allerdings nichts mehr sehen. Sie wunderte sch ein wenig, was die Nachbarn wohl den ganzen Tag machten, ohne dass man sie sah.

Thomas kam heute ziemlich früh von der Arbeit wieder. Nachdem er seine Aktentasche abgestellt, Schuhe ausgezogen und die Jacke abgelegt hatte, ging er zu Liz, die gerade das Abendessen zubereitete.
„Hallo Schatz!“, begrüßte er sie mit einem schnellen Kuss auf die Wange, „Hast du eigentlich schon die neuen Nachbarn kennen gelernt? Mir ist gerade ein junger Mann mit einem kleinen Mädchen begegnet. Luise hieß sie, glaube ich. Die zwei waren richtig freundlich.“
Liz nickte: „Ja, die beiden hab ich auch schon getroffen. Die Kleine hat die Leiter am Gartenhaus umgeworfen. Ich frag mich immer noch, wie sie das wohl geschafft hat!“
Plötzlich machte Thomas eine ernste und auch leicht traurige Miene.
„Was ist los?“, Liz sah ihn besorgt an.
„Ach weißt du…“, Thomas zögerte, „die Augen der kleinen sahen genauso aus, wie die von unserer Sophia! Sie hatten dasselbe wunderschöne Strahlen!“
Die Erkenntnis durchzuckte Liz wie ein Blitz. Natürlich! Sie hatte doch auch schon bemerkt, dass ihr die Augen seltsam bekannt vorkamen, sie hatte nur nie an Sophia gedacht!
Sollte sie etwa in das Nachbarhaus gezogen sein?
Betrübt schüttelte Liz den Kopf. Das wäre einfach zu schön, um wahr zu sein. Niemals würde Sophia wieder auch nur in ihre Nähe ziehen! Das musste sie einfach akzeptieren!

‚Ding Dong’
„Ich komme!“, schnell öffnete Liz die Tür, „oh, guten Tag!“
Der junge Mann, der anscheinend ihr neuer Nachbar war, stand lächelnd vor der Tür: „Ähm hallo! Wir sind ja jetzt schon ein paar Mal begegnet, aber konnten uns noch nicht so richtig kennen lernen und da dachten ich und meine Frau, wir könnten Sie ja einmal zum Kaffetrinken einladen. Würde es ihnen schon heute Nachmittag auskommen, Mrs. McEdwards?“
„Ja, das passt sehr gut. Mein Mann hat heute nämlich frei und…“, Liz war ein wenig